Wo sind all die guten Filme hin?

Puh, jetzt brauchte ich erstmal zwei stunden, um mich von einem angeblichen „Film-Highlight“ zu erholen. nicht das erste Mal, daß es mir in letzter zeit so ergeht.

diesmal war es „der Herr der ringe Teil II“. Den ersten hatte ich vor einiger Zeit schon nicht so besonders genossen, aber wir kamen im Gespräch mal wieder darauf, und so beschloß ich, diese Bildungslücke doch einmal zu füllen. Was soll ich sagen: ich fand den zweiten Teil so schrecklich wie den ersten! nicht die Geschichte: Das buch habe ich verschlungen, und die Hörspiele, vor allem das englische, haben mich regelrecht gefesselt. Doch mit neueren Filmen stehe ich auf Kriegsfuß. In erster Linie, weil ich meine Ohren ganz gern habe. Ich verstehe wirklich nicht, warum man jedes Thema inEffekten ersticken muß. Nichts gegen eine schöne akustische Untermalung zu sagen. ich wäre die letzte, die nicht dafür wäre. Aber was heute alles so „Untermalung“ heißt, finde ich vor allem anderen laut. Krieg ist laut. Keine Frage: Aber warum muß der zwischen Orks und „den guten“ gleich doppelt so laut sein und nur lauter Geräusche beinhalten, unter denen man sich in der Realität kaum etwas vorstellen kann? Ich weiß es nicht. auch eine Szene wie die in den Todessümpfen, wo lauter tote Gesichter aus der tiefe heraufstarren, hätte akustisch sicher mehr hergegeben, hätte man den Sumpf brodeln, Nachtvögel schreien oder außer dem sumpf einfach Stille gehört. die beklommenen Stimmen der Hobbits und Gollums hätten nur voll Grauen geflüstert, oder man hätte ab und an einen ängstlichen Schrei gehört, wenn jemand fehlging… Das nenne ich Grusel! Bei der akustischen Szenerie hat mich das alles relativ kalt gelassen. ich komme einfach nicht in Stimmung.

Sind wir nicht mehr in der lage, Stimmungen zu erfassen, wenn sie uns nicht laut und schrill präsentiert werden? viel Blut muß fließen, laute Schießereien müssen zu hören sein. Und dann natürlich das Tempo. ich bin und bleibe einfach ein Fan von älteren filmen, in denen die Seele und der Verstand noch mitkamen und man sich nicht vorkam wie nach einer höchst unangenehmen karussellfahrt. Besonders traurig finde ich das bei filmen, die echt was zu sagen haben, also nicht nur reine Unterhaltungsfilme sind. Bestes Beispiel ist für mich der „Bader-Meinhof-Komplex“, der in diesem jahr herauskam. Dieser „deutsche Herbst“ ist doch fürwahr ein spannendes kapitel deutscher Geschichte: Terrorismus kommt vor, ne Menge politischer Gedanken oder welche, die es sein wollten… Das land war in gewisser Weise im ausnahmezustand. ich könnte mir vorstellen, daß sich auch viele jüngere Leute für dieses thema interessieren könnten oder vielleicht auch interessiert haben. Aber welchen eindruck hätte dann der film hinterlassen? „Fetzendramaturgie“ heißt offensichtlich ganz offiziell die Machart des filmes, in dem in wilder Fahrt bilder und Geräusche aneinandergehängt werden. Und was geht da akustisch vor? Spektakuläre und kaum auf einmal erfaßbare bilder werden unterlegt mit Nachrichtenmeldungen der damaligen zeit, oft sogar O-Tönen, mit Statements von beteiligten, PolitikerInnen wie TerroristInnen. Unschätzbare Dokumente. Alles gut und schön, aber was nützt es, wenn das Gehirn die Botschaften überhaupt nicht so schnell erfassen kann? ich kam auch nur deshalb mit, weil ich mich ausführlich mit dem thema beschäftigt habe. Aber als neueinsteiger wäre bei mir vermutlich nur ein furchtbar anstrengender Wirrwarr aus bildern und Tönen und ein Vages Gefühl von „ach wie schrecklich“ zurückgeblieben. die Details hätte ich vermutlich schon am nächsten Tag so gut wie vergessen. Wenn Sie den Film gesehen haben sollten, überprüfen Sie es doch mal: an was erinnern Sie sich *wirklich* noch?

Da lobe ich mir alte Krimis von Hitchcock, oder den alten Film zum deutschen Herbst mit dem Titel „Stammheim“. Da erfährt man wenigstens etwas. In diesem Zusammenhang kann ich nur das Buch „der Bader-Meinhof-Komplex“ empfehlen, oder für Leute, die es nicht ganz so ausführlich haben wollen, das 4-Cd-feature mit dem gleichen titel, ebenfalls von Stefan Aust.

Vergleichen sie „Psycho“ alt und „Psycho“ neu. Sie werden sofort wissen, was ich meine. Ach, für diese Alt-neu-Geschichten gibt es zahlreiche Beispiele. Und ich komme bei direktem Vergleich immer zum selben Ergebnis. Sie auch?

Dieser Eintrag wurde von Bianca’s Blog Wespennestwärme übernommen.

© 2008, Das Nest.

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