Willkommen in Limburg – oder: Ich bin dann mal weg!

Am Samstag werden wir erstmals wieder zusammen dort oben auf dem Hügel stehen: Meine Liebste, meine Nichte und ich. Und wir werden doch gewonnen haben, doch geblieben sein, werden uns doch nicht haben vertreiben lassen durch widrige Umstände. Allein dafür lohnt sich mein Urlaub, der aber auch ansonsten hoffentlich einfach schön werden wird.

„Willkommen in Limburg, was für ein Gefühl. Hier liegt mein Herz zwischen Maas, Rur und Göhl. Willkommen in Limburg, mein Heimatland, du bist mein Haus aus Lös, Ton und Sand.“ (De Schintalers: „Welkom in Limburg“)

1988, als ich auf Heelderpeel in Limburg meine schönsten Jahre verlebte, hörte ich oft das Lied „in the dutch mountains“ von der Gruppe „the Nits“. Ich habe immer darüber gelacht, denn in den Niederlanden gibt es ja gar keine Berge, zumindest keine, die nennenswert gewesen wären. Und vor einer halben Stunde habe ich im Wikipedia-Artikel über Limburg gelesen, dass das südliche Limburg wegen seiner hügeligen Landschaft „the dutch mountains“ genannt wird. So betreibe ich späte Heimatkunde.

Dieses Jahr ist ein besonderes Jahr. Meine Liebste und ich kennen uns 25 Jahre, und vor 5 Jahren mussten wir unser Häuschen auf Heelderpeel aufgeben. Am 1. September 2006 mussten wir die Entscheidung treffen, unsere zweite Heimat nach 24 Jahren zu verlassen. Und doch sind wir wieder da, schon zum zweiten mal in diesem Jahr, und diesmal ist auch meine Nichte mit ihrem Freund dabei. Sie hat uns mit ihrem damaligen Freund gemeinsam geholfen, noch ein paar wichtige und persönliche Sachen aus dem Haus zu retten. Vermutlich werden wir am Samstag hinauf gehen, an die Stelle, wo unser altes Häuschen stand. Wir werden einen Moment auf dem Hügel stehen, der jetzt, von gelegentlichen Besuchern mit Zelt oder Campingwagen abgesehen, wieder der Natur gehört, den Vögeln und dem Rauschen der Bäume. Wir werden die Einzigartigkeit dieses Ortes genießen und uns darüber freuen, dass wir nicht weggeblieben sind, dass wir uns nicht von unserer zweiten Heimat haben vertreiben lassen.

„Ich war Monate lang nicht zu hause und bin eben auf Schipol (Flughafen von Amsterdam) gelandet. Ich fahre auf der A2 und hoffe, dass ich nicht in einen Stau gerate. In mir brennt ein großes Verlangen, ich zähle die Meter und kann es kaum noch erwarten, bis ich dieses magische Schild am Wegesrand stehen sehe: „Willkommen in Limburg…“ (de Schintalers: „Welkom in Limburg“).“

Zum ersten mal werden wir mit unserer Hündin Boa nach Heelderpeel fahren. Vermutlich wird sie viele andere Hunde zum Spielen treffen, denn viele Gäste sind mit Hunden da. Es wird ihr hoffentlich genau so sehr gefallen wie uns.

In diese zwei Wochen, die wir auf unserem alten Platz sind, fällt unser Hochzeitstag und dieser 1. September, der für uns ein trauriges Datum war, aber in diesem Jahr ein fröhliches Datum sein wird, denn wir sind wieder dort, wo ein großer Teil unseres Herzens ist.

Die letzte Ferienwoche verbringen wir dann mit 7 weiteren Freunden tief im Innern der Niederlande, nahe Hilversum. Wir wollen gemeinsam plaudern, ein paar Spaziergänge machen und den spätsommer genießen.

Wenn ich mich heute entscheiden könnte, so würde ich die Hälfte des Jahres auf Heelderpeel verbringen, und die andere Hälfte in Marburg. Leider ist so etwas nicht möglich, und noch mal werden wir uns in unserem Leben ein eigenes Häuschen dort nicht leisten können. Aber wir haben uns geschworen, jedes Jahr mindestens einmal hinzufahren. Die Menschen sind freundlich, obwohl ein fünftel von ihnen Geert Wilders gewählt hat. Die Umgebung ist flach und sandig, Felder und Wald umgeben uns. Bei den umliegenden Bauern kann man Gemüse, Obst, Kartoffeln und Eier kaufen, und in der Luft liegt ein ganz eigener Feld-, Wald- und Sandgeruch. Die Gegend von Nord- und Mittellimburg gehört zu den Vogelreichsten Gebiten West- und Mitteleuropas. Das merkt man auch. Die Natur und das Fehlen jeglicher Kommunikationsmittel wie Internet, Telefon und Fernseher bieten einem die Gelegenheit, zu sich selbst zu finden, über sein Leben nachzudenken, einfach nur gemütlich in den Tag hineinzuleben. Wäre da nicht der Hund, man könnte die Zeit vergessen.

In 12 Stunden ist es so weit. Dann brechen wir auf. Erst am 18. September werden wir, hoffentlich gut erholt, wieder in Marburg eintreffen.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs eine gute Zeit. Drücken Sie uns die Daumen wegen des Wetters, ja? Es ist auch zu Ihrem Nutzen. 🙂

Über Jens Bertrams

Jahrgang 1969, Journalist bei www.ohrfunk.de, Fan der Niederlande und der SF-Serie Perry Rhodan.
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Comments

Ein Kommentar zu Willkommen in Limburg – oder: Ich bin dann mal weg!

  1. Morgaine620 sagt:

    hach ich hoffe Ihr hattet einen grossartigen Urlaub. Ich bekomme jetzt Sehnsucht. Meine Stiefmutter hatte ein Ferienhaeuschen in Kalenberg in der Naehe von Blokzijl und Giethoorn liegt. Wunderbare Gegend. Viel Spass und freuen uns, wenn Ihr wieder da seid!

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