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	<title>Mein Wa(h)renhaus &#187; Medizin</title>
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	<description>ein politisches Geschäft mit Käse aus Holland</description>
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		<title>Aus der SZ: Tabu Sex und Körperbehinderung &#8211; &#8220;Freier mit Behinderung betrachten uns als Menschen&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Jan 2012 13:03:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Thema Sexualität und Behinderung gehört zu den großen Tabus, die es immer noch gibt. Was sollen Krüppel mit Sex? Das fragt sich so mancher sicher noch im Kopf, der es heute nicht mehr laut ausspricht. Deshalb gefällt mir der &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2012/01/aus-der-sz-tabu-sex-und-korperbehinderung-freier-mit-behinderung-betrachten-uns-als-menschen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2012/01/aus-der-sz-tabu-sex-und-korperbehinderung-freier-mit-behinderung-betrachten-uns-als-menschen/' addthis:title='Aus der SZ: Tabu Sex und Körperbehinderung &#8211; &#8220;Freier mit Behinderung betrachten uns als Menschen&#8221;' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Das Thema <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/sexualitat/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Sexualität">Sexualität</a> und Behinderung gehört zu den großen Tabus, die es immer noch gibt. Was sollen Krüppel mit Sex? Das fragt sich so mancher sicher noch im Kopf, der es heute nicht mehr laut ausspricht. Deshalb gefällt mir der Artikel aus der Süddeutschen Zeitung sehr gut, der dieses Thema mal intensiver und sachlich behandelt. Aber nicht so sachlich, wie es die Aktivisten der Behindertenbewegung oft tun.</p>
<p>Hier der Link:</p>
<p><a href='http://www.sueddeutsche.de/leben/tabu-sex-und-koerperbehinderung-freier-mit-behinderung-betrachten-uns-als-menschen-1.1269396'>Tabu Sex und Körperbehinderung &#8211; &#8220;Freier mit Behinderung betrachten uns als Menschen&#8221; &#8211; Leben &#8211; sueddeutsche.de</a>.</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2012/01/aus-der-sz-tabu-sex-und-korperbehinderung-freier-mit-behinderung-betrachten-uns-als-menschen/' addthis:title='Aus der SZ: Tabu Sex und Körperbehinderung &#8211; &#8220;Freier mit Behinderung betrachten uns als Menschen&#8221;' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>
	<p>Tags: <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/behindertenrecht/" title="Behindertenrecht" rel="tag">Behindertenrecht</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/gesellschaft/" title="Gesellschaft" rel="tag">Gesellschaft</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/menschenrechte/" title="Menschenrechte" rel="tag">Menschenrechte</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/sexualassistenz/" title="Sexualassistenz" rel="tag">Sexualassistenz</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/sexualbegleitung/" title="Sexualbegleitung" rel="tag">Sexualbegleitung</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/sexualitat/" title="Sexualität" rel="tag">Sexualität</a></p>
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		<title>Präimplantationsdiagnostik beschlossen, hier meine Meinung</title>
		<link>http://blog.jens-bertrams.de/2011/07/praimplantationsdiagnostik-beschlossen-hie-meine-meinung/</link>
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		<pubDate>Thu, 07 Jul 2011 11:14:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
				<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
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		<category><![CDATA[Präimplantationsdiagnostik]]></category>
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		<description><![CDATA[Morgen vor einem Jahr habe ich über meine Ansichten zur Präimplantationsdiagnostik geschrieben. Eine Debatte im Bundestag und auf Twitter zwingt mich heute, das Thema noch einmal zu behandeln, selbst auf die Gefahr hin, dass sich einige Argumente wiederholen. Ein ehemaliger &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2011/07/praimplantationsdiagnostik-beschlossen-hie-meine-meinung/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2011/07/praimplantationsdiagnostik-beschlossen-hie-meine-meinung/' addthis:title='Präimplantationsdiagnostik beschlossen, hier meine Meinung' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Morgen vor einem Jahr habe ich über meine Ansichten zur <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/praimplantationsdiagnostik/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Präimplantationsdiagnostik">Präimplantationsdiagnostik</a> geschrieben. Eine Debatte im Bundestag und auf Twitter zwingt mich heute, das Thema noch einmal zu behandeln, selbst auf die Gefahr hin, dass sich einige Argumente wiederholen.</p>
<p><span id="more-904"></span>
<p>Ein ehemaliger durchaus bekannter Politiker nannte mich sinngemäß einen &#8220;pseudo-realpolitischen Fundamentalisten&#8221;. Der Grund war, dass ich angesichts der heutigen Bundestagsdebatte zur <a title="Link zum Wikipedia-Artikel" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Präimplantationsdiagnostik" target="_blank">Präimplantationsdiagnostik</a> dazu aufgerufen habe, die gesellschaftlichen Folgen einer Zulassung zu betrachten. Normalerweise verlangen wir von unseren Politikern immer, dass sie über den Tag hinaus denken. Alle stimmen in den Ruf mit ein. Wenn ich das aber auch in diesem Falle verlange, wird mir von Befürwortern der <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/pid/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with PID">PID</a> vorgeworfen, das Leid der betroffenen Eltern und der schwerstbehinderten Kinder nicht ernst zu nehmen. Dabei verdient die Debatte eine intensive Betrachtung und eine für alle befriedigende Lösung.</p>
<p>Zunächst einmal: Eine Schwerstbehinderung ist für die betroffenen Eltern eine Belastung, deren schwere sie allein ermessen können. Sie allein können sagen, wie sie sich damit fühlen, und wer nicht betroffen ist, kann nur sehr unzureichend an einem solchen Entscheidungsprozess teilhaben. Wer bin ich, dass ich eine medizinische Möglichkeit zur Präimplantationsdiagnostik und damit zur Verhinderung von Leid für Eltern und Kinder rundheraus ablehne, sei es aus religiösen oder aufgesetzt moralischen Erwägungen heraus. Wenn es möglich ist, für Eltern und Kinder das <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/leiden/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Leiden">Leiden</a> zu verhindern oder zu begrenzen, dann soll das so lange gemacht werden, wie es die Rechte Anderer nicht in unzumutbarer Weise einschränkt.</p>
<p>Wenn Politiker Entscheidungen treffen, dann denken Sie über gesellschaftliche Folgen nach. Zumindest tun sie das, wenn Sie ihre Aufgabe ernst nehmen. Welche gesellschaftlichen und politischen Folgen hat eine Zulassung der PID? Und wenn sie unerwünscht sind: Wiegen Sie die berechtigten Interessen der betroffenen Eltern und ihrer möglichen Kinder auf?</p>
<p>Es ist eine der schwierigsten moralischen Fragen überhaupt. Unsere Erfahrung in technischer und wissenschaftlicher Hinsicht ist doch, das alles gemacht wird, was möglich ist. Wer sich bewusst gegen einen Trend stellt, der ist ein Wissenschafts- und Technikmuffel, der mag, um mit Kristina Schröder zu sprechen, lieber Geisteswissenschaften als Elektrotechnik und muss sich nicht wundern, wenn er schlechter gestellt wird, womit sie die Ungleichbezahlung von Frauen rechtfertigte. Das Beispiel repräsentiert unseren <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/zeitgeist/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Zeitgeist">Zeitgeist</a>. Kann man ein Leiden verhindern, gibt es eine neue technische Möglichkeit, wird sie zum Trend, und wir sind alle gute Menschen. Darum steht zu erwarten, dass man Menschen schief ansieht, die sich bewusst für das Leben eines behinderten Kindes entscheiden, sobald es die Präimplantationsdiagnostik möglich macht, das zu verhindern. Oder auch schon vorher. Die Frage einer Ärztin nach der Geburt eines behinderten Kindes an die Mutter: &#8220;Haben Sie sich denn nicht genetisch beraten lassen?&#8221; Diese Frage zeigt, wie schon jetzt mit behinderten Kindern umgegangen wird. Eltern behinderter Kinder werden von Freunden gemieden, die nicht verstehen können, warum man das <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/kind/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Kind">Kind</a> nicht hat &#8220;wegmachen lassen&#8221;. Genau wie Arbeitslose, so Teile der halb öffentlichen Meinung, kosten Behinderte vor allem Geld. Und ihre Lobby ist ohnehin viel zu groß, sagt sogar ein bekannter Journalist, der gegen das Blindengeld wettert, und spricht ihnen pauschal staatliche Unterstützung ab. Mein eigener Bruder sagte zu mir, als ich 20 Jahre alt war: &#8220;Wenn ich zu entscheiden gehabt hätte, müsstest du heute nicht leben.&#8221; Und ich habe keine Schwerstbehinderung, sondern bin lediglich blind, und mein Bruder hat mich 20 Jahre erlebt, und bis zu diesem Tag bildete ich mir auch ein, ein gutes Verhältnis zu ihm gehabt zu haben. All diese Beispiele erwähne ich nur, um ein gesellschaftliches Klima zu dokumentieren, in dem Menschen mit Behinderung leben, und wo sie vor allem am Kostenfaktor gemessen werden.</p>
