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	<title>Mein Wa(h)renhaus &#187; Geschichten aus dem Radio</title>
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	<description>ein politisches Geschäft mit Käse aus Holland</description>
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		<title>Mein Journalismus und ich &#8211; eine Neubewertung</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 17:51:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten aus dem Radio]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
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		<description><![CDATA[Seit 6 Jahren arbeite ich nun für den Internetsender www.ohrfunk.de &#8211; eine lange Zeit schon. Immer habe ich versucht, interessante und aussagekräftige Interviews zu führen. Manchmal hat mich das zur Verzweiflung getrieben. Jetzt ist es Zeit für eine Neubewertung meiner &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2012/01/mein-journalismus-und-ich-eine-neubewertung/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2012/01/mein-journalismus-und-ich-eine-neubewertung/' addthis:title='Mein Journalismus und ich &#8211; eine Neubewertung' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Seit 6 Jahren arbeite ich nun für den Internetsender <a href="http://www.ohrfunk.de">www.ohrfunk.de</a> &#8211; eine lange Zeit schon. Immer habe ich versucht, interessante und aussagekräftige <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/interviews/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Interviews">Interviews</a> zu führen. Manchmal hat mich das zur Verzweiflung getrieben. Jetzt ist es Zeit für eine Neubewertung meiner journalistischen Arbeit, für eine Neuberechnung des Wertes meiner Tätigkeit, und für Konsequenzen, die mir das Leben hoffentlich erleichtern.</p>
<p><span id="more-1073"></span>
<p>Wie oft habe ich mich in den letzten Jahren geärgert: Ich rief bei einem Verband, einer Partei oder einer Behörde an, bat um ein Interview zu einem aktuellen Thema. Im besten Fall freuten sich die potentiellen Interviewpartner über mein Interesse und boten mir so schnell wie möglich einen Interviewtermin an. Ziemlich oft aber meinte man, man habe keine Zeit, es könne erst in der nächsten Woche einen Interviewtermin geben, oder, noch häufiger, man melde sich wieder, was dann oft nicht geschah. Oft hieß es auch, man versuche, einen Interviewpartner für mich zu finden, ich solle Geduld haben, man werde sich bis 14 oder 15 Uhr melden. Oft wurde dann der nächste Tag daraus. Für mich war das fatal. Ich nämlich musste das Interview des Tages bis 15 Uhr im Kasten haben, damit es in der Sendung vom Folgetag gesendet werden konnte. Wir sind ein kleiner Sender, Alternativen gab es oft nicht, ich habe den Informationsbereich oft allein verantwortet, unterstützt durch 2 Kollegen, die aber viel stärker als ich in andere Arbeitsverhältnisse eingebunden sind und nicht auf die Schnelle etwas liefern können.</p>
<p>Dass wir ein kleiner Sender sind, haben auch meine Interviewpartner schnell erkannt. Deshalb war es ihnen ein Leichtes, mich zu vertrösten und hin und wieder auch ganz zu vergessen. Wären wir der <a title="Link zur Homepage" href="http://www.wdr.de" target="_blank">WDR</a>, der <a title="Link zur Homepage" href="http://www.dradio.de" target="_blank">DLF</a> oder <a title="Link zur Homepage" href="http://www.rtl.de" target="_blank">RTL</a> gewesen, man hätte uns nicht warten lassen. Wir hätten sofort einen Interviewtermin bekommen, denn wir hätten potentiell millionen von Zuhörern erreicht. Einfach gesagt heißt das, dass das Leben im Bezug auf Interviews für die Redaktionen am leichtesten ist, die ohnehin schon über mehrere Alternativen verfügen, die es sich leisten könnten, ein Interview nicht zu bekommen. Wenn mich aber ein Interviewpartner vergisst, steht und fällt damit die Qualität der morgigen Sendung.</p>
<p>Über den Ärger und den Frust, den ich bei der genauen Betrachtung dieses Missstandes empfinde, habe ich mir in den letzten Tagen mal ausführlich Gedanken gemacht. Mir ist eins klar geworden: Der Fehler liegt bei mir. Wenn ich deutlich zeige, dass ich auf das Interview angewiesen bin, wenn man mir die Verzweiflung anhört beim Anbahnungsgespräch, wenn ich mich bereit finde, bis über den Ultimo-Termin zu warten, bis ich eine Antwort bekomme, dann mache ich es meinen Gesprächspartnern auch leicht, die Priorität unserer Interviewanfrage als niedrig einzustufen, der Herr Bertrams ist ja besonders flexibel. Bloß kann ich mir diese Flexibilität eigentlich auch nicht leisten.</p>
<p>Darum habe ich beschlossen, dass ich künftig anders mit dem Thema umgehen werde. Im Gegensatz zu den kommerziellen Sendern ist uns die Berichterstattung über soziale Themen, auch über die kleinen Gruppen, die keine global Player sind, ein echtes Anliegen. Wir sind Journalisten aus Idealismus. Das bedeutet aber nicht, dass das Anliegen unserer Gesprächspartner im gleichen Maße unser Anliegen ist. Wir bieten ihnen die Möglichkeit, ihr Anliegen zu verbreiten, und zwar live übers <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/radio/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Radio">Radio</a>, dann aber auch über einen Podcast, der durchaus häufig abgerufen wird. Wir mögen nicht der WDR, der DLF oder RTL sein, aber wir arbeiten kontinuierlich, zuverlässig und professionell. Auch wir mit unserem wenigen, ehrenamtlich arbeitenden Personal müssen unsere Zeitpläne einhalten. Darum werde ich künftig bei Anbahnungen von Interviews deutlich sagen, bis wann ich ein Interview brauche, und zwar so, dass wir noch in aller Ruhe die Sendung produzieren können. Dabei werde ich nach dem Prinzip verfahren: &#8220;Wer nicht will, der hat.&#8221; Ich werde den Leuten nicht mehr hinterher laufen. Wer mich auf den Abend zu vertrösten sucht, kann das nur in begründeten Ausnahmefällen tun, eben aus aktuellem Anlass. Und zumindest möchte ich in der angegebenen Zeit eine Rückmeldung haben. Den Pressestellen von Parteien, Abgeordneten und Verbänden sollte daran gelegen sein, ihre aktuellen Veröffentlichungen verbreiten zu können. Wenn sie nur den großen <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/medien/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Medien">Medien</a> Interviews geben wollen, sollen sie es offen sagen, dann wissen wir, woran wir sind. Angesichts meiner fast 10jährigen Arbeit als Radiojournalist kann ich es mir leisten, mit klaren Vorgaben und Zeitfenstern aufzutreten. Auch wir müssen unsere Arbeit tun.</p>
<p>Ein Kollege hat mal berichtet, eine bekannte Popgruppe habe einen Interviewwunsch von 15 Minuten Dauer binnen der nächsten 10 Monate aus Zeitgründen abgelehnt, natürlich mit dem größten Bedauern. Der Kollege hatte den Mut, zu sagen: &#8220;Verarschen kann ich mich selbst, sagen Sie doch, dass Sie nicht wollen, für große Sender wäre sogar ein Interview binnen 3 Tagen möglich.&#8221; Damit hat er recht. Als er mir das erzählte, habe ich ihn noch dafür bewundert, inzwischen denke ich, dass er nur folgerichtig gehandelt hat. Er verkaufte sich nicht unter Wert, er erwartete Ehrlichkeit und Klarheit. Ich will es ihm gleich tun. Nicht so schroff vielleicht, das liegt nicht in meinem Wesen, aber in der Sache.</p>
<p>Dies sei mein journalistischer Vorsatz für 2012.</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2012/01/mein-journalismus-und-ich-eine-neubewertung/' addthis:title='Mein Journalismus und ich &#8211; eine Neubewertung' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>
	<p>Tags: <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/interviews/" title="Interviews" rel="tag">Interviews</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/journalismus/" title="Journalismus" rel="tag">Journalismus</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/ohrfunk/" title="ohrfunk" rel="tag">ohrfunk</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/radio/" title="Radio" rel="tag">Radio</a></p>
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		<title>Schwer verkorkst: Weg mit dem Privatrundfunk!</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 09:36:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten aus dem Radio]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Wenn ich mich mal wirklich unterhalten und berieseln lassen will, dann lese ich ein Buch, höre Musik oder spiele ganz selten ein Strategiespiel am Computer. Hin und wieder schaue ich auch mal einen Film. Und ihr so? Ich frage aus &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2011/12/schwer-verkorkst-weg-mit-dem-privatrundfunk/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2011/12/schwer-verkorkst-weg-mit-dem-privatrundfunk/' addthis:title='Schwer verkorkst: Weg mit dem Privatrundfunk!' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Wenn ich mich mal wirklich unterhalten und berieseln lassen will, dann lese ich ein Buch, höre Musik oder spiele ganz selten ein Strategiespiel am Computer. Hin und wieder schaue ich auch mal einen Film. Und ihr so? Ich frage aus guten Gründen.</p>
<p><span id="more-1036"></span>
<p>Es gibt sie tatsächlich, die Leute, die es nicht gewesen sein wollen, die sich aber doch Sonntag für Sonntag solche Shows wie &#8220;Schwer verliebt&#8221; anschauen wollen. <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/reality-tv/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Reality-TV">Reality-TV</a> nennen die Sender diese Shows. Sie suggerieren, dass man zwei Menschen, oder auch mal drei, dabei beobachten kann, wie sie sich einander annähern, wie sie ihren Alltag gemeinsam verleben. Dabei ist das gelogen. Diese Shows laufen nach einem geheimen Drehbuch ab, bei dem die Betroffenen als Laiendarsteller fungieren, ohne dass es tatsächlich um sie geht. Es geht um den Voyeurismus der Zuschauer, die niedersten Instinkte des Menschengeschlechtes, es geht darum, wie schön es ist, dabei zuzusehen, wie Mitmenschen der Lächerlichkeit, der Peinlichkeit und der Erniedrigung preisgegeben werden. Die Rhein-Zeitung hat <a title="Link zur Rhein-Zeitung" href="http://www.rhein-zeitung.de/regionales/extra_artikel,-Schwer-verletzt-statt-schwer-verliebt-Sarah-kaempft-mit-den-Folgen-der-SAT1-Kuppelshow-_arid,338629.html" target="_blank">den jüngsten Fall</a> einer fürs Leben gezeichneten jungen Frau porträtiert. Sie machte für schlappe 700 Euro bei &#8220;Schwer verliebt&#8221; mit, einem Format, bei dem korpulente Menschen systematisch erniedrigt, verspottet und verlacht werden, durch das Team, durch die Konkurrenz, durch millionen Zuschauer, die endlich jemanden finden, der noch dümmer ist als sie selbst, über den sie lachen, den sie verspotten können. Public Viewing in der Kneipe neben dem Wohnhaus einer Frau, die aufgrund eines unmenschlichen Knebelvertrages mit einer Fernsehproduktionsfirma nichts anderes tun kann, als mitzuspielen, als die Realität von den Fernsehleuten so verdrehen zu lassen, wie sie das für ihr Mobbing, für ihr Gelächter auf Kosten der Betroffenen brauchen. Und das bringt Einschaltquoten.</p>
<p>Nachdem ich den Bericht der Rhein-Zeitung aufmerksam gelesen habe, bin ich entsetzt, wütend, traurig und verbittert. Ich kenne selbst Menschen, die im Alltagsleben engagierte Aktivisten sind, die sich für die Belange Benachteiligter einsetzen, z. B. behinderte Kinder, und die doch ein solches Format anschauen. Was muss mit uns und der Welt geschehen sein, dass uns jedes Gefühl für Mitmenschlichkeit, Würde, Respekt und Achtung abhanden gekommen ist? Wieso darf es solche Sendungen überhaupt geben? Wieso darf es Formate geben, die gegen die Grundrechte verstoßen? Wegen des Marktes und der Millionen? Wegen der Lobby? Wegen der Unterhaltung? Der Ablenkung? der Entspannung?</p>
<p>Schon vor fast 12 Jahren habe ich mich <a title="Link zu meiner alten Seite" href="http://archiv.jens-bertrams.de/politik/themen/note10.htm" target="_blank">gegen die Sendung &#8220;big Brother&#8221; </a> gestellt, aber inzwischen ist alles nur noch schlimmer geworden. Reality-TV muss knacken und krachen, damit es Einschaltquoten bringt, es muss einen Dorftrottel, einen Prügelknaben oder eine Prügelmagd geben. Nur dann werden höchste Quoten und Werbeeinnahmen garantiert.</p>
<p>Um dies zu verhindern gibt es für mich nur eine Lösung: Der <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/rundfunk/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Rundfunk">Rundfunk</a>, der als auf Gewinn ausgerichtetes Unternehmen organisiert ist, muss verschwinden. Daher plädiere ich für eine Abschaffung des Privatrundfunks. Damit meine ich selbstverständlich nur den kommerziellen <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/rundfunk/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Rundfunk">Rundfunk</a>, der sich jeglicher gesellschaftlicher Verantwortung entzieht. Nichtkommerzieller, meist lokaler Funk oder Bürgerradios finde ich hingegen großartig. Wir brauchen ein Rundfunksystem, bei dem man sich an die Grundrechte hält, einen Bildungsauftrag wahrnehmen kann, ausgewogen informiert, und bei dem es trotzdem Unterhaltung gibt. Normale, menschliche Unterhaltung. Einen großen Preis zum Beispiel, ein neues Dalli-Dalli, ein Spiel ohne Grenzen. Wenn diese alten Sendungen irgendwo laufen, sind die Einschaltquoten ebenfalls gut. Wir brauchen ein System ohne Konkurrenz und Geldsorgen. Denn es ist die Konkurrenz und die Gier, die Fernsehmacher dazu treibt, Grundrechte und Mitmenschlichkeit einfach über Bord zu werfen.</p>
<p>Der Sender müsste der Frau aus &#8220;Schwer verliebt&#8221; jedenfalls eine saftige Entschädigung zahlen, den Nachbarn und Mitbewohnern erklären, wie diese Sendung funktioniert, und dann müssten solche Reality-TV-Formate verboten werden, noch vor dem Ende des privaten Rundfunks. Unterhaltung kann man auch anders haben.</p>
<p>Manchmal glaube ich, wir Menschen sind irgendwie in der Steinzeit stecken geblieben.</p>
<p>Weg mit dem Privatrundfunk!</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2011/12/schwer-verkorkst-weg-mit-dem-privatrundfunk/' addthis:title='Schwer verkorkst: Weg mit dem Privatrundfunk!' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>
	<p>Tags: <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/medien/" title="Medien" rel="tag">Medien</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/menschenwurde/" title="Menschenwürde" rel="tag">Menschenwürde</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/privatfernsehen/" title="Privatfernsehen" rel="tag">Privatfernsehen</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/reality-tv/" title="Reality-TV" rel="tag">Reality-TV</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/rundfunk/" title="Rundfunk" rel="tag">Rundfunk</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/verbot/" title="Verbot" rel="tag">Verbot</a></p>
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		<title>Manchmal hab ich wirklich keine Lust mehr</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Nov 2011 22:58:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
				<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus dem Radio]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Blindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[ohrfunk]]></category>
		<category><![CDATA[Radio]]></category>
		<category><![CDATA[Teamtalk]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt so Tage, da frage ich mich, warum ich mit meinem Blog und mit meinem Engagement bei Ohrfunk noch weiter mache. Geld kriege ich ohnehin nicht für meine Arbeit, und manchmal scheint es, als ob die Mühe nicht lohnt. &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2011/11/manchmal-hab-ich-wirklich-keine-lust-mehr/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2011/11/manchmal-hab-ich-wirklich-keine-lust-mehr/' addthis:title='Manchmal hab ich wirklich keine Lust mehr' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Es gibt so Tage, da frage ich mich, warum ich mit meinem Blog und mit meinem Engagement bei <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/ohrfunk/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with ohrfunk">Ohrfunk</a> noch weiter mache. Geld kriege ich ohnehin nicht für meine Arbeit, und manchmal scheint es, als ob die Mühe nicht lohnt. Lesen Sie einen selbstmitleidigen Artikel auf diesem Blog, jetzt!</p>
<p><span id="more-1026"></span>
<p><a title="Link zur Teamtalk-Seite" href="http://www.bearware.dk" target="_blank">Teamtalk</a> ist eine Konferenzsoftware, die von einigen befreundeten Radiostationen genutzt wird, um eine Sendung gemeinsam zu moderieren, obwohl man sich nicht am selben Ort befindet. Tolle Technik. Wir haben es bislang schon über <a title="Link zur Skype-Seite" href="http://www.skype.com" target="_blank">Skype</a> versucht, aber die Qualität ist gemeinsam mit den Internetresourcen, die man fürs Senden braucht, zu schlecht. Der Unterschied zwischen Skype und <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/teamtalk/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Teamtalk">Teamtalk</a> ist dann auch noch, dass Jeder sich einen Server aufbauen kann, der dann nur für wenige Leute freigegeben wird, was die Qualität natürlich verbessert, man befindet sich nicht in einem Netzwerk mit gleichzeitig 25 Millionen anderer Nutzer. Mir gefiel die Idee, und ich habe mich mal auf verschiedenen Servern umgesehen: Dem offiziellen, der vom Entwickler gebaut wurde, und dem, auf dem die befreundeten Radiostationen laufen. Dort traf ich eine Runde von Leuten, die sich in verschiedenen Räumen zwanglos unterhielten. Nun bin ich kein Chat-Junkie, aber ich ging mal hinein, um die Möglichkeiten des Programms zu testen. 5 Leute waren außer mir da. Einige von ihnen sind selbst auch blind und arbeiten für die befreundeten Radiostationen. Ich kannte keinen von Ihnen. Die Qualität war gut, sie halfen gerade einem, der das programm noch nicht kannte. Ich stellte mich vor, man sah meinen Nick &#8220;Radiojens&#8221;.<br />
&#8220;Für welches <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/radio/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Radio">Radio</a> arbeitest du denn?&#8221; kam eine Frage.<br />
&#8220;Für <a href="http://www.ohrfunk.de">www.ohrfunk.de</a>&#8220;, war meine Antwort.<br />
