Gemma Nazis vajog’n auf’m Dorf

In etwa einer halben Stunde ist es so weit, meine Liebste und ich gehen zu einem Bekannten nach Amöneburg, um ihm beizustehen, wenn er mal wieder von einer Horde Neonazis bedroht werden könnte. Etwas mulmig ist mir schon.

Der Amöneburger Physiker Dr. Ulrich Brosa hat seit vielen Jahren Probleme mit Neonazis in seinem Ort, wie ich am Rande in meinem Posting Maulkorb für Bürgerrechtler? – Justiz bagatellisiert Meineid und Morddrohungen geschrieben habe. Als wir auf der Gerichtsverhandlung waren, erzählte er uns, dass rund um das Frühlingsfest der besagten Nazigruppierung immer mal wieder was bei ihm passiere. Meine Liebste und ich wollen ihm beistehen in dieser Nacht, und natürlich sind wir auch dabei, um für den Ohrfunk Aufnahmen zu machen. Ein wenig mulmig ist mir schon, zumal ich weiß, dass wir zwei im Notfall vielleicht auch nicht viel ausrichten können. Abe in dieser Geschichte gibt es so viele feige Menschen, die nichts sagen, obwohl sie von verschiedenen Dingen Kenntnis haben, dass es für mich eine Frage der Civilcourage und auch der Hilfeleistung ist, da zumindest moralischen Beistand zu leisten. Ich bin weiß Gott ein ängstlicher Mensch, ich würde mich nirgendwo einfach einmischen, denn körperlich kann ich gegen fast niemanden bestehen. Unsere Hilfeleistung ist moralischer Natur, und Ulrich ist eben nicht allein, was sehr wichtig ist, finde ich. Wir sind keine Helden, aber Nichtstun gefällt mir nicht, vor allem, weil es so einfach ist, etwas zu tun. Das wäre für viele Menschen einfach, sie würden sich keinen Zacken aus der Krone brechen. Wir beispielsweise leisten heute Nacht nur Gesellschaft, nicht mehr und nicht weniger, und ich weiß, dass wir zu mehr auch nicht in der Lage sind. Aber das, was wir tun können, sollten wir auch tun.

Also los: Gemma! – Drückt uns die Daumen!

Copyright 2007, Jens Bertrams


Technorati : Amöneburg, Frühlingsfest, Neonazis, Ohrfunk,

Über Jens Bertrams

Jahrgang 1969, Journalist bei www.ohrfunk.de, Fan der Niederlande und der SF-Serie Perry Rhodan.
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Comments

5 Kommentare zu Gemma Nazis vajog’n auf’m Dorf

  1. Prospero sagt:

    Dann viel Glück – Hals- und Beinbruch wage ich mal nicht zu wünschen…
    Ad Astra

  2. Jochen Hoff sagt:

    Immer an Mac Gyver denken und das Taschenmesser nicht vergessen. Aber bei Alt- wie Neunazis braucht es normalerweise nur Charakter. Selbst in der Gruppe sind die feige.

    Allerdings habe ich mit 1,93 und dem Gewicht eines großen Elefanten auch leicht lachen. Wenn ich umfalle erdrücke ich drei von diesen Dummbadeln.

    Das unsere Polizei und Justiz nicht vor dem rechten Dreck schützt ist klar. Einige müssten sich ja dann selbst verhaften.

  3. Ulrich Brosa sagt:

    Beim Berger-88-Burschenschaftstreffen in Amöneburg hat es einmal mehr die üblichen rassistischen Schlägereien gegeben, siehe die Nachricht unter dem Strich. Ob Polizeisprecher Martin Ahlich unparteilich berichtet,
    ziehe ich allerdings in Zweifel:
    http://www.althand.de/polsprech.html
    http://www.althand.de/b030202.html#ahlich

    Die Ritterstraße kennen wir leider gut. Dort wohnen
    der Berger-88-Gründer C.A. und der derzeitige Berger-88-Vorsitzende Jörg Nau. Auch C.****er, der mir am 26.8.2006 die Haustür einschlug, http://www.althand.de/kwfh.html , stammt aus der Ritterstraße.