<p>Natürlich weiß ich, dass die Präimplantationsdiagnostik auch künftig nicht etwa alle Behinderungen verhindern soll. Es geht um Menschen, die auf eine künstliche Befruchtung angewiesen sind und dabei klären lassen, ob das Kind möglicherweise eine Schwerstbehinderung hat. Nun stelle man sich aber den Fall vor, dass sich ein Paar entgegen aller vermuteter Leidensunfähigkeit dazu entschließt, das Kind trotz Behinderung austragen zu wollen. Was dann? Wenn beispielsweise das Kind zwar Überträger der Erbkrankheit ist, die zur Behinderung führen kann, selbst aber nicht behindert wird? Stelle man sich vor, es wäre nur leicht Behindert, überlebte aber und wäre auf Hilfen angewiesen? Wäre nicht die logische Folge, dass man bald ein Gesetz beschließt das sagt: &#8220;Natürlich haben Eltern die Freiheit zu entscheiden, ob sie ihr Kind haben wollen oder nicht. Angesichts der Krise im Gesundheitswesen kann dem Staat aber nicht mehr zugemutet werden, für die unverantwortliche Entscheidung der Eltern auch noch zu zahlen!&#8221;? Die Krankenkasse sagt dann bei der Beantragung von Hilfen: &#8220;Man hatte Sie doch über das Risiko aufgeklärt, sie haben dem Rat der Experten keine Folge geleistet, jetzt können Sie von UNS und der Solidargemeinschaft keine <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/hilfe/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Hilfe">Hilfe</a> erwarten!&#8221; Was dann? Dann ist es nämlich wieder Essig mit der freien Entscheidung der Betroffenen.</p>
<p>Als nächstes könnte man für alle Eltern mit möglichen Erbkrankheiten eine Verpflichtung zur PID einführen. Niemand müsste darunter leiden, aber die Kosten im Gesundheitswesen würden gesenkt, einfach weil weniger Hilfebezieher oder Leistungsberechtigte geboren werden würden. Möglicherweise würde sich dann die Lage für Menschen, die aufgrund eines Unfalls behindert wurden, sogar verändern und verbessern, weil die ja nichts dafür können, und deren Eltern auch nicht. Das Leiden wäre ja hier nicht vermeidbar gewesen.</p>
<p>Die Politik macht ihre Haushaltspläne aufgrund mittel- und langfristiger Planungen. Hat die PID erst einmal das von mir eben erwähnte Stadium erreicht, geht die Politik vorauseilend davon aus, dass weniger Menschen mit Behinderung geboren werden, kürzt die Mittel in der Haushaltsplanung entsprechend den Berechnungen und ist dann ganz überrascht, dass es doch mehr Menschen mit Behinderung gibt, als das statistische Bundesamt errechnete, weil man Kostenzahlen nun einmal gern schönfärbt. Dies ist natürlich nur ein mögliches Szenario.</p>
<p>Ich erwarte, dass Politiker bei Entscheidungen, die über die Zukunft auch lebender oder später lebender Menschen bestimmen, über den aktuellen medizinisch-technischen Tellerrand hinausblicken. Es spielen dabei auch gesellschaftliche Phänomene eine Rolle. Der einfache Bürger auf der Straße sieht nicht die komplizierten Methoden und Probleme der Medizin. Der sagt nur: &#8220;Unverantwortlich, das Kind hätte ja nicht sein müssen, warum hat sie das nicht abgetrieben?&#8221; Und er kann dies nur sagen, weil die Politik bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und anderer internationaler Vorgaben kläglich versagt hat. Und zwar aus Kostengründen, womit wir wieder beim aktuellen Zeitgeist wären. Wenn es den Politikern darum geht, den Paaren eine freie Entscheidung für oder gegen die PID zu ermöglichen, dann muss man sie auch vor den Folgen einer Entscheidung gegen die PID schützen.</p>
<p>Früher, in den alten bösen Zeiten persönlicher Polarisierung, war ich gegen diePID. Heute fände ich es wirklich erstrebenswert, wenn wir zulassen könnten, dass den Betroffenen geholfen wird. Darum wäre ich dafür, dass der Bundestag jetzt, wo er die Zulassung der PID beschlossen hat, ins Grundgesetz eine neue Bestimmung aufnimmt. Ungefähr so:</p>
<p>Artikel 3 A</p>
<p>(1) Menschen mit Behinderung, sei diese vorübergehend oder dauerhaft, genießen während der Dauer ihrer Behinderung zusätzlich zu den in diesem Abschnitt festgelegten Menschenrechten die nachfolgenden Rechte:<br />
a) <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/recht/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Recht">Recht</a> auf Leben in der Gemeinde,<br />
b) Recht auf inklusive Beschulung,<br />
c) Recht auf eine Teilhabe am gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Leben,<br />
d) Recht auf Eingliederung ins Arbeitsleben nach ihrer schulischen und beruflichen Eignung,<br />
e) Recht auf angemessene Pflege oder andere Formen der notwendigen Betreuung oder des Nachteilsausgleichs.</p>
<p>(2) Der Bund ist verpflichtet, die zur Ausübung der oben genannten Rechte erforderlichen Mittel in finanzieller, personeller und sächlicher Hinsicht zur Verfügung zu stellen bzw. dem Betroffenen die Inanspruchnahme als selbstbestimmt lebendes Individuum zu ermöglichen. Eine Einschränkung oder Reglementierung dieser Rechte aus Kostengründen ist unzulässig.</p>
<p>(3) Der Bund wird durch geeignete Maßnahmen der gesellschaftlichen Diskriminierung behinderter Menschen entgegentreten.</p>
<p>
Ich weiß, das ist nur so ein Denkmodell. Ich möchte damit sagen, dass die Geschichte uns lehrt, dass bestimmte technische wie medizinische Neuerungen in einer Zeit fast zwanghafter Optimierung immer ein Nachteil für die Menschen bedeutet, denen man doch so gern helfen will, die aber aus sozialdarwinistischer Sicht hinten runterfallen.</p>
<p>Nein: Ich bin kein pseudo-realistischer Fundamentalist. Im Idealfall wäre ich dafür, die PID zu erlauben, natürlich in begründeten Ausnahmefällen und nicht grundsätzlich, und gleichzeitig die Rechte behinderter Menschen zu stärken. Auch ich empfinde ein Leben von wenigen Tagen, Wochen oder Monaten, das nur aus Schmerz und Leid besteht, als große persönliche Zumutung für Kind und Eltern, zumindest dann, wenn die Eltern die Möglichkeit hätten, sich anders zu entscheiden, und wenn sie dies in der entsprechenden Situation auch getan hätten. Meine Angst ist, dass man irgendwann an den Punkt kommt, dass man beispielsweise bei einer PID feststellt, dass ein Kind im Rollstuhl sitzen wird oder blind werden wird. Und was, wenn die Eltern dann sagen, dass sie das nicht ertragen können, auch die gesellschaftlichen Folgen nicht? Die Blicke der Nachbarn und Freunde, die finanziellen Mehrauffwendungen, die mangelhafte Hilfe? Unter dem Vorwand der Verhinderung von Leid wird dann nach und nach jede Behinderung zum Leid abgestempelt, nicht heute, nicht mit diesem Gesetz, aber in Zukunft vielleicht. Das ist es, was es zu verhindern gilt. Wenn man alles tut, um eine solche Entwicklung zu verhindern, wenn man Leistungsträger verpflichtet, das menschenwürdige und selbstbestimmte Leben in der Gemeinde zu fördern, wenn die Nachteile, für die man als behinderter Mensch ja nichts kann, mit gemeinschaftlicher Anstrengung so weit wie möglich ausgeglichen werden können, und wenn man fördert, dass Menschen mit Behinderungen zum gewöhnlichen Alltag in Privatbereich, Schule und am Arbeitsplatz gehören, wenn man also alles dafür tut, dass so wenig wie möglich Menschen auf die Idee kämen, Menschen mit Behinderung als unwert, unnötig und unwesentlich zu sehen, dann kann man auch eine PID in begründeten Fällen zulassen und den Menschen erklären.</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2011/07/praimplantationsdiagnostik-beschlossen-hie-meine-meinung/' addthis:title='Präimplantationsdiagnostik beschlossen, hier meine Meinung' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>