&#8220;Würg, kotz!&#8221; kriegte ich zu hören. Ich war erstaunt.<br />
&#8220;Wir sind arm und blind, sagt ihr in euren Sendungen&#8221;, erklärte mir einer, und zwei weitere stimmten zu.</p>
<p>Nun ist ohrfunk.de alles andere, nur kein typisches Blindenradio. Das wird uns aber immer wieder unterstellt, wenn Leute erfahren, dass die Betreiber blind oder sehbehindert sind. Etwas anderes können sich viele Menschen kaum vorstellen. Dabei ist es unser Ziel, Radio für alle zu machen. Unsere Sendungen unterscheiden sich kaum von den Sendungen der öffentlich-rechtlichen Radiostationen, nur sind unsere <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/interviews/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Interviews">Interviews</a> und Wortstrecken länger, und es gibt keine Werbung. Und natürlich, das verstecken wir auch nicht, legen wir Wert auf Nachrichten aus dem Sozialbereich. Wenn 15 % unserer Themen Blindenthemen sind, dann ist das viel. Und gerade dann wollen wir ganz bestimmt nicht aussagen: &#8220;Ich bin arm und blind&#8221;, sondern im Gegenteil: &#8220;Ich bin wie du. Du hast es im Rücken, ich habs mit den Augen, na und?&#8221; So die Theorie. Und im Großen und Ganzen gelingt es uns glaube ich auch recht gut. Ich selbst bin für viele der sogenannten Infobeiträge verantwortlich, und ich bemühe mich, sogenannte &#8220;Behindertenthemen&#8221; nur dann anzubringen, wenn die Information wirklich sinn- und wertvoll ist. Dafür interessiere ich mich viel zu sehr für andere politische Gebiete und mache die Behindertenpolitik nur deshalb, weil kein Anderer da ist. Ich kann mit dem zerstrittenen, immer wieder auch selbstsüchtigen und uneffektiven Klüngel der Verbände oft nichts anfangen. Gerade deshalb trafen mich die Anfeindungen.</p>
<p>Also versuchte ich, mit den Leuten zu debattieren, sie zu fragen, welche Sendungen sie gehört hätten, was für Beispiele es gebe. &#8220;Ganz ehrlich&#8221;, sagten sie, &#8220;mir wird schlecht, wenn ich einschalte. Die technische Qualität ist ja ganz gut, aber inhaltlich ist es graußlich.&#8221; Ich versuchte weiterhin, sachlich zu debattieren, mich interessierte ein Beleg, eine fundierte Meinung. Lachen war die Antwort, kleine Beleidigungen wie &#8220;Wir haben Musik für euch: Tränen lügen nicht&#8221;, von wegen der Tränendrüse, auf die der Sender als Blindenfunk drücken würde. Einer kommentierte unsere Diskussion im Stil eines Sportreporters, wer die besseren, vor allem schlagenderen Argumente habe und ähnliches. Eine sachliche Diskussion war unmöglich. Ich bin irgendwann gegangen, als sie nicht einmal dann aufhörten, als ich nichts mehr sagte.</p>
<p>Nun bin ich nicht der Typ, der keine <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/kritik/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Kritik">Kritik</a> ertragen kann. Aber ich mag es nicht, wenn sie so emotional, grundlos, verletzend und unsachlich ist. Und ich mag es nicht, wenn sie bei denen, die es besser wissen könnten, wenn sie es denn wollten, nach 6 Jahren noch besteht. Natürlich frage ich mich dann schon, was wir falsch machen, insbesondere ich selbst, der ich dieses Bild ja durch meine Infoberichterstattung maßgeblich prägen muss. An Musik kann man das nicht ablesen. Wenn das ist, was nach 6 Jahren Arbeit heraus kommt, und sei es nur bei blinden Menschen, die keine Tränendrüsen mögen, oder gerade bei denen, dann muss ich schon erschrecken. Die Form der <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/kritik/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Kritik">Kritik</a> hat mir weh getan, aber wie berechtigt sie ist, kann ich natürlich selbst nicht sagen. Ich würde sie, hörte ich den Ohrfunk unvoreingenommen, überhaupt nicht als berechtigt empfinden. Aber wenn das die Wahrnehmung unserer und meiner Arbeit ist, dann sollte ich aufhören. Das denke ich manchmal. Auch, weil ich mich nicht so verletzen lassen und so behandeln lassen möchte, aber auch, weil ich offenbar keine Macht habe, dieses Bild, das in bestimmten Kreisen über uns herrscht, zu verändern. Da die anderen Kreise uns trotz unserer langen und ehrenamtlichen Arbeit ohnehin kaum wahrnehmen, muss ich mich an diese mehreren Stimmen halten, und Gott sei dank an die, die vereinzelt mit Lob aufklingen.</p>
<p>Warum aber konnten mir die Kritiker nicht sachlich gegenübertreten und ihre Meinung sagen? Es gibt Tage, da hab ich echt keine Lust mehr, da möchte ich den ganzen Kram hinschmeißen und einfach tun, wonach mir ist. Ein demokratischer Vorgang. Mag jeder, der will, seine Rummelplatzsender hören, seine Vorurteile schüren.</p>
<p>Das musste mal raus, und jetzt weiter im Text!</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2011/11/manchmal-hab-ich-wirklich-keine-lust-mehr/' addthis:title='Manchmal hab ich wirklich keine Lust mehr' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>
	<p>Tags: <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/blindheit/" title="Blindheit" rel="tag">Blindheit</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/kritik/" title="Kritik" rel="tag">Kritik</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/ohrfunk/" title="ohrfunk" rel="tag">ohrfunk</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/radio/" title="Radio" rel="tag">Radio</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/teamtalk/" title="Teamtalk" rel="tag">Teamtalk</a></p>
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		<title>Routine killt die Rampensau</title>
		<link>http://blog.jens-bertrams.de/2011/08/routine-killt-die-rampensau/</link>
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		<pubDate>Tue, 02 Aug 2011 06:07:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten aus dem Radio]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
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		<description><![CDATA[Schon lange wollte ich mal ganz privat und ganz entspannt über ein persönliches Phänomen schreiben, das vielleicht nichts besonderes ist, mich selbst aber ziemlich erstaunt. Das Phänomen nämlich, dass ich bei meiner Arbeit im Radio zwar immer noch das Lampenfieber &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2011/08/routine-killt-die-rampensau/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2011/08/routine-killt-die-rampensau/' addthis:title='Routine killt die Rampensau' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Schon lange wollte ich mal ganz privat und ganz entspannt über ein persönliches Phänomen schreiben, das vielleicht nichts besonderes ist, mich selbst aber ziemlich erstaunt. Das Phänomen nämlich, dass ich bei meiner Arbeit im <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/radio/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Radio">Radio</a> zwar immer noch das Lampenfieber kenne, aber praktisch kein Geltungsbedürfnis mehr habe. Wenn ich ehrlich bin, passt das eigentlich nicht zu mir.</p>
<p><span id="more-965"></span>
<p>Irgendwie war ich immer eine Rampensau. Schon als ich klein war, musste ich entweder mit dem Spielen auf dem Keyboard oder mit Witzen und sonstigen humoristischen Einlagen meine Familie oder Freunde beeindrucken. Vielleicht ist das als Kind ganz normal, und vor allem, wenn man bestärkt wird, möchte man auch künftig gesehen und beachtet werden. Dabei konnte ich wirklich nicht gut Keyboard spielen, und ich kann es bis heute nicht. Auch als ich mit 10 Jahren anfing, meine ersten politischen Kommentare zu schreiben, oder Zusammenfassungen aktueller Ereignisse wie der <a title="Link zur Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Revolution" target="_blank">iranischen</a> oder der <a title="Link zur Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nicaraguanische_Revolution" target="_blank">nikaraguanischen Revolution</a> zu verfassen, ohne freilich von den eigentlichen Problemen der Länder irgend etwas zu verstehen, erntete ich Beifall im Familien- und Freundeskreis. Die Reihe ließe sich über die Karnevals- und Musikveranstaltungen der <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/schule/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Schule">Schule</a>, bis hin zu der jährlichen <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/talentenjagd/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Talentenjagd">Talentenjagd</a> in meiner zweiten niederländischen Heimat <a title="Link zur Seite von Heelderpeel" href="http://www.heelderpeel.nl" target="_blank">Heelderpeel</a> fortsetzen. Ich genoss es, im Mittelpunkt zu stehen und bei den Menschen eine Reaktion hervorzurufen, das gab mir ein Selbstwertgefühl, das ich im Alltagsleben der Schule oft nicht besaß, nicht wegen meiner schulischen Leistungen, sondern wegen der sozialen Stellung.</p>
<p>1994 machte ich ein einwöchiges Praktikum beim heimatlichen Lokalsender <a title="Link zu Radio RSG" href="http://www.radiorsg.de" target="_blank">Radio RSG</a> in <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/solingen/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Solingen">Solingen</a>. Natürlich war es mein Ziel, am Mikrofon zu sprechen und eigene Texte zu lesen, aber dazu kam es nicht. Trotzdem durfte ich vorgefertigte Texte einsprechen, und ich nahm die Sendungen auf dem heimischen Kassettenrekorder auf, um sie zu archivieren.</p>
<p>Ab 1998 war ich Pressesprecher eines lokalen Behindertenvereins in <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/marburg/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Marburg">Marburg</a>, und das ermöglichte mir, im Radio gehört zu werden, in die Zeitung zu kommen und einmal sogar im Fernsehen aufzutauchen. Für mich, obschon damals bereits erwachsen, waren dies Großereignisse, und ich hoffte immer auf Reaktionen. Es war der Wunsch, wahrgenommen zu werden, etwas bewegen zu können und Anerkennung zu erhalten, die ich sonst oft schmerzlich vermisste.</p>
<p>Als ich dann 2002 ganz plötzlich zum marburger Lokalsender &#8220;<a title="Link zu Radio Unerhört Marburg" href="http://www.radio-rum.de" target="_blank">Radio unerhört Marburg</a>&#8221; kam, wurde das noch intensiver. Mit einem Freund zusammen gestaltete ich eine Sendung für blinde und sehbehinderte Menschen in Marburg, und ich konnte Behindertenpolitik und Radio verbinden. Ich war in meinem Element. Ich weiß noch, wie ich die ersten Sendungen aufzeichnete und jedem vorspielte, der sie hören wollte, und manchmal vielleicht auch Menschen, die sie gar nicht hören wollten. Ich musste unbedingt zeigen, dass ich etwas geleistet hatte. Ich wollte unbedingt hören, dass ich professionell klang. Das Interview mit dem Bundesbehindertenbeauftragten, aber auch mit einem Aktivisten der Behindertenbewegung waren für mich fast historische Highlights. Als mein Freund dann den Schauspieler <a title="Link zur Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bodo_Primus" target="_blank">Bodo Primus</a> für uns ans Telefon bekam, war ich neidisch darüber, dass es mir nicht gelungen war, mit einer so bekannten Persönlichkeit zu sprechen bzw. das Interview zu arrangieren.</p>
<p>Ab 2003 hatte ich bei Radio Unerhört meine eigene Musiksendung, in der ich versuchte, Menschen zu abendlicher Stunde friedlich zu unterhalten. In der linken Redaktion des Senders hielt man erniedrigende <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/kritik/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Kritik">Kritik</a> für positiv und einen Segen. Als meine Sendung von einem dieser Möchtegernprofis als &#8220;käsiges Hollandmagazin mit seichter Musik und einem Moderator, der sich für einfühlsam hält&#8221; charakterisiert wurde, war ich schwer persönlich getroffen, und ich habe das während meiner gesamten Zeit bei dem Sender nicht so recht verwunden. Zu meinem <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/geltungsdrang/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Geltungsdrang">Geltungsdrang</a> kam dann auch noch ein extrem dünnes Fell.</p>
<p>Und dann entstand der <a title="Link zum Ohrfunk" href="http://www.ohrfunk.de" target="_blank">Ohrfunk</a>. Er wurde zu meinem größten Radioabenteuer. Schnell stellte ich fest, dass ich mit gleich mehreren Rampensäuen an dem Projekt arbeitete. Jedes Interview, das ich führte, jede Sendung, die ich produzierte, sollte etwas Besonderes sein. Wenn unsere Oberen öffentlich über den Sender sprachen, wollte ich erwähnt werden, wollte ein Stützpfeiler des Senders sein, wollte besonders wertvolle Beiträge liefern, mich beweisen und etwas leisten. Ich wollte, dass man meine Fähigkeiten bemerkte. Aber gleichzeitig war mir der Teamgeist und Bescheidenheit wichtig. Ich selbst sprach, wenn ich über den Sender redete, fast nie von meinen eigenen Aktivitäten, ich lobte die Kollegen. Aber mein Bestreben war es schon, überall vorne dabei zu sein. Mein Freund, mit dem ich die Sendung im marburger Lokalradio gemacht hatte, erzählte einmal, dass er besonders faszinierend fand, dass man bei der Produktion einer Radiosendung in ein Mikrofon sprach, und hunderte oder tausende von Menschen konnten es hören. Diese Faszination hat ihn und auch mich nie verlassen. Man sagt etwas, und irgendwo draußen im Lande wird man gehört. Vielleicht unterhalten sich Menschen über das, was sie hören, vielleicht decken sie den Frühstückstisch, während die Musik im Hintergrund läuft, vielleicht sitzen sie beim Kaffee, und man selbst spricht zu ihnen, regt ihren Geist an, unterhält sie. Ein wirklich toller und schöner Gedanke.</p>
<p>Während meiner Arbeit für den <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/ohrfunk/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with ohrfunk">Ohrfunk</a> kam noch der starke Wunsch hinzu, Menschen zu informieren. Ich wollte, dass meine Interviews gehört wurden, ich wollte, dass meine Kollegen merkten, dass ich mir große Mühe gab, dass ich ein wertvolles Mitglied des Teams war. Und immer wieder ärgerte es mich, wenn ich bei Hörbeispielen, die wir für andere Sender machten, übergangen wurde.</p>
<p>Ich kann mich noch an eine Live-Party des ganzen Ohrfunkteams im Mai 2006 in Hamburg erinnern. Wir hatten an diesem Tag unsere Jahreshauptversammlung abgehalten und grillten abends zusammen und sozusagen mit den Hörerinnen und Hörern. Es war ein Abend, an dem ich immer wieder versuchte, vor das Mikrofon zu kommen, besonders witzig oder interessant zu sein. Wieder hatte mich die Faszination gepackt, auf einer Terrasse in Hamburg zu sprechen und theoretisch überall auf der Welt gehört werden zu können. Wenn ich heute die Aufnahmen von jenem Abend höre, merke ich zwar kaum etwas von meinen Bemühungen, auch damals hatte ich meinen Geltungsdrang schon unter Kontrolle, aber ich weiß, dass es damals so war.</p>
<p>Dieselbe Situation ergab sich 4 Jahre später in Marburg. Wieder gab es eine Party mit Grillen bei unserer Jahreshauptversammlung. Eine Kollegin, die bei mehreren Sendern arbeitet und für ihre Unterhaltungssendungen und Künstlerportraits sehr hoch gelobt wird, rannte bei jeder sich bietenden Gelegenheit zum Mikrofon, es fiel sehr stark auf. Und was das Entscheidende war, es fiel mir unangenehm auf. Ich selbst antwortete, wenn man mich fragte, nicht mehr, nicht weniger.</p>
<p>Als ich bei Ohrfunk anfing, wollte ich viel moderieren, der Frontmann der Sendungen sein. Heute schreibe ich hauptsächlich Beiträge, viele davon lasse ich von Anderen lesen, und ich betreue die Sendungen meiner Liebsten technisch. Eine Musiksendung mache ich derzeit noch selbst, und einmal in der Woche lese ich meinen eigenen Kommentar auf. Das war es in der Regel. Nein, ein Infomagazin am Freitag präsentiere ich auch, aber gegen meinen Willen, und weil kein anderer Moderator zur Verfügung steht.</p>
<p>Was hat sich geändert?</p>
<p>Es war, glaube ich, die Fülle an Aufgaben und die Tatsache, dass die Existenz des Senders zunehmend von jedem Einzelnen von uns abhing. Eitelkeiten waren mit der Zeit fehl am Platz, und wenn man wöchentlich drei oder vier Interviews führte, drei oder vier Sendungen produzierte, Veranstaltungen besuchte, Sendungen schnitt, Servicetipps zusammen suchte, aufbereitete und einsprach, dann legte sich mit der Zeit der Wunsch, immer im Rampenlicht zu stehen und machte dem Wunsch platz, rechtzeitig fertig zu werden und die Sendungen mit Inhalt zu füllen, dafür zu sorgen, dass die Kollegen, die die Sendung moderierten, nicht mit leeren Händen vor dem Mikrofon saßen. Für das Gelingen eines guten Programms war es nicht so sehr notwendig, dass ich am Mikrofon saß und in der Welt zu hören war. Viel wichtiger war der Gesamteindruck des Senders und des Teams. Die Programmautomation musste klappen, die Übergänge funktionieren, Moderatoren mussten mit genügend redaktionellen Informationen zu den Beiträgen versorgt werden, und dies alles musste regelmäßig und zuverlässig geschehen. Ich lernte den Respekt vor den Menschen, die im Hintergrund arbeiten und selten dafür gelobt werden.</p>
<p>In den letzten jahren habe ich mein öffentliches Geltungsbedürfnis gründlich und praktisch vollständig eingebüßt. Mir geht es vielmehr darum, Informationen zu vermitteln und vor allem Zusammenhänge darzustellen. Ich habe mal ein Feature darüber gemacht, wie unsere Infosendung entsteht. Dabei war vor allem die Teamarbeit und die Arbeitsweise entscheidend. Der Wunsch, im Mittelpunkt zu stehen, ist verschwunden. Zufriedenheit über rechtzeitig fertiggestellte Beiträge, über solide geleistete Arbeit, ist an seine Stelle getreten. Das ist beiweitem nicht so aufregend, und die <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/routine/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Routine">Routine</a> ist ein mühsames Brot. Man sieht keine schnellen Erfolge, man tut nichts spektakuläres. Die meiste zeit verbringt man hinter den Kulissen. Irgendwie bewerte ich auch die Qualität meiner Arbeit neu. Gute journalistische Arbeit sind nützliche Infos, Infos, bei denen Leuten ein Licht aufgeht, Infos, die zur Diskussion anregen. Natürlich ist es immer noch schön, wenn sie mit meinem Namen verknüpft sind, aber es ist nicht mehr zwingend. Und ich glaube, ich habe das Vordrängeln völlig verlernt, und das Wegschupsen Anderer war mir schon immer ein Dorn im Auge.</p>
