Symbol von Einheit und Kontinuität – der Neue im Palast Noordeinde

Am 30. April 2013 tritt die niederländische Königin Beatrix ab. Ihr Sohn, Kronprinz Willem-Alexander, wird ihr Nachfolger. Aus diesem Anlass berichtet das Wa(H)renhaus in den nächsten Tagen über dieses Ereignis, über Sinn und Widersinn der Monarchie in der modernen Zeit, über Bundespräsidenten und Parlamentseide, aber auch über Stars, Sternchen, Lieder, Kleider und Lobeshymnen. Vor allem aber über die Niederlande.

Er will die Menschen miteinander verbinden, repräsentieren und ermutigen. So stellt sich der künftige niederländische König Willem-Alexander seine Rolle als Staatsoberhaupt im 21. Jahrhundert vor. Zwar will er die Traditionen dort erhalten, wo sie für die Menschen im Land ein Symbol für Einheit, Kontinuität und Stabilität sind, er kann sich aber auch Veränderungen vorstellen, um die Monarchie ins 21. Jahrhundert zu holen. Eine Weihnachtsansprache via Twitter geht dem 46jährigen allerdings dann doch zu weit, erzählte er am Mittwoch in einem Interview, das er der NOS, dem größten öffentlichen Sender des Landes, und RTL zugleich gab. Zusammen mit seiner Frau Maxima beantwortete Willem-Alexander entspannt, humorvoll und eingehend Ffragen von zwei Journalisten. Dabei erzählte er unter Anderem, dass das Datum seines Amtsantritts ihm und seiner Familie bereits ein Jahr lang bekannt war. Seine Tochter Amalia, 9 Jahre alt und künftige Kronprinzessin, fragte ihren Vater bereits, wie lange er auf dem Thron bleiben wolle, offenbar hat sie selbst bereits Lust auf die Aufgabe. Daraus wird allerdings vorerst nichts, denn die Kinder sollen so lange wie möglich eine normale Kindheit verbringen.

Früher galt Willem-Alexander als spröde, kaum zugänglich und öffentlichkeitsscheu. Das hat sich in den letzten Jahren geändert, seine Beliebtheit beim Volk nimmt zu. Allerdings reichen seine Beliebtheitswerte ebensowenig wie die seiner Mutter an die seiner Frau Maxima heran. Bei allen Umfragen ist sie beiweitem das beliebteste Mitglied der Königsfamilie. Nicht nur wegen ihres sehr ansprechenden Aussehens, sondern auch wegen ihrer Unkompliziertheit und ihrer Volksnähe. In letzter Zeit sind gleich zwei Lieder zu ihren Ehren erschienen: Die Popgruppe 3js brachte neulich das Lied „zo mooi als jij“ „so schön wie du“ heraus, und am Mittwoch (17.04.) erschien die Single „Hakken“ von der Gruppe Jurk, was so viel wie „Kleid“ bedeutet. Auch dieses Lied ist eine Lobeshymne auf eine schöne Frau, ihr Aussehen, ihren Gang. Das Besondere ist, dass daran Carel Kraayenhof mitwirkt, ein Musiker, der schon auf der Hochzeit von Willem-Alexander und Maxima die Prinzessin durch seine darbietung argentinischer Tangostücke zu Tränen rührte.

Einen Tag zuvor, am Dienstag morgen, brachte die Gelegenheitsband „RTL Boulevard United“ die Single „Koningin van alle mensen (Königin aller Menschen)“ auf den Markt, ein Dankeslied für die scheidende Königin Beatrix, an dem viele niederländische Pop-, Musical- und Schlagerkünstler mitgearbeitet haben, und das auf Veranlassung von zwei Moderatoren der Fernsehsendung RTL Boulevard entstand. Binnen weniger Stunden stürmte die Nummer die Downloadcharts. Alle Augen richteten sich auf den neuen König, begründeten die Initiatoren ihre Idee, kaum einer denke noch an Beatrix, die 33 Jahre lang für das Volk gearbeitet habe. Das Lied ist unterhaltsam und humorvoll. Die Königin könne nun endlich die Etikette über Bord werfen und müsse nicht mehr so konsequent und strikt bei der Auswahl ihrer Hüte sein, sondern könne sich den Wind durch die Haare wehen lassen, heißt es in dem Text unter Anderem.