	<p>Tags: <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/hilfe/" title="Hilfe" rel="tag">Hilfe</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/kind/" title="Kind" rel="tag">Kind</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/leiden/" title="Leiden" rel="tag">Leiden</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/pid/" title="PID" rel="tag">PID</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/praimplantationsdiagnostik/" title="Präimplantationsdiagnostik" rel="tag">Präimplantationsdiagnostik</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/recht/" title="Recht" rel="tag">Recht</a>, <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/zeitgeist/" title="Zeitgeist" rel="tag">Zeitgeist</a></p>
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		<title>Sind wir behindert, oder werden wir behindert?</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Oct 2010 20:20:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sind oder werden wir behindert? Das ist eine Frage, mit der zumindest ich mich immer wieder beschäftige. Selten so aktiv wie in den letzten Tagen, als eine Twitterdiskussion zu diesem Thema vollkommen außer Kontrolle geriet. Selten so, dass ich eine &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2010/10/sind-wir-behindert-oder-werden-wir-behindert/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2010/10/sind-wir-behindert-oder-werden-wir-behindert/' addthis:title='Sind wir behindert, oder werden wir behindert?' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Sind oder werden wir behindert? Das ist eine Frage, mit der zumindest ich mich immer wieder beschäftige. Selten so aktiv wie in den letzten Tagen, als eine Twitterdiskussion zu diesem Thema vollkommen außer Kontrolle geriet. Selten so, dass ich eine Behindertenideologie erlebte, die mich teilweise erschreckte, und die für ein gutes und gleichberechtigtes Miteinander schädlich ist.<span id="more-402"></span>Es fing alles ganz harmlos an. Für den Ohrfunk las ich einen <a title="Link zum Kobinet-Artikel" href="http://www.kobinet-nachrichten.org/cipp/kobinet/custom/pub/content,lang,1/oid,25092/ticket,g_a_s_t" target="_blank">Artikel der Kobinet-Nachrichten</a>, in dem <a title="Link zum Bericht von Karin Kestner" href="http://www.kestner.de/n/verschiedenes/presse/2010/Beschluss_Sozialgericht_Ffm.htm" target="_blank">Karin Kestner mitteilte</a>, dass das Sozialgericht Frankfurt am Main per einstweiliger Anordnung einem gehörlosen <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/kind/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Kind">Kind</a> einen Gebärdensprachdolmetscher in der Regelschule zugesprochen hatte. Hierzu wollte ich mit Frau Kestner ein Interview führen und bereitete mich systematisch vor. Im <a title="Link zur Verfügung im PDF-Format" href="http://www.kestner.de/n/verschiedenes/presse/2010/Beschluss-Sozialgericht_Ffm.pdf" target="_blank">Urteil</a> (pdf) stand, dass die Eltern die Wahl zwischen dem sogenannten <a title="Link zum Wikipediaartikel Cochleaimplantat" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Cochleaimplantat" target="_blank">Cochleaimplantat</a> und der Gebärdensprache hätten. Also informierte ich mich endlich mal oberflächlich über dieses Implantat. Im zugehörigen Wikipedia-Artikel stieß ich auf folgendes Zitat: &#8220;Die Implantation wird von einem Teil der Menschen abgelehnt, die sich der Gehörlosenkultur zugehörig oder verbunden fühlen. Dabei wird von der Befürchtung ausgegangen, dass in der anschließenden Rehabilitation der Einsatz der Gebärdensprache hinter die Förderung der Lautsprache zurückgestellt wird. Dem tauben Kind solle nicht durch die Implantation der Weg in die Gehörlosenkultur verbaut werden. Kritiker aus diesem Kreis bewerten die Propagierung des CI als gezielte Nicht-Akzeptanz von Taubheit und vom Leben mit Taubheit, welche sie positiv bewerten. Harlan L. Lane bezeichnet die Befürworter des CI sogar als audistisch. Er betrachtet Gehörlose nicht als Behinderte, sondern als Mitglieder einer ethnischen Gruppe.&#8221; Dies fand ich zumindest seltsam, also las ich den Artikel zur <a title="Link zum Artikel über Gehörlosenkultur" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gehörlosenkultur" target="_blank">Gehörlosenkultur</a>. Auch dort fand ich ein interessantes Zitat, das über das erste noch weit hinaus ging: &#8220;Deafhood oder Taubsein ist ein vom gehörlosen britischen Wissenschaftler Dr. Patrick (Paddy) Ladd entwickelter Begriff. Er soll dem negativen Begriff der Taubheit (Deafness) einen positiven Begriff entgegensetzen. Taubsein wird nicht als ein Defizit verstanden, sondern als ein Lebensgefühl, vergleichbar etwa mit Frausein, Christsein oder Jüdischsein. Ladd betrachtet die Gehörlosen nicht als Behinderte, sondern als Angehörige einer kulturellen Gruppe, ohne die die Welt ärmer an Vielfalt wäre. Er fordert die Gehörlosen auf, sich ihrer gemeinsamen Werte und ihrer Geschichte bewusst zu werden und ihre Kinder (sofern sie auch gehörlos sind) zu stolzen Mitgliedern ihrer Gemeinschaft zu erziehen. Taubsein solle als Lebensgefühl gefeiert werden. Aus diesen Überlegungen leitet Ladd auch seine umstrittene Forderung ab, bei Kindern auf Cochleaimplantate zu verzichten. &#8230; Ebenfalls umstritten ist Ladds positive Bewertung gehörloser Designerbabys, die durch die absichtliche Auswahl eines gehörlosen Samenspenders gezeugt werden. Ladd spricht von der &#8220;Kolonisierung&#8221; der Gehörlosen durch die Hörenden. Es gelte, der Betrachtungsweise als hilflose, passive Opfer Widerstand entgegenzusetzen und sich gegen die Kolonisierung zu wehren. Hörende könnten in diesem Prozess Allies (Verbündete) der Tauben werden, wenn sie lernten, Taubsein nicht als Behinderung zu betrachten.&#8221;</p>
<p>Ich muss zugeben, dass mich diese Betrachtungsweise schockiert hat. Es ist eine Sache, wenn gehörlose Eltern die Möglichkeit, oder auch eine hohe Wahrscheinlichkeit, für die Taubheit ihres Kindes akzeptieren und sich über ihr Kind freuen, ganz egal, ob es eine Behinderung hat oder nicht. Eine ganz andere Sache ist es, bewusst einen Samenspender zu suchen, damit das Kind ebenfalls gehörlos wird. Wenn gehörlose Menschen tatsächlich eine eigene Ethnie sind, dann wäre das mit einer gewissen Eugenik und ethnischer Säuberung bzw nationalistischem Gedankengut gleichzusetzen. Wir würden jeden Deutschen ablehnen, der sagen würde, dass er nur rein deutsche, oder sagen wir arische, Kinder haben will. Wenn die Gehörlosen sich als eigene Ethnie begreifen, müsste man an sie dieselben Maßstäbe anlegen. Übrigens: Wenn man konsequent Gehörlosigkeit als Behinderung ablehnt, dann verlieren Mitglieder dieser Ethnie, also Volksgruppe, die Ansprüche, die ihnen aus der Behinderung als Nachteilsausgleich entstünden. Dies aber würden dieselben Leute ablehnen. Allerdings bin ich dafür, Elemente der Betrachtung als Ethnie bewusst zu fördern. So ist die Gehörlosenkultur im Bereich der Kunst und des Theaters eine echte Bereicherung, und die Gebärdensprache ist unzweifelhaft eine eigene Sprache, die es zu fördern gilt. Gehörlose müssen einen Anspruch auf Erlernen, Pflege und Ausbau ihrer eigenen Sprache und Kultur haben, das steht für mich vollkommen außer Frage.</p>
<p>Der zweite Punkt, der mich an der Betrachtung als Ethnie störte, ist die Tatsache, dass es so wichtig ist, sich nicht als Menschen mit Behinderung sehen zu müssen. Ganz abgesehen davon, dass dann z. B. die Behindertenrechtskonvention auf Gehörlose nicht mehr anwendbar wäre und sie einige Rechte verlieren, zeigt die Ideologie der Befürworter der Volksgruppenthese einen herablassenden Blick auf behinderte Menschen. Man will auf keinen Fall dazu gehören. Man ist etwas Besseres, man gehört einer eigenen Volksgruppe an, aber natürlich nicht den Menschen mit Handicap oder Einschränkung, denn im eigenen Selbstverständnis gibt es ja keine Einschränkung. Alle Einschränkungen die im tatsächlichen Leben zu beobachten sind, sind nach den Anhängern dieser radikalen Theorie durch die <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/gesellschaft/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Gesellschaft">Gesellschaft</a> verschuldet, die den Mitgliedern der Gehörlosenethnie keine Unterstützung gewährt.</p>