<p>Die Kehrseite der Medaille ist, dass Menschen, die nicht zur Selbstinszenierung neigen, auch in ihrer Arbeit oft übersehen werden. Sie erhalten selten Feedback und wissen oft nicht, wie das, was sie tun, bei ihrer Zielgruppe ankommt, ob sie etwas anders oder besser machen könnten. So geht es mir oft auch. Früher habe ich zwar zur <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/selbstdarstellung/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Selbstdarstellung">Selbstdarstellung</a> geneigt, habe sie aber nie beherrscht. Es gab auch beim Ohrfunk immer Kolleginnen und Kollegen, die das wesentlich besser konnten, und die für manchmal schöne, aber seichte Unterhaltung immer schon mehr Anerkennung bekamen, als meine Infokollegen und ich für möglichst tiefgehende Information. Vielleicht eignet sich <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/selbstdarstellung/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Selbstdarstellung">Selbstdarstellung</a> auch nicht für einen Inforedakteur.</p>
<p>Im Großen und Ganzen finde ich es entspannter, wie es jetzt ist. Ich mache meine Arbeit, ich mache sie im wesentlichen gern, und ich freue mich, wenn der Sender nach außen professionell wirkt und ich dazu beitragen kann. Keine meiner eigenen Sendungen regt mich mehr besonders auf, ich laufe niemandem mehr nach, um sie jemandem vorzuspielen. In der Regel empfinde ich keinen echten Stolz mehr über das, was ich tue, sondern eine normale Zufriedenheit. Auch die Ansprüche haben sich geändert. Sollen Andere das Radio nach außen repräsentieren. Mir ist wichtig, dass ich für Kollegen und Freunde ein zuverlässiger und verlässlicher Mensch bin. Auch mein technischer und inhaltlicher Perfektionismus hat sich versachlicht.</p>
<p>Schuld an diesen Veränderungen in mir ist die Routine, die ganz andere Eigenschaften erfordert als ein besonderer Auftritt, oder eine extravagante Präsentation. Ich kann noch so coole Sprüche in einer Moderation drauf haben, wenn keine Beiträge da sind, stehe ich dumm da. Es ist super, einen besonders spannenden Interviewpartner zu haben, aber jede Woche oder gar jeden Tag funktioniert das nicht. Ich lernte Bescheidenheit angesichts der begrenzten Möglichkeiten, die ich habe. Und ich lernte, dass Andere besser an der Front und in der Öffentlichkeit stehen können als ich, so gern ich das manchmal immer noch tue. Der Drang hat aber massiv nachgelassen. Radio hat aufgehört, eine tägliche Faszination zu sein, es ist ein Job, einer allerdings immer noch, mit dem es in kleinem Rahmen möglich ist, etwas zu bewegen. Nicht in der Gesellschaft als Ganzes, sondern bei einzelnen Menschen, die ein Beitrag zum Nachdenken anregt. Damit will ich zufrieden sein.</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2011/08/routine-killt-die-rampensau/' addthis:title='Routine killt die Rampensau' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>
	<p>Tags: <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/geltungsdrang/" title="Geltungsdrang" rel="tag">Geltungsdrang</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/heelderpeel/" title="Heelderpeel" rel="tag">Heelderpeel</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/marburg/" title="Marburg" rel="tag">Marburg</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/radio/" title="Radio" rel="tag">Radio</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/routine/" title="Routine" rel="tag">Routine</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/schule/" title="Schule" rel="tag">Schule</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/selbstdarstellung/" title="Selbstdarstellung" rel="tag">Selbstdarstellung</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/solingen/" title="Solingen" rel="tag">Solingen</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/talentenjagd/" title="Talentenjagd" rel="tag">Talentenjagd</a></p>
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		<title>Medienschelte zur Berichterstattung über Japan und Libyen</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Mar 2011 14:11:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Weil ich selbst &#8211; wenn auch nur für einen kleinen Sender &#8211; journalistisch tätig bin, muss das folgende einfach mal gesagt werden. Der Text stammt vom 23. März und wurde auf www.ohrfunk.de veröffentlicht.&#8220;Live-Ticker Libyen!&#8221; so konnte man es seit Anfang &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2011/03/medienschelte-zur-berichterstattung-uber-japan-und-libyen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2011/03/medienschelte-zur-berichterstattung-uber-japan-und-libyen/' addthis:title='Medienschelte zur Berichterstattung über Japan und Libyen' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Weil ich selbst &#8211; wenn auch nur für einen kleinen Sender &#8211; journalistisch tätig bin, muss das folgende einfach mal gesagt werden. Der Text stammt vom 23. März und wurde auf <a href="http://www.ohrfunk.de">www.ohrfunk.de</a> veröffentlicht.<span id="more-451"></span>&#8220;Live-Ticker Libyen!&#8221; so konnte man es seit Anfang März auf allen großen Nachrichtenseiten im Internet lesen, und allmählich griffen auch Sondersendungen in <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/radio/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Radio">Radio</a> und Fernsehen um sich. Leser und Hörer wollten mit Informationen über die sympathische Revolution im nordafrikanischen Terrorstaat versorgt werden, auch wenn es noch keine neuen Informationen gab. Die Ticker mussten alle 5 bis 10 Minuten neu gefüllt werden, damit der Anschein von Aktualität nicht verloren ging. Ein hübsches kleines Politspiel irgendwo in der Welt, dem man am Fernsehen und im Internet beiwohnen konnte. &#8220;Gamification der Wirklichkeit&#8221; ist ein treffender Begriff für diese Entwicklung. Ereignisse in der Welt werden mit Spaß und Spannung verfolgt, wie in einem Computerspiel, bei dem man gern alle paar Minuten die Updates liest. Das Spiel &#8220;libysche Revolution 1.0&#8243; war im Begriff, sich zu einem Bestseller zu entwickeln, die Grenzen zwischen Freude beim Zuschauen und echter Anteilnahme dürften für den gewöhnlichen Fernsehzuschauer, Radiohörer und Internetleser fließend gewesen sein.</p>
<p>Und dann &#8211; von einem Tag auf den Anderen &#8211; lief das Japan-Spiel Libyen den Rang ab. Erst ein Erdbeben, dann ein Tsunami, und schließlich, der Gipfel der Genüsse, eine Atomkatastrophe. Live-Ticker all über all, und Sondersendungen in Hülle und Fülle, und zwar trotz der schlechten Informationspolitik des Kraftwerksbetreibers und der Regierung. Und so sehr man sich über diese Politik aufregte, es gab alle 5 Minuten ein Update, auch zu der Zeit, als die Korrespondenten der Zeitungen und Sendeanstalten die Region um Fukushima aus Angst um ihr eigenes Leben längst verlassen hatten. Alle paar Stunden wurde die endgültige, die absolute Kernschmelze prognostiziert, bis die Abstumpfung der Bevölkerung so groß war, dass unbedingt ein neues Thema her musste. Durch die ganztägigen Sondersendungen hatten sich Einschalt- und Klickquoten wirklich rentiert. Also schwenkte man auf die nationale Kernkraftdebatte um, holte Hörer und Leser gedanklich nach hause zurück und zeigte den blamablen Zustand der Regierung.</p>
<p>Bis &#8211; Tusch und Fanfare! &#8211; der UN-Sicherheitsrat einen Militäreinsatz in Libyen genehmigte. Gut: Für die Revolutionäre kommt er zu spät und ist darum auch nur politische Augenwischerei mit Todesfolge, aber den <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/medien/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Medien">Medien</a> konnte gar nichts besseres passieren. Die Live-Ticker konnten wieder von jeder einzelnen Angriffswelle berichten, auch wenn sie dafür am Zensurtropf des Militärs hängen und bedenkenlos dessen Propaganda übernehmen. Kritischer <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/journalismus/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Journalismus">Journalismus</a>? Was ist das in einer Zeit, wo die Kasse nur bei Quoten klingelt? Action ist gefragt, nicht trübes Fischen in den kaum verständlichen Untiefen internationaler Diplomatie und Politik.</p>
<p>Äh &#8211; Was war noch mal mit Japan? Ach naja: Der Strom ist wieder einigermaßen am Kraftwerk, die Superkatastrophe bleibt wohl aus, da ist Libyen jetzt interessanter. Und hier zuhause in der Atomdebatte? Ach: Haben die Leute am letzten Sonntag in Sachsen-Anhalt anders als erwartet gewählt? Siehste: Alles nur Schall und Rauch. Und in drei Monaten interessiert es keinen Schwanz mehr, ob die Reaktoren wieder hochgefahren werden oder nicht.</p>
<p>Manchmal schäme ich mich wirklich, ein Medienschaffender zu sein. Dort in Japan zum Beispiel hat es über 20.000 Tote gegeben, denn für die weit über 10.000 vermissten besteht kaum noch Hoffnung. Millionen haben nachts in Eis und Schnee kaum eine Unterkunft, ihnen fehlt es an Wasser, Nahrung, medizinischer Versorgung. Viele von ihnen haben alles verloren, die Habe ihres ganzen, in der zivilisierten Welt durchlebten Lebens, die Früchte ihrer jahrzehnte langen Arbeit. Und viele von Ihnen werden Freunde und Verwandte niemals wiedersehen, und ihre Heimat ist nur noch Schutt und Asche.</p>
<p>Oder in Libyen: Kann irgendwer in der Bevölkerung etwas für den Machtwahn eines Gaddafi? Jeder Luftangriff zur späten Wahrung des internationalen Renomees kostet unwiderbringlich Menschenleben. Wie viel Leid muss man dort erdulden, weil die Weltgemeinschaft zwar den Rebellen nicht wirklich helfen will, denn Gadafi ist inzwischen ein verlässlicher Ölpartner, aber wenigstens den Anschein zu wahren versucht, als sei sie auf der Seite der Unterdrückten. Fast könnte man die Eiertanzdiplomatie deutscher Außenpolitik auf diesem Gebiet als ehrliche Haltung missverstehen, wenn man nicht wüsste, dass es auch innenpolitische, und zwar wahlkampftaktische Gründe für deutschlands Enthaltung gibt. Einerseits will die FDP Stimmen bei den Bürgern gewinnen, die gegen einen Militärschlag sind, andererseits kann man den Alliierten nach einer Resolution, die man nicht explizit abgelehnt hat, trotzdem helfen. Und drittens versteht ohnehin kaum einer die Ränkespiele hinter solchen Entscheidungen.</p>
<p>Die Medien könnten das Weltgeschehen etwas transparenter gestalten. Weniger Live-Ticker, mehr echte Information, wenn sie denn zur Verfügung steht, und zwischen den aktuellen Informationen Hintergründe und Gespräche, allerdings welche, in denen man sich gegenseitig ausreden lässt und Zeit hat, einen Gedanken auch mal zu ende zu denken. Vermutlich aber sind solche Zeiten, wenn es sie je gegeben hat, längst vorbei. Medien und Verantwortung: In den letzten Wochen passte das kaum zusammen.</p>
<p>Natürlich gab es Ausnahmen: Deutschlandfunk und Deutschlandradio sollten hier ebenso erwähnt werden, wie die Berichterstattung der Wochenzeitung &#8220;Die Zeit&#8221; im Internet. Auch das ZDF wurde für seine Berichterstattung über Japan sehr gelobt. Dabei muss man aber bedenken, dass mit der Libyen-Krise die japanische Katastrophe nicht beendet ist. Sie geht unvermindert weiter und wird für die Menschen vorerst nicht gemildert. Und wie wenig nachhaltig ständige Action-Berichterstattung hier in Deutschland ist, wird der kommende Sonntag zeigen.</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2011/03/medienschelte-zur-berichterstattung-uber-japan-und-libyen/' addthis:title='Medienschelte zur Berichterstattung über Japan und Libyen' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>Keine tags in diesem Beitrag.]]></content:encoded>
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		<title>Mein Urlaub ist beendet&#8230;</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Sep 2010 22:45:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8230; und ich muss zugeben, dass ich das schade finde.Eigentlich sollte man sich nach sieben Wochen Urlaub nicht beschweren, und eigentlich will ich das auch nicht. Aber ein wenig ist es so gekommen, wie ich es befürchtet habe. Es dauerte &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2010/09/mein-urlaub-ist-beendet/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2010/09/mein-urlaub-ist-beendet/' addthis:title='Mein Urlaub ist beendet&#8230;' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>&#8230; und ich muss zugeben, dass ich das schade finde.<span id="more-387"></span>Eigentlich sollte man sich nach sieben Wochen Urlaub nicht beschweren, und eigentlich will ich das auch nicht. Aber ein wenig ist es so gekommen, wie ich es befürchtet habe. Es dauerte sehr lange, bis ich runter kam und den Urlaub genießen konnte. Eine knappe Woche habe ich bei Freunden in Holland verbracht, zusammen mit meiner Liebsten, aber die Dinge, die ich gerne aus dieser Woche erzählen würde, behalte ich dann doch lieber für mich. <img src='http://blog.jens-bertrams.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In den letzten Wochen hatte ich Zeit, ausführlichere Beiträge in dieses Blog zu schreiben, jetzt werden es wieder die kurzen, unzureichenden Kommentare sein, die dann auch im <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/radio/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Radio">Radio</a> laufen. Das Problem ist, dass ich allein über die letzte Woche einen riesigen Beitrag über die niederländische Regierungsbildung schreiben könnte, aber ich stecke noch mit meinen zwei Beiträgen im Juni fest, hoffnungslos zurück. Natürlich werde ich irgendwie weiter schreiben und das ganze im Gegensatz zum Anfang etwas straffen, aber es ist nicht dasselbe wie im Urlaub.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Übel spielte uns ja das Wetter mit: Während unseres Urlaubs war es kühl, teilweise verregnet. Der Sommer fiel vielleicht nicht ins Wasser, aber zumindest in die Kühle. Das war schade.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Allerdings wird sich bei mir einiges ändern. Weil ich mal wieder Zeit unter Anderem für dieses Blog haben will, werde ich zum Ende des Jahres meine Aktivitäten beim <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/ohrfunk/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with ohrfunk">Ohrfunk</a> etwas einschränken. Das habe ich mir fest vorgenommen. Mehr wird allerdings jetzt noch nicht verraten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vielen Dank an all die Leserinnen und Leser, die mir in den letzten knapp fünfeinhalb Jahren in diesem Blog treu geblieben sind.</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2010/09/mein-urlaub-ist-beendet/' addthis:title='Mein Urlaub ist beendet&#8230;' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>Keine tags in diesem Beitrag.]]></content:encoded>
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		<title>Urlaub</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Jul 2010 07:15:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten aus dem Radio]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Sieben Wochen muss ohrfunk.de, das Radio, das Brücken baut, in diesem Sommer auf mich verzichten. Ich nehme mir eine Auszeit, einen Urlaub, den ich als wirklich notwendig empfinde. Aber es ist gar nicht so leicht, Urlaub zu haben.Heute ist der &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2010/07/urlaub/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2010/07/urlaub/' addthis:title='Urlaub' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Sieben Wochen muss <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/ohrfunk/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with ohrfunk">ohrfunk</a>.de, das <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/radio/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Radio">Radio</a>, das Brücken baut, in diesem Sommer auf mich verzichten. Ich nehme mir eine Auszeit, einen Urlaub, den ich als wirklich notwendig empfinde. Aber es ist gar nicht so leicht, Urlaub zu haben.<span id="more-377"></span>Heute ist der neunte Tag meines Urlaubs. 9 von 49 Tagen sind rum, damit werden am Ende dieses Tages rund 18,4 % meiner Auszeit vergangen sein. Ein erschreckender Gedanke, im Grunde geht es ja schon fast wieder los. Und ich bin irgendwie noch gar nicht zum Durchatmen gekommen. Nur im Ansatz habe ich begriffen, dass ich frei habe, frei atmen kann, mal wiederr nach Themen suchen kann, die mich wirklich interessieren, um sie ohne Zeitdruck zu recherchieren und so über sie zu schreiben, wie ich selbst es für richtig halte, ohne auf die Länge von Radiokommentaren beschränkt zu sein. Denn ich blogge ja schon lang nicht mehr einfach so, weil Ohrfunk mir dafür keine Zeit lässt. Nach der täglichen Arbeit bin ich so ausgepowert, dass ich mich nicht intensiv irgendwelchen Themen widmen kann, selbst der Besuch bei Freunden gelingt extrem selten, vom Schreiben, nicht nur fürs Blog, sondern auch für meine Science-Fiction-Geschichten, die ich als Hobby hin und wieder verfasst habe, ganz zu schweigen. Da ich für Ohrfunk ja nun einmal ehrenamtlich arbeite, aber beinahe die Zeit eines ganz normalen Jobs investiere, bin ich, wie jeder normale Arbeitnehmer, unzufrieden, wenn private Dinge auf der Strecke bleiben. Es kommt aber noch hinzu, dass meine Arbeit im Sender anders gesehen wird als die der Moderatorinnen und Moderatoren von Musiksendungen, oder der, die dankenswerterweise den Stream aufrecht erhalten. Sie sind länger und intensiver direkt auf dem Sender zu hören, ihre Arbeit ist für Kollegen wie HörerInnen unmittelbarer spürbar. Meine findet größtenteils an meinem Schreibtisch und am Telefon statt, und am Ende kommen 5 bis 10 Minuten pro Tag heraus, es sei denn, meine Liebste sendet ihre wöchentliche Sendung neuer Musik, oder einer von uns präsentiert am Sonntagabend unsere Sendung &#8220;Candlelight&#8221;. Unsere dritte Sendung, &#8220;infocafé&#8221;, die alle zwei Wochen ein thema vertiefend behandeln soll, ist im Alltag, wo wir nach Themen für Kommentare und <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/interviews/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Interviews">Interviews</a> für unsere tägliche Magazinsendung suchen, oft nur schwer zu bestücken. Selbst im Urlaub denke ich intensiv darübe nach, wie wir Veranstaltungen und Themen zusammen bekommen.</p>
