Über mich

Freundeskreis und Weltbürgertum

Am 23. Mai 1983 gründete ich auf dem Campingplatz Heelderpeel eine kleine Gruppe, die dort – so sind Kinder manchmal – Staat spielen wollte. Wir gründeten unseren eigenen Staat mit eigener Verfassung und eigenen Gesetzen. Wir stellten uns unsere ausweise aus, hatten Flagge und Hymne, und es gab jede Menge politischer Intrigen. Als ich im August 1984 nach Marburg kam und neue Freunde fand, erzählte ich ihnen von diesem Staatsspiel. Jugendliche, die sich für Politik interessierten und gern mal durchspielen wollten, wie so ein politischer alltag aussah, schlossen sich mir an. Daraus entwickelte sich ein Freundeskreis, der noch heute Bestand hat. Dieser „Staat“, den wir „Demokratische Republik Deutsch-Niederlande“ nannten, legte sich am 24. August 1985 eine eigene Hitparade zu. Diese „Staatshitparade“ wurde aus den persönlichen Top 10 jedes Mitglieds jede Woche zusammengerechnet. Später dann, als der Staat in den Hintergrund trat, behielten wir wöchentliche Treffen bei, um unsere gemeinsame Hitparade auszuspielen. Als unsere Schulzeit vorbei war und viele von uns Marburg verließen oder anderes zu tun hatten, wurden die Treffen seltener, aber durch das Internet hielten wir über eine private Mailingliste den Kontakt aufrecht, und nach einer Durststrecke von wenigen Jahren geben wir inzwischen wieder wöchentlich unsere Hitparaden ab und rechnen sie zusammen. Unser gemeinsames Hobby hat überlebt. Dieser Freundeskreis ist heute meine Wahlfamilie. Zu diesen Menschen habe ich die engsten Bindungen, die man sich vorstellen kann. Ohne sie hätte ich die schweren Schicksalsschläge gerade in meiner Familie nicht überstanden. Ich bin ihnen dankbar und auf ewig verbunden. Wir nehmen Anteil an unseren Erlebnissen und unserer beruflichen und privaten Entwicklung. Das Internet nutzen wir, um in engem Kontakt zu bleiben. Als eine unserer engen Freundinnen beispielsweise in Brasilien war, war sie in diesem Jahr, in dem sie dort Auslandsstudentin war, nur physisch von uns weit weg. Diese enge Verbundenheit in einem aufeinander eingespielten Kreis, der über so viele Jahre gewachsen ist und durch viele Höhen und Tiefen hindurch musste, diese Zusammengehörigkeit ist ein Segen für einen Menschen wie mich, der in seinem Umfeld nach Harmonie und Gemeinschaft strebt.

In diesem Freundeskreis entwickelte ich auch das Verfassungsmodell für einen Weltbundesstaat. Durch verschiedene Ereignisse fragte ich mich 1987/1988, wie ein Staatsmodell aussehen müsste, welches die ganze Welt umfasste. Die Frage war so interessant, dass die daran interessierten Freunde und Bekannten mit mir gemeinsam unseren Verfassungsentwurf 1992 überarbeiteten und erneuerten. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich andere existierende Vorschläge bereits gelesen. Viele Menschen glauben wohl, dass sich nur Spinner mit diesem Problem auseinandersetzen. Weit gefehlt. Selbst die Vereinten Nationen und verschiedene Gruppen von Rechtsgelehrten lassen prüfen, ob es möglich ist, ein Verfassungsmodell für die ganze Welt zu entwickeln. Ich bin mit vielen Anderen der Meinung, dass globale Probleme auch einen globalen Lösungsansatz und gemeinsames, koordiniertes Vorgehen brauchen. Eine gut organisierte Welt wäre hier von Vorteil. Ich habe Weltverfassungsvorschläge gelesen, die reine Utopien waren. In diesen Vorschlägen kam der Wille zum Ausdruck, die verschiedenen Ethnien und Volksgruppen, und die verschiedenen Staatsgrenzen überwinden zu können. Die Verwaltungseinteilungen waren dort zumeist die Kontinente. Diese utopischen Ansätze haben mich enttäuscht, denn nach meiner Ansicht können sie nie verwirklicht werden. Nur ein Bundesmodell, in welchem sich die verschiedenen Volksgruppen und die verschiedenen mächtigen Nationalstaaten verwirklicht sehen, nur ein Modell, welches gerade die ethnische Vielfalt berücksichtigt, hat – wenn überhaupt – irgendwann in der Zukunft eine Chance. Nur aus dem Heute kann ein Morgen erwachsen. Darum ist das von uns entwickelte Modell bei all den gemachten Vorschlägen, die man im Internet und bei verschiedenen Organisationen nachlesen kann, immer noch etwas besonderes.

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Comments

5 Kommentare zu Über mich

  1. Pingback: Ich komme ins Radio.. : dutchblog.de

  2. Hartmut Bock sagt:

    Mit Begeisterung und innerer Anteilnahme habe ich“ Über mich“ gelesen.

    Auf Ihre Webside bin ich durch einen Link Hinweis in einem Kommentar bei Ad sinistram gekommen.

    Ihre Biographie ist sehr spannend, interessant und hat mich sehr nachdenklich gestimmt. – Mein Geburtstag ist ebenso der 12. Februar !

    Ich wünsche Ihnen und Ihrer Frau weiterhin viel Mut und Zuversicht im Leben.

    Ihren Blog werde ich jetzt öfter besuchen !

    Gruß
    Hartmut

  3. Jan Vering sagt:

    Hallo, falls Sie am 30. April Zeit haben, würde ich Sie und Ihre Frau gerne nach Siegen ins Apollo-Theater einladen. Da läuft ab 19 Uhr die 34. und letzte Vorstellung unserer Eigenproduktion „Ich habe einen Traum“, ein Martin-Luther-King-Konzert. Näheres findet sich unter http://www.apollosiegen.de – es würde mich freuen, Sie kennenzulernen. Mit freundlichen Grüßen, Jan Vering (PS: Dieses ist garantiert der falsche Weg, Sie zu erreichen, aber ich weiß es leider nicht besser)

  4. Hallo,

    von unserer gemeinsamen Freundin Katrin bin ich auf diese Seite hingewiesen worden und lese mit Bestürzung und Bewunderung los. Würde mich sehr über einen Austausch freuen,

    viele Grüße von Kirsten

  5. nossy sagt:

    Herr Vering,

    ich bin zutiefst berührt von Ihren Geschichten aus dem Leben auf dieser Seite „Über mich“. Genießen Sie die Schönheiten Ihres Lebens gemeinsam mit Ihrer Frau.

    Alles Gute wünscht Ihnen,
    nossy

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