<p>Nachdem ich mir diese Gedanken gemacht hatte, schrieb ich eine Twitternachricht: &#8220;Oha: Ob ich wohl in den nächsten Tagen zu einem Diskriminierer gestempelt werde? Komme an einem schwierigen Thema vorbei: Gehörlosenkultur. Also nicht die Gehörlosenkultur ist das Schwierige, das ist eher bewundernswert. Nur: Sind Gehörlose behindert oder, wie Ossis, eine Ethnie? Und wenn, warum? Um nicht behindert sein zu müssen? Wie ist dann deren Auffassung von Behinderung? &#8211; Sind so Gedanken bei meiner Arbeit.&#8221; Eigentlich gehöre ich nicht zu den Menschen, deren Twitternachrichten viel gelesen werden, schon gar nicht zu denen, auf deren Nachrichten viel reagiert wird. Diesmal aber begann schnell eine Diskussion. Eine Hauptteilnehmerin des späteren Streits war die Betreiberin des Blogs <a title="Link zum Rückspiegel" href="http://www.rueckspiegel.org" target="_blank">Rückspiegel</a>. Sie schrieb schon einleitend deutlich: &#8220;Ich kann nur sagen, daß Gehörlose, die gezielt ein taubes Kind haben wollen, i.m.h.o. nicht ganz dicht sind, und keine Ethnie. Mag sein, daß aus der Behinderung eine Kultur entsteht. Aber am Anfang steht ein körperliches Defizit, ob einem das paßt oder nicht.&#8221; Auf der anderen Seite war eine Gehörlose anwesend, die die Auffassung vertrat, dass die Eltern das alleinige Entscheidungsrecht haben, ob ihr Kind gehörlos sein soll oder nicht. Und es sei unbedingt erforderlich, die Bildungschancen für Gehörlose zu verbessern. Eine dritte, mehrfachbehinderte Teilnehmerin, stimmte der Bloggerin bei ihrer Ablehnung der Gehörlosenethnie zu, vertrat aber ansonsten die Ansicht, dass die Gesellschaft immer danach strebe, den behinderten Menschen zu reparieren, anstatt ihn wie er ist zu akzeptieren und sich auf ihn einzustellen. Alle Teilnehmer lehnten das sogenannte medizinische Modell von Behinderung ab, wobei die Bloggerin klar sagte, dass der Ursprung einer Behinderung ein körperliches Defizit sei, was den Menschen aber keineswegs abwerte oder definiere. Trotz guter Integration behinderter Menschen blieben, so zusammengefasst ihre Meinung, Defizite, die die Gesellschaft nicht reparieren könne. Einem Gehörlosen werde immer der Eindruck raschelnder Blätter, einem Blinden immer das Bild eines Regenbogens fehlen. Dies könne die Gesellschaft nicht zu 100 Prozent ausgleichen. Daher verbaue man einem neugeborenen Kind Chancen, wenn man von vorneherein festlege, dass es eine Behinderung haben solle. &#8220;Und es ist höchst bedenklich, immer die böse Gesellschaft zu beklagen, ohne die der behinderte ja gar nicht behindert wäre.&#8221;, fügte die Bloggerin hinzu. Die Gegenposition wurde am Anfang von der gehörlosen Teilnehmerin eloquent vertreten: &#8220;Wenn die Gesellschaft gleiche Bedingungen für alle schafft, ist es egal, ob man behindert ist oder nicht.&#8221;</p>
<p>Beide Positionen erzeugen ein Spannungsfeld, in dem viele behinderte Menschen leben. Wie viel von dem, was durch Behinderung an Einschränkung spürbar ist, kann durch die Gesellschaft durch welche Maßnahmen wettgemacht werden? Hier trafen aber zwei völlig verschiedene Sichtweisen aufeinander. Eine Frau, die von ihren Alltagserfahrungen ausging und klar sagte: &#8220;Keine Gesellschaft kann dir die Hör- oder Seheindrücke zurückgeben, selbst wenn du hervorragend integriert bist.&#8221; Dem kann ich nur zustimmen, und das muss man akzeptieren. Es ist die grundlegende Akzeptanz der eigenen Situation. Ich bin blind, ich sehe nichts, und das ist ein Faktum. Noch so viel Geld, noch so viele Schilder an Türeingängen, noch so viele Hörbücher und Hörzeitschriften können mir das Augenlicht und die damit gemachten Eindrücke und Empfindungen nicht zurückgeben. Sicher: Ich mache andere Erfahrungen, die Menschen mit Augenlicht auch machen könnten, aber oft nicht wollen, weil die Reizüberflutung sie hindert. Aber sie haben die Chance, diese Erfahrungen zu machen. Ich hingegen werde für immer auf den berühmten Regenbogen verzichten müssen. Eine ganz andere Frage ist, ob ich mich deswegen schlecht fühle, bedrückt oder minderwertig. Das tue ich ganz und gar nicht, ich kann damit gut leben, und niemand in der Diskussion stellte dies in Frage. Auf der anderen Seite waren zwei durch lange Arbeit in der Behindertenpolitik und -Selbsthilfe gestählte Aktivistinnen, die immer und zu jeder zeit politisch korrekt argumentierten. Für sie gibt es keine natürliche Behinderung, weil dies für sie Einschränkung ihrer Ganzheit ist, weil dies eine gesellschaftliche Stigmatisierung bedeutet. Sie fühlen sich nur dann akzeptiert, wenn man ihnen bestätigt, dass sie in keiner Weise eingeschränkt sind, und wenn man ihnen dazu verhilft, sich so zu fühlen. Dies ist Aufgabe der Mehrheitsgesellschaft, die die Mittel dazu hat. &#8220;Behindert ist man nicht, behindert wird man&#8221;, erklären sie. Der Regenbogen ist ihnen egal, die Blätter auch. Sie gleichen diese fehlenden Empfindungen durch andere Stärken aus, die von der Gesellschaft nicht wahrgenommen werden. Sie wollen nicht auf ihre Behinderung reduziert werden, und jede Erwähnung einer körperlichen Einschränkung trifft sie bis ins Mark ihres Selbstverständnisses. Sie haben, so meine Meinung, keinerlei gelassenen Umgang mit ihrer Situation, obwohl sie kämpfen und die Interessen behinderter Menschen vertreten wollen. Sie argwöhnen fast überall eine persönliche Herabsetzung oder ein auf Medizin basierendes Behinderungsverständnis, auch dann, wenn es eigentlich um einprägsame Alltagsempfindungen geht.</p>
<p>Zum Streit wurde eine bis dahin durchaus interessante Diskussion erst, als die Bloggerin sagte: &#8220;Ich finde es kontraproduktiv, immer wieder zu beharren, es seien ja nur die anderen schuld, wenn was noch nicht klappt. Das liest sich immer wie &#8220;Wir wären ja gar nicht behindert, wenn Ihr nicht so böse wärt&#8221;. Da vergeht mir die Lust zu Helfen. &#8230; Ich bin ja selber mit und unter Blinden großgeworden. Und egal wieviel Mühe man sich gibt, manches geht halt nicht. Aber dann auch noch gesagt zu bekommen: &#8220;Du gibst dir nur nicht genug Mühe&#8221;, das erschöpft dann total und läßt resignieren. Es wäre schön, wenn auch mal das Erreichte gewürdigt würde, statt daß immer noch neue Forderungen im barschen Ton folgen.&#8221; Antwort der mehrfachbehinderten Aktivistin: &#8220;Das kann ich gut verstehen! Ich stemme aber täglich 100 Nichtbehinderte! Wieviele Behinderte stemmst Du pro Tag?&#8221; Für einen Moment redeten sie aneinander vorbei. Die Bloggerin wiederholte: Selbst mit viel Mühe gehen bestimmte Dinge nicht, die Aktivistin erwiderte, dass es z. B. sehr wohl gehe, wenn man lange genug kämpfe, vor einem Haus eine Rollstuhlrampe anzulegen und ähnliches, man müsse nur kämpfen. Vermutlich hörten sie da auf, einander zuzuhören, denn sie sprachen von verschiedenen Dingen. Die Rollstuhlrampe geht, der Regenbogen nicht. Und als die Bloggerin auch noch sagte, dass sie auch keine Rampe würde bauen können, wenn sie gerade erst zum Vermieter geworden sei, verhärteten sich die Positionen. Und ich stand dabei und fasste nicht, wie aus der Debatte über die Ethnie der Gehörlosen ein solches Streitgespräch hatte werden können.</p>