<p>Der Sender lässt mich nicht los. Hin und wieder, wenn das Wetter gut ist, dann sitze ich auf unserem Balkon. In der Nachbarschaft hört man die Kinder, Krähen fliegen über das Haus, und ich erinnere mich an Holland. Dort, mit viel guter Musik und einer Schreibmaschine oder dem ersten Computer bewaffnet, dort konnte ich Urlaub machen. Ohne Telefon, ohne die Notwendigkeit vorausplanen zu müssen. Ich hoffe, dass mir das nach drei bis vier Wochen Urlaub auch hier gelingt. Ungefähr nach der fünften Woche, so nehme ich an, also rund 2 Wochen, bevor es wieder los geht, wird die Maschine des Vorausplanens langsam wieder anlaufen.</p>
<p>Vielleicht ist das mit dem Urlaub auch deswegen so schwierig, weil hier natürlich auch einige Dinge erledigt werden müssen und sollen, die man während der Arbeitszeit vor sich hergeschoben hat. Dabei ist es nicht so, dass meine Liebste und ich keine Freizeit hätten. Der Unterschied ist durchaus spürbar. Der gedankliche Abstand ist das Problem, und dagegen habe ich noch nicht das geeignete Mittel gefunden. Ich weiß nur eins: Ein sogenannter Aktivurlaub ist es nicht.</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2010/07/urlaub/' addthis:title='Urlaub' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>Keine tags in diesem Beitrag.]]></content:encoded>
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		<title>Schade &#8211; Die Welt stellt den Newsletter &#8220;Weltlage&#8221; ein</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Jul 2010 07:44:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
				<category><![CDATA[Computer und Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus dem Radio]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt Tage, die sind auch für einen Journalisten wie mich keine guten Tage. Pünktlich zu meinem Urlaubsbeginn hat die Tageszeitung &#8220;Die Welt&#8221; ihren Newsletter &#8220;Weltlage&#8221; eingestellt. Für mich geht dabei eine wichtige Quelle verloren.Im April stieß ich auf das &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2010/07/schade-die-welt-stellt-den-newsletter-weltlage-ein/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2010/07/schade-die-welt-stellt-den-newsletter-weltlage-ein/' addthis:title='Schade &#8211; Die Welt stellt den Newsletter &#8220;Weltlage&#8221; ein' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Es gibt Tage, die sind auch für einen Journalisten wie mich keine guten Tage. Pünktlich zu meinem Urlaubsbeginn hat die</p>
<p>Tageszeitung &#8220;Die Welt&#8221; ihren Newsletter &#8220;Weltlage&#8221; eingestellt. Für mich geht dabei eine wichtige Quelle verloren.<span id="more-374"></span>Im April stieß ich auf das interessante und nach meiner Ansicht bislang einzigartige Angebot der &#8220;Welt&#8221;. Es handelte sich um</p>
<p>einen Newsletter mit aktuellen Themen. Aber im Gegensatz zu den automatischen Newslettern, die man an jeder Straßenecke</p>
<p>bekommt, war dieser hier redaktionell und, wie die Welt heute schreibt, &#8220;aufwändig produziert.&#8221; Das Besondere daran war, dass</p>
<p>man Lesestoff nicht nur aus der Welt geboten bekam, sondern aus vielen wichtigen Tageszeitungen Deutschlands. Es waren alle</p>
<p>wichtigen Bereiche zu finden, die Diskussion zu aktuellen Themen wurde gut wiedergespiegelt, man konnte sich anhand der von</p>
<p>der Redaktion zusammengestellten Links hervorragend informieren. Mir wurde meine morgentliche Themenrecherche für <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/ohrfunk/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with ohrfunk">Ohrfunk</a></p>
<p>erheblich erleichtert, vom Newsletter &#8220;Weltlage&#8221; ausgehend fand ich alle Themen, die mir wichtig waren. Ein echtes</p>
<p>Prachtstück des Qualitätsjournalismus. Dass dieser Newsletter nicht kostenlos zu haben war, leuchtet wohl jedem ein, aber der</p>
<p>Preis war fast symbolischer Natur. Selbst ich als Arbeitsloser Hartz-IV-Empfänger habe mir diesen Newsletter sehr gut leisten</p>
<p>können. Wenn die &#8220;Weltlage&#8221; am Erfordernis der Wirtschaftlichkeit gestorben ist, hätte man den Preis was mich betrifft ruhig</p>
<p>verdoppeln können.</p>
<p>Und jetzt? Wo gibt es einen redaktionell zusammengestellten täglichen Überblick über die wichtigsten Online-Zeitungsartikel</p>
<p>Deutschlands? Schade, dass der Qualitätsjournalismus überrall auf dem Rückzug ist.</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2010/07/schade-die-welt-stellt-den-newsletter-weltlage-ein/' addthis:title='Schade &#8211; Die Welt stellt den Newsletter &#8220;Weltlage&#8221; ein' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>Keine tags in diesem Beitrag.]]></content:encoded>
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		<title>Ohrfunk, mein Sorgenkind, und warum ich so wenig twitterte</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Jun 2010 10:02:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
				<category><![CDATA[Computer und Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus dem Radio]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Endlich mal wieder was persönliches. Es geht um den Sender, für den ich arbeite, den Ohrfunk.Ich sitze hier und schreibe einen Satz. &#8220;Vor einem Monat war ich endlich mal wieder eine Woche in Holland; Das habe ich so vermisst.&#8221; Ja, &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2010/06/ohrfunk-mein-sorgenkind-und-warum-ich-so-wenig-twitterte/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2010/06/ohrfunk-mein-sorgenkind-und-warum-ich-so-wenig-twitterte/' addthis:title='Ohrfunk, mein Sorgenkind, und warum ich so wenig twitterte' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Endlich mal wieder was persönliches. Es geht um den Sender, für den ich arbeite, den <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/ohrfunk/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with ohrfunk">Ohrfunk</a>.<span id="more-357"></span>Ich sitze hier und schreibe einen Satz. &#8220;Vor einem Monat war ich endlich mal wieder eine Woche in Holland; Das habe ich so vermisst.&#8221; Ja, denke ich sofort, ich war in Holland, einem land, das übermorgen wählt, darüber könnte ich zwar einen Kommentar machen, aber besser wäre noch ein Expertengespräch. Am liebsten wäre mir der Professor aus Münster, Wilenga, aber ich weiß nicht, ob das in der kurzen Zeit noch klappt. Ich sollte ihn anrufen. Aber irgendwie lasse ich es dann doch. Ich müsste mich aufraffen, aber ich habe keine Lust, ich bringe es nicht fertig, den Telefonhörer in die Hand zu nehmen, ein Interview zu fordern, hingehalten zu werden und dann erst übermorgen oder Donnerstag zu merken, dass es nichts wird. Ohne Plan B? Keine Chance.</p>
<p>Zweiter Versuch. Etwas ganz harmloses: Es würde mir spaß machen, mich einfach auf den Balkon zu setzen und den Tag zu genießen. Stimmt schon, aber eigentlich könnte man ja auch mal eine Candlelight-Sendung vom Balkon machen, das würde eine ganz nette Stimmung sein. Dabei fällt mir ein, dass wir im Sommer mal die Candlelight-Sendung aus Holland wiederholen können.</p>
<p>Okay: Dritter und letzter Versuch. Gleich kommt meine Freundin Mirien zu Besuch. Das freut mich. &#8211; &#8230; &#8211; Sie kommt allerdings, um ihr 58. Blitzlicht aus Brasilien für den Ohrfunk aufzulesen, das ich dann schneiden kann, womit ich schon mal was für Donnerstag in der Tasche hab. An dieser Stelle ist ein tiefes, ergebenes Seufzen angebracht. Also gut: Es hat ja doch keinen Sinn: Reden wir über den Ohrfunk.</p>
<p>Nach 25 Monaten bin ich am letzten Samstag aus dem Vorstand des Ohrfunk-Trägervereins ausgeschieden. In den letzten Wochen hatte ich die Befürchtung, der Ohrfunk könnte aufgeben, könnte nach mehr als 4 Jahren Arbeit einfach zusammenbrechen, aber zumindest dieses Wochenende hat er überlebt. Und doch ist der Zweifel nicht verschwunden, und die Erschöpfung und die Lustlosigkeit sitzen tief. Ich freue mich auf einen langen Urlaub im Sommer, in der Hoffnung, danach wirklich ausgeruht zu sein. Aber dafür muss ich an die Ursachen dieser Gefühle ran, dafür muss das allgemeine Gefühl, ausgebrannt zu sein, konkreter werden.</p>
<p>58 Wochen lang gab es bei unserem Sender eine dreistündige Vorabendsendung. &#8220;17-20, der Soundtrack zum Tag&#8221;. Wir haben alles hineingesteckt, was uns möglich war, alle Ohrfunker haben ihr Bestes gegeben. Es sollte unser Zugpferd, unser Aushängeschild sein. Wir hatten da aktuelle Musikbeiträge wie das &#8220;Album der Woche&#8221;, &#8220;neues bei Ohrfunk&#8221; und ähnliches. Aber auch sozusagen historische Beiträge wie die &#8220;historischen Ereignisse&#8221;, den &#8220;historischen Geburtstag&#8221;, einen &#8220;Geburtstagsüberblick&#8221; und einen &#8220;großen&#8221; und einen &#8220;kleinen Star&#8221;, die intensiver vorgestellt wurden. Natürlich gehörten unsere &#8220;Nachrichten aus der Behinderten- und Sozialpolitik&#8221; ebenso dazu wie &#8220;Sachen zum Lachen&#8221;, allgemeine Informationsbeiträge in Form von <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/interviews/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Interviews">Interviews</a> und Kommentaren, ein &#8220;Zitat des Tages&#8221; und Servicebeiträge wie die &#8220;Hörspiel-&#8230;&#8221; und &#8220;Hörfilmtipps&#8221;. Wir waren stolz auf diese Sendung, und natürlich gab es nebenbei noch andere. Mit rund 10 bis 15 ehrenamtlichen machten wir pro Woche 70 Stunden Programm, nur 10 bis 12 Stunden waren wiederholungen. Und natürlich lief in den nichtmoderierten Strecken, also dem ganzen Rest der Woche, ein durchgehender, handverlesener und immer wieder überraschender Musikteppich.</p>
<p>Doch im letzten Jahr verließen uns aus unterschiedlichsten Gründen vier Leute. Es hat keinen Sinn, die Umstände genauer schildern zu wollen, es ist kompliziert und außerdem Privatsache jedes Einzelnen und hat in diesem Blog nichts zu suchen. Tatsache ist aber, dass die Zurückbleiber mehr Arbeit bekamen, und dass es eine Menge Kommunikationsprobleme auch innerhalb des Teams gab und vermutlich auch weiterhin geben wird. Trotzdem haben wir die Mehrarbeit noch eine ganze Weile gestemmt. Aber es gab Unterschiede in der Auffassung des Ehrenamts und auch unabweisbare berufliche Probleme bei Einigen. So kam es, dass die drei-Stunden-Sendung plötzlich immer leerer und leerer wurde, weil Leute ihre Beiträge nicht schafften, weil selbst bei einem kurzfristigen Computerproblem kein Ersatz da war, und aus vielen anderen Gründen. Einige von uns arbeiteten 40 Stunden und mehr wöchentlich für den Sender, sie sahen den Sender als ihren eigentlichen Beruf an, ihre Berufung vielleicht eher, für die sie zwar kein Geld erhielten, was aber im Grunde egal war, Hauptsache, der Sender kam voran. Aber sowohl die Hörerreaktionen, als auch die Entwicklung der Mitarbeiterzahlen waren extrem mager. Die Folge: Sendungen, die teilweise mit wiederholten Beiträgen ausgefüllt werden mussten. Bis das Team im April 2010 aufgab und beim Vorstand beantragte, die Sendung abzusetzen und eine einstündige Magazinsendung beizubehalten, mit einem Star des Tages, einem historischen Beitrag, den Hörspiel- und Hörfilmtipps und einem Infobeitrag. Darunter fallen auch die seit mehr als drei Jahren laufende wöchentliche Literaturecke und die Kolumne über Brasilien, das Blitzlicht, das von meiner Freundin Mirien gestaltet wird und auch einmal wöchentlich läuft. Die Infoleute im Vorstand, darunter auch ich, hätten liebend gern eine zwei-Stunden-Lösung durchgesetzt, im Team aber war klar, dass das keine wesentliche Entlastung bot und dass daher nur eine Ein-Stunden-Lösung in Frage kam. Auf einer großen Konferenz via Telefon, was nicht ausbleibt, weil die Ohrfunkmitarbeiterinnen und -Mitarbeiter über ganz Deutschland verteilt sind, wurde ein Konzept für eine ein-Stunden-Sendung erarbeitet und schien allgemeiner Konsenz zu sein. Der Vorstand, dem die endgültige Entscheidung oblag, tagte dann allein. Ich war bereit, der angestrebten Regelung zuzustimmen, aber andere Vorstandsmitglieder waren der Meinung, dass nur eine 2-Stunden-Sendung den Infocharakter des Ohrfunks retten könnte. Nach heftiger Diskussion und einigen Vorwürfen ließ ich mich umstimmen, weil ich mich für den Infobereich verantwortlich fühlte und die Konfrontation nicht mehr länger ertrug. Ich ließ mich wider besseres Wissen umstimmen. Am nächsten Tag erhielten wir die Quittung: Gleich drei Moderatoren versagten uns ihre Mithilfe, einer davon verließ den Sender insgesamt. Der Vorstand wurde gezwungen, seine Entscheidung zurückzunehmen, denn man kann nicht ohne die arbeiten, die die Arbeit machen sollen, und schon gar nicht in einem Ehrenamtsbetrieb.</p>
<p>Für mich bedeutete diese Beinahekatastrophe des Senders, dass ich für ein Vorstandsamt nicht geeignet bin. Ich halte Konfrontation ab einem bestimmten Punkt nicht aus. Ich bin zumindest stark mit dafür verantwortlich, durch meinen Schlingerkurs nämlich, dass uns ein Redakteur verlassen hat. Daraufhin zog ich die Konsequenzen und trat auf der Mitgliederversammlung von meinem Vorstandsamt zurück. Mich schockiert, dass mir das passiert, obwohl ich doch schon eine Weile Vereinsarbeitserfahrung habe. Aber dass eine gewisse Art von Druck und unausgesprochener Schuldzuweisung genügt, mich gegen meine eigentliche Überzeugung handeln zu lassen, finde ich einen Hammer, mit dem ich erst einmal umgehen muss.</p>
<p>Und dann gibt es da seit Monaten die Diskussion über die Zukunft des Senders. Wir alle gehen auf dem Zahnfleisch, wir haben Verbreitungswege im berliner Kabelnetz und jetzt auch täglich eine Stunde auf UKW erreicht, aber es fällt uns schwer, den Sendebetrieb aufrecht zu erhalten. Bis jetzt ist es uns immer noch gelungen, aber wir geben alle unser Äußerstes. Doch es gibt auch Probleme, die eben nicht aus dem Sendealltag resultieren, sondern an denen der Ohrfunk von Beginn an krankt. Es hatten sich damals die unterschiedlichsten Leute zusammengefunden, und wer <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/radio/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Radio">Radio</a> machen wollte, war uns von Anfang an willkommen. So kam es, dass es eine ganze Weile nicht wichtig war, ob sich jemand für das Ziel des Ohrfunks interessierte, hauptsache, er machte gute Sendungen. Das bedeutete aber auch, dass wir plötzlich Probleme bekamen, als es darum ging, Zielgruppe und Musikfarbe festzulegen. Zuerst hatte jeder gespielt, was ihm gefiel, dann hatte es einen Pool von rund 6000 Titeln gegeben, an den sich nicht alle hielten, und wenn wir versuchten, allgemein verbindliche Regelungen zu treffen, gab es ein großes Murren. Einige wollten eher ein Funradio machen, Andere verstanden unsere Absicht, informativ und unterhaltsam zu sein und die Themen aus dem Bereich Behinderung und Soziales als kompetente Sachwalter unters Volk zu bringen. Ein Sender, von Behinderten für alle, mit einem hohen Anspruch an seine Infoschiene, seine Beiträge, Interviews und Kommentare. Aber über die Frage: Gibts bei Ohrfunk Schlager, kam es immer wieder zu Streit, auch über andere Kleinigkeiten. Zumal viele von uns ausgeprägte Persönlichkeiten sind, die sich schon auch mal gern profilieren. Das habe ich in den letzten Jahren zu hassen gelernt, obwohl mir das früher auch nicht fremd war. Es bedeutet aber auch, dass ich praktisch kein Lob für meine Arbeit bekomme, weil ich nicht ausstrahle, dauernd etwas Besonderes zu tun. Ich bin zum Verwalter unserer Infoschiene geworden, der sich hin und wieder bei seiner täglichen <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/routine/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Routine">Routine</a> fragt, wofür er das alles macht, wenn ohnehin keiner merkt, wie schwer es ist, als Laie und ohne Medienkonzern interessante Gesprächspartner für Interviews zu finden, zu Themen zu recherchieren, ohne die Nachrichtenagenturen und ihre ständig aktuellen Meldungen nutzen zu können, weil sie zu teuer sind. Diese Last, immer aktuell und gut informiert sein zu müssen, aber auch das Problem, oft von potentiellen Gesprächspartnern aufgrund der Kleinheit unseres Senders vertröstet oder nicht ernst genommen zu werden, das alles zermürbte mich. Zumal ich am Anfang dachte, alle Infoleute wären in der Lage, sich täglich um Infobeiträge zu bemühen. In den letzten Monaten musste ich aber errkennen, dass ich der Einzige war, außer bei Abwesenheit meinerseits. Damit will ich nichts gegen die Kollegen gesagt haben, sie gaben ihr Bestes. Aber es war schwierig.</p>
<p>Jetzt wäre es an der Zeit, wo die Arbeitsbelastung tatsächlich etwas abgenommen hat, wieder voll durchzustarten. Aber meine Batterie ist leer, und das Abschalten fällt mir immer schwerer. Daher freue ich mich auf den Urlaub im Sommer, der mir hoffentlich mal den Kopf gerade rückt. Es wäre unglaublich schade, wenn der Ohrfunk nicht halten würde. Aber manchmal ertappe ich mich bei dem Gedanken, mir ein Radio mit 20 Sendestunden in der Woche zu wünschen, ohne Musikteppich, mit Beiträgen, wenn sie denn da sind, mit Musik, um die Hörerinnen und Hörer zu unterhalten, und mit Zeit, größere und interessante Projekte vorzubereiten und sich endlich mal wieder was einfallen zu lassen, jenseits der anstrengenden, lähmenden und vor allem Zeit verschlingenden Routine eines Jobs, der hin und wieder mehr ist als ein Full-Time-Job.</p>
<p>Tja, und diese Unsicherheit der letzten Monate, die hat auch verhindert, dass ich einfach mal so blogge, ich hatte auch immer gut zu tun. Aber selbst meine Twitterei, die ich in den letzten Monaten ganz schön angefangen hatte, hing ich in letzter Zeit ziemlich an den Nagel. Viele wussten nicht, wie es mit Ohrfunk weitergehen sollte. Jetzt scheint es vorläufig geglückt, Ohrfunk zu erhalten. Gut so. Hoffen wir mal, dass es dabei bleibt.</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2010/06/ohrfunk-mein-sorgenkind-und-warum-ich-so-wenig-twitterte/' addthis:title='Ohrfunk, mein Sorgenkind, und warum ich so wenig twitterte' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>Keine tags in diesem Beitrag.]]></content:encoded>
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		<title>Programmreform auf ohrfunk.de- aus 17-20 wird Zeitzone</title>
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		<pubDate>Mon, 31 May 2010 23:36:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten aus dem Radio]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.jens-bertrams.de/2010/06/01/353/</guid>
