Mit Presseausweis und Sicherheitskontrolle – Bericht über den Bundespräsidentenbesuch in Marburg

Der Bundespräsident, Prof. Dr. Horst Köhler, besuchte gestern Marburg. Ich war als Pressevertreter dabei und hatte einen interessanten Tag.

Eigentlich hatte Ohrfunk ja über den Besuch live berichten sollen. Im September, bei unserer ersten Liveübertragung aus der Sporthalle der deutschen Blindenstudienanstalt, war das ausgemacht worden. Aber so nach und nach stellte sich heraus, dass es so einfach nicht gehen würde. Als ende Oktober sich die ersten Grundzüge des Besuchsprogramms abzeichneten, wurde deutlich, dass der Bundespräsident den größten Teil seiner Zeit mit den Schülerinnen und Schülern der BliStA in Nichtöffentlicher Sitzung sprechen wollte. Es hieß, es werde eine kurze Begrüßung geben, dann wolle der Bundespräsident mit den Schülerinnen und Schülern, aber auch mit einigen Blinden Studentinnen und Studenten sprechen, und am Schluss solle es einen allgemeinen Empfang geben, wobei der Bundespräsident auch Pressefragen beantworten würde. Ich verzichtete auf die Liveübertragung und bereitete mich darauf vor, den hohen Gast zu interviewen.

In den letzten Wochen vor dem Besuch, der übrigens anlässlich des 90jährigen Bestehens der BliStA stattfand, wurden die Verantwortlichen immer wütender. Die Leute vom Bundespräsidialamt schränkten die öffentlichen Teile des Besuchs immer mehr ein. Manche fragten sich hinter vorgehaltener Hand, ob der Besuch die Arbeit überhaupt wert sei, denn große Publicity ließ sich damit nicht machen.

In den letzten Tagen nahm meine Aufregung ganz langsam zu. Ich hatte eine Mail bekommen, die mir die Akkreditierung als Pressevertreter bestätigte. Es war das erstemal, dass ich mich akkreditieren musste. Personalausweis musste ich mitbringen, vorher schon meine Daten angeben, Name, Geburtsdatum, Sender, für den ich arbeitete. Natürlich stellte sich für mich auch die Frage: Was hziehe ich an? Für einen Hartz-IV-Empfänger, der auch einiges an Übergewicht mit sich herumschleppt, ist die Frage nicht einfach zu beantworten. Also musste ich in meinen best erhaltenen Alltagsklamotten los ziehen, was mich nicht besonders fröhlich stimmte, aber unvermeidlich war. Im Bestätigungsschreiben meiner Akkreditierung hatte es geheißen, es gebe rund um das Gelände der Blindenstudienanstalt an diesem Tag keine Parkplätze. Normalerweise fahre ich gern mit einem Freund mit dem Auto zu solchen Veranstaltungen, vor allem dann, wenn ich ein Auge benötigen konnte. Diesmal allerdings hatte ich darauf verzichtet, und mich stattdessen Franz-Josef Hanke angeschlossen, der für seine lokale Internetzeitung einen Bericht geschrieben hat. Er ist ebenfalls blind und hatte eine Begleiterin dabei, die dankenswerterweise auf uns beide aufpasste:-). So kam es, dass wir sehr frühzeitig, so gegen halb zwei, an der BliStA ankamen, unser Freund hatte uns noch hingefahren, sich dann aber sofort wieder verabschiedet. Von Franz-Josef hatte ich erfahren, dass es gegen den Besuch des Bundespräsidenten, der in Begleitung des hessischen Ministerpräsidenten Koch anreiste, eine Demonstration geben sollte. Die Studentinnen und Studenten hier in Marburg wehren sich gegen die verfassungswidrigen Studiengebühren, die in Hessen eingeführt wurden, und zwar gegen den ausdrücklichen Verfassungswortlaut. Deshalb machte unser Freund, dass er noch vor Demonstrationsbeginn die Innenstadt verlassen konnte.

Wir drei übriggebliebenen marschierten also in die Sporthalle, wo das Großereignis beginnen sollte. Beamte des BKA kontrollierten uns flüchtig, unsere Begleiterin bekam eine Tasche abgenommen, auf der „Die Linke“ stand, und der Herr vom BKA sagte: „Taschen bleiben draußen, keine Aktionen in der Halle!“ Eine gewisse Nervosität war also durchaus zu spüren. Ein Schüler der BliStA, der einen Aufkleber trug, auf dem eine Faust ein Hakenkreuz zertrümmerte, wurde allerdings nachher anstandslos hineingelassen.

