Möge die Macht mit euch sein!

„Vor langer langer Zeit, in einer weit entfernten Galaxis, geschah eine abenteuerliche Geschichte“, die ich Ihnen heute erzählen möchte.

Es herrschte Unruhe in der alten Republik der vereinigten Staaten von Amerika, das Gleichgewicht der Macht war gestört, und viele Leute fühlten wohl eine „dunkle Bedrohung“ oder fürchteten den „Angriff der Klonkrieger“ oder gar die „Rache der Sith“, der grausamen schwarzen Ritter. Wir brauchen, so dachten die ängstlichen, „eine neue Hoffnung“. Unser Motto soll lauten: „Das Imperium schlägt zurück“, und wir bitten um „die Rückkehr der Jedi-Ritter“, unserer großen, strahlenden Helden.

Was sollen wir auch sonst tun, dachten sich 35.000 verängstigte Amerikaner, gegen die „dunkle Seite der Macht“, Arbeits- und Hoffnungslosigkeit und militärische Unsicherheit. So brachten sie auf der Plattform der Regierung mit dem schönen Titel „We, the People“ eine Petition auf den Weg. Darin forderten sie von der Regierung der alten Republik der Vereinigten Staaten von Amerika, einen Todesstern zu bauen, ein waffenstarrendes Weltraummonster also, mit dem man ganze Planeten im Handumdrehen vernichten könnte. Bekannt ist dieser Todesstern natürlich aus den Filmen der Star-Wars-Reihe. Und warum auch nicht? Seit 1984 beschäftigte sich die US-Regierung mit ihrer „strategic defence initiative“, abgekürzt SDI, mit einem möglichen Krieg im Weltraum, woraus die Journalisten fix einen „Krieg der Sterne“ machten.

Die ganze absurde Petition hätte man vermutlich kaum zur Kennttnis genommen, wenn sie nicht mehr als 25.000 Unterstützer gefunden hätte. Dann nämlich ist die Regierung verpflichtet, sich ernsthaft damit zu befassen und dazu Stellung zu nehmen. Auch das gehört zu Transparenz und Demokratie, man muss auch über absurde Vorschläge sprechen, wie jüngst in Deutschland auf dem Parteitag der Piraten, wo beantragt wurde, die Erforschung einer Zeitreisemöglichkeit zu beschließen, um künftig schlechte Parteitagsentscheidungen aus der Zukunft heraus korrigieren zu können. Während es sich bei diesem Antrag lediglich um eine reine Witzangelegenheit handelte, argumentierten die Befürworter der Todesstern-petition ernsthaft mit der Schaffung von Arbeitsplätzen im Bau- und Ingenieurswesen und im Bereich Weltraumfahrt. Außerdem wäre durch die Schaffung eines überlegenen Waffensystems die Sicherheit der vereinigten Staaten gewährleistet, hieß es.

Der Mann, der sich in der Administration von Barack Obama damit befassen musste, heißt Paul Shawcross und ist im US-Präsidialamt für Wissenschaft und insbesondere Weltraumfahrt zuständig. Offenbar ist er auch durchaus ein Kenner, vielleicht sogar Fan, der Star-Wars-Serie, denn seine Antwort auf die Petition ist ernsthaft und informativ, wo es nötig, und äußerst humorvoll, wo es möglich ist. Drei Argumente bringt Shawcross im wesentlichen gegen den Vorschlag vor: Erstens wollen die USA keine Planeten sprengen. Ein Umstand, den ich sehr beruhigend finde. Ich hoffe, er bezieht sich auch auf den Planeten, auf dem wir alle leben, dann fände ich dies noch viel beruhigender. Zweitens: Die USA wollen ihr gewaltiges Haushaltsdefizit von 1,1 Billionen Dollar nicht noch weiter erhöhen. Zwar habe ich daran Zweifel, aber eine Studie der Lehigh University ergab, dass der Bau des Todessterns einschließlich der dazu notwendigen Forschungen und Entwicklungen rund 850 Billiarden Dollar kosten würde. Auch die Bauzeit kann sich sehen lassen, sie beträgt rund 800.000 Jahre, wenn man jährlich die gesamte Weltstahlproduktion in das Projekt stecken würde. Und drittens: Die USA wollen keine Superwaffe bauen, die durch Ein-Mann-Raumschiffe ohne große Mühe vernichtet werden könnte, schreibt Paul Shawcross in seiner Antwort auf die Petition. Recht hat er, denn der Superkriegsstation „Todesstern“ in der Star-Wars-Serie wurde eine Schwachstelle in ihrer Verteidigung auf diese Weise zum Verhängnis. Nicht auszudenken, wenn nach einer Million Jahren Bauzeit das ganze schöne Ding innerhalb eines Tages vom aktuellen Terroristen mit einer mittelschweren Einzelaktion zerstört werden würde.

Schön ist, dass es Shawcross dabei nicht bewenden lässt. Er zählt die Weltraumprojekte der Obama-Administration auf, zeigt, wie Forschung begeistern kann, und zwar eben keine Kriegsforschung, sondern Forschung zum Erkenntnisgewinn. Der Weltraum gehöre nicht nur den Regierungen, führte Shawcross aus, mit Hilfe des „commercial cargo and crew program office“ der NASA soll es auch amerikanischen Firmen gelingen, möglicherweise noch in diesem Jahrzehnt regierungsunabhängig Menschen auf den Mond zu bringen. Dieses NASA-Büro wird „CCCPO“ oder „C3PO“ abgekürzt, der Name eines berühmten goldenen Roboters in der Star-Wars-Serie. Auch die amerikanische Regierung beweist also ab und an Sinn für Humor.

Ich weiß nicht, ob diese Petition ein Witz war oder nicht. Die Star-Wars-Serie feierte kürzlich ihren 35. Geburtstag. Irgendwie möchte ich daran glauben, dass es nicht kriegslüsterne Militaristen waren, die diesen Antrag einbrachten und unterschrieben, sondern friedliche Fans der Star-Wars-Filme und ihrer Figuren, Vertreter der hellen Seite der Macht, der Jedi-Ritter und wahren Helden, die letztlich über das Dunkle triumphieren werden. Menschen also, die ihrer Lieblingsfilmserie mit dieser Petition augenzwinkernd ein weiteres Denkmal setzen wollten.

Möge die Macht mit euch sein!

Über Jens Bertrams

Jahrgang 1969, Journalist bei www.ohrfunk.de, Fan der Niederlande und der SF-Serie Perry Rhodan.
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