		<description><![CDATA[Den Kommentar zur Ohrfunk-Programmreform habe ich dort am 21. Mai 2010 veröffentlicht.Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich am 1. April 2009 einen Kommentar über das Wort Reform gemacht habe. Es war der erste von rund 60 Kommentaren, die &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2010/06/programmreform-auf-ohrfunk-de-aus-17-20-wird-zeitzone/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2010/06/programmreform-auf-ohrfunk-de-aus-17-20-wird-zeitzone/' addthis:title='Programmreform auf ohrfunk.de- aus 17-20 wird Zeitzone' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Den Kommentar zur <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/ohrfunk/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with ohrfunk">Ohrfunk</a>-Programmreform habe ich dort am 21. Mai 2010 veröffentlicht.<span id="more-353"></span>Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich am 1. April 2009 einen Kommentar über das Wort Reform gemacht habe. Es war der erste von rund 60 Kommentaren, die ich seither für die Sendung 17-20 sprechen durfte. Auch für mich war das journalistisches Neuland. Nicht so sehr das Schreiben von Kommentaren selbst, das habe ich schon seit mehreren Jahren in meinem Blog gemacht. Aber diese Kommentare sollten Radiotauglich sein, also eine gewisse Kürze und Schärfe besitzen, sollten verständlich sein und sich gut sprechen lassen. Das musste ich neu lernen, denn für mich war das Auflesen und richtige Betonen der Texte Neuland. Ich kann sagen, es hat mir großen Spaß gemacht. Die Sendung 17-20, unser Soundtrack zum Tag, war ein großartiges, ehrgeiziges und weitreichendes Projekt, in das wir alle, die wir beim Ohrfunk arbeiten, eingebunden waren. Allein aus diesem Studio, in dem ich jetzt sitze, kamen in den letzten knapp 14 Monaten rund 100 selbst geführte <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/interviews/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Interviews">Interviews</a>, 60 Kommentare, knapp 120 historische Ereignisse, rund 35 Blitzlichter aus Brasilien, ebenso viele Literaturecken, 30 historische Personen und rund 10 Beiträge anderer Art. Knapp 280 Sendungen mit rund 840 Stunden wurden außerdem mit großen und kleinen Stars, Sachen zum Lachen, den Alben der Woche, den Hörspiel- und Hörfilmtipps, den Geburtstagsüberblicken, den Tageszitaten und Tagesanfängen, sowie den Kompakt-Nachrichten bestückt und gefüllt. 10.000 und mehr Arbeitsstunden stecken in diesem Projekt, und die Entscheidung, die Sendung nach 58 Sendewochen einzustellen, ist uns bestimmt nicht leicht gefallen. Wochenlang haben wir um ein tragfähiges Konzept für die Zukunft gerungen. Wir wollten es nicht wahr haben, an unsere Grenzen zu stoßen: Viele von uns sind berufstätig und arbeiten in ihrer knapp bemessenen Freizeit für den Ohrfunk, andere haben zwar den Tag über Zeit, mussten aber auch zur Aufrechterhaltung des Gesamtprojektes beitragen, haben Familie und ähnliches. Daherr ist die neue Sendung Zeitzone, die ab dem 25. Mai die Sendung 17-20 ablöst, eine notwendige Anpassung an die realen Gegebenheiten. Allerdings auch in positiver Hinsicht, denn Ohrfunk.de erhält ab dem 25. Mai eine Sendestunde auf einem Berliner UKW-Sender, der 88,4. Da passt es gut, dass unsere Zeitzone die Länge einer Stunde besitzt. Wer den Ohrfunk schon lange kennt, wird sich noch an unsere aktuelle Sendung Update erinnern, das lange Zeit ebenfalls täglich eine Stunde ausgestrahlt wurde. Die Neue zeitzone ist keine Wiederbelebung des alten Updates, denn sie vereinigt viele Elemente von 17-20 in sich. Zeitzone ist ein Name, der Programm ist, denn die neue Sendung enthält, wie ihr Untertitel richtig ausführt, aktuelles und historisches. So bleiben uns der kleine Star, die Hörspiel- und Hörfilmtipps und die Kompakt-Nachrichten unverändert erhalten. Allerdings wird es künftig nur noch einen statt zwei Infobeiträge geben, in denen die Literaturecke und das Blitzlicht aus Brasilien bereits enthalten sind. Die Literaturecke wird allerdings bereichert durch die Rezension von Schwarzschriftbüchern. Außerdem wird es auch künftig täglich einen historischen Beitrag geben, und zwar entweder eine Person oder ein Ereignis, das bleibt dem jeweiligen Redakteur überlassen. Dass die neue Sendung künftig dreimal am Tag zu hören ist, ist eine weitere Neuerung, die es uns hoffentlich ermöglicht, neue Hörerinnen und Hörer zu gewinnen, weil sie die Sendung zu verschiedenen Tageszeiten hören können.</p>
<p>Das sind die wesentlichsten Veränderungen die Sendung Zeitzone betreffend. Bleibt nur noch zu erwähnen, dass auch das Audiogramm am Samstagmorgen um eine Stunde gekürzt wird und ab dem 29. Mai erst mit den Nachrichten um 10 Uhr beginnt. Dass diese Nachrichten jeden Tag künftig zwischen 6 und 18 Uhr alle zwei Stunden zu hören sind, soll unseren Infobereich darüber hinaus mittel- und langfristig ausbauen.</p>
<p>Nicht jede Reform kann ein Ausbau sein, das stößt hin und wieder an personelle, materielle und finanzielle Grenzen. Aber eine gut gemeinte und zukunftsweisende Reform kann und darf auch kein Rückschritt sein. Daher hoffe ich sehr, dass diese Reform nicht das Ende der möglichen Veränderungen darstellt, sondern nur einen Zwischenschritt. Wir sind und bleiben Radioverrückte, die hoffen, den Ohrfunk auch noch in einigen Jahren zu betreiben.</p>
<p>Bleibt mir zum Schluss nur noch, den Redakteuren und Moderatoren für die hervorragende Zusammenarbeit zu danken. 17-20 war ein tolles Projekt, ich habe viel gelernt. Ich hoffe, unsere Hörerinnen und Hörer haben viel erfahren und haben die Sendung in all ihrer Vielfalt genossen. Alle haben mit höchstem Einsatz am Gelingen dieser Sendung mitgearbeitet. jetzt freuen wir uns auf den neuen Abschnitt mit der Sendung Zeitzone. Carsten Albrecht, Eberhard Dietrich, Andreas Mangelsdorf und immer noch Markus Bruch und Metin Gemril werden sie moderieren. Also: Auf gutes Gelingen!</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2010/06/programmreform-auf-ohrfunk-de-aus-17-20-wird-zeitzone/' addthis:title='Programmreform auf ohrfunk.de- aus 17-20 wird Zeitzone' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>Keine tags in diesem Beitrag.]]></content:encoded>
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		<title>Ich möchte&#8230;</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jan 2010 19:02:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bloggen]]></category>
		<category><![CDATA[Computer und Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Die Niederlande]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus dem Radio]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich sage euch, was ich möchte: Ich möchte! Ich möchte mal wieder Stundenlang bloggen und die Blogs anderer Blogger lesen. Ich möchte wieder Blogeinträge schreiben, weil mir die Themen gefallen, nicht weil ich einen Kommentar für den Sender geschrieben habe. &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2010/01/ich-mochte/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2010/01/ich-mochte/' addthis:title='Ich möchte&#8230;' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Ich sage euch, was ich möchte:</p>
<p><span id="more-319"></span></p>
<p>Ich möchte!</p>
<p>Ich möchte mal wieder Stundenlang bloggen und die Blogs anderer Blogger lesen.</p>
<p>Ich möchte wieder Blogeinträge schreiben, weil mir die Themen gefallen, nicht weil ich einen Kommentar für den Sender geschrieben habe.</p>
<p>Ich möchte morgens vom Fauchen einer Kaffeemaschine wach werden und nicht vom Wecker, der mich zur Arbeit für den Sender ruft.</p>
<p>Ich möchte Mails lesen, weil ich mich mit Freunden, Bekannten und interessanten Personen über Politik, Geschichte, Musik und andere Themen austausche, und nicht weil ich mich mit Kollegen streite oder ein Interview anbahne.</p>
<p>Ich möchte in einer Science-Fiction-Newsgroup über den Fortgang der Perry-Rhodan-Serie spekulieren.</p>
<p>Ich möchte morgens beim Frühstück sitzen und eine schöne CD hören, oder dem holländischen <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/radio/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Radio">Radio</a> lauschen, wie in alten Zeiten, und nicht zwischen Tür und Angel ein Brot essen, bevor das nächste Interview geschnitten wird.</p>
<p>Ich möchte ruhig sitzen bleiben, wenn das Telefon klingelt.</p>
<p>Ich möchte den Abend bei guter Musik, einem Gläschen Wein, einem interessanten Film oder guten Freunden verbringen, anstatt zu Vorstandssitzungen zu gehen, Sendungen zu fahren und deprimierende Mails zu lesen.</p>
<p>Ich möchte am Samstagnachmittag mit meinen Freunden eine Hitparade ausspielen, anstatt mir Gedanken über das sonntägliche Infocafé machen zu müssen.</p>
<p>Ach ich möchte&#8230;</p>
<p>Ich möchte an einem schönen Sommertag in Holland auf unserer Terrasse sitzen, die Kinder im See planschen hören, die Vögel sollen in den Bäumen zwitschern, aus der Ferne soll Radio 1 erklingen, und ab und an die Vogelscheuchen von den Feldern.</p>
<p>Ich möchte abends über die Sandwege gehen, die Menschen auf ihren Terrassen und vor ihren Grills sitzen sehen, möchte hören, wie sie sich unterhalten und lachen, möchte sie draußen gemächlich entlangspazieren sehen, und es riecht nach Heu und Wald und Vieh.</p>
<p>Ich möchte mal wieder in Ruhe eine Geschichte schreiben, die ich dann vielleicht mal im Internet veröffentliche.</p>
<p>Aber wenigstens möchte ich&#8230;</p>
<p>Dass das, was ich stattdessen tue wieder Spaß macht,</p>
<p>dass wir an einem Strang ziehen,</p>
<p>dass wir ein Ziel haben,</p>
<p>dass 4 Jahre nicht umsonst gewesen sind,</p>
<p>dass manche Menschen nicht so kleinkariert sind,</p>
<p>dass ich mit Freude an die Arbeit gehen kann,</p>
<p>dass ich keine Angst vor dem, sondern Lust auf das Radio hab.</p>
<p>Aber&#8230;</p>
<p>sicher sind dies nur die Ausgeburten eines gefrusteten Hobbyjournalisten und Amateurradiomachers, und wahrscheinlich sieht morgen, übermorgen, nächste Woche oder wann auch immer alles wieder ganz anders aus.</p>
<p>Don&#8217;t listen to me<br />
This wasn&#8217;t ment to be no sad song&#8230;</p>
<p>© 2010, Jens Bertrams.</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2010/01/ich-mochte/' addthis:title='Ich möchte&#8230;' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>Keine tags in diesem Beitrag.]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Der ganz gewöhnliche Arbeitstag eines Inforedakteurs</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Jan 2010 06:53:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten aus dem Radio]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[4 Jahre lang gibt es seit gestern den Internetradiosender Ohrfunk.de. Aus diesem Anlass habe ich für 17-20 einen kleinen Text geschrieben, den ich hier veröffentlichen möchte. Ansonsten wünsche ich allen ein gesegnetes Jahr 2010. Montag, 4. Januar 2010, 08:00 Uhr. &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2010/01/der-ganz-gewohnliche-arbeitstag-eines-inforedakteurs/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2010/01/der-ganz-gewohnliche-arbeitstag-eines-inforedakteurs/' addthis:title='Der ganz gewöhnliche Arbeitstag eines Inforedakteurs' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>4 Jahre lang gibt es seit gestern den Internetradiosender <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/ohrfunk/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with ohrfunk">Ohrfunk</a>.de. Aus diesem Anlass habe ich für 17-20 einen kleinen Text geschrieben, den ich hier veröffentlichen möchte. Ansonsten wünsche ich allen ein gesegnetes Jahr 2010.</p>
<p><span id="more-314"></span></p>
<p>Montag, 4. Januar 2010, 08:00 Uhr. Eine neue Woche und ein neuer Arbeitstag beginnt. Übers Wochenende hat es in den Koordinationsmailinglisten des Ohrfunkteams einiges an Mails gegeben, die ich mir zuerst vornehme. Danach kommen die Twitternachrichten der letzten Stunden an die Reihe, falls sich interessante Themen ergeben.<br />
Wer glaubt, dass eine Sendung beim Ohrfunk einfach um 17 Uhr beginnt, ohne dass vorher viel passiert, der hat sich getäuscht. Es sind mindestens 5 Leute &#8211; Redakteure und Schreiber &#8211; die so früh am Tag ihre Arbeit für den Sender beginnen. Andere, die ihre Hauptarbeitstätigkeit in anderen Unternehmen haben, arbeiten in der Freizeit für das Projekt.</p>
<p>08:30 Uhr. Ich rufe im Büro des neuen Bundesbehindertenbeauftragten Hubert Hüppe an und bitte um ein Interview. daraufhin werde ich gebeten, mich schriftlich an die Pressestelle des Amtes zu wenden. Und ich werde gewarnt, dass man mir keinen Termin für ein Interview würde nennen können.<br />
Der erste Schritt zu einer guten Sendung ist die Recherche nach Themen und das Vereinbaren eines <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/interviews/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Interviews">Interviews</a> oder das Schreiben von Beiträgen. Andere von uns produzieren Tag ein Tag aus Geburtstagsüberblicke, Literaturtipps, Hörspiel- und Hörfilmtipps,Beiträge über historische Personen, sie stellen einen Star vor, Suchen Musik, die neu bei Ohrfunk ist, schreiben Nachrichten aus der Behinderten- und Sozialpolitik oder stöbern in Kabarettistischen Aufnahmen nach Sachen zum Lachen. Schwierrig ist es nur, wenn man aktuell bleiben will. Ich weiß oft nicht, ob ich, wie im Falle von Hubert Hüppe, ein Interview schnell bekomme oder nicht, und ich kann auch dementsprechend nicht planen. Manchmal zerrt das an den Nerven.</p>
<p>9 Uhr: Natürlich habe ich die Anfrage an die Pressestelle geschrieben, aber ich kann nicht den ganzen Tag hier sitzen und auf eine Antwort warten. Also rufe ich einen Freund an, Franz-Josef Hanke von der humanistischen Union. Ich frage ihn, ob er mir in einem Interview erklärt, welche Herausforderungen er für die Bürgerrechtsbewegungen im Jahr 2010 sieht. Er stimmt sofort zu, und wir beginnen wenige Minuten später mit der Aufzeichnung.<br />
Ein paar Leute sollte man immer haben, die man im Notfall anrufen kann, wenn gar nichts anderes geht. Wenn ich 4 mal in der Woche jeweils 2 aktuelle Beiträge liefern will, dann ist es fast sicher, dass das eine oder andere Interview nicht oder nicht sofort zustande kommt. Wir sind ein kleiner Sender. Den WDR würde niemand auf irgendwann vertrösten, kein Politiker, kein Behindertenbeauftragter, denn der erreicht millionen von Hörern. Aber aktualität ist für einen kleinen Sender schwer zu erreichen. Trotzdem wollen meine Kollegen und ich es versuchen.</p>
<p>10:30 Uhr: Das interview mit Franz-Josef Hanke habe ich geführt und geschnitten, damit es nicht zu lang ist. Am Ende des Gesprächs gab mir mein Interviewpartner noch einen Tipp, sein Bruder ist der erste blinde Stadtverordnetenvorsteher Deutschlands. Das schreibe ich mir sofort auf.<br />
Man glaubt gar nicht, wie viel Zeit beim Zurechtschneiden von Interviews vergeht. Es soll gut klingen, man soll die Schnitte nicht hören, und das Interview soll nicht zu lang sein und trotzdem das Wesentliche enthalten. Natürlich müssen nicht nur die Interviews geschnitten werden, auch alle anderen Beiträge, die ich eben aufgezählt habe, müssen nicht nur erstellt, sondern auch technisch bearbeitet werden. Übrigens gilt das auch für die Abend- oder Wochenendsendungen, die von ihren Machern vorproduziert und nicht live ausgestrahlt werden. Und das sind mehr als viele Hörer denken. 1461 Sendetage hat der Ohrfunk in den letzten 4 Jahren auf diese Weise bestritten, es wurden rund 12.000 Stunden moderiertes Programm gesendet. Vermutlich haben rund 10 bis 12 Leute insgesamt 40.000 Stunden vorbereitend für den Sender gearbeitet in den letzten 4 Jahren. Jeder Ohrfunkmitarbeiter hat also jeden Tag &#8211; Sonn-, Feier- und Urlaubstage eingeschlossen &#8211; im Durchschnitt dreieinhalb Stunden für Ohrfunk.de gearbeitet. Für einen Sender, dessen Mitarbeiter ehrenamtlich tätig sind, eine beachtliche Leistung.</p>
<p>11 Uhr: Ich habe in den Kobinet-nachrichten gestöbert und herausgefunden, dass die Interessenvertretung selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) von Jena nach Berlin gezogen ist. Also rufe  ich ihre Geschäftsführerin Sigrid Arnade an und frage sie, ob sie bereit ist, die ISL im  Ohrfunk einmal vorzustellen. Ich habe glück, denn auch sie stellt sich sofort für ein  Interview zur Verfügung.<br />
Um Themen für unsere Beiträge zu finden, bedienen wir uns verschiedener Quellen, darunter ist der Onlinenachrichtendienst von und für behinderte Menschen Kobinet, aber auch die Publikationen der Behinderten- und Blindenverbände, allgemeine Zeitungen und natürlich Twitter. Ein Teil unserer täglichen Redaktionsarbeit besteht aus dem Durchforsten dieser Quellen.</p>
<p>12:10 Uhr: Als ich gerade das fertig geschnittene Interview mit Frau Arnade sichere, klingelt das Telefon. Am Apparat ist das Büro des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Hubert Hüppe. Er habe nun Zeit für mich. Hoch erfreut nehme ich auch dieses Interview auf.<br />
Es ist nicht alle Tage so, dass ich so viel Glück habe. Mit einer so schnellen Reaktion konnte ich nicht rechnen, zumal man mir ausdrücklich gesagt hatte, dass man mir keinen Termin nennen könne. Aber dass Herr Hüppe sich so schnell meldete zeigt auch, dass der Ohrfunk sich inzwischen einen Ruf bei Fachpolitikern, manchen Künstlern und manchen politischen Experten erworben hat. Es wäre auch schade, wenn es nach 4 Jahren Arbeit mit so viel Engagement anders wäre.</p>
<p>13:30 Uhr: Natürlich wird das aktuelle Interview mit Hubert Hüppe den beiden anderen vorgezogen. In meinen Mails finde ich eine Nachricht seiner Pressestelle: &#8220;Danke für Ihr Interesse an einem Interview. Wegen der hohen Zahl an Anfragen können wir noch nicht sagen, wann es letztlich stattfinden wird.&#8221;</p>
<p>16 Uhr: Nachdem ich noch für einen Tag in der nächsten Woche die historischen Ereignisse recherchiert und geschrieben habe, wobei es ja auch immer ein ausführlich behandeltes Thema gibt, endet für mich der Arbeitstag. Für Andere beginnt ihre Ohrfunkarbeit gerade erst, nachdem sie von ihrem eigentlichen Job nach hause gekommen sind. Die moderierten Sendungen beginnen um 17 Uhr und dauern mindestens bis Mitternacht. 7 Stunden täglich, vom Musikprogramm, das, wie es zurecht in unserem Slogan heißt, hand verlesen ist, ganz zu schweigen.</p>