Kaum hatten wir uns – natürlich viel zu früh – in der Halle niedergelassen, mussten wir zur offiziellen Akkreditierung ins Büro des Pressesprechers gehen, wo wir ein Umhängeschild mit unserem Namen und dem Zusatz „Presse“ erhielten. Es war auch für mich ein völlig neues Gefühl, mit so einem Ding herumzulaufen und sofort einer bestimmten Gruppe anzugehören. Außerdem erhielten wir eine Einlasskarte für den späteren Empfang, worauf ich mich freute, denn dort würde sich die Gelegenheit ergeben, dem Bundespräsidenten ein paar Fragen zu stellen. ich hatte mir vorgenommen, ihn zu fragen, wie er die Aufgabe der Politik im Hinblick auf gesellschaftliche Integration behinderter Menschen einschätzt. Aber, um es gleich vorwegzunehmen, dazu kam es nicht.

Kaum waren wir wieder in der Sporthalle und unterhielten uns zum Zeitvertreib, kam die Assistentin des BliStA-pressesprechers und nahm uns die Einlasskarten wieder ab. Es täte ihr leid, aber es wären zu viele geladene gewesen. Also wurden wir ausgeladen. Abgesehen davon, dass ich das ganz persönlich unhöflich finde, und abgesehen davon, dass es uns die Möglichkeit nahm, mit dem Bundespräsidenten zu sprechen, weswegen wir ja im Grunde da waren, habe ich in diesem Zusammenhang auch große Kritik an der Organisation des Besuches. Man weiß doch von vorneherein, wieviele Leute kommen, warum lässt man sich die Leute Wochen vorher anmelden. Dann erst die Einlasskarte und Wochen vorher die Zusage zu bekommen, dann aber sie abgenommen zu bekommen, als wäre man irgendwie nicht würdig hinzugehen, als wäre man eben kein Freund und Förderer der Einrichtung, das ist tatsächlich beschämend. Gut, dass das niemand anders mitbekommen hat. Ich frage mich, wie vielen anderen Leuten die Einladungen noch schnell wieder abgenommen wurden, wieviele öffentlich als Ausgeladene dargestellt wurden.

Ich behielt Wut und Scham für mich und wartete. Gegen 14:15 Uhr wurden wir noch einmal, eher schlecht als recht, über den Ablauf des Besuches informiert. Der Pressesprecher der BliStA war gerade erst von der am Donnerstagabend stattgehabten Bambiverleihung für einen seiner Schüler zurückgekommen und musste sofort wieder ran. Im Laufe des Nachmittages entstand zumindest unter uns blinden Journalisten immer wieder Verwirrung darüber, wo nun was stattfand. Das hatte übrigens auch den Grund, dass die BliStA nicht gerade berühmt für ihre Blindenfreundlichkeit ist. Alle Materialien gab es in Schwarzschrift, und zwar ausschließlich. Das galt leider auch für die Pressemappe mit zusätzlichen Informationen. Ich hätte sie mir in digitaler Form gewünscht, dann könnte ich nämlich jetzt auch schreiben, was die Schülerinnen und Schüler den Bundespräsidenten während ihres Gesprächs gefragt haben. Interessanterweise stand das nämlich schon in den Pressematerialien, obwohl das Gespräch noch gar nicht stattgefunden hatte, was beweist, wie sorgfältig auch so ein scheinbar offenes und zwangloses Gespräch geplant wird. Als der Bundespräsident um 15 Uhr eintraf, gab es zuerst ein klassisches Klavierstück einer ehemaligen BliStA-Schülerin, dann begrüßte der Vorsitzende der Einrichtung, Jürgen Hertlein, den Bundespräsidenten, der eine kurze Rede hielt. Er freue sich auf das Gespräch, und er wolle von den SchülerInnen und Schülern hören, wo sie der Schuh drücke und nicht nur Lob und eitel Sonnenschein. Angesichts der Pressematerialien hätte er sich das Gespräch auch schenken und die Blätter durchlesen können. Aber gut.

Meine Kritik in diesem Punkt ist vielleicht etwas unangebracht. Immerhin nahm sich der Bundespräsident 35 Minuten mehr Zeit für den Besuch als geplant. Zuerst dauerte das Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern länger, wodurch er zu spät zum Empfang kam. Vor dem Speisesaal, in dem der Empfang stattfand, warteten wir Journalisten in der Kälte. Natürlich, aber das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, passierte mir gerade an diesem Tag ein großes Missgeschick: Mein Akku war alle, und hätte der Bundespräsident tatsächlich mit mir gesprochen, so hätte ich es nicht mal aufzeichnen können.

