Terroristen nutzen Menschlichkeit schamlos aus
Gerade habe ich gelesen, dass die Israelische Armee einen Angriff auf ein Haus in Gaza abgeblasen hat, weil sich dort hunderte Menschen verschanzten. Palästinensische Militante haben die Bevölkerung aufgerufen, künftig Angriffe von Israel auf diese Weise zu verhindern. Ich nehme aber an, dass man selbst nicht von Attentaten Abstand nehmen wird.
Hierzu fällt mir nur noch perfide ein! Da gibt es einen Anschlag in Israel, die israelische Armee findet einen der Drahtzieher und entschließt sich, sein Haus zu bombardieren. Über den Wert oder Unwert dieser Maßnahme kann man sich ja streiten, vor allem dann, wenn die Bevölkerung vorher aufgerufen wird, das Gebiet zu verlassen, damit keine Menschen zuschaden kommen, wie es hier offenbar geschehen ist. Aber was machen die militanten Palästinenser? Sie sorgen dafür, dass sich hunderte von Menschen in dem Haus befinden, die sie bewusst der Gefahr aussetzen, bei dem Angriff getötet zu werden. Oder sie planen ein und wissen, dass Israel dann aus humanitären Gründen nicht angreifen wird. Man plant also ganz klar die westliche Schwäche ein, doch etwas Menschlichkeit selbst in einem brutalen Krieg walten zu lassen. Und selbst? Nun haben die muslimischen Extremisten einen großen Vorteil. Vorerst zumindest, bis Israel gezwungen ist, wieder eine Grenze zu überschreiten und keine Rücksicht mehr zu nehmen. Die Militanten können Selbstmordanschläge ohne Ende durchführen. Ihr Leben und das ihrer Mitbürger kümmert sie nicht, sie warten auf die Datteln oder Jungfrauen im Paradies. Die lebenden Schutzschilde haben nämlich nur deshalb einen Sinn, weil Israel trotz lang andauerndem Krieg immer noch Menschlichkeit üben will. Zumindest was Unschuldige betrifft. Und das machen sich die Militanten zunutze.
Es ist schwer, gegen einen Feind zu kämpfen, der selbst keinerlei Hemmungen und Grenzen kennt. Solange solche Menschen in irgendeiner Form die Macht haben, solange wird dieser Konflikt nicht enden. Es nützt allerdings auch nichts, sie einzeln oder in Scharen zu töten. Sie sind märtyrer, und sie sind wie die Köpfe der Hydra: Wo du einen abschlägst, wachsen sieben neue nach. Man muss ihnen den Boden und Rückhalt in der Bevölkerung entziehen. Wie? Das weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Wohlstand, Anerkennung und Gleichberechtigung sind oft nur Tünche, und sie böten den Radikalen noch mehr Möglichkeiten. Das heißt übrigens nicht, dass ich jetzt gegen einen Staat Palästina wäre, der massive Wirtschaftshilfe erhalten müsste. Absolut nicht, ich bin für den UNO-Teilungsplan, Aber auf beiden Seiten müssen die Voraussetzungen für ein friedliches Miteinander herrschen. Und die sehe ich derzeit nicht.
Copyright 2006, Jens Bertrams.