<p>Wollen wir hoffen, dass unser Sender auch die nächsten Jahre so ehrgeizig bleibt uns Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, sich an unserem Programm erfreuen können.</p>
<p>© 2010, Jens Bertrams und Ohrfunk.de</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2010/01/der-ganz-gewohnliche-arbeitstag-eines-inforedakteurs/' addthis:title='Der ganz gewöhnliche Arbeitstag eines Inforedakteurs' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>Keine tags in diesem Beitrag.]]></content:encoded>
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		<title>Anschlag auf die Rundfunkfreiheit &#8211; Der Fall Brender</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Nov 2009 21:57:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
				<category><![CDATA[erlebte Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus dem Radio]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Weiland wollte der alte&#8230; (für alle Nachgeborenen: So nannte man den ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Konrad Adenauer (CDU)) &#8230; Weiland wollte der Alte also eine Deutschland Fernsehen GmbH gründen. Sie sollte eine hundertprozentige Tochterunternehmung des Bundes sein, und &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2009/11/anschlag-auf-die-rundfunkfreiheit-der-fall-brender/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2009/11/anschlag-auf-die-rundfunkfreiheit-der-fall-brender/' addthis:title='Anschlag auf die Rundfunkfreiheit &#8211; Der Fall Brender' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Weiland wollte der alte&#8230; (für alle Nachgeborenen: So nannte man den ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Konrad Adenauer (CDU)) &#8230; Weiland wollte der Alte also eine Deutschland Fernsehen GmbH gründen. Sie sollte eine hundertprozentige Tochterunternehmung des Bundes sein, und ihre Posten sollten folgerichtig auch von der Bundesregierung besetzt werden. Nix da, sagte da das Bundesverfassungsgericht, der <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/rundfunk/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Rundfunk">Rundfunk</a> in Deutschland muss staatsfern und frei von politischer Einflussnahme bleiben. Na gut, denkt sich der politische Urenkel Adenauers, Roland Koch heißt er und ist derzeit Ministerpräsident in Hessen, dann eben anders. Und so entstand die Kontroverse um den ZDF-Chefredakteur <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_Brender">Nikolaus Brender</a>.</p>
<p><span id="more-308"></span></p>
<p>Es ist pikant, dass das ZDF anstelle jener von Adenauer gewünschten Deutschland Fernsehen GmbH entstand, per Staatsvertrag der Länder nämlich. Die ARD bestand und besteht aus 9 selbstständigen Rundfunkanstalten, die ein gemeinsam bestücktes Fernsehprogramm organisieren. Das ZDF hingegen kennt keine Länderanstalten. Wer hier den meisten Einfluss hat, der hat ihn auf eine bundesweit tätige Medienorganisation mit großer Wirkung. Und das genau ist es, was Roland Koch will.</p>
<p>Nikolaus Brender ist ein Journalist mit viel Erfahrung, früher Auslandschef des WDR für Südamerika, Moderator des Weltspiegels, aber auch kurzfristig bei der &#8220;Zeit&#8221; beschäftigt. Brender ist sicher ein unbequemer Journalist, aber seit 2000 ist er Chefredakteur des ZDF, und er hat in diesem Job schon einiges geleistet. Vor allem hat er sich eben dadurch Respekt erworben, dass er sich jeder parteipolitischen Einflussnahme immer strikt widersetzt hat. Als sich 2002 Edmund Stoiber beschwerte, seine Wahlniederlage sei unter Anderem auf einseitige Berichterstattung des ZDF zurückzuführen gewesen, verwahrte sich Brender deutlich gegen diese <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/kritik/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Kritik">Kritik</a>. 2005, bei der Elefantenrunde nach der vorgezogenen Bundestagswahl, wehrte er sich als Mitmoderator gegen Schröders unverschämte Journalistenschelte und musste den damals noch amtierenden Bundeskanzler in seine Schranken weisen. Außerdem wird von ihm immer gesagt, er nehme Beschwerden von Parteien immer nur schriftlich entgegen, um sie besser dokumentieren zu können. Selbst gehört Nikolaus Brender keiner Partei an.</p>
<p>Dieser Journalist alter <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/schule/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Schule">Schule</a>, dem jedenfalls die Unabhängigkeit des <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/journalismus/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Journalismus">Journalismus</a> extrem wichtig ist, muss nun seinen Sessel beim ZDF räumen. Schuld ist die Mehrheit der Unionsmitglieder im Verwaltungsrat des Senders, der in der hauptsache nach parteipolitischem Proporz besetzt ist. Dort erhielt die Vertragsverlängerung, die die Intendanz angestrebt hatte, keine Mehrheit. Im Grunde war dies seit mehr als einem halben Jahr klar. Der hessische Ministerpräsident Koch behauptet zwar, es gebe sachliche Gründe für diese Entscheidung, er kann sie aber kaum stichhaltig erklären. Die Angeblichen Verluste bei der Zuschauerquote lassen sich kaum belegen. Außerdem hat Koch durchaus verlauten lassen, dass die CDU in den letzten Jahren Wahlen gewonnen habe und dass dies auch in der Medienlandschaft Folgen haben müsse. Er wolle einen Journalisten, so Koch, mit dem man reden könne. Und das ist der eigentliche Skandal: Bislang haben sich Journalisten durch ihre Unparteilichkeit für einen Posten qualifiziert. Unparteiliche Medienvertreter galten als hervorragende Kompromisskandidaten. Jetzt ist es erstmals genau umgekehrt: Die CDU will einen Journalisten an der Spitze des ZDF, der das richtige Parteibuch hat, oder mit dem man zumindest über die Wünsche der Union reden kann. Gegen eine solche parteipolitische Einflussnahme hat sich Brender immer gesträubt, und deshalb muss er nun gehen.</p>
<p>Dieses Vorgehen der Unionsmitglieder im ZDF-Verwaltungsrat hat seit der Ankündigung vor einem halben Jahr massive Kritik hervorgerufen. Nicht nur fast sämtliche Mitarbeiter des ZDF stellten sich hinter Brender, was übrigens von der CDU als Solidarisierungsdruck abgetan wurde, sondern auch fast die gesamte Medienwelt Deutschlands, bis hin zu durchaus konservativen Zeitungen wie FAZ und Die Welt. 35 renomierte Staatsrechtler bezeichneten den Vorgang als einen unerhörten Anschlag auf die Staatsferne des Rundfunks und die Rundfunkfreiheit. Das hat es noch nie gegeben. Doch von all dem ließ sich die CDU-Mehrheit im ZDF-Verwaltungsrat nicht beirren.</p>
<p>Irgendetwas ist faul in unserer Medienlandschaft, wenn die Politik so einfach Einfluss auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nehmen kann, um willfährige Berichterstattung zu erreichen. Unbequeme Journalisten, die den Auftrag des Rundfunks noch ernst nehmen, werden beiseite gedrängt, und die Landespolitiker einer Partei, die sich schon so oft wie eine deutsche Staatspartei gebärdet hat, bedienen sich aus dem Angebot der Rundfunksender, bestimmen, was ihnen passt, was gesendet wird und welche Fragen nicht gestellt werden dürfen. Es geht in diesem Poker in keiner Weise mehr um Demokratie, es geht um Macht. Das Schlimme ist, dass öffentlicher Protest keinerlei Wirkung mehr hat. Die Regierenden tun dies als eine Art Zwangssolidarisierung ab, weil sie es einfach nicht sehen wollen. Bislang musste man wenigstens noch auf anstehende Wahlen Rücksicht nehmen, aber mit so komfortablen Mehrheiten für die Union und die FDP ist alles Andere ein Kinderspiel. Wozu brauchen wir eine freie Presse? Die Union weiß schon, was für die Bürger das Beste ist. Silvio Berlusconi hat es ihnen vorgemacht, Roland Koch macht es ihm nach. Bislang konnte man in solchen Fällen immer noch sagen, dass ein öffentlicher Protest mit einem langen Atem hilfreich sein könnte. Jetzt hilft nur noch das Bundesverfassungsgericht. Aber die einfachen Bürger sind in diesem Falle gar nicht berechtigt, ein Verfahren anzustrengen. Es geht um die verfassungsrechtliche Bedenklichkeit der entsprechenden passagen im ZDF-Staatsvertrag. Und das kann man nur über eine Normenkontrollklage regeln. Es müssten sich also eine Regierung oder eine Fraktion des Bundestages zur Klage bereit finden, und wer wird das schon tun? Die Zeiten könnten sich ja auch mal wieder ändern, und vielleicht könnte man dann selbst Einfluss nehmen&#8230;</p>
<p>Warum hat eine Landesregierung, die zugeben kann, Gutachten zur Verfassungsmäßigkeit von Studiengebühren quasi gefälscht zu haben, immer noch so viel Macht, die Medienfreiheit in Deutschland über die Hintertür einschränken zu können? Nikolaus Brender ist dafür im Augenblick ein tragisches Beispiel. Ganz gleich, ob man mit seinen Ansichten übereinstimmt oder nicht, er ist ein überparteilicher Journalist, und genau diese Eigenschaft ist der Grund, warum er entlassen wird. Wenn das Schule macht, dann spielt Qualifikation bald keine Rolle mehr im deutschen Journalismus, oder nur noch eine untergeordnete. Das Parteibuch ist dann wirklich wichtig. Warum nur erinnert mich diese Praxis an Staaten wie die DDR oder das deutsche Reich vor 1945?</p>
<p>© 2009, Jens Bertrams</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2009/11/anschlag-auf-die-rundfunkfreiheit-der-fall-brender/' addthis:title='Anschlag auf die Rundfunkfreiheit &#8211; Der Fall Brender' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>Keine tags in diesem Beitrag.]]></content:encoded>
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		<title>Webseitensperrungen beschränken die Kommunikationsfreiheit &#8211; Zum Umgang mit Internetsperren und Kinderpornographie</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Jul 2009 16:48:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
				<category><![CDATA[Computer und Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus dem Radio]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Den folgenden Kommentar habe ich für ohrfunk.de geschrieben. Er wurde heute in der Sendung &#8220;17-20, der Soundtrack zum Tag&#8221; ausgestrahlt. Der deutsche Bundestag hat ein Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornographischen Internetseiten beschlossen. Endlich, so könnte man meinen, wird &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2009/07/webseitensperrungen-beschranken-die-kommunikationsfreiheit-zum-umgang-mit-internetsperren-und-kinderpornographie/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2009/07/webseitensperrungen-beschranken-die-kommunikationsfreiheit-zum-umgang-mit-internetsperren-und-kinderpornographie/' addthis:title='Webseitensperrungen beschränken die Kommunikationsfreiheit &#8211; Zum Umgang mit Internetsperren und Kinderpornographie' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Den folgenden Kommentar habe ich für <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/ohrfunk/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with ohrfunk">ohrfunk</a>.de geschrieben. Er wurde heute in der Sendung &#8220;17-20, der Soundtrack zum Tag&#8221; ausgestrahlt.<br />
<span id="more-274"></span></p>
<p>Der deutsche Bundestag hat ein Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornographischen Internetseiten beschlossen. Endlich, so könnte man meinen, wird etwas gegen die übelsten Auswüchse dieser Gesellschaft unternommen und dem scham- und gesetzlosen Treiben der Kriminellen im Internet ein Ende gesetzt. Eine Maßnahme, die einer Umfrage des Kinderschutzbundes zufolge die Zustimmung von mehr als 90 Prozent der Bevölkerung besitzt. Solche Einmütigkeit ist selten. Warum aber wendet sich zum Beispiel der Verein &#8220;Missbrauchsopfer gegen Internetsperren (Mogis)&#8221; so vehement gegen das neue Gesetz und bezeichnet es als Täterschutz? Warum warnt sogar der wissenschaftliche Dienst des deutschen Bundestages vor einer massiven Einschränkung der Kommunikationsfreiheit? Und warum um alles in der Welt bezeichnen einige Kritiker das Gesetz schlicht als Augenwischerei und populistischen Wahlkampf?</p>
<p>Kinderpornographie ist in meinen Augen ein furchtbares und unmenschliches Verbrechen, und man sollte alles menschenmögliche dagegen tun. Diese Selbstverständlichkeit erwähne ich, weil schon Andere wegen ähnlicher Äußerungen wie der, die ich zu tun gedenke, in die Ecke der Unterstützer der Kinderpornographie gedrängt werden. Denn zusammen mit den meisten Bürgerrechtlern und Datenschützern, dem wissenschaftlichen Dienst des Bundestages, dem Verein der &#8220;Missbrauchsopfer gegen Internetsperren&#8221; und den Fachverbänden der Internetprovider wende ich mich entschieden gegen die Sperrung von Internetseiten unter dem Vorwand, die Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen wirksam bekämpfen zu wollen.</p>
<p>Das neue Gesetz sieht eine geheime Sperrliste vor, die vom Bundeskriminalamt täglich aktualisiert und den Providern übermittelt wird. Diese führen dann die Sperrung der Seiten durch. Betroffen sind Internetseiten mit kinderpornographischem Inhalt und solche Seiten, die auf Seiten mit kinderpornographischem Inhalt verweisen. Was unter Kinderpornographie fällt, entscheidet das BKA täglich ohne Zutun der Justiz, also ohne richterliche Anordnung. Niemand kann nachprüfen, ob die Sperrung gerechtfertigt ist, denn die Sperrliste bleibt geheim. Und das Bundeskriminalamt ist nicht verpflichtet, nach einer gewissen Zeit überprüfen zu lassen, ob die Sperrung immer noch gerechtfertigt ist, oder ob ein Link auf eine möglicherweise pornographische Seite tatsächlich immer noch besteht. Wer einmal auf der Liste ist, könnte also immer auf der Liste bleiben. Schon allein wegen dieses massiven Eingriffs in die Zugänglichkeit von Informationen ist das Vorgehen abzulehnen. Aber es kommt noch besser: Die Art der Zugangssperren ist immer wieder in die öffentliche <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/kritik/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Kritik">Kritik</a> geraten. Man kann den Zugang zu Internetseiten sperren, indem man entweder die IP-Adresse sperrt, oder den sogenannten DNS-Eintrag ändert.<br />
Wenn man die IP-Adresse einer Internetseite sperrt, ist die Seite auf normalem Wege tatsächlich nicht mehr erreichbar. Allerdings teilen sich heutzutage durch das sogenannte Shared Hosting viele Domains, also viele WWW-Adressen eine IP-Adresse. Ohrfunk.de beispielsweise ist unter der Adresse 82.165.74.105 zu erreichen. Das trifft aber beispielsweise auch auf die Domain horch-und-guck.de zu. Würde man nun diese Adresse sperren, weil auf ohrfunk.de ein pornographischer Inhalt versteckt wäre, könnte man auch horch-und-guck.de nicht mehr erreichen. Und wer unzensierte und nicht manipulierte Proxyserver im Ausland kennt, kann die Sperre ohnehin umgehen. Bleibt also nur noch die Sperrung, in dem man am sogenannten DNS-Eintrag herummanipuliert. Auf einem DNS-Server, das steht für Domain-Name-System, wird der Name einer Domain mit der zugehörigen IP-Adresse verbunden. In einem DNS-Eintrag steht also genau, wohin der Mensch, der www.ohrfunk.de aufruft, weitergeleitet werden soll. Man könnte also die großen Provider anweisen, alle Aufrufe einer bestimmten Seite auf eine IP-Adresse des BKA weiterzuleiten, wo dann ein sogenanntes Stopschild zu sehen ist, also eine Internetseite, auf der zu lesen steht, dass man im Begriff war, eine Seite mit kinderpornographischem Inhalt aufzurufen. Leider werden aber auch bei dieser Methode Dienste in Mitleidenschaft gezogen, die möglicherweise gar nicht betroffen sind. So könnte auch der Mail- oder Newszugang zu der betroffenen Domain gestört sein. Wenn dann jemand statt des Domainnamens die IP-Adresse des Servers aufruft, muss er ebenfalls auf das Stoppschild geleitet werden, was wiederum dazu führt, dass auch andere Domains von der Sperrung betroffen sind. Wenn man den DNS-Eintrag einer Domain ändert, kann jeder User diese Sperre leicht umgehen. Er braucht nur in seinem Betriebssystem einen festen DNS-Server einzustellen, der im Ausland steht und von den deutschen Behörden nicht zensiert werden kann. Schon sind die Seiten wieder zugänglich.<br />
Es gibt also, wie die Länder, die solche Sperrungen schon eine Weile durchführen, zugeben, kein sicheres Rezept, es sei denn, so der wissenschaftliche Dienst des Bundestages, man würde das Internet in Deutschland nach dem Vorbild Chinas umbauen und massiv zensieren. Das aber ist nach unserem Grundgesetz streng verboten, und Gott sei Dank dafür.</p>
<p>Der Hauptgrund meiner Skepsis und Ablehnung gegenüber dem eingebrachten Gesetzentwurf liegt allerdings in dem Vorwurf, der vom Verein der &#8220;Missbrauchsopfer gegen Internetsperren&#8221; erhoben wurde. Die Sperrung von Internetseiten sei in Wahrheit Täterschutz, denn statt auf eine Löschung der Inhalte hinzuwirken, werden diese lediglich gesperrt, was man einfach umgehen könne. Studien und statistiken zeigen, dass die wenigen Webserver, die Seiten mit kinderpornographischem Inhalt anbieten, häufig in westlichen Ländern wie den USA, Australien, den Niederlanden oder Großbritannien zu finden sind. In diesen Ländern wäre es durch einfache Übereinkommen möglich, aus Deutschland heraus eine Löschung der Seiten und eine strafrechtliche Verfolgung der Seitenbetreiber zu erwirken. Das Bundesfamilienministerium geht aber nicht diesen Weg. Mann will unbedingt die löchrigen und fast wert- und nutzlosen Sperren durchsetzen, weil sich das im Wahlkampf so schön macht. Und die Provider, die genau wissen, dass es wenig nützt, machen mit, damit sie nicht ins gesellschaftliche und damit auch wirtschaftliche Abseits gedrängt werden. Es ist eine hervorragende Wahlkampfhilfe für die CDU, denn 90 Prozent der Deutschen befürworten die Internetsperren, wie die eben von mir bereits erwähnte Umfrage zeigt. Der Verein MOGIS allerdings hat ebenfalls eine Umfrage in Auftrag gegeben und wissen wollen, was die Deutschen lieber sähen: Internetseiten sperren oder in den Ländern, wo die Seiten gehostet werden auf eine Löschung drängen und die Leute, die solche Seiten betreiben strafrechtlich verfolgen. Auch hier waren über 90 Prozent Zustimmung zu verzeichnen, allerdings für die zweite, härtere Variante. Missbrauch mit den Missbrauchten, das ist der Vorwurf, den der Verein der Missbrauchsopfer gegen Internetsperren der Bundesregierung macht. Einfache Stammtischlösungen zur Unterdrückung missliebiger Meinungen und Webinhalte, so nenne ich das Vorgehen der Regierenden. Schon werden Forderungen laut, die Sperrung auf Pornographie insgesamt auszudehnen, auf bestimmte politische Meinungen, auf sogenannte Schockerseiten und andere &#8211; sagen wir- ungewöhnliche Webinhalte. Der Ort, der in den letzten Jahren zum bevorzugten Meinungsforum geworden ist, das Internet, soll reguliert werden. Kommunikation soll überwacht werden, sei es unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung, oder der Bekämpfung der Kinderpornographie. Jetzt, wo das Terrorargument sich allmählich verflüchtigt, braucht man neue Gründe, um die Sicherheitssysteme zu verschärfen, die Meinungsfreiheit einzuschränken und missliebige Anschauungen zu unterdrücken. Nahezu alle Fachexperten lehnen die Internetsperren ab. Die mit der Aufklärung von Internetverbrechen betrauten Kriminalbeamten sagen ohnehin, dass das WWW als Verbreitungsort kinderpornographischer Inhalte praktisch nicht genutzt wird, das Internet diene lediglich zur Kommunikation, nicht aber zur Verbreitung. Der Fachverband der Kommunikationsdienstleister will nicht die Rolle des Briefträgers übernehmen, der die Post seiner Kunden auch noch lesen muss. Und ich möchte in einem Land leben, in dem es auch künftig möglich ist, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen zu informieren, wie es das Grundgesetz sagt, und in dem gleichzeitig wirklich wirksam gegen Kinderpornographie vorgegangen wird, und nicht nur auf dem Papier und zu dem Zweck, bei der bevorstehenden Bundestagswahl eine absolute Mehrheit zu bekommen.</p>