Über den inhaltlichen Rest des Besuches hat Franz-Josef Hanke in seinem Bericht genug geschrieben. Ich hatte am Ende das Gefühl, dass der interessanteste Teil die Diskussion mit den demonstrierenden Studenten war. 8 der gegen Studiengebühren demonstrierenden Studenten wurden nämlich zum Bundespräsidenten vor seiner Abreise vorgelassen, und er debattierte mit ihnen. Franz-Josef und ich standen dabei. Köhler versprach, dass er Studiengebühren nur so lange gut heiße, wie die Möglichkeit für weniger begüterte Studierende erhalten bliebe, ein Studium durchzuführen. Darauf könne man ihn jederzeit festlegen, sagte der Bundespräsident.

Alles in Allem bin ich ein wenig enttäuscht. Ein großes Sicherheitsaufgebot, eine kleine Demonstration, eine persönlich gehaltene, aber nichtssagende Eröffnungsrede, ein interessantes Gespräch und ein Empfang, von dem wir ausgeschlossen waren bzw. nachträglich ausgeschlossen wurden, und Kein Wort am Ende des Besuches. Wie gesagt: Das interessanteste war das Gespräch mit den Studentinnen und Studenten.

Und ich habe gelernt, dass es für mich wesentlich schwerer ist, meine Journalistischen Aufgaben ohne sehende Begleitung durchzuführen.

Copyright 2006, Jens Bertrams.


Technorati : Behinderung, Besuch Blindenstudienanstalt, Bundespräsident, , Marburg, , Schule, Studiengebühren, , sehbehindert

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Über Jens Bertrams

Jahrgang 1969, Journalist bei www.ohrfunk.de, Fan der Niederlande und der SF-Serie Perry Rhodan.
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Comments

9 Kommentare zu Mit Presseausweis und Sicherheitskontrolle – Bericht über den Bundespräsidentenbesuch in Marburg

  1. Das Nest sagt:

    Also, wenn Du mich fragst, war das aber doch eine ganz schöne Farce, oder? Journalisten einfach auszuladen, ist wirklich kein guter Stil. Und das mit den Schwarz-, also NOrmalschrift-Pressemappen und Materialien ist mal wieder typisch. Hätte ich aber nicht gedacht, daß sogar die Schülerfragen vorbesprochen waren. Das finde ich fast noch das peinlichste!

  2. Christiane sagt:

    Was für eine Posse! Aber andererseits auch ein wenig Kritik an Euch: Wieso lasst Ihr Euch denn ausladen? Meint Ihr die Kollegen des HR oder der Agenturen sind auch ausgeladen worden? Im Leben nicht, das macht man nur mit den blinden, nicht so gut angezogenen Leuten. Ihr nehmt doch nicht so viel Platz weg, als dass man Euch nicht noch in den Saal bekommen hätte. Lasst Euch doch nicht so verarschen!

    Und den Pressesprecher, der keine barrierefreien Pressemappen ausgibt, obwohl er weiß, dass blinde Journalisten berichten werden, würde ich an die Wand nageln. Die Pressemappen werden doch nicht mit der Hand geschrieben, die liegen doch eh elektronisch vor. Beim nächsten Mal rufst Du da vorher an, vereinbarst eine Sperrfrist für das Material, an die Du Dich hälst ,und basta. Dann brauchst Du auch keine sehende Begleitung, die das Material lesen kann.

  3. @Das Nest und Christiane: Ja, es war eine Farce, aber du wirst es nicht glauben, Christiane, es sind auch andere Journalisten ausgeladen worden, wir standen nachher alle vor dem Speisesaal und haben uns ein wenig geärgert. Dabei war der HR und auch die Zeitungen. Der Punkt ist, die hatten durch die Pressemappe und die Bilder, die sie bei der Abreise kriegten, noch relativ viel Stoff, im Gegensatz zu uns halt. Mit Rudi rede ich auf jeden fall noch wegen der Pressematerialien. Was die sehende Begleitung angeht, doch das ist für mich, betonung liegt auf für mich, besser, wegen der Orientierung, dem Einfangen von Atmosphäre, ich bin manchmal nicht so schnell, jemandem in einer Menge nachzulaufen, an den ich noch Fragen stellen will. Das ist einfach so, dass es mir lieber ist, wenn jemand mit Auge dabei ist. Fördert meine Schnelligkeit und Treffsicherheit.

  4. @Christiane nachtrag: Das mit dem Ausladen, habe ich eben gesteckt bekommen, kam vom BKA. Die haben gesagt, es ist zu voll in dem kleinen Saal, soundsoviele Leute raus. Es betraf fast nur Presseleute, weil die halt schon die Materialien hatten, und weil der Empfang in der Hautsache für Freunde und Fördeer der BliStA gemacht worden war.

