Was sagen einem Blog-Statistiken?

Was sagen einem Blogstatistiken? Lange habe ich mir die Meinen gar nicht mehr angeguckt, irgendwie hab ich gedacht, das ist alles nur deprimierend. Und nach dem Lesen weiß ich nicht so recht, ob es stimmt.

In diesem Monat habe ich pro Tag im Durchschnitt 21 Besucher in meinem Blog. Die allermeisten kommen von Suchmaschinen, und sie stolpern über das Wortpaar „ausführlicher Lebenslauf“. Das ist nicht gerade schmeichelhaft für mein Blog, oder?:-) Durchschnittlich halten sich die Besucher 1 Minute und 27 Sekunden auf meinen Seiten auf, in den letzten Tagen allerdings etwas länger, nämlich 2 Minuten und 3 Sekunden. Was war noch? Ach ja: Wenn es nach den Statistiken geht, bringt mir meine Blogroll überhaupt nichts. Die Leute verlassen über die Blogroll mein Blog, aber weil ich kaum irgendwo anders in einer Blogroll stehe, mit zwei sehr rühmlichen Ausnahmen:-), kommen sie nicht über eine Blogroll bei mir an.

Und dann hat mir meine Liebste gestern noch gesagt, ich sollte meine Berichte nicht so schreiben, wie Aufsätze eines Professors oder eines Abiturienten, sondern etwas persönlicher und aufgelockerter. Vielleicht hat sie recht, ist bloß bei politischen Berichten irgendwie mein Stil.

Und was lernen wir nun aus den Statistiken? Ich finde sie superspannend, ich lese sie gerne, auch wenn ich mich lange zurückgehalten habe. Aber es gibt so Ratschläge, die kann man echt in der Pfeife rauchen. Einer lautet: Schau dir an, was die Leute wissen wollen, die auf dein Blog kommen, und richte dich in deinen Inhalten danach. Wenn es danach geht, dann dürfte ich jetzt nur noch ausführliche Lebensläufe veröffentlichen, und ich sollte unbedingt bei unserer Familienministerin, Ursula von der leyen, damit anfangen. Nach der wurde nämlich auch sehr oft gesucht. Dieser Ratschlag hilft also gar nichts.

Kommt natürlich noch etwas hinzu: Politik, Religion, Behinderung, – das sind nicht so die Themen in Blogs, vielleicht mit Ausnahme der Behinderung, wenn ich es mir so recht überlege. Aber ich habe keine Lust, ein typisches Behindertenblog zu schreiben. Ich habe lange in der Lobbyarbeit für Menschen mit Behinderungen mitgearbeitet und tue das auch durchaus noch. Aber ich will mich nicht darauf reduzieren.

Ergebnis: 95 Prozent meiner Besucher kommen über Google und wollen was über einen Lebenslauf, vor allem von Ursula von der Leyen, wissen. Sie halten sich, wegen der Unergiebigkeit, oft weniger als eine Sekunde hier auf und gehen wieder. Und ich denk mal drüber nach, kürzere Artikel zu schreiben:-).

Die Statistiken zu lesen war sehr unterhaltsam, aber mir ist auch etwas erstaunliches aufgefallen. Ich habe doch einen Bericht über „Das Eva-Prinzip“ von Eva Herman geschrieben. Ich hatte angenommen, dass das – zumindest vorübergehend – die Besucherzahlen in die Höhe schnellen lassen würde, weil das Thema doch so in ist. Weit gefehlt. Nicht ein einziges Suchergebnis befasste sich mit diesem Thema. Das fand ich interessant. Vielleicht interessieren sich doch erheblich weniger Menschen für diese Auseinandersetzung, als die Medien uns glauben machen möchten? Auf jeden Fall regt mich das Lesen dieser Statistiken zum Nachdenken an. Wie ist es bei euch, liebe Leserinnen und Leser? Lest ihr auch hin und wieder eure Blogstatistiken? Na, dann hoffe ich mal, dass ihr erfreuliche Ergebnisse kriegt.