<p>Copyright © 2009, Ohrfunk.de</p>
<p>Autor: Jens Bertrams</p>
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		<title>Schuldenbremse &#8211; Das Ende des Sozialstaates?</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Jun 2009 08:15:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
				<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
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		<description><![CDATA[Letzte Woche hat der Bundestag eine radikale Schuldenbremse beschlossen. In dem Kommentar, den ich heute für ohrfunk.de verfasst habe und in der Sendung &#8220;17-20, der Soundtrack zum Tag&#8221; veröffentlichen werde, setze ich mich kritisch mit diesem in der Öffentlichkeit möglicherweise &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2009/06/schuldenbremse-das-ende-des-sozialstaates/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2009/06/schuldenbremse-das-ende-des-sozialstaates/' addthis:title='Schuldenbremse &#8211; Das Ende des Sozialstaates?' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Letzte Woche hat der Bundestag eine radikale Schuldenbremse beschlossen. In dem Kommentar, den ich heute für <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/ohrfunk/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with ohrfunk">ohrfunk</a>.de verfasst habe und in der Sendung &#8220;17-20, der Soundtrack zum Tag&#8221; veröffentlichen werde, setze ich mich kritisch mit diesem in der Öffentlichkeit möglicherweise nicht ganz richtig verstandenen Beschluss auseinander.<br />
<span id="more-273"></span></p>
<p>Wer kein Geld hat, der kann es in der Regel auch nicht ausgeben, so ist es nun einmal im Leben. Besitzer amerikanischer Kreditkarten lächelten lange über diese alte Binsenweisheit und lebten fröhlich auf Pump, bis ihnen die Immobilienwirtschaft und dann die Banken zusammenbrachen. Unser deutscher Staat ignorierte die Wahrheit ebenfalls sehr lange, obwohl es immer wieder heftige Debatten um die Schuldenbegrenzung gab. Heute belaufen sich die Staatsschulden auf mehr als anderthalb Billionen Euro. Fast ein Drittel des Staatshaushaltes von Bund und Ländern geht für die Zinsen drauf. Während der wenigen guten Jahre wäre es beinahe gelungen, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, also nicht mehr auszugeben, als der Staat einnahm. Dann kam aber die Wirtschaftskrise, und jetzt sind die Schulden auf einem Rekordniveau angelangt. Daher ist es zunächst einmal ein mutiger Schritt, eine verbindliche Schuldenbremse zu beschließen, wie es der Bundestag letzten Freitag getan hat. Es geht um eine Grundgesetzänderung, die noch vom Bundesrat bestätigt werden muss. Danach dürfen die Länder ab 2020 überhaupt keine Schulden mehr machen, und der Bund erhält einen Spielraum von 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, das sind rund 9 Milliarden Euro. Dies will die große Koalition sogar in die Verfassung hineinschreiben, damit künftige Regierungen verpflichtet sind, sich daran zu halten.</p>
<p>Viele Politiker bejubeln diesen Schritt. So könne man endlich der Schuldenfalle langfristig entfliehen und würde künftigen Generationen nicht die Verantwortung für unser Fehlverhalten hinterlassen. Wie gesagt, es ist etwas dran, man muss gegen die immer höheren Staatsschulden vorgehen. Das Problem ist, dass man sich die Frage stellen muss, wo dann gespart wird. Vermutlich nicht da, wo Banken gerettet oder im Kern marode Unternehmen saniert werden, um bis nach dem laufenden Wahlkampf Arbeitsplätze zu erhalten, die dann von den in ihren Entscheidungen weiterhin freien Unternehmen doch abgebaut werden. Dieselben Politiker, die jahrelang gepredigt haben, dass der Markt schon alles richten wird, fordern nun staatliche Unterstützung für Unternehmen, die sich am Markt in den Ruin gewirtschaftet haben und damit ihre Existenzberechtigung verloren haben. Sie tun das nicht, um den betroffenen Menschen zu helfen, die ihre Arbeit verlieren, sondern um den Shareholdern, den Aktionären, einen Verlust zu ersparen und den sogenannten Wirtschaftsstandort Deutschland zu retten. Gespart wird interessanterweise immer dort, wo die Menschen keine Lobby haben: Alte Menschen, obwohl sie immer mehr werden, chronisch Kranke, Menschen mit Behinderung, Arbeitslose, alleinerziehende Elternteile, Menschen mit Migrationshintergrund, Geringverdiener sind die Verlierer. So steht zu befürchten, dass der Bund, wenn er auf eine Neuverschuldung von 0,35 Prozent des Bruttoinlandsproduktes begrenzt wird, zuerst spart, wo ihm niemand vors Schienbein tritt. Vermutlich werden die Sozialleistungen eingefroren oder sogar gekürzt, ergab doch eine Studie an der Universität Chemnitz im letzten Jahr, dass Arbeitslose auch mit 132 Euro im Monat gut auskommen können. Vermutlich werden die Errungenschaften der Behindertenbewegung in den nächsten Jahren wieder zurückgefahren, wie das persönliche Budget, mit dem behinderten Menschen bedarfsgerecht eine Teilnahme am Gesellschaftlichen Leben ermöglicht werden soll. Von solchen Zuwendungen wie Kindergeld, Eingliederungshilfe und ähnlichen Ausgaben wollen wir gar nicht erst reden.</p>
<p>Noch katastrophaler wird sich die neue Sparpolitik allerdings bei den Ländern auswirken. Diese sollen ab 2020 verpflichtet werden, überhaupt keine Schulden mehr zu machen. Trotzdem trifft eine Wirtschaftskrise natürlich auch die Landeshaushalte, die damit kein stabiles Einkommen mehr haben. Sie werden ganz natürlich versuchen, alle Gelder loszuwerden, die ihnen regelmäßig aufgebürdet werden, und auch hier werden sie dort anfangen, wo ihnen am wenigsten Widerstand entgegengebracht werden wird. So werden Banken und Unternehmen auch hier nichts zu befürchten haben. Aber vermutlich wird um das Jahr 2020 herum das von den Ländern gewährte einkommens- und vermögensunabhängige Blindengeld abgeschafft werden. Und Bauvorschriften, die es beispielsweise Menschen im Rollstuhl ermöglichen sollen, in öffentliche Gebäude oder Restaurants zu kommen, dürften in Zukunft zu teuer für unseren modernen Wirtschaftsstandort sein. Doch diese Menschen sind es, die hier leben müssen und immer brav ihre Steuern zahlen. Manager und Bankdirektoren ziehen halt ins Ausland. Die Schweiz oder die Bahamas wären angenehm&#8230;</p>
<p>Copyright © 2009, ohrfunk.de</p>
<p>Autor: Jens Bertrams</p>
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		<title>60 Jahre Grundgesetz &#8211; ein persönliches Loblied?</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Jun 2009 08:12:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am 26. Mai 2009 habe ich für Ohrfunk.de nachfolgenden Kommentar verfasst und in der Sendung &#8220;17-20, der Soundtrack zum Tag&#8221; veröffentlicht. Ich darf Ihnen sagen, meine Damen und Herren, dass ich mit der Terrorbekämpfungspolitik unserer Regierung ganz und gar nicht &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2009/06/60-jahre-grundgesetz-ein-personliches-loblied/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2009/06/60-jahre-grundgesetz-ein-personliches-loblied/' addthis:title='60 Jahre Grundgesetz &#8211; ein persönliches Loblied?' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Am 26. Mai 2009 habe ich für <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/ohrfunk/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with ohrfunk">Ohrfunk</a>.de nachfolgenden Kommentar verfasst und in der Sendung &#8220;17-20, der Soundtrack zum Tag&#8221; veröffentlicht.<br />
<span id="more-272"></span></p>
<p>Ich darf Ihnen sagen, meine Damen und Herren, dass ich mit der Terrorbekämpfungspolitik unserer Regierung ganz und gar nicht einverstanden bin. Und falls es Sie interessiert, sage ich Ihnen auch noch, dass ich den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) für einen Gesetzesbrecher halte, weil er entgegen dem ausdrücklichen Wortlaut der hessischen Landesverfassung Studiengebühren eingeführt hat. Und obwohl ich Ihnen das laut und deutlich mitgeteilt habe, werde ich jetzt nicht ins Gefängnis geworfen. Ich darf das nämlich, ich bin das Volk, oder doch zumindest ein Teil davon. Mich schützt die Meinungsfreiheit, und die wird mir im Grundgesetz verbrieft, das seit nunmehr 60 Jahren und ein paar Tagen gilt. Und wenn mir jemand keine Wohnung gibt, weil er in seinem Haus keine Person haben will, die aus Nordrhein-Westfalen kommt oder aus einer Arbeiterfamilie stammt, dann ist das eine unzulässige Diskriminierung, bei der auch das Grundgesetz weiterhilft. Und wenn man mich, sogar mit meinem Einverständnis, in einen Big-Brother-Container steckt, damit sich das Publikum und die Mitbewohner über den tollpatschigen, fetten Blinden lustig machen können, der es nicht schafft, eine Frau anzubaggern, oder der beim Safteinschütten immer den Finger ins Glas hält, dann geht das gegen meine Würde, und die ist laut Grundgesetz nun einmal unantastbar. Dieser Satz: &#8220;Die Würde des Menschen ist unantastbar&#8221;, ist der erste Satz des Artikels 1 des Grundgesetzes. Wehe den Menschen, denen er nichts sagt, denen er wie eine bloße Floskel und Formel vorkommt. Sie haben nicht verstanden, wie wichtig dieser Satz ist. Früher, in der Weimarer Republik, war es möglich, dass Grundrechte durch Notverordnungen des Reichspräsidenten eingeschränkt, und durch ein einfaches Gesetz, dass der Zustimmung von zwei dritteln der Reichstagsabgeordneten bedurfte, abgeschafft werden konnten. So konnten die Nazis mit dem sogenannten Ermächtigungsgesetz die Bürgerrechte einfach abschaffen, die im Übrigen auch ganz hinten in der Verfassung standen. Im Grundgesetz ist alles anders. Es gibt bestimmungen, die überhaupt nicht abgeschafft werden dürfen, und dazu zählt auch der Satz über die Unantastbarkeit der menschlichen Würde. Auch das Deutschland ein demokratischer, sozialer, föderativer Rechtsstaat ist, dass die Verwaltung an Recht und Gesetz gebunden ist, und das alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht, darf nicht abgeschafft oder geändert werden. Auch die anderen Grundrechte, die im Übrigen ganz vorne in der Verfassung stehen, dürfen in ihrem Wesensgehalt nicht eingeschränkt werden. Das bedeutet, dass man zwar das Asylrecht verschärfen darf, sodass nicht mehr jeder, der einen Asylantrag stellt, automatisch in Deutschland aufgenommen wird und während der Bearbeitung seines Antrags hier leben kann. Aber es muss gewährleistet sein, dass ein Antragsteller in einem sicheren Land lebt, während sein Antrag bearbeitet wird, und auch das grundsätzliche Recht auf Asyl für Menschen, die aus politischen Gründen in ihrer Heimat verfolgt werden, darf man nicht abschaffen. Und außerdem sind alle Grundrechte einklagbar, ich kann also sowohl als Big-Brother-Geschädigter, als auch als Mensch, der die Wohnung nicht bekommen hat, vor Gericht ziehen. Und wenn ich beim zuständigen Gericht durch alle Instanzen kein Recht bekommen habe, kann ich auch eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht einreichen. Dieses Gericht kann sogar den hessischen Ministerpräsidenten im Notfall dazu verurteilen, keine Studiengebühren zu erheben. Und die Urteile dieses Gerichts sind bindend, auch für die Politik. So haben die 61 Väter und 4 Mütter des Grundgesetzes mit einem engmaschigen Netz dafür gesorgt, dass man vor willkürlichen Übergriffen des Staates geschützt ist, und auch in die Lage versetzt wird, seine Rechte durchzusetzen. Somit gehört der Satz: &#8220;Die Würde des Menschen ist unantastbar&#8221;, zu den wichtigsten Sätzen für jeden Einzelnen von uns. Zu einem Leben in Würde, so die Gerichte und vor allem das Bundesverfassungsgericht, gehören nämlich neben einem irggendwie angemessenen Dach über dem Kopf auch so grundsätzliche Dinge wie Nahrung, Kleidung und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Natürlich steht noch viel mehr im Grundgesetz. Es regelt, wie unser Staat seit nunmehr 60 Jahren, allerdings auch mit einigen Änderungen, funktioniert: Welche Rechte haben die Länder? Wer wählt wen wie? Wie entstehen Gesetze? Wieviel Geld hat der Staat zur Verfügung, was darf er ausgeben? Wie ist das Verhältnis des Staates zu den Kirchen? All diese Fragen werden im Grundgesetz geregelt. Es ist die Grundlage für Deutschlands Teilnahme an der EU, und im Grundgesetz steht auch, dass ich mit anderen zusammen raus darf auf die Straße, um zu demonstrieren. Vielleicht sollte ich mir einen Knüppel mitnehmen* Doch halt, auch darauf gibt das Grundgesetz eine Antwort. Ich darf Demonstrieren, mich ohne vorherige Genehmigung unter freiem Himmel versammeln, aber &#8230; friedlich und ohne Waffen. In diesem Sinne hoffe ich, dass das Grundgesetz auch die kommenden 60 Jahre übersteht. Und ich persönlich fände es demokratisch, wenn man endlich mal das Volk darüber abstimmen ließe. Ich glaube nämlich nicht, dass das Grundgesetz etwas zu befürchten hätte.</p>
<p>Copyright &Copy; 2009, ohrfunk.de</p>
<p>Autor: Jens Bertrams</p>
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		<title>Das Amt und die Aufgaben des Bundespräsidenten &#8211; eine persönliche Kritik</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Jun 2009 08:09:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
				<category><![CDATA[erlebte Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus dem Radio]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Über die Aufgaben des Bundespräsidenten habe ich am Wahltag, dem 23. Mai einen meiner Meinung nach sehr interessanten und lesenswerten Kommentar für ohrfunk.de verfasst und in der Sendung &#8220;Audiogramm&#8221; veröffentlicht. Der britische Monarch bzw. seit knapp 60 Jahren die britische &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2009/06/das-amt-und-die-aufgaben-des-bundesprasidenten-eine-personliche-kritik/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2009/06/das-amt-und-die-aufgaben-des-bundesprasidenten-eine-personliche-kritik/' addthis:title='Das Amt und die Aufgaben des Bundespräsidenten &#8211; eine persönliche Kritik' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Über die Aufgaben des Bundespräsidenten habe ich am Wahltag, dem 23. Mai einen meiner Meinung nach sehr interessanten und lesenswerten Kommentar für <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/ohrfunk/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with ohrfunk">ohrfunk</a>.de verfasst und in der Sendung &#8220;Audiogramm&#8221; veröffentlicht.<br />
<span id="more-271"></span></p>
<p>Der britische Monarch bzw. seit knapp 60 Jahren die britische Monarchin, bot die Vorlage für das Amt des Bundespräsidenten. Aus den schlechten Erfahrungen der Weimarer Zeit, wo der Reichspräsident mit Notverordnungen die Nazis unterstützen konnte, hatte man gelernt. Deshalb sollte der Bundespräsident weitgehend zeremonielle, aber keine politischen Aufgaben mehr wahrnehmen. Im Gegensatz zur britischen Königin ist er nicht einmal nominell Oberbefehlshaber der Streitkräfte, und im Verteidigungsfall darf er nur feststellen, dass ein Krieg ausgebrochen ist, mehr nicht. Hauptaufgabe des Bundespräsidenten ist die Repräsentation der Bundesrepublik nach innen und nach außen. Er empfängt und verabschiedet also ausländische Botschafter, beglaubigt deutschlands Botschafter in anderen Ländern, unterschreibt beschlossene Gesetze, ernennt und entlässt ohne eigenes Mitspracherecht die Regierungsmitglieder, die Bundesrichter, die hohen Beamten und die Offiziere. Nur in drei Fällen hat er unter bestimmten Umständen einen gewissen Ermessensspielraum. Zum Einen übt er für den Bund das begnadigungsrecht aus. Zwar muss er sich die Bestätigung durch den Justizminister holen, aber die Entscheidung gebührt dem Bundespräsidenten allein. Zweitens kann er unter bestimmten Umständen den Bundestag aus eigener Erwägung heraus auflösen und Neuwahlen anordnen, und drittens kann der Bundespräsident bei Zweifeln über die Verfassungsmäßigkeit von Gesetzen die Unterschrift verweigern. Die Juristen streiten sich lebhaft darüber, wie weit sein Ermessensspielraum geht, ob er sich nur auf die Form des Gesetzes, oder auch auf dessen Inhalt bezieht.</p>