  5. Hallo,
    in gewisser Weise war diese Veranstaltung wirklich merkwürdig: Alle Journalistinnen und Journalisten wurden nachträglich wieder vom Empfang im BliStA-Speisesaal ausgeladen, der ursprünglich in der Presse-Ankündigung gestanden hatte. Die Kollegen standen draußen, gerieten ob der Verspätung des Bundespräsidenten in Druck wegen ihrer Redaktionsschluss-Zeiten oder wegen der hereinbrechenden Dunkelheit, die Fotos und Fernseh-Aufnahmen unmöglich machte, und bekamen keine anderen als beschwichtigende nichtssagende Antworten. In meiner 20-jährigen Karriere als Journalist habe ich noch keine so grottenschlechte Veranstaltung erlebt!
    Ich empfand das als unverschämte Respektlosigkeit gegenüber den Kolleginnen und Kollegen der Medien. Mit dieser Meinung war ich da übrigens nicht allein. Hätten wir da draußen vor dem Speisesaal nicht gemeinsam Druck gemacht, hätten sie uns nicht fünf minuten vor Ende des Empfangs mal kurz reingelassen!
    Meinen Bericht davon hat Jens ja dankenswerterweise schon eingelinkt. Eine Pressemeldung der Marburger Polizei über die Studenten-Demonstration unterhalb des Schlagbergs, auf dem sich die BliStA befindet, empfehle ich ebenfalls zur Lektüre. Spannend fand ich das ettwa 15-minütige Gespräch der Emissäre dieser Demonstration mit dem Bundespräsidenten Prof. Horst Köhler und dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch auf dem BliStA-Gelände.
    Den Vormittag über hatten die beiden Politiker übrigens in Wiesbaden 60 Jahre hessische Verfassung gefeiert. Artikel 59 eben dieser Verfassung verbietet Studiengebühren. Genau die aber hat Koch jetzt in Hessen eingeführt. Dagegen richtete sich der Protest der Studentinnen und Studenten.
    Köhler hat da eine einigermaßen gute Figur gemacht. Koch hingegen tat das alles ganz cool und arrogant ab. Köhler hingegen wollte selbst dann noch weiter diskutieren, als seine Entourage ihm zuraunte, er müsse weiter.
    Was die Materialien der BliStA betrifft: Pressematerial in Braille oder auf Diskette gibt es praktisch nirgendwo. Das kann ein blinder Journalist auch nicht erwarten.
    Wenn ich aber zu vEranstaltungen in der BliStA gehe und dort am Buffet Selbstbedienung mit langen Schlangen blinder Gäste herrscht, dann frage ich mich schon sehr ernsthaft, ob die ihren Job da wirklich mal durchdacht und verstanden haben!
    Nirgendwo in Marburg ist die Organisation von Veranstaltungen so wenig auf Behinderte eingestellt wie in der BliStA, stelle ich immer wieder fest.
    Wenn der Bundespräsident denen gesagt hat, sie machten „eine gute Arbeit“, dann kann ich das nur teilweise bestätigen. Zumindestens am Freitag – und das war gewiss nicht das erste Mal – war die Pressearbeit der BliStA grottenschlecht!
    Eigentlich müssten sie sich bei allen Journalisten tatkräftig dafür entschuldigen, dass sie die Medien aus dem Empfang hinausgeworfen haben. Oder wollen die künftig nicht mehr mit der örtlichen Presse zusammenarbeiten?
    Alle – wirklich alle – Medienvertreter waren an diesem Abend stinksauer!
    Als dann die geladenen Gäste herauskommen, da fragte mancher verwundert, was denn die Journalisten da draußen machen. Alt-Oberbürgermeister Dietrich Möller hat das auch nicht recht verstanden.
    Und wenn es irgendwelche Dinge gibt, die man nicht planen oder nach eigenem Gusto organisieren kann, dann muss man damit anders umgehen als Rudi Ullrich und Michael Herbst. Die waren da anscheinend total überfordert.
    Ich finde es aber nicht in Ordnung, wenn diejenigen, die ihre Arbeit leisten, um den Besuch des Staatsoberhauptes öffentlich zu verbreiten, dann im Dunkeln in der Kälte stehenbleiben und im Unklaren darüber gelassen werden, ob sie ihre Arbeit wirklich noch erledigen können!
    Immerhin hat Köhler mir versprochen, er werde „so bald wie möglich“ wiederkommen und dann mehr Zeit für die Journalistinnen und Journalisten mitbringen.
    Warten wir´s mal ab!
    fjh

  6. Claudia sagt:

    Ich kann mir vorstellen, was das für eine Enttäuschung für dich war! So eine schlechte Organisation ist kann man sich kaum vorstellen. Aber anscheinend ist das gar nicht so unüblich.