<p>Ich gehöre zu den Menschen, die Hörfilme mögen. Als Blinder finde ich, dass mir die Bildbeschreibungen viel über einen Film verraten, was ich sonst nicht gewusst hätte. Bewegungen und Aussehen der Charaktere, Szenen, in denen nicht gesprochen wird und ähnliche Dinge. Auch diese Bildbeschreibung kann mir den Sinneseindruck meiner Augen nicht zu 100 Prozent ersetzen, ich werde den Film immer noch anders wahrnehmen als der voll sehende Zuschauer. Für mich kann es eine Einschränkung sein, mir den Film beschreiben lassen zu müssen, aber die Bloggerin wies in der Debatte noch auf einen anderen Umstand hin: Sie fände es nervig, wenn bei einem Film die Filmbeschreibung laufe oder jemand einem Blinden den Film erkläre. Und weiter: &#8220;Ich weiß, daß ich das hinnehmen muß, aber für mich verliert der Film dann an Qualität. Sowas wird auch oft nicht anerkannt. Es ist nicht so, daß der Nichtbehinderte sich nur aktiv Mühe geben muß, er muß auch auf einiges verzichten. Wird gerne vergessen. Und deshalb fände ich ein wenig mehr gegenseitige(!) Anerkennung und Respekt angebracht, statt nur einseitiger Forderungen.&#8221; Ein Aspekt, über den ich nie nachgedacht habe, der mir aber logisch erscheint. Auf die Nachfrage der Aktivistin, worauf die Bloggerin verzichte, wenn sie einen Film mit Bildbeschreibung schaue oder einem Blinden den Film erkläre, antwortete diese: &#8220;Ich verzichte auf die Möglichkeit, den Film selber ohne Störung schauen zu können. Während ich A erkläre, verpasse ich B.&#8221; Sinn dieser Aussage war meiner Meinung nach, klarzumachen, dass es immer ein gegenseitiges Geben und Nehmen ist. Wenn sich nichtbehinderte Menschen bemühen, Behinderten eine gleichberechtigte Teilhabe am Gesellschaftsleben zu ermöglichen, nehmen sie bewusst und gern, wie die Bloggerin auch noch mal betonte, eigene Einschränkungen in kauf. Aber das werde von den radikalen Behindertenaktivisten nicht wahrgenommen, die immer nur noch mehr Anstrengungen von der Gesellschaft verlangten, um die Behinderung zu 100 Prozent auszugleichen, was gar nicht möglich sei. Die Aktivistin fragte, ob die Bloggerin denn lieber auf den behinderten Menschen oder auf den Film verzichten würde bzw. darauf, den Film störungsfrei zu sehen. Dies qualifizierte die Bloggerin als emotionale Erpressung. Nun erreichte die Auseinandersetzung einen ihrer Höhepunkte: &#8220;Was glaubst Du, wie sich unsereins dabei fühlt. Einen film zu gucken, den ich nur mit hilfen wahrnehmen kann, ist wichtiger als die Beziehung zu mir? Eine typisch deutsche Debatte, die mir so schon häufiger begegnet ist&#8221;, sagte die Aktivistin. &#8220;Ich nehme es hin, weil mir der behinderte Mensch wichtig ist, stören darf es mich aber dennoch&#8221;, lautete die Antwort. Das war leider das Ende der sachlichen Diskussion. Dabei berührt sie Punkte, über die man sich Gedanken machen muss. Da Menschen mit und ohne Behinderung gegenseitig aufeinander zugehen sollten, ist es auch wichtig, die Einschränkungen zu akzeptieren, die ein Nichtbehinderter auf sich nimmt, wenn er, wie gern auch immer, einem Menschen mit Behinderung hilft. Als ich später das Wort Dankbarkeit von seiten der behinderten Menschen in die Debatte warf, wehrte die Bloggerin ab: Sie wolle keine Dankbarkeit, es reiche, wenn gegenseitiges Bewusstsein dafür herrsche. Anstatt über die Frage des Films mit Bildbeschreibung weiter zu debattierren, antwortete die Aktivistin: &#8220;Na ja! Alles Weitere würde sich wirklich hochschaukeln. Aber bevor Du andere Blinde oder Behinderte weiter dafür sanktionierst, dass sie die sind, die sie sind, lassen wir es besser! vor allem, bevor du oder Andere sich von meinen unortodoxen ansichten noch mehr bedroht fühlen müssen! Bestrafe bitte keinen Behinderten Menschen dafür, dass er sein Leben so gut meistert, wie es geht, und dafür ab und an Deine <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/hilfe/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Hilfe">Hilfe</a> braucht, auch, wenn er noch selbständig denken kann und ne Meinung hat!&#8221; Das machte die Bloggerin wütend.</p>
<p>Dieses Diskussionsende zeigt aber, wie schwer es ist, miteinander offen und ehrlich zu reden. Wie oft auch bei Religionen werden kritische Äußerungen, selbst wenn sie überhaupt nicht abwertend oder herabwürdigend gemeint sind, von manchen Behinderten oft als Ehrverletzung empfunden. Bis zu einem gewissen Punkt ist das verständlich, sie begegnen oft Menschen, die sie bevormunden, die glauben besser zu wissen, was für sie gut und richtig ist. Dies ist falsch, zunächst einmal sind Menschen mit Behinderung Experten in eigener Sache. Trotzdem gehört zu gegenseitigem Verständnis auch das offene Ohr für die Menschen, die selbst keine Behinderung haben und im Alltag ganz normal eine Hilfestellung leisten, gar nicht viel darüber nachdenken, sondern einfach tun, was getan werden muss. Menschen, die den Menschen mit Behinderung eben nicht über seine Einschränkung definieren, sonst würden sie sich gar nicht lange mit ihm auseinandersetzen. Menschen, die ehrlich genug sind, auch mitzuteilen, dass ihre Hilfeleistung sie auch etwas kostet. Zumindest dann sollten sie es mitteilen, wenn sie zu hören bekommen, dass sie sich nicht genug um Menschen mit Behinderung bemühen. Und natürlich sollte man diese Mitteilung nicht machen, um nun für den Rest seines Lebens vom Behinderten demütige Dankbarkeit zu erwarten. Aber die Wahrheit ist nun einmal, dass alle Menschen persönliche Interessen haben, egal, ob sie eine Behinderung haben oder nicht. Wenn alle auf alle Interessen Rücksicht nehmen, dann nähern wir uns nach und nach einem Zustand an, in dem so viele durch die Behinderung erlittene Einschränkungen wie möglich von der Gesellschaft, oder sagen wir vom alltäglichen Miteinander, aufgehoben werden. Aber dass auch Nichtbehinderte einfach nur Menschen mit ihren Ideen, Bedürfnissen und Vorlieben sind, dass sollten auch die behinderten Menschen akzeptieren, die sich zurecht Nachteilsausgleiche von der Gesellschaft, hier vor allem von der Politik, erwarten. Eine solche politische Erwartungshaltung aber auf alle Privatpersonen zu übertragen, finde ich fatal.</p>
<p>Am nächsten Tag hat die Bloggerin in ihrem Blog ihre Sichtweise zu dieser Diskussion geschrieben, und zwar unter dem Titel: <a title="Link zum Blogbeitrag im Rückspiegel" href="http://www.rueckspiegel.org/index.php/site/comments/die_gesellschaft_dein_feind_und_helfer/" target="_blank">Die Gesellschaft, dein Feind und Helfer</a>. In diesem Blog entwickelte sich eine interessante und fruchtbare Diskussion.</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2010/10/sind-wir-behindert-oder-werden-wir-behindert/' addthis:title='Sind wir behindert, oder werden wir behindert?' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>Keine tags in diesem Beitrag.]]></content:encoded>
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		<title>Segen oder Fluch &#8211; Zum BGH-Urteil zur Präimplantationsdiagnostik</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Jul 2010 07:45:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
				<category><![CDATA[erlebte Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Den folgenden Kommentar habe ich am 09.07.2010 auf ohrfunk.de veröffentlicht.Es war abzusehen, dass uns das Thema irgendwann wieder einholen würde. Auf ewig konnten wir uns nicht der ethischen Debatte über die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik entziehen. Ein Urteil des Bundesgerichtshofes zwingt &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2010/07/segen-oder-fluch-zum-bgh-urteil-zur-praimplantationsdiagnostik/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2010/07/segen-oder-fluch-zum-bgh-urteil-zur-praimplantationsdiagnostik/' addthis:title='Segen oder Fluch &#8211; Zum BGH-Urteil zur Präimplantationsdiagnostik' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Den folgenden Kommentar habe ich am 09.07.2010 auf ohrfunk.de veröffentlicht.<span id="more-370"></span>Es war abzusehen, dass uns das Thema irgendwann wieder einholen würde. Auf ewig konnten wir uns nicht der ethischen Debatte über die Zulassung der <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/praimplantationsdiagnostik/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Präimplantationsdiagnostik">Präimplantationsdiagnostik</a> entziehen. Ein Urteil des Bundesgerichtshofes zwingt uns jetzt, diesem Thema mehr Beachtung zu schenken. Das höchste deutsche ordentliche Gericht entschied, dass es statthaft ist, befruchtete Eizellen vor dem Einpflanzen in den Mutterleib auf eventuelle Krankheiten und Behinderungen zu untersuchen und den Embryo nicht auszutragen, wenn eine Schwerstbehinderung auftreten könnte. Natürlich laufen Behindertenverbände und Kirchen massiv Sturm gegen das Urteil. Es sei ein erster Schritt auf dem Weg zum Designerkind, heißt es da, und: wenn man schon in diesem frühen Lebensstadium selektiere, warum dann nicht auch später, nach der Geburt, wenn das <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/kind/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Kind">Kind</a> nicht den Erwartungen der Eltern entspreche? Befürworter des Urteils und der Präimplantationsdiagnostik weisen darauf hin, dass man mit dieser Technik Krankheiten und Behinderungen so früh erkennen könne, dass es gar nicht erst zu einem Leben mit der Schwerstbehinderung kommen müsse. Das sei für alle Beteiligten von Vorteil. Die Positionen scheinen unversöhnlich.</p>