<p>So bleibt dem Bundespräsidenten nur noch ein, allerdings sehr indirektes, Mittel, um auf die Tagespolitik Einfluss zu nehmen: Das Wort. Es ist eine der unbestrittenen Stärken dieses Amtes, dass es dem politischen Tagesgeschäft weitgehend entrückt ist, dass also der Bundespräsident zumindest theoretisch über den Parteien steht. Nach dem gewachsenen Amtsverständnis des Grundgesetzes darf sich der Bundespräsident zu tagespolitischen Themen nur dann äußern, wenn er auf allgemein gesellschaftliche Entwicklungen hinweisen oder das Gemeinschaftsgefühl ansprechen will. Dabei muss er natürlich vorsichtig sein und darf keine Spaltung in der Gesellschaft hervorrufen. So kommt es, dass sich der Bundespräsident nur sehr selten zu aktuellen politischen Entwicklungen äußert. Die kleine Bonzenschelte von Johannes Rau oder der Aufruf zur Bildungspolitik von Horst Köhler mögen hierfür Beispiele sein. Oder auch die Rede von Roman Herzog, in der er forderte, dass wieder ein Ruck durch unser Land gehen müsse. Immer, wenn ein Bundespräsident solche Äußerungen tut, gibt es jene, die behaupten, er habe seine Kompetenzen überschritten. Aber da ein Respekt vor dem Amt, wenn schon nicht vor der Perrson, angebracht ist, halten sich solche Schimpfkanonaden in der Regel in Grenzen, und man verspricht wenigstens, über die Worte des Staatsoberhauptes nachzudenken.</p>
<p>Hier liegt aber auch eine der größten Schwächen des Amtes. Der Bundespräsident soll der Präsident aller deutschen sein, wird aber nicht von den deutschen selbst, sondern von einer obskuren Bundesversammlung gewählt, die nur indirekt eine demokratische Legitimation hat, genau wie das Grundgesetz selbst, nachdem sich der Bundespräsident richtet. Dieses wurde ebenfalls nicht von den Menschen, sondern von den Parlamenten beschlossen. Und so ist die Vorstellung, der Bundespräsident sei dem politischen Tagesgeschäft entrückt, nur ein frommer Wunschtraum. Um seine Wahl rankt sich das Geschacher und Gezänk der Parteien, hier werden Koalitionen aufgekündigt und neu gebildet, zumindest werden Signale gesetzt. Und da der Bundespräsident in der Regel früherer Minister, Fraktionsvorsitzender, Verfassungsrichter, Wirtschaftsfachmann oder sogar Ministerpräsident war, kennen die Bürgerinnen und Bürger auch die Einstellung des Staatsoberhauptes zu allgemeinen politischen Themen, auch wenn sie nicht mehr geäußert werden. Das Interesse für das Amt des Bundespräsidenten sinkt. Nur wenn er singend, wandernd oder spendend durchs Land zieht, erregt er eine gewisse Aufmerksamkeit und kann Ansehen zurückgewinnen. Tausende die ausgelassen feiern und Spalier stehen, wenn die britische Königin ihren Geburtstag feiert und die Parade abnimmt, wenn sie versucht, zur Parlamentseröffnung das Unterhaus zu betreten und hinausgeworfen wird, damit man sich dann im Oberhaus versammelt, all dies gibt es in Deutschland nicht. Das Amt des Bundespräsidenten wird von einer tagespolitischen Funktionalität bestimmt, die verhindert, dass es etwas Besonderes ist, und dass das Staatsoberhaupt in der Lage ist, von allen respektiert auf Missstände hinzuweisen, wie gerade jetzt auf die drastische Armutszunahme. Horst Köhler, der ehemalige Direktor des Weltwährungsfonds, schweigt zu diesem Thema, denn: Der Markt wirds schon richten.</p>
<p>Copyright © 2009, ohrfunk.de</p>
<p>Autor: Jens Bertrams</p>
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		<title>Kommentar vor der Wahl des Bundespräsidenten zum Wahlverfahren</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Jun 2009 08:05:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am 8. Mai 2009 habe ich über die damals noch anstehende Wahl zum Bundespräsidenten einen Kommentar für ohrfunk.de verfasst und in der Sendung &#8220;17-20, der Soundtrack zum Tag&#8221; veröffentlicht. Am 23. Mai, pünktlich zum 60-jährigen Bestehen der Bundesrepublik, wird der &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2009/06/kommentar-vor-der-wahl-des-bundesprasidenten-zum-wahlverfahren/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2009/06/kommentar-vor-der-wahl-des-bundesprasidenten-zum-wahlverfahren/' addthis:title='Kommentar vor der Wahl des Bundespräsidenten zum Wahlverfahren' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Am 8. Mai 2009 habe ich über die damals noch anstehende Wahl zum Bundespräsidenten einen Kommentar für <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/ohrfunk/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with ohrfunk">ohrfunk</a>.de verfasst und in der Sendung &#8220;17-20, der Soundtrack zum Tag&#8221; veröffentlicht.<br />
<span id="more-270"></span></p>
<p>Am 23. Mai, pünktlich zum 60-jährigen Bestehen der Bundesrepublik, wird der neue Bundespräsident gewählt. Die größten Aussichten hat der Amtsinhaber Horst Köler, der von der CDU, der FDP und den freien Wählern aus Bayern unterstützt wird. Weitere Kandidaten werden Gesine Schwan für die SPD und Peter Sodann für die Linkspartei sein. Die SPD hat bereits angekündigt, dass sie es auf keinen Fall dulden wird, dass ihre Kandidatin mit den Stimmen der Linkspartei gewählt wird. Das übliche politische Schachern, das man von der Wahl zu Ministerpräsidenten kennt, zum Beispiel in Hessen, setzt sich bei der Wahl zum höchsten deutschen Staatsamt ungebremst fort. Eigentlich sollte der Bundespräsident oder die Bundespräsidentin ja über den Parteien stehen, aber da die Kandidaten in der Regel aus der Parteihierarchie kommen, sind sie in jeder Weise vorbelastet was politische Ränkespiele betrifft. Außerdem wird die Wahl gedeutet als Auseinanderbrechen der Regierungskoalition in Berlin, denn beide Regierungsparteien stellen eigene Kandidaten auf. Und da soll der Bürger und die Bürgerin noch das Gefühl haben, dass ihr Präsident gewählt wird? Zumal sie ja gar nicht an der Wahl beteiligt werden, die souveränen Bürger unseres Landes. Gewählt wird der Bundespräsident nämlich von der Bundesversammlung. Die setzt sich aus allen Mitgliedern des Bundestages und einer gleich großen Anzahl von Vertretern zusammen, die von den Landesparlamenten nach deren Proporz gewählt werden. Somit müssen die Mehrheitsverhältnisse keineswegs so sein wie im Bundestag, denn die anderen Mitglieder der Bundesversammlung werden nach den Ergebnissen der jeweiligen Landtagswahl bestimmt. Es handelt sich dabei zwar auch um Politiker, aber es sind auch andere berühmte Deutsche aus den Bereichen Film, Schauspiel, Sport, Kunst, Musik und Wirtschaft dabei. Zwar sind die Mitglieder der Bundesversammlung offiziell an Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen verpflichtet, da aber das Gewinnen einer Wahl für die Parteien immer auch eine Prestigefrage ist, wird dafür gesorgt, dass die Abgeordneten nicht aus der Reihe tanzen und mit der Partei stimmen, die sie in die Bundesversammlung gebracht hat. Somit dürfte das Ergebnis bereits jetzt feststehen: Horst Köler dürfte mit einer äußerst knappen Mehrheit wiedergewählt werden, wenn alle Abgeordneten so stimmen, wie es verlangt wird. Was das allerdings noch mit Demokratie zu tun hat, ist eine Frage, auf die eine einfache Antwort schwer fallen dürfte&#8230; Oder gar nicht, je nach Standpunkt.</p>
<p>Copyright © 2009, ohrfunk.de</p>
<p>Autor: Jens Bertrams</p>
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		<title>Blindengeld in Hessen &#8211; Soll es abgeschafft werden?</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Jun 2009 08:02:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Leben]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Blindengeld in Hessen wird im Gegensatz zu anderen Gesetzen nur um 2 statt der üblichen 5 Jahre verlängert. Die Landesregierung und die CDU haben mir jedoch versichert, dass damit keine baldige Abschaffung beabsichtigt ist. Inwieweit man dem allerdings angesichts &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2009/06/blindengeld-in-hessen-soll-es-abgeschafft-werden/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2009/06/blindengeld-in-hessen-soll-es-abgeschafft-werden/' addthis:title='Blindengeld in Hessen &#8211; Soll es abgeschafft werden?' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Das Blindengeld in Hessen wird im Gegensatz zu anderen Gesetzen nur um 2 statt der üblichen 5 Jahre verlängert. Die Landesregierung und die CDU haben mir jedoch versichert, dass damit keine baldige Abschaffung beabsichtigt ist. Inwieweit man dem allerdings angesichts der vom Bundestag bereits beschlossenen Schuldenbremse glauben darf, ist umstritten. Zu diesem Thema habe ich vor der Zusage der Landesregierung, am 7. Mai 2009, für <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/ohrfunk/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with ohrfunk">ohrfunk</a>.de einen Kommentar verfasst und in der Sendung &#8220;17-20, der Soundtrack zum Tag&#8221; veröffentlicht.<br />
<span id="more-269"></span></p>
<p>Das Blindengeld in Hessen soll im Gegensatz zu vielen anderen Sozial- und Wirtschaftsmaßnahmen nur um 2 Jahre statt der üblichen 5 Jahre verlängert werden, heißt es aus dem hessischen Sozialministerium. Blinde Menschen fühlen sich seit dieser Nachricht stark verunsichert, denn in den letzten Jahren haben wir immer wieder erleben müssen, dass in verschiedenen Ländern das Landesblindengeld gekürzt wurde oder ganz abgeschafft werden sollte. Natürlich, werden viele Menschen sagen: Jeder muss Opfer bringen, und Blinde und Sehbehinderte erhalten ohnehin schon mehr als andere Menschen mit Behinderungen. Und außerdem muss der Staat sparen.</p>
<p>Das Landesblindengeld ist eine vermögensunabhängige Leistung, die zum Nachteilsausgleich gewährt wird. Blinde Menschen können sich davon zum Beispiel Bücher in Punktschrift kaufen, die erheblich teurer sind als die üblichen Bücher in Schwarzdruck, oder sie können Taxifahrten vom Bahnhof einer fremden Stadt zu ihrem Bestimmungsort bezahlen. Haushaltsgeräte zur Farberkennung, zum Markieren der Schaltknöpfe für Herdplatten, eine sprechende Küchenwaage, aber auch das notwendige Papier für die Punktschriftmaschine, das auch nicht im freien Handel erhältlich ist, sind einige weitere Beispiele für die Verwendung des Blindengeldes. Fällt es weg oder wird es massiv gekürzt, dann ist blinden Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht mehr in derselben Weise möglich wie unter normalen Umständen. Da Mobilität und Arbeitsfähigkeit massiv eingeschränkt werden, dürfte die Arbeitslosigkeit steigen und damit Mehrkosten verursachen, die den Gewinn, der mit einer Kürzung erreicht würde, mehr als auffressen. Somit spart der Staat nicht durch eine Kürzung oder Abschaffung des Blindengeldes, er verlagert nur seine Kosten.</p>
<p>Natürlich haben wir eine Wirtschaftskrise, und Jeder muss etwas zur Beseitigung der Krise leisten. Darin stimmen vermutlich alle vernünftigen Menschen überein. Behinderte Menschen würden allerdings doppelt belastet. Von Steuererhöhungen, sinkenden Löhnen, steigenden Preisen und ähnlichen Veränderungen wären sie ebenso betroffen wie alle anderen Bürger, zusätzlich würde man ihnen noch den Nachteilsausgleich kürzen oder streichen. Das Geld, in Hessen wären es bei einer vollständigen Abschaffung rund 60 Millionen Euro im Jahr, könnte man dazu verwenden, die Banken zu retten, aber höchstens für einen Tag. Doch wie gesagt: Jeder, außer den Banken, den Managern und den Fußballstars, um nur einige unserer Ärmsten zu nennen, muss bei der Bewältigung der gegenwärtigen Krise helfen.</p>
<p>Der Vorwurf, dass blinde Menschen mehr Geld erhalten als viele andere Menschen mit Behinderungen, ist berechtigt. Das Blindengeld wurde eingeführt, vor allem wegen der Kriegsblinden. Doch es hat sich in den fast 50 Jahren seines Bestehens vorzüglich bewährt. Die Zahl der blinden Menschen auf dem ersten Arbeitsmarkt hat stark zugenommen, selbes gilt für blinde Akademiker. Die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit blinder Menschen ist erheblich gestiegen, sie beginnen, sich als Teil des normalen gesellschaftlichen Lebens zu fühlen. Dies ist ein unübersehbarer Fortschritt, den man nur begrüßen kann. Daher sollte Menschen mit einer anderen Behinderung ein ähnlicher Ausgleich gewährt werden. Natürlich gibt es auch andere Meinungen, und das nicht nur unter nichtbehinderten Menschen. Der politische Chefkorrespondent der &#8220;Welt&#8221;, Konrad Adam, sprach sich vor einigen Jahren öffentlich für die abschaffung des Blindengeldes aus, weil er nicht länger einsehe, für Leute zu zahlen, die keinen konkreten Anspruch begründen könnten. Und eine berühmte deutsche Blinde, die vil in der Welt herumgekommen ist, sagte einmal, das man in Deutschland von der Regierung betüttelt werde und daher bequem geworden sei. In anderen Ländern, so die Globetrotterin, müssten sich blinde Menschen sehr viel mehr anstrengen, was gut für ihre Persönlichkeitsentwicklung sei. Dem kann ich nur widersprechen. Wenn das Blindengeld wegfällt oder massiv gekürzt wird, dann fallen viele Alltagshilfen weg, die in Deutschland nun einmal teuer sind. Was nützt es also, von den Hauptfürsorgestellen mit einer Arbeitsplatzausstattung beglückt zu werden, wenn man zu hause das neue und interessante Buch nicht lesen, die Farben seiner Kleidung nicht aufeinander abstimmen, oder nicht ohne höchste Konzentration oder sehende Hilfe eine Suppe kochen kann. Selbstständigkeit und Selbstvertrauen lernt man zu allererst im Alltag, und darum sollten die Politiker zum Beispiel in Hessen es sich dreimal überlegen, ob sie die Kürzung oder Abschaffung des einkommens- und vermögensunabhängigen Blindengeldes ernsthaft in Erwägung ziehen wollen.</p>
<p>Copyright © 2009, ohrfunk.de</p>
<p>Autor: Jens Bertrams</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2009/06/blindengeld-in-hessen-soll-es-abgeschafft-werden/' addthis:title='Blindengeld in Hessen &#8211; Soll es abgeschafft werden?' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>Keine tags in diesem Beitrag.]]></content:encoded>
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		<title>5. Mai &#8211; ein geschichtsträchtiger und aktuell wichtiger Tag</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Jun 2009 07:58:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Die Niederlande]]></category>
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		<category><![CDATA[Geschichten aus dem Radio]]></category>
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		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Der 5. Mai ist einer der wenigen Tage, an dem sich geschichtliche und aktuelle Ereignisse bündeln und zusammenlaufen. Am 5. Mai 2009 habe ich dazu einen Kommentar für ohrfunk.de verfasst und in der Sendung &#8220;17-20, der Soundtrack zum Tag&#8221; veröffentlicht. &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2009/06/5-mai-ein-geschichtstrachtiger-und-aktuell-wichtiger-tag/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2009/06/5-mai-ein-geschichtstrachtiger-und-aktuell-wichtiger-tag/' addthis:title='5. Mai &#8211; ein geschichtsträchtiger und aktuell wichtiger Tag' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Der 5. Mai ist einer der wenigen Tage, an dem sich geschichtliche und aktuelle Ereignisse bündeln und zusammenlaufen. Am 5. Mai 2009 habe ich dazu einen Kommentar für <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/ohrfunk/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with ohrfunk">ohrfunk</a>.de verfasst und in der Sendung &#8220;17-20, der Soundtrack zum Tag&#8221; veröffentlicht.<br />
<span id="more-268"></span></p>
<p>ES gibt Tage im Jahr, da häufen sich die Jahresdaten. Wussten Sie zum Beispiel, dass am 5. Mai Karl Marx geburtstag hat? Er wurde 1818 in Trier geboren und ist wissenschaftlich betrachtet der Begründer der sozialistischen und kommunistischen Weltanschauung. Am 5. Mai begehen aber auch Dänemark und die Niederlande das Ende der deutschen Besatzung im zweiten Weltkrieg, denn ganz kurz vor Kriegsende kapitulierten deutsche Teilstreitkräfte vor den westlichen Alliierten, auch in der Hoffnung, alle Kraft nach osten richten und gegen die rote Armee etwas länger standhalten zu können. Auch wurde an diesem Tag, dem 5. Mai 1945, das letzte KZ des dritten Reiches, Mauthausen, befreit, und in Prag brach ein Aufstand gegen die deutsche Besatzung los. Deshalb ist der 5. Mai in vielen Ländern Europas ein Gedenktag an die Opfer des Krieges. In den Niederlanden zum Beispiel wird am 4. Mai abends in einer Feierstunde aller Kriegstoten seit 1940 gedacht, und am 5. Mai feiert man den Tag der Befreiung, einen Festtag, der auf Versöhnung und auf den Erhalt der Freiheit und der Menschlichkeit gerichtet ist.</p>
<p>4 Jahre nach Kriegsende, am 5. Mai 1949, wurde mit dem sogenannten 10-Mächte-Pakt der Europarat gegründet. Der ist bitte nicht zu verwechseln mit dem Europaparlament oder der europäischen Union. Er ist ein Forum für Gesamteuropa und war dies auch schon zu Zeiten des kalten Krieges. Man besprach und bespricht dort gesamteuropäische Angelegenheiten, es war und ist ein Forum der Verständigung. Darum ist der 5. Mai auch als Europatag bekannt und wird als solcher in nahezu allen Ländern europas begangen. Warum sich die Organisationen behinderter Menschen dann ausgerechnet diesen Tag als Protesttag für die Gleichstellung behinderter Menschen in Europa ausgesucht haben, kann für manchen ein Rätsel sein. In der Berichterstattung über Europa und die geschichtslastigen Daten muss so etwas doch untergehen. Aber genau an solchen geschichtsträchtigen Tagen ist man vielleicht auch offener für die Belange von Gruppen, die deutlich machen, dass sie Bedürfnisse haben, denen zu wenig Rechnung getragen wird. Das vereinte Europa, wie es die EU verkörpert, ist nun einmal ein Europa der Wirtschaft, während soziale Errungenschaften oft nicht an erster Stelle der Agenda stehen. Darauf weist der europäische Protesttag für die Gleichstellung behinderter Menschen eindringlich hin.</p>
<p>Bei dieser Fülle an Erinnerungsdaten mögen die Folgenden nur noch Randnotizen sein: Am 05.05.1985 gab es eine heftige Kontroverse, als US-Präsident Reagan und Bundeskanzler Helmut Kohl amerikanische und deutsche Kriegsgefallene auf dem Soldatenfriedhof Bittburg ehrten. Leider waren auch Angehörige der Waffen-SS darunter, was natürlich für Aufruhr sorgte. 5 Jahre später begann dann die erste Verhandlungsrunde zwischen der BRD und der DDR, die zum Einigungsvertrag und damit zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten führte. Und dann gibt es da noch den 05.05.05. Da trafen sich in einem netten Restaurant in Berlin Grunewald 23 blinde und sehbehinderte Radiobegeisterte, die beschlossen, ein gemeinsames Projekt aus der Taufe zu heben. Wenige Monate später wurde daraus der Ohrfunk. Somit ist der 5. Mai also auch noch der ideelle Gründungstag des Senders, den Sie heute eingeschaltet haben.</p>
<p>Copyright © 2009, ohrfunk.de</p>
<p>Autor: Jens Bertrams</p>
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