    Direkt an meinem Haus wurde nicht randaliert.Ich verdanke das Bianca, Jens und Holli, die hier übernachtet haben. Die Anwesenheit von ZeugInnen
    hat sich bisher immer als bester Schutz erwiesen.

    ————–

    Subject: Aktuelle Polizeimeldung aus Amoeneburg

    Auseinandersetzung mit Schreckschusswaffe und Pfefferspray?

    Amöneburg

    Nach dem Besuch des Diskoabends in Amöneburg kam es am Samstag, dem 28. April zu einer Auseinandersetzung zwischen einem 25-jährigen Stadtallendorfer und einem 23-jährigen Kirchhainer. Dabei sollen mehrere Schüsse aus einer Schreckschusswaffe gefallen sein und es sei
    Pfefferspray eingesetzt worden. Die beide Männer leicht verletzten Beteiligten schilderten den Vorfall unterschiedlich. Zeugen des Vorfalls bittet die Polizei Stadtallendorf sich unter Telefon 06428/93050 zu melden.

    Gegen 03.20 Uhr fuhr die Polizei Stadtallendorf nach mehreren Notrufen wegen gemeldeter Schüsse nach Amöneburg. Der Kirchhainer befand sich wie er sagte auf dem Heimweg. als der ihm bis dahin völlig unbekannte Stadtallendorfer auf ihn zukam und grundlos in türkischer Sprache beschimpfte. Als er ihn aufforderte, ruhig zu sein, zog der Mann eine
    Schreckschusswaffe und feuerte sie mehrfach ab. Gleichzeitig, so der Kirchhainer weiter, erhielt er Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. Wer dies war, konnte er nicht sagen. Bei dem anschließenden Gerangel, das entstand, als der Kirchhainer versuchte, seinem Kontrahenten die Waffe weg zu nehmen, rollten beide einen Abhang herunter. Der 25-jährige flüchtete schließlich mit seinem BMW. Die Polizei ermittelte aufgrund entsprechender Zeugenaussagen den Fahrer und traf ihn zu Hause an. Der nicht unter Alkoholeinfluss stehende Mann gab die Beteiligung an der Rangelei, nicht aber den Einsatz von Pfefferspray und der Schreckschusswaffe zu. Bei den Durchsuchungen des Mannes und des Autos fand die Polizei keine Waffe. Nahe des Ortes der Auseinandersetzung stellte die Polizei eine Dose Pfefferspray sicher. Der Kirchhainer fuhr mit einem RTW zu weiteren Untersuchungen ins
    Krankenhaus. Die Polizei sucht insbesondere wegen der unterschiedlichen Darstellungen der Betroffenen Zeugen des Vorfalls, der sich in der Ritterstraße ereignete.

    Martin Ahlich

  4. Karl Napp sagt:

    Leider ist das hier alles so dermaßen an den Haaren herbei gezogen, dass es schon peinlich ist. Tatsache ist nunmal, dass es in Amöneburg kein Naziproblem gibt, auch wenn Herr Brosa das seit vielen Jahren hartnäckig behauptet. Na ja, diejenigen die es glauben wollen glauben es ohnehin. Aber über irgend etwas muss man sich ja aufregen und wenn es nicht existente Nazis sind. Leider gibt es diese Brüder ja. Vielleicht sollte sich Herr Brosa und andere Weltverbesserer mal dort gegen diese scheiß Nazis vorgehen, wo es sie gibt. Aber das wird wohl nix. Oh mei, ist das schlimm.

  5. Nun ja: Die Morddrohungen mit Hinweis auf KZ’s, den Befehl zum Erscheinen Dr. Brosas zwecks Verbrennung habe ich selbst gelesen. Selbst Teile der Polizei geben leise zu, dass es in Amöneburg ein Naziproblem gibt. Ich war bei einer Gerichtsverhandlung mit einem Verhandlungsgegner mit deutlichen Rechtstendenzen anwesend, so einfach ist die Sache nicht. Keine Frage, dass beide Seiten möglicherweise manchmal über ihre Ziele hinausgeschossen sind und das immer noch tun. Trotzdem bleiben die Fakten, die man nicht einfach abtun kann, nur weil einem die Nase von Dr. Brosa nicht passt.

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