<p>Schon die juristische Diskussion ist kompliziert und befasst sich nicht zuletzt mit der Frage: Wann beginnt menschliches Leben? Das Bundesverfassungsgericht bestimmte 1975, dass das Leben mit der Befruchtung der Eizelle durch die Samenzelle beginne, und dass es von diesem Moment an grundgesetzlich geschützt sei. Die Frage ist also, ob eine diagnostische Behandlung eines Embryos gegen die Menschenwürde verstößt, und ob das Abtöten und Nichtaustragen einer befruchteten Eizelle, die möglicherweise genetische Schäden aufweist, gegen das <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/recht/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Recht">Recht</a> auf Leben verstößt oder als Mord angesehen werden muss.</p>
<p>Doch diese juristische Debatte ist eigentlich nur Ausdruck eines viel größeren gesellschaftlichen Problems, einer Ethikdebatte, die auf den ersten Blick nicht lösbar scheint. Wenn es doch heutzutage möglich ist, die Behinderung eines noch ungeborenen Kindes zu vermeiden, warum sollte man einem Kind dieses lebenslange <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/leiden/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Leiden">Leiden</a> nicht ersparen? Ganz abgesehen von der Tatsache, dass die Schwerstbehinderung eines Kindes auch das Leben der Eltern für immer verändert und unberechenbare seelische Folgen nach sich ziehen kann. Wem will man es verübeln, eine angebotene Möglichkeit zu nutzen, zum Wohle des dann nicht geborenen, möglicherweise behinderten Kindes, und auch &#8211; zugegebenermaßen &#8211; zum eigenen Wohl? In welcher Welt leben wir denn, wenn Eltern gezwungen werden können, Kinder auf die Welt zu bringen, die ihr Leben lang <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/leiden/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Leiden">leiden</a> müssen? Wären diese Kinder nicht später berechtigt, ihren Eltern Vorwürfe zu machen? Dies ist eine Argumentation, der man sich stellen muss. Es geht um die Frage, ob man eine mögliche Methode zur Leidensverhinderung nutzen sollte oder nicht. Niemand, der ernsthaft darüber nachdenkt, ein wahrscheinlich behindertes Kind nicht auf die Welt kommen zu lassen, begeht in meinen Augen per se ein Verbrechen. Den Respekt vor dem Gewissen jedes Einzelnen sollten alle aufbringen, auch in diesem Streit.</p>
<p>Der Grund, warum ich letztlich die Entscheidung des Bundesgerichtshofes und damit die Präimplantationsdiagnostik entschieden ablehne, liegt in der mangelnden Toleranz und der mangelnden Reife des Menschengeschlechts begründet. Unser ethisches Empfinden, so die Verfechter der Evolutionsethik, hinkt unserem technischen Verständnis um rund 60.000 Jahre hinterher. Das merkt man auch bei der Frage der Präimplantationsdiagnostik. Wenn Eltern behinderter Kinder schon heute in der <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/gesellschaft/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Gesellschaft">Gesellschaft</a> schief angesehen werden, weil sie ihr Kind bekommen haben, und weil es der von Finanz- und Wirtschaftskrisen gebeutelten Gemeinschaft Kosten verursacht, dann sind wir nicht reif für eine Methode, noch mehr Kinder zu verhindern, die unserer besonderen Aufmerksamkeit, Zuwendung und Fürsorge bedürfen. Außerdem ist mit dieser Entscheidung ganz klar das Schicksal der heute und in Zukunft lebenden Menschen mit Behinderung verbunden. Man wird das Phänomen Behinderung nie ganz ausrotten können. Es wird also immer behinderte Menschen geben. Wenn man aber die Präimplantationsdiagnostik zulässt, dann werden sie mehr und mehr zu lästigen Außenseitern der <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/gesellschaft/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Gesellschaft">Gesellschaft</a>. Sie sind dann Unfälle und Sonderlinge, kein natürlicher Bestandteil des normalen Lebens mehr. Dabei beginnen Menschen mit Behinderung gerade erst, sich diesen Platz in der Mitte der <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/gesellschaft/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Gesellschaft">Gesellschaft</a> mühsam zu erkämpfen. Wenn es möglich wäre, und die Präimplantationsdiagnostik suggeriert dies, behindertes Leben schon im Ansatz zu verhindern, würden sich die ästhetischen Vorstellungen in der <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/gesellschaft/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Gesellschaft">Gesellschaft</a> ganz natürlich verschärfen, und die Ausgrenzung würde überhand nehmen. Und das wäre dann eine gravierende Verletzung der Würde des Menschen, und zwar des bereits geborenen Menschen. Es ist der Schutz derer, die keinem wie auch immer gearteten Normbegriff entsprechen, der mich in den Ruf einstimmen lässt: Wehret den Anfängen.</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2010/07/segen-oder-fluch-zum-bgh-urteil-zur-praimplantationsdiagnostik/' addthis:title='Segen oder Fluch &#8211; Zum BGH-Urteil zur Präimplantationsdiagnostik' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>Keine tags in diesem Beitrag.]]></content:encoded>
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		<title>Was die Gemüter wirklich bewegt: Nichtraucherschutz in Bayern</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Jul 2010 15:15:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
				<category><![CDATA[erlebte Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Bei geringer Wahlbeteiligung wurde am Sonntag ein starker Nichtraucherschutz in Bayern beschlossen. Raucher sind unzufrieden, durchaus verständlicherweise, und ich habe mich für ohrfunk.de um eine sachliche Analyse gekümmert. Übrigens zur Information: Ich bin zwar Nichtraucher, habe aber keine persönliche Leidenschaft. &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2010/07/was-die-gemuter-wirklich-bewegt-nichtraucherschutz-in-bayern/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2010/07/was-die-gemuter-wirklich-bewegt-nichtraucherschutz-in-bayern/' addthis:title='Was die Gemüter wirklich bewegt: Nichtraucherschutz in Bayern' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Bei geringer Wahlbeteiligung wurde am Sonntag ein starker Nichtraucherschutz in Bayern beschlossen. Raucher sind unzufrieden, durchaus verständlicherweise, und ich habe mich für ohrfunk.de um eine sachliche Analyse gekümmert. Übrigens zur Information: Ich bin zwar Nichtraucher, habe aber keine persönliche Leidenschaft. In meiner Wohnung ist Rauchen selbstverständlich gestattet, es sei denn, Nichtraucher bitten im konkreten Fall darum, es einmal anders zu halten. Von jeder Art von Militanz bin ich also weit weit entfernt.<span id="more-368"></span>Bayern hat das schärfste Rauchverbot in öffentlichen Räumen eingeführt, dass es in Deutschland gibt. Und zwar mit <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/hilfe/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Hilfe">Hilfe</a> eines Volksentscheids. An diesem Entscheid beteiligten sich rund 38 Prozent der Wahlberechtigten, und rund 61 Prozent davon stimmten für das Rauchverbot: Das sind rund 23 Prozent der Wahlberechtigten bayerischen Bevölkerung. Der Streit ums Rauchen, der mit harten Bandagen geführt wurde, und der die Menschen in Bayern mehr zu beschäftigen schien als Sparpaket und Eurokrise, als Afghanistaneinsatz und Bundespräsidentenwahl, ist damit natürlich nicht beigelegt. Die Verlierer, allen voran die FDP, warnen vor dem Verbotsstaat und befürchten eine Einschränkung der persönlichen Freiheit der Mehrheit, die von einer Minderheit von knapp einem Viertel durchgesetzt worden sei. Eben diese Freiheitseinschränkung sehen die Befürworter des Rauchverbots als legitimen Schutz der körperlichen Unversehrtheit an. Außerdem hätten eben mehr Leute zur Wahl gehen sollen, wenn man sich beschwere, dass nur so wenige für &#8211; oder gegen &#8211; das Rauchverbot gestimmt hätten. die Bevölkerung habe die Freie Entscheidung gehabt, und die müsse man nun auch respektieren und nicht klein reden. Wütende Raucher geben im Kurznachrichtendienst Twitter zu Protokoll, dass sie nun nirgendwo mehr Rücksicht auf Nichtraucher nehmen würden, die Nichtraucher verstehen das ganze Problem nicht, schließlich sei das Rauchen nicht verboten worden, sondern müsse halt im Freien stattfinden, was den ungewollt passiv mitrauchenden Menschen sehr nütze. Und natürlich wird über Sinn und Unsinn von Volksentscheiden debattiert. Wie sinnvoll sind diese Volksentscheide, fragt sich wohl ausgerechnet die FDP, die sonst immer für Freiheit ist, wenn sie nicht mehr den Willen der Mehrheit, sondern nur noch den Willen der wenigen Mobilisierten ausdrücken?</p>