  7. Christiane sagt:

    @Franz-Josef
    Es geht nicht um Brailleausdruck oder Disketten (wer hat denn bitte heute noch ein Diskettenlaufwerk?), sondern um das Zusenden oder Brennen der Dateien auf Cd-Rom oder USB-Stick. Das ist heute sowieso üblich. Ich bekomme heute sicherlich zu jeder zweiten Mappe automatisch eine Cd-Rom oder einen USB-Stick, mit den Texten drauf und zwar nicht weil ich sehbehindert bin, sondern weil das für alle Journalisten praktisch ist. Die müssen die Fakten dann nicht mehr abtippen, sondern nutzen „Copy&Paste“.

    Wenn ich als Veranstalter weiß, dass blinde Journalisten kommen, biete ich das allemal an. Üblich ist es sowieso. Notfalls schickt man die Papiere als E-Mail hinterher. Wie gesagt, die liegen doch sowieso schon elektronisch vor.

    Einen Schuh müsst Ihr Euch aber selber anziehen: Ihr müsst diese Dinge auch einfordern. Das klappt natürlich nicht mit der Einstellung „Das kann ein blinder Journalist auch nicht erwarten.“

  8. Liebe Christiane,
    ich bin nun schon 20 Jahre Journalist, aber einen USB-Stick habe ich noch nie bekommen! Auch CDs mit den Presse-Materialien gibt es ausgesprochen selten.
    E-Mails mit Materialien gibt es gelegentlich schon mal. Aber oft kommen die zu spät hinterher.
    Ich bin auch nicht gerade der Meinung, man müsste mir wegen meiner Behinderung eine Extrawurst braten. Natürlich fordere ich die notwendigen Arbeitsbedingungen ein, das ist klar. Aber ich halte mich dabei im Rahmen dessen, was wirklich nötig ist. Damit bin ich 20 Jahre lang sehr gut gefahren.
    Die BliStA weicht aber negativ von den Standards ab, die bei Nichtbehinderten üblich sind. Das ist meine Kritik. Anscheinend meinen sie, sie bräuchten für Blinde keinen besonderen Aufwand zu treiben. Manchmal kommt es mir so vor, als nähmen einige dort die Blinden nicht wirklich ernst. Das gilt aber beileibe nicht für alle dort!
    Beim Köhler-Besuch waren die Presseleute aber sichtlich überfordert. Das lag aber nicht daran, dass die beiden selbst auch behindert sind, sondern eher daran, dass die Entourage des Bundespräsidenten offenbar nicht in der Lage ist, einen solchen Besuch menschenfreundlich zu planen und durchzuführen.
    Der lockerste von allen war an diesem tag nach meiner Wahrnehmung Horst Köhler selbst. Bei mir kam er sehr sympathisch ´rüber.
    Im Übrigen möchte ich hier noch auf Ulrike Eiflers Kommentar zum Köhler-Besuch in der BliStA hinweisen, der einige hier noch nicht erwähnte politische Aspekte zur Diskussion stellt.
    Fazit: Wo die Menschen nicht im Mittelpunkt stehen, wird auch Journalismus zu einer traurigen Veranstaltung. Wichtig ist aber, dass behinderte Medien-Menschen überall mitmischen, wo es möglich ist. Und diese Möglichkeiten müssen sie sich auch einIn diesem sinne
    fjhfordern, wie Christiane zu recht fordert.

  9. Zum Köhler-Besuch gibt es nun noch einen wichtigen Nachtrag: Bei einer demonstration am Rande dieses Besuchs kam es zu einer Szene, die nun ein gerichtliches Nachspiel findet.
    Wegen „gewalttätigen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte“ und „Landfriedensbruchs“ muss sich ein Student am Donnerstag (19. April) vor dem Amtsgericht Marburg verantworten. Ihm wird vorgeworfen, bei der Demonstration gegen Studiengebühren am Rande des Besuchs von Bundespräsident Horst Köhler in Marburg einen Polizisten mit einem Ei beworfen und einen Beamten in die Hand gebissen zu haben. Der Beschuldigte wiederum beklagt sich über ein gewalttätiges Verhalten von Polizisten ihm gegenüber.
    Die Verhandlung findet am Donnerstagmorgen um 9.30 Uhr im Raum 154 des Amtsgerichts Marburg statt.
    fjh

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