Hurra, die Rezession kommt!

Das hat aber lange gedauert. Ich meine: Wir reden doch schon länger als ein halbes Jahr davon, die Krise überwunden zu haben, und erst jetzt kommt wieder die nächste Schreckensnachricht? Aber beruhigt euch, ihr Wirtschaftsbosse, sie kommt zur rechten Zeit.Verdammt, warum wird es immer schwerer, ruhig und sachlich zu bleiben? Ich kann es euch sagen. Heute ist ein großer Tag für die Wirtschaft und die Bundesregierung. Wirtschaftswissenschaftler, die Behaupten, alles zu verstehen, haben gesagt, dass in den USA eine doppelte Rezession bevorsteht. Und was das für unseren Markt heißt, der von den USA abhängt, kann sich jeder vorstellen, oder nicht?

Oh Doch! Noch mehr Arbeitslose, noch mehr Sparen, noch mehr Kürzen, noch mehr Spritzen für die Banken. Hey, und es gibt auch einen guten Grund, warum die Bänker der vom Staat gestützten Unternehmen mehr bekommen als alle Anderen: Sie sollen nicht zu Konkurrenzunternehmen abwandern, damit sie den Banken helfen, die dann widerum auch den Armen Helfen, ihren Job zu behalten.

Heute habe ich zum ersten mal in meinem Leben darüber nachgedacht, mich in den Biedermeier zurückzuziehen, also jegliche politische Tätigkeit und jeglichen Journalismus aufzugeben, nur noch Musiksendungen zu machen und mich an spannenden Hörbüchern zu erfreuen. Eigentlich habe ich schon seit zwei oder drei Monaten auf die Rezessionsmeldung gewartet, die allen die Furcht vor der nächsten, der noch größeren Krise in die Eingeweide treibt. Damit rechtfertigt die Bundesregierung in Zukunft ihren sozialen Kahlschlag, so wie sie bisher den sozialen Kahlschlag mit der letzten Krise gerechtfertigt hat.

Warum habe ich keinen Grund, über andere Dinge zu schreiben? Warum wird mein Blog so langweilig? Warum bleibe ich immer wieder an dem verdammten Thema der sozialen Gerechtigkeit hängen?

Ich glaube, allmählich bin ich zu alt für diese Welt.

Als ich jung war, hat mir meine Mutter mit ihrer unerschütterlichen sanften Ruhe und Weisheit genau das vorhergesagt, dass ich eines Tages an der Welt verzweifeln würde. Ich habe ihr vehement widersprochen, ich würde nicht so verbittert werden wie sie. Ich erinnere mich jetzt ganz intensiv an dieses Gespräch damals, ganz intensiv, lasse es durch meine Adern pulsieren, es in mir hochwallen, atme tief ein, langsam aus … und dann mache ich weiter. Auch jetzt werde ich nicht aufgeben. Die Welt ist so gut oder schlecht, wie wir sie machen! Basta!

Hört ihr? Ihr verdammten Wirtschaftslenker und Medienbarone? Hört ihr? Eure Angstmache treibt mich nicht zum Aufgeben! Ich werde auch künftig die Rechten nicht wählen! Ich werde auch weiterhin an der Verbesserung unserer Demokratie arbeiten, so gut ich es eben kann.

So! Das war das!!!

Über Jens Bertrams

Jahrgang 1969, Journalist bei www.ohrfunk.de, Fan der Niederlande und der SF-Serie Perry Rhodan.
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