Copyright 2006, Jens Bertrams.


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Über Jens Bertrams

Jahrgang 1969, Journalist bei www.ohrfunk.de, Fan der Niederlande und der SF-Serie Perry Rhodan.
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Comments

6 Kommentare zu Was sagen einem Blog-Statistiken?

  1. sunniva sagt:

    sehr interessant!

    nun habe ich ja keinen blog. aber hätte ich einen, würde ich glaube ich nur die statistiken dazu durchblättern 😉

    nur 21 leute? das überrascht mir wirklich. ich finde deinen blog eigentlich ziemlich interessant 🙂
    und selbst wenn ich nicht kommentiere, kannst du davon ausgehen, dass ich aufmerksam lese. ich halte mich jedenfalls länger als 2 minuten hier auf.

    eva herman halten die leute glaube ich einfach -zu recht (wage ich zu behaupten, obwohl ich das buch nicht gelesen habe) für eine spinnerin, die keine aufmerksamkeit verdient. da die allermeisten ihre theorie wohl für zu abwegig halten, um sich überhaupt näher damit zu beschäftigen, recherchiert wahrscheinlich auch niemand über sie. das soll jetzt keine kritik an deinem beitrag sein, den ich gerne gelesen habe. nur eine kleine ursachenforschung. davon abgesehen, ist der herman-hype inzwischen wahrscheinlich einfach schon abgeklungen…

    ps: ich hoffe, es stört nicht, wenn ich von blogs immer im maskulinum schreibe? ich finde einfach, dass sich das richtiger anhört.
    und auch meine nichtssagenden „drei-punkte…“ sowie die ignorante kleinschreibung bitte ich zu entschuldigen, aber ich bin im internet einfach sehr faul…

  2. @Sunniva: Mich stören keine Kleinbuchstaben und keine drei Punkte. Das mit dem maskulinen Blog finde ich interessant, es kommt ja von einem Logbuch, also das log im Web, das Weblog also. So habe ich es mal gelernt, aber vielleicht stimmt das ja nicht.

    Der Herman-Hype ist abgeklungen? Nicht wenn man die Bücherverkaufszahlen sieht. Und was meinen Beitrag angeht, ich bin ja nun auch nicht gerade ein Freund von ihr…

    Nein, ich will mal versuchen, mein Blog (ich bleibe, wenn du erlaubst, beim Neutrum) etwas attraktiver zu gestalten. Deshalb auch die Aktion mit dem neuen Namen.

  3. Claudia sagt:

    „Aufsätze eines Professors“ – das hat sie schön formuliert, deine Liebste.
    Zu den Statistiken gibt es 1001 Ratschläge. Der beste ist der, den eigenen Stil und die eigenen Themen zu finden.

  4. @Claudia: Natürlich, diesen Rat beherzige ich, ich schreibe, wie ich schreibe, und die Themen kennt man ja. Ich schreibe, was ich interessant finde.

    Deswegen denke ich auch, dass ein neuer Name her muss, weil ich nämlich eine Weile brauchte, um dieses Blog so zu gestalten, wie ich es haben will, und jetzt muss das auch irgendwie nach außen getragen werden.

  5. sunniva sagt:

    ich meine, laut duden und „allgmeiner lehrmeinung“ wäre das blog richtig.
    bei manchen formulierungen rutscht mir das auch ungewollt heraus. aber eigentlich schreibe ich automatisch „der blog“. und ich will nicht nach jedem text die grammatik auf diesen fehler hin untersuchen 😉

  6. Das Nest sagt:

    Hallo! Ich weiß, daß es sich immer gut anfühlt, wenn sich viele Menschen für das interessieren, was man so macht. Aber ich persönlich hätte lieber ein par wenige Leser, denen echt gefält, was ich mache, als viele oberflächliche. Verstehen kann ich Dich natürlich trotzdem. Und ich wünsch Dir in Zukunft mehr interessierte Leute. Aber mir gefällt’s.

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