Rückschritt für Integration behinderter Menschen

Dass die Interessen behinderter Menschen eigentlich oft untergehen, wenn es auf der anderen Seite um kommerzielle Interessen geht, ist uns ja schon bekannt. Das neueste Beispiel betrifft das Kanzlerduell am kommenden Sonntag.

Der deutsche Gehörlosenbund hatte nämlich gefordert, dass der Fernsehsender Phoenix, der schon die Tagesschau und das Heutejournal in Gebärdensprache ausstrahlt, das Kanzlerduell zeitversetzt mit Gebärdensprache ausstrahlen darf. Die Privatsender wehrten sich und verlangten, dass auch ihre Nachrichtensender N-24 und N-TV das Recht zur Ausstrahlung erhielten. Das lehnten die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ab. Somit wird es keine für Gehörlose erlebbare Fassung des Duells geben. Und das, obwohl PolitikerInnen der verschiedensten Parteien eine einigung forderten.

Für mich ist das bezeichnend. Marktinteressen auf beiden Seiten, und zwar bei den Privatsendern und bei den öffentlich-rechtlichen Sendern verhindern die gleichberechtigte Integration behinderter Menschen. Das ist ein Skandal, der zeigt, wie weit wir mit unserer Integration wirklich sind. Das Behindertengleichstellungsgesetz hat in dieser privatrechtlich dominierten Debatte nichts gebracht, also muss es verbessert werden und lässt den Schluss zu, dass wir viel intensiver für ein besseres Gesetz hätten kämpfen müssen, als noch Zeit dazu war. Aber wir in Deutschland geben uns oft und schnell mit dem vermeintlich Machbaren zufrieden, obwohl etwas mehr Standhaftigkeit vielleicht einen besseren Erfolg zeitigen würde und auch klar machte, dass wir uns nicht erpressen lassen würden.

Das schreibe ich in großer Wut, und außerdem möchte ich mich dafür entschuldigen, dass ich jetzt bei diesem Beitrag auf Links verzichtet habe, man kann sich überall informieren. Vor allem bei den Kobinet-Nachrichten.

Copyright © 2005, Jens Bertrams.

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Über Jens Bertrams

Jahrgang 1969, Journalist bei www.ohrfunk.de, Fan der Niederlande und der SF-Serie Perry Rhodan.
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