Vermutlich werden Willem-Alexander und Maxima seltener Hüte tragen, vermutet man bei Kennern des Königshauses, ein Symbol für mehr Volksnähe. Auch wie man ihn anspreche, sei ihm im Grunde egal, wenn die Menschen sich dabei wohlfühlten, sagte der künftige König im Fernsehinterview. Viele Jahre wurde behauptet, Königin Beatrix habe man immer mit „Majestät“ ansprechen müssen, aber diese Behauptung beruhte offenbar auf einem Missverständnis. Auf die Frage, wie man die Königin protokollarisch korrekt anspreche, erhielt ein Journalist im Jahre 1980 diese Auskunft und verbreitete dies als die auch im Alltagsgespräch gebräuchliche Anrede. Königin Beatrix selbst hat das offiziell nie verlangt. Willem-Alexander macht nun deutlich, dass er kein Protokollfetischist sei, wie er sich ausdrückte.

Die Vorbereitungen für den großen Tag der Amtsübernahme sind in vollem Gange. In der „nieuwe Kerk“ in Amsterdam wird bereits fleißig für die zeremonielle Amtseinführung und Eidesleistung des Königs umgebaut und geprobt. Täglich werden neue Einzelheiten zur Zeremonie selbst und den Festivitäten rundum bekannt. So erfährt man, dass die Abdankungsurkunde der scheidenden Königin ab Mitte Mai in der Kirche ausgestellt wird, sie ist ein einmaliges Exemplar und Teil einer Ausstellung über Amtseinführungen in Geschichte und Gegenwart. Außerdem wird mitgeteilt, dass unter Anderem der niederländische Astronaut André Kuipers den künftigen König bei der Amtseinführung als „Herr der Waffen“ begleiten wird. Am Ende der Vereidigung wird der ehemalige General Peter van Uhm, der wie Kuipers ein Waffenherr für diesen Tag ist, mit lauter Stimme feststellen, dass der neue König sein Amt angetreten hat. Daraufhin treten sogenannte Herolde vor die Kirche, darunter die Dressurreiterin Ankie van Grunsven, die die meisten olympischen Medaillen für die Niederlande gewonnen hat, und verkünden dem Volk die frohe Botschaft.

Die Aufgaben des Königs werden sich vermutlich in der Amtszeit Willem-Alexanders stark verändern. Davon ging er während des großen Interviews aus. Sollte das Parlament in den nächsten Jahren ein Gesetz erlassen, das die Aufgaben und Befugnisse des Königs auf rein zeremonielle Verpflichtungen beschränkt, habe er damit kein Problem. Wenn das entsprechende Gesetz nach den Regeln der Verfassung verabschiedet sei, werde er selbstverständlich seine Pflicht tun und ein solches Gesetz unterzeichnen, er sei ein Demokrat und das Parlament die höchste Institution des Staates, sagte Willem-Alexander. Noch verfügt der König oder die Königin über ein paar wenige politische Befugnisse, die allerdings im letzten Jahr drastisch eingeschränkt wurden. Das Parlament hatte Königin Beatrix die Beteiligung an der Regierungsbildung, die bislang nach althergebrachtem Gewohnheitsrecht üblich gewesen war, diesmal und für die Zukunft verwehrt. Die staatsrechtliche Befugnis zur Entgegennahme der Eidesleistung der Minister blieb davon selbstverständlich unberührt. So ist es immerhin möglich, dass die Aufgaben des Königs in den Niederlanden auf die Verleihung von Orden, zeremonielle Empfänge, Eröffnung von Bauten und Institutionen und ähnliche Anlässe beschränkt werden. Für Willem-Alexander ist das kein Problem, denn auch dies kann seiner Meinung nach inhaltlich wichtig sein, wenn man damit den Menschen das Gefühl von Zusammengehörigkeit und Kontinuität gibt. Außerdem könne er entscheiden, wohin er gehe, welches Anliegen er unterstütze. Auch so könne man ein Zeichen setzen, erklärte Willem-Alexander.

Freitag früh erscheint das sogenannte Königslied, an dem ebenfalls viele Künstler mitgearbeitet haben. Der Plan ist, dass so viele Menschen wie möglich es bis zur Amtseinführung kennenlernen, damit man es am Abend des 30. April zur gleichen Zeit überall im Lande singen kann. Dann nämlich wird das neue Königspaar eine Rundfahrt auf dem Kanal „Het Ij“ machen, während an einem anderen Ort, von Bildschirmen zum Königspaar übertragen, ein riesiges Konzert stattfindet, wo das Königslied offiziell erstmals live gesungen werden wird. Auch dies soll Einheit und Kontinuität fördern und symbolisieren.

Über Jens Bertrams

Jahrgang 1969, Journalist bei www.ohrfunk.de, Fan der Niederlande und der SF-Serie Perry Rhodan.
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