Zu spät erfahren – Frauenrechtlerin erhielt Bürgerpreis

Die von mir hoch geachtete Menschenrechtsaktivistin Ayaan Hirsi Ali ist vor rund 2 Wochen mit dem Kasseler Bürgerpreis Glas der Vernunft ausgezeichnet worden, und ich habe viel zu spät davon erfahren.

Ayaan Hirsi Ali, die mutige ehemalige niederländische Parlamentsabgeordnete, bekommt wegen ihres mutigen Auftretens für die Rechte der muslimischen Frauen diesen Bürgerpreis. Wer anders als Alice Schwarzer hielt die Laudatio. Ich habe gestern zufällig durch einen Freund davon erfahren, der sagte, dass sie durch Deutschland toure, um ihr neues Buch vorzustellen: „Mein Leben, meine Freiheit“. ich frage mich, wie der niederländische oderenglische Originaltitel heißt. Ich hätte sie gern einmal live gesehen, und ich hätte gern mit ihr ein Interview geführt. Der Film, den sie mit Theo van Gogh gemacht hat, und dessentwegen er umgebracht wurde, weil man an sie nicht herankam, wurde aus Angst vor islamistischem Terror nie wieder gezeigt. Ich habe ihn im letzten Jahr mit einer deutschen Beschreibung versehen und in unserem Internetradio zu Gehör gebracht, weil ich dieses Zurückweichen falsch finde. Hier in Deutschland wurde eine Oper abgesetzt, aus Angst, die Gefühle der Muslime zu verletzen. In Großbritannien geht man inzwischen so weit, dass Banken in ihren Verkaufsräumen keine Sparschweine mehr aufstellen, denn das Schwein gilt bei den Muslimen als unrein. Ayaan Hirsi Ali nennt das die „schleichende Sharia“. Mir häte es spaß gemacht, mit ihr ein Interview zu führen, wenn es mir denn gelungen wäre. Ich kann ihre inzwischen konservative Ausrichtung nicht verstehen, das ändert aber nichts daran, dass ich sie dafür bewundere, dass sie weitermacht, trotz der Gefahr, der sie täglich ausgesetzt ist.

Copyright 2006, Jens Bertrams.


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Über Jens Bertrams

Jahrgang 1969, Journalist bei www.ohrfunk.de, Fan der Niederlande und der SF-Serie Perry Rhodan.
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Comments

6 Kommentare zu Zu spät erfahren – Frauenrechtlerin erhielt Bürgerpreis

  1. mike sagt:

    Mijn vrijheid, de titel van de door een ghostwriter geschreven autobiografie.
    Exakt: 2006 – Mijn vrijheid, de autobiografie Uitgeverij Augustus
    ISBN 9045701006
    Soviel zu Deiner Frage.

    Du kannst ihre mittlerweile konservative Ausrichtung nicht verstehen?
    Du übersiehst in deinem „political correctness“ etwas.
    Sie hat gelogen. Punkt.
    Es ist nicht ihr Name und sie kommt auch nicht aus einem Flüchtlingslager, sie kommt aus einer (für die dortigen Verhältnisse) mittelständischen, studierten Familie. In den Niederlanden wechselte Sie von der PvdA, als Sie von den dortigen islamischen (liberalen) Aktivisten Gegenwind bekam, in die (damals schon) rechtskonservative VVD. Diese suchte damals, und sah den Erfolg von Jörg Haider in Österreich oder von Fortuyn in NL, etwas Populäres, etwas Extremes, etwas was die Leute radikalisiert. Sie wollten sich von Fortuyn nicht das Wasser (=rechte Wähler) abgraben lassen.
    Hey, da schau her, schwarz, hübsch und machtgeil; passt zu uns. Und es funktionierte ja auch.
    Sie ist, einfach nur, ein weiterer, völlig verständlicher, Armutsflüchtling und jagt ihre persönlichen Dämonen, aber gehe ihr nicht auf den Leim. Ihre Ansätze sind völlig klar und auch absolut durchschaubar. Aber, bei aller Liebe, sie ist ein Rattenfänger (Neudeutsch: Demagoge, Populist).
    Fazit: Sie ist nicht neuerlich konservativ, sie war schon immer stockkonservativ.
    Was wir, Christen, lernen müssen, sind simple Gebote: Hole nicht Millionen von Fremdarbeitern mit einer deutlich anders geratenen Religion ins Land und dann kümmer Dich anschließend nicht darum. Hauptsache sie machen die Jobs, die keiner von uns machen will.
    Was passiert wenn die Muslime die Tausenden von toten islamischen Bergarbeitern beklagen; die auf den, sie mussten immer die Dreckjobs (ungeschützt übernehmen), katholischen Friedhöfen liegen, wo sie ums verrecken nicht liegen sollten. Das wird kommen, eines Tages, irgendwann.

    Wir haben alle nicht nachgedacht, wir sind alle schuldig.