<p>Das Thema ist interessant und wichtig und muss erörtert werden, aber eigentlich nicht aus der Perspektive von Rauchern oder Nichtrauchern. Es gab Raucher, die haben sich offen für das Rauchverbot ausgesprochen, weil sie ja in ihren eigenen vier Wänden oder draußen rauchen könnten und die Gesundheit der Anderen ebenfalls respektieren und schützen wollten. Es gab Nichtraucher, die sich gegen das Rauchverbot aussprachen, weil sie sich nicht vom Staat entmündigen lassen wollten, auch wenn der Staat in diesem Falle die Mehrheit der zur Abstimmung gehenden Bürger war und nicht nur die kleine Gruppe der Politikerinnen und Politiker. Es ist also sinnvoll, das Ganze etwas abstrakter zu analysieren.</p>
<p>Die persönliche Freiheit ist eines der höchsten Verfassungsgüter, die wir haben. Viele glauben aber fälschlicherweise, diese Freiheit erlaube jedem Einzelnen, zu tun, was immer er wünsche, was immer ihm gefalle. Die persönliche Freiheit findet aber ihre Schranken in der Beschränkung der Freiheit Anderer, noch bevor die Verpflichtung zur Einhaltung der allgemeinen Gesetze greift. Viele Freiheitsapostel vergessen, dass das <a href="http://blog.jens-bertrams.de/tag/recht/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Recht">Recht</a> der Persönlichen Freiheit auch seine Wurzel als Abwehrrecht gegen den Staat hatte, nicht gegen andere Bürger, die ebenfalls mit Rechten ausgestattet waren und sind. Unter Freiheit darf man nicht Rücksichtslosigkeit verstehen, und schon deshalb sollte ein Nichtraucherschutz selbstverständlich sein. Zumal auch die Nichtraucher ein hohes Rechtsgut zu ihren Gunsten anführen können: Die körperliche Unversehrtheit. Rauchen, so kann man es immer wieder nachlesen, schadet der Gesundheit, und zwar auch der Gesundheit der Passivraucher. Darauf ist Rücksicht zu nehmen. Wo sich Raucher und Nichtraucher gemeinsam aufhalten wollen, dort solte dem Schutzbedürfnis vor dem Freiheitswunsch der Vorrang gebühren, zumal sich Raucher, die ihre Freiheit ausleben wollen, auf eigenen Wunsch an einen anderen Ort zurückziehen können. Das Leben ist voller Kompromisse, und beide Seiten gehen sie ein. Trotzdem muss das Schutzbedürfnis nach Leben und körperlicher Unversehrtheit mehr Beachtung finden als der Wunsch, an jedem beliebigen Ort seiner persönlichen Leidenschaft fröhnen zu können. Diese Einsicht sollte von Jedem erwartet werden können. Genauso selbstverständlich ist natürlich, dass man Raucher nicht wegen ihres Rauchens diskriminieren darf. Solange sie nur ihrer eigenen Gesundheit schaden, ist das ein Ausdruck jener Freiheit, die wir unbedingt schützen und hochhalten sollten.</p>
<p>Und dann zur Frage, ob Volksentscheide gut oder schlecht sind: Sie sind gut, denn sie sind ein Schritt hin auf dem Weg zu mehr Demokratie. Sie sind schlecht, weil das Volk manipulierbar ist, das wusste schon der alte argentinische Diktator Peron, oder Stalin, Hitler, Napoleon und Nero, um nur einige zu nennen. Also was nun? Wagen wir mehr Demokratie? Ja, sagen manche, solange meine Meinung siegt. Das kann nicht das Herangehen an Demokratie sein. Volksentscheide bringen aber den Willen der Mehrheit zum Tragen, ohne dabei auf die Belange der Minderheit Rücksicht zu nehmen. Andererseits taugt das auch nicht als Argument gegen Volksentscheide, denn die repräsentative Demokratie schützt die Minderheit auch nicht ausreichend. Trotzdem bin ich für Volksentscheide. Denn alles in allem braucht es für die Manipulation der Hälfte der Wahlberechtigten doch eines viel größeren Aufwandes als für die Manipulation der Hälfte der Parlamentarier. Hier muss man Millionen für Campagnen ausgeben, die- wie in Bayern gesehen &#8211; auch wirkungslos bleiben können, dort muss man nur ein paar Bestechungsgelder zahlen.</p>
<p>So, und jetzt lasst den Rauchern ihre Zigarrette draußen vor der Tür, und setzt euch trotzdem drinnen zusammen und spielt wieder miteinander. Basta!</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2010/07/was-die-gemuter-wirklich-bewegt-nichtraucherschutz-in-bayern/' addthis:title='Was die Gemüter wirklich bewegt: Nichtraucherschutz in Bayern' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>Keine tags in diesem Beitrag.]]></content:encoded>
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		<title>US-Gesundheitsreform beschlossen!</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Mar 2010 06:21:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Bertrams</dc:creator>
				<category><![CDATA[erlebte Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Den folgenden Kommentar zur US-Gesundheitsreform habe ich mal wieder für Ohrfunk geschrieben und veröffentlicht.Deutschland sagt: &#8220;Willkommen im Jahre 1883&#8243;, Großbritannien sagt: &#8220;Willkommen im Jahre 1911&#8243;, und Frankreich sagt: &#8220;Willkommen im Jahre 1930&#8243;. Damit kommentierte ein Blogger eindrucksvoll die amerikanische Gesundheitsreform, &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2010/03/us-gesundheitsreform-beschlossen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2010/03/us-gesundheitsreform-beschlossen/' addthis:title='US-Gesundheitsreform beschlossen!' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Den folgenden Kommentar zur US-Gesundheitsreform habe ich mal wieder für Ohrfunk geschrieben und veröffentlicht.<span id="more-343"></span>Deutschland sagt: &#8220;Willkommen im Jahre 1883&#8243;, Großbritannien sagt: &#8220;Willkommen im Jahre 1911&#8243;, und Frankreich sagt: &#8220;Willkommen im Jahre 1930&#8243;. Damit kommentierte ein Blogger eindrucksvoll die amerikanische Gesundheitsreform, die das Repräsentantenhaus in der Nacht zum Montag nach langem Tauziehen endlich beschlossen hat. Es ist die größte Sozialreform in der amerikanischen Geschichte, und sie ist die Einlösung eines Wahlversprechens des Präsidenten. Erschreckend ist, dass die oppositionellen Republikaner eine wütende Menschenmenge aufbringen konnten, die beinahe das Parlamentsgebäude gestürmt hätten. Und derselbe Grund, der Barack Obama 2008 ins weiße Haus gebracht hat, könnte nun im Jahre 2010 dafür sorgen, dass die Demokraten im November die Wahlen haushoch verlieren. Politische Experten gehen fest davon aus, dass Obama ab November gegen einen feindlichen Kongress regieren muss und im Jahre 2012 nicht wiedergewählt werden dürfte. Grund ist die Tatsache, dass das Gesundheitspaket den Staat in den nächsten 10 Jahren rund 630 Milliarden Euro kosten wird, also im Durchschnitt über 60 Milliarden pro Jahr. Schon jetzt ist der amerikanische Staat extrem hoch verschuldet, und das nutzen die Republikaner aus. Die meisten Experten, aber wer hört schon auf Experten, sind allerdings der Meinung, dass die Gesundheitsreform den Haushalt nach Ablauf der 10 Jahre eher entlastet.</p>
<p>Für den Präsidenten war die Abstimmung also ein Sieg, auch wenn er ihn mit Zugeständnissen an die Abtreibungsgegner in den eigenen Reihen erkaufen musste. Seit rund 100 Jahren wurde um eine Gesundheitsreform in den USA immer wieder gerungen, doch erst Barack Obama ist sie gelungen. Das zeigt, welche Kraft Obama immer noch hat, obwohl man ihn international inzwischen als einen schwachen Präsidenten wahrnimmt.</p>
