Mit zwei Sätzen abgespeist

In der Vorbereitung auf die Bundestagswahl habe ich mir das Wahlprogramm der SPD angesehen. Behinderte Menschen kommen darin so gut wie gar nicht vor.

Im Jahre 1998 war das noch anders. Damals hat die SPD einen kleinen Abschnitt ihres Wahlprogramms und später auch des Koalitionsvertrages mit den Grünen den Menschen mit Behinderung gewidmet. Im Wahlmanifest für 2005 ist das anders. Es kommen nur zwei Sätze vor, die allgemein erklären, dass Ausbildung und Beruf behinderten Menschen eine größere Teilhabe sichern, deshalb würde man dieser Aufgabe, also Arbeitsplätze und Ausbildungsmöglichkeiten für Behinderte zu sichern, „auch in Zukunft“ einen hohen Stellenwert einräumen. Dass ich nicht lache!!

Mein Gott, mit wie vielen Hoffnungen sind wir 1998 aufgebrochen? Endlich ein sogenannter Paradigmenwechsel in der Behindertenpolitik! – Endlich wurden wir an den Entscheidungen über uns mehr beteiligt. Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Haack, war für uns ein echter Glücksfall und hat sich sehr bemüht. Anfangs wurde mit ihm viel erreicht. Da war das Gleichstellungsgesetz, das zwar vieles zu wünschen übrig lässt, aber immerhin überhaupt mal eine Aktivität war, wie schlecht auch immer man sie bewerten kann. Jetzt aber sind nur noch die Kosten wichtig, und es ist nur noch die Arbeit interessant. Dabei ist gesellschaftliche Teilhabe die Grundvoraussetzung für alles andere.

Das Wahlprogramm der SPD ist enttäuschend, aber ich werde mir auch die anderen Wahlprogramme gewissenhaft durchlesen.

Copyright © 2005, Jens Bertrams.

Über Jens Bertrams

Jahrgang 1969, Journalist bei www.ohrfunk.de, Fan der Niederlande und der SF-Serie Perry Rhodan.
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Comments

2 Kommentare zu Mit zwei Sätzen abgespeist

  1. Das Nest sagt:

    Auch ich habe mir das Parteiprogramm der SPD zu Gemüte geführt, und ich finde es nicht nur in der Behindertenpolitik enttäuschend, platt und unfertig. Es ist anscheinend auch das kürzeste von allen Parteiprogrammen. Neben einigen Steckenpferden, die es bei den Sozialdemokraten nunmal geben muß, ist der eintönige, verzweifelte Tenor immer nur: wir versprechen Arbeitsplätze, wir versprechen Arbeitsplätze! Das hat höchste Priorität!

    Mit diesem Credo lassen sich keine Stimmen gewinnen, erst recht nicht, wenn die Frage, wie das bewerkstelligt werden soll, hinter PHrasen und Schlagworten verschwindet, die keiner mehr hören kann, solange wurden sie einem in den letzten Monaten ins OHr gedroschen. Es wirkt, als habe ein Computer die als am wirksamsten berechneten Schlagworte beliebig zusammengeworfen und mit einem höchst stillosen Text verbunden. Nun müssen Parteiprogramme keine literarischen Werke sein, aber ein wenig ansprechend sollten sie vielleicht schon gestaltet sein. Ich konnte das Parteiprogramm nur beim Thema Bildung wirklich ernst nehmen.

  2. Ich denke fast, dass du recht hast. Die hohlen Phrasen der letzten Jahre, immer wieder das Wort von der Agenda 2010, den notwendigen Reformen. Man will uns einfach einhämmern, dass da jemand ist, der Herr Bundeskanzler eben, der zu seinem Wort steht. Oh ja. Er kann jetzt als Staatsmann seinen Abschied nehmen. Was wir bekommen, ist wohl Angela Merkel.

    Übrigens: Das mit den vom Computer zusammengewürfelten Phrasen war mir auch schon durch den Kopf gegangen.

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