  2. Pingback: dutchblog.de » Blog Archive » Ruhe vorm Sturm

  3. @Mike: Ich war mir über Ayaan Hirsi Ali auch nicht immer sicher. Abe ich muss dir widersprechen. Ich finde sie nicht Machtgeil, obwohl ich nicht verstehe, wie sie bei ihren Themen in die VVD gehen konnte. Auch ihre Parlamentsanträge zum Schutz der durch Ehrenmorde bedrohten Frauen und so weiter passten nicht zur VVD. Ich finde tatsächlich nicht, dass sie ein so schlechtes Bild abgibt. Ich habe ihr Buch „ich klage an“ gelesen, und es hat mir sehr gut gefallen. Vor allem auch die passagen über einen muslimischen Voltaire, den man braucht. ich kenne Submission und halte es für wichtig, das zu sagen, was sie dort gesagt hat. Sie bricht mit Tabus und sie radikalisiert, weil sie mit ihrer persönlichen Meinung nicht hinter dem Berg hält. Ich bin nicht mit allem einverstanden, was sie sagt, aber dafür sind es auch mehrere Meinungen. Trotzdem finde ich ihre bisherige Arbeit und ihre Äußerungen gut, sofern sie sachlich nachgeschoben werden.

    Kann mir vorstellen, dass sie einem Ghostwriter es überlassen hat, ihr Buch auszuformulieren.

    Ja, sie hat gelogen und es später zugegeben. Das steht aber glaube ich auch im Deutschen Wikipedia-Artikel schon drin.

  4. mike sagt:

    Wenn Du bei mir wärst würde ich Dich umarmen. Das ist sooo romantisch, so hoffnungslos ehrlich, so dermaßen „Totalbescheuert“. Dafür muss ich Dich knutschen. 😉
    Ganz ehrlich, du bist wahrscheinlich nicht der einzige Mensch der auf diesen Begriff abgefahren ist, diese Definition muss wiederholt werden: muslimischer Voltaire. Puuh, da bleibt nicht viel.
    Ganz ehrlich, das ist gequirlte Kacke, ein PR Doofkopp Angriff. Voltaire, Schwachsinn. Voltaire hat ständig rumgenölt, erkenne die Absicht, erkenne den Wunsch. Was bleibt ist: Mich hat keiner als neuer Voltaire nominiert, also mach ichs selbst, aber ich bin ja nicht dämlich, darum mache ich es von links, klappt es dort nicht, mache ich es von rechts. Die Frau ist gestört, die leidet unter einer Hybris, das geht alles so nicht, nothing.

    Welche Auflage von „Ich klage an“ hast Du gelesen, viel Gesülze und etwas was bei mir immer übel aufstößt ist: Populismus.
    Mir ist völlig klar, das Sie (teilweise) etwas beschreibt was Realität ist.
    Grauenhaft, keine Frage.
    Ich definiere mich als Christ (innerhalb des kompletten Spektrum, bloß keine Panik) und eben dieser christliche Religionsgründer Jesus Christus ist auch ein Heiliger der Muslime, die 10. Gebote sind ebenso bindend. Ist das bekannt? Nö! Und? Bin ich jetzt ein besserer Mensch, weil mir dies bekannt ist. Natürlich nicht.
    Ach, es ist herrlich einem empörten Moralisten zuzuhören.
    Dafür alleine lohnt sich ein Blog. In diesem Sinne…

    …Nur das Beste…

    Mike

    P.S.: Es gibt keine Tabus, in einer demokratischen Gesellschft gibt es solche nicht. Wirklich.

  5. Sorry, Mike, so sehr mich dein Freudenausbruch freut:-), so sehr bin ich immer noch anderer Meinung. Auch ich hasse Populismus. Aber was ich auch hasse, und ich kriege als Behinderter auch viel davon ab, ist eine bestimmte Form der politischen Korrektheit. Man muss doch, ohne individuelle Personen anzugreifen, mal auf Strukturprobleme hinweisen dürfen. Darum sagt Ayaan Hirsi Ali immer, ich rede nicht über die Muslime, ich rede über den Koran. Sie ist in dieser Gesellschaft aufgewachsen, zumindest zuhören sollte man ihr, anstatt wie viele hier im Westen von vorneherein alles besser wissen zu wollen.

    Was das mit dem Voltaire angeht, so meint doch niemand, dass dieser islamische Voltaire genau so sein muss, wie der christliche. Aber alles was Philosophie, Staatsentwicklung und Wissenschaft betrifft, hat bei vielen Muslimen bei Ibn Sina (Avi Zenna) aufgehört. Eine innere auseinandersetzung mit der Religion auf friedliche Weise, das kann der Islam sicher gut gebrauchen. Das kann Ayaan schon nicht mehr machen, denn sie hat öffentlich bekannt, keine Muslima mehr zu sein. Einer ihrer letzten Sätze in ihrem neuen Buch, in das ich schon mal reingeschnuppert habe, lautet: Es ist mir lieber, die Macht wissenschaftlich zu beobachten, als sie auszuüben, denn Politik sei auch nur so, wie sie es gelernt habe in ihrer Kindheit: Clan gegen Clan, Stamm gegen Stamm, Kandidat gegen Kandidat.

    Auch ich wünsche dir nur das allerbeste:-)q

  6. Pingback: Glaube versetzt … Richterinnen – und die Öffentlichkeit in Aufregung | Mein Wa(h)renhaus

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