<p>Aber was ist nun der Inhalt der großen Gesundheitsreform? Hauptsächlich geht es darum, jeden amerikanischen Bürger gegen Krankheit zu versichern. Daher wird eine Versicherungspflicht eingeführt, und jeder Bürger, der sich nicht versichern lässt, muss 2,5 Prozent mehr Steuern zahlen. Außerdem dürfen Versicherer, seien es private oder die neue staatliche Krankenversicherung, niemanden wegen Vorerkrankungen ablehnen, oder höhere Prämien verlangen. Bei Personen, die rund um die Armutsgrenze leben, springt in jedem Falle die staatliche Krankenversicherung ein. Interessant ist ein Kostenausgleich. Demnach sollen Versicherte eine Rückerstattung ihrer Beiträge erhalten, wenn diese die Kosten für ihre eigene Gesundheitsverssorgung massiv übersteigen. Es handelt sich also um ein System persönlicher Vorsorge, nicht um eine solidarische Krankenversicherung. Mit Ausnahme kleiner Betriebe müssen Unternehmen ihre Mitarbeiter versichern und bei Festangestellten 72,5 Prozent der Beiträge übernehmen. Finanzieren will der Präsident dieses Jahrhundertwerk, das er selbst zwar nicht als radikal aber als umfassend bezeichnete, durch höhere Steuern für Großverdiener und strengeres Vorgehen gegen Kapitalflucht multinationaler Konzerne.</p>
<p>&#8220;Willkommen im Jahre 1883, verehrter Herr Präsident&#8221;. Das mögen wir in Deutschland den Amerikanern zurufen. Denn in diesem Jahr wurde im deutschen Reich durch den Reichskanzler Otto von Bismarck eine allgemeine Krankenversicherung eingeführt. In den USA galt bislang keine Pflichtversicherung. Rund 80 Prozent der US-Amerikaner waren allerdings mehr oder weniger Krankenversichert, jetzt werden es vermutlich mehr als 95 Prozent sein. Der gemeine Durchschnitts-US-Bürger wehrt sich allerdings gegen zu viel Staat in seinem Privatleben und betrachtet dies oft als Einmischung in seine persönliche Freiheit. Dummerweise oft auch jene US-Bürger, denen eine Krankenversicherung gut tun würde. So bleibt nur zu hoffen, dass der Präsident bald die Früchte ernten kann, die er mit so vielen Mühen und Kämpfen jetzt ausgesät hat.</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2010/03/us-gesundheitsreform-beschlossen/' addthis:title='US-Gesundheitsreform beschlossen!' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>Keine tags in diesem Beitrag.]]></content:encoded>
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		<title>Unbekannte Wunderwerke</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Aug 2005 23:51:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Das Nest</dc:creator>
				<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn man etwas über technische Hilfsmittel für Menschen mit Behinderung hört, dann geht es meist um &#8220;optische Krücken&#8221; wie Brillen, Lesegeräte, Lupen oder Kamerasysteme für dies und das, oder es geht um Hilfen für Gehbehinderte, Rollstühle, Rollirampen, abgesenkte Bürgersteige und &#8230; <a href="http://blog.jens-bertrams.de/2005/08/unbekannte-wunderwerke/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2005/08/unbekannte-wunderwerke/' addthis:title='Unbekannte Wunderwerke' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='wb_fb_top'><div style="float:right;"></div></div><p>Wenn man etwas über technische Hilfsmittel für Menschen mit Behinderung<br />
hört, dann geht es meist um &#8220;optische Krücken&#8221; wie Brillen, Lesegeräte,<br />
Lupen oder Kamerasysteme für dies und das, oder es geht um Hilfen für<br />
Gehbehinderte, Rollstühle, Rollirampen, abgesenkte Bürgersteige und so<br />
weiter. Deswegen war ich gestern auch völlig beeindruckt und fasziniert  von<br />
einer Sendung des Deutschlandfunks aus der Reihe &#8220;Sprechstunde&#8221;.<br />
<span id="more-49"></span><br />
Die kommt jeden Dienstagmorgen von 10.00 bis 11.30 uhr, und diesmal ging es um<br />
Schwerhörigkeit. Im Grunde sind die einzigen Dinge, von denen ich in diesem<br />
Zusammenhang je gehört habe, grob gesagt Gebärdensprache und Hörgeräte. Umso<br />
erstaunter war ich, von wahren technischen Wunderwerken und chirurgischen<br />
Höchstleistungen zu erfahren, die ich mir nicht hätte träumen lassen. Zum<br />
Beispiel dachte ich immer, Menschen, die auf einem Ohr ertaubt seien, wären<br />
für immer dazu verurteilt, kein &#8220;Richtungshören&#8221; mehr zu besitzen, d. h.<br />
nicht orten zu können, aus welcher Richtung Stimmen und Geräusche kommen.<br />
Das ist, so glaube ich, eine schwerwiegendere Behinderung, als sich die<br />
meisten Menschen vorstellen können. Selbst wenn Augen Richtungen und<br />
Entfernungen gut einschätzen können, läuft die Orientierung im Raum<br />
wesentlich mehr über die Ohren ab, als die meisten wissen. Und dieses<br />
Richtungshören kann man anscheinend in einigen Fällen immitieren, wie ich<br />
seit gestern weiß. Zum Beispiel gibt es die Möglichkeit, in beiden Ohren ein<br />
Hörgerät zu tragen, wobei dann die Wahrnehmungen des &#8220;tauben&#8221; Hörgeräts mit<br />
dem anderen summiert werden. anscheinend gibt das dem Gehirn die<br />
Möglichkeit, seine Orientierungsmöglichkeiten im Raum zu erweitern. Das kann<br />
es offensichtlich auch dann noch lernen, wenn die Person auf einem Ohr<br />
niemals gehört hat.<br />
die andere Möglichkeit besteht darin, eine Art Schraube in den Schädel,<br />
genauer gesagt in den Knochen über dem Ohr zu implantieren, die dann auf<br />
demselben Weg die Knochenschwingungen auf das andere Ohr überträgt. Das ist<br />
weniger sichtbar, aber ein operativer Eingriff. Ich fand das genial! Wozu<br />
unser Hirn nicht alles fähig ist! Und was werden wir da noch alles<br />
entdecken?</p>
<p>Überhaupt gibt es einen Haufen filigranster Eingriffe im Ohr, und ich habe<br />
den höchsten Respekt vor den Leuten, die das machen. Da gibt es Prothesen<br />
für die Gehörknöchelchen, Unterfütterung zur Unterstützung des<br />
Trommelfells&#8230; In 10 Jahren, so erklärte der Arzt im Studio, kann man<br />
vielleicht sogar so weit sein, die empfindlichen Sinneshärchen im Ohr, die<br />
auf biochemischem Wege die Schwingungen des Trommelfells und der<br />
Gehörknöchelchen ins Gehirn weiterleiten, zu züchten oder zumindest zum<br />
Wachstum anzuregen. Eine Möglichkeit, etwas gegen Innenohrtaubheit zu<br />
unternehmen! Was für Perspektiven! also ich war, wie ihr vielleicht merkt,<br />
echt fasziniert. Wußtet ihr, daß man diese Sinneshärchen durch zu viel Lärm<br />
zerstören kann? Zunächst mal setzt ja starker Lärm nur die Reizschwelle im<br />
Gehirn nach oben, sodaß wir allgemein schlechter hören, das heißt leise oder<br />
hochfrequente Reize überhaupt nicht mehr wahrnehmen. Das geht ja auch ab und<br />
zu durch die Medien. Aber anscheinend ist es sogar so, daß man die<br />
Sinneshärchn beschädigen kann oder zumindest den biochemischen Prozeß<br />
zwischen ihnen und dem Hirn durch Lärm dauerhaft total aus dem Gleichgewicht<br />
bringen kann. Ja, da war viel interessantes für mich dabei. Und falls ihr<br />
jemanden kennt, der schlecht hört und keine Hörgeräte benutzen will &#8211; ich<br />
kenne viele -, so kann ich Euch nur raten, immer wieder zu versuchen,<br />
diejenigen zu überzeugen. Das Gehirn verlernt das alte, richtige hören und<br />
wenn dann Hörgeräte diese Situation nach längerer Zeit wieder herstellen<br />
(oder zumindest annähernd), dann braucht man fast so viel Zeit, um sich an<br />
das &#8220;normale hören&#8221; zurückzugewöhnen, wie es dauerte, das Gehör schleichend<br />
einzubüßen. Darum ist das Hörgerätetragen auch am anfang bei fast allen<br />
unangenehm. Sie müssen wieder hören lernen. ich werde versuchen zu<br />
vermitteln, daß es sich lohnt, hier Geduld zu haben und sich Zeit zu nehmen,<br />
beim Hörgeräteakustiker   verschiedenste Hörgeräte ruhig mal eine Weile<br />
auszuprobieren. Viele wissen bis heute nicht, daß es dazu Möglichkeiten gibt<br />
und daß ihnen das zusteht. Leider ist wie bei allem der Punkt, daß man unter<br />
Umständen für eine gute Lösung viel bezahlen muß&#8230;</p>
<p>So, jetzt aber genug geschwärmt aus der wunderbaren Welt der Wissenschaft.<br />
Ich geh jetzt pennen! Gute Nacht!</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style" addthis:url='http://blog.jens-bertrams.de/2005/08/unbekannte-wunderwerke/' addthis:title='Unbekannte Wunderwerke' ><a class="addthis_button_"></a><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a></div>Keine tags in diesem Beitrag.]]></content:encoded>
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