Türkentrank und Muselmann

Ich konnte nicht schlafen und dachte: “Warum? Du hast doch gar keinen Kaffee getrunken.” Und da fiel mir dieses alte Kinderlied ein, das Noten, gesundes Leben und Patriotismus zugleich vermittelte und eine Alltagsdiskriminierung darstellt:

 

“C A F F E E

Trink nicht so viel Kaffee!

Nichts für Kinder ist der Türkentrank,

schwächt die Nerven, macht dich blass und krank.

Sei doch kein Muselmann,

der das nicht lassen kann.”

 

Ich war im Internat, und wir haben dieses Lied oft gesungen. Viele unserer Mitschülerinnen und Mitschüler waren Türkinnen und Türken. Damals hab ich mir keine Gedanken gemacht, aber es ist schon ganz schön diskriminierend. Der Türkentrank, der dich krank macht, von dem die “Muselmänner” aber nicht lassen können. Und das Wort “Muselmann”, das von “Muselman” und also von “Muslim” kommt.

 

“Unsere Türken”, wie unsere Erzieher manchmal sagten, sagten natürlich nichts dazu. Ich nehme an, dass sie die Diskriminierung nicht bemerkten. Das tückische ist ja, dass wir sie auch nicht bemerkten. Ich meine: Wir sangen dieses Lied über den Türkentrank, der dich schwach und krank macht, während einige Türken mit uns am Tisch saßen, aber unser Verhältnis zu ihnen änderte das nicht. Warum auch: Wir verstanden ja kaum was vom Hintergrund des Textes. Was wussten wir von Kreuzzügen? Wir begriffen nur, dass sich Kaffee früher mit C schrieb, dass am Anfang die Noten C, A, F und E im Lied gesungen wurden, und dass man als Kind keinen Kaffee trinken soll, weil man dann das Flattern kriegt. Erst später begriff ich, dass man damit auch aussagte: Die Türken können vom Kaffee nicht lassen, also sind es Schwachköpfe mit Nervenflattern. Und der Kreuzzügler in uns sagte: “Drum besiegen wir sie auch. Die sind schon anders als wir, diese Türken.”

 

Und in der Schule mussten die Türken und Muslims dieses Lied mitsingen. Ich nehme an, unsere alten Erzieher haben sich darüber keine Gedanken gemacht.

Über Jens Bertrams

Jahrgang 1969, Journalist bei www.ohrfunk.de, Fan der Niederlande und der SF-Serie Perry Rhodan.
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Comments

7 Responses to Türkentrank und Muselmann

  1. s.aeffner@gmx.de sagt:

    Du glaubst doch hoffentlich nicht selbst, was Du da schreibst. Vielleicht solltest Du gleich in ganz Deutschland Rundschreiben verteilen, und Dich für dieses grobe, rechtsextreme Liedgut entschuldigen. Primär bei den lieben Türken im Land, da die natürlich völlig frei von Rassenhass und Rassismus sind 😉

  2. muselmann fuselmann sagt:

    Einfach nur dämlich, so eine “optik”. :/

  3. Vielen Dank für die höchst hilfreichen Kommentare. Was die Optik betrifft: Kann ich nicht beurteilen als Blinder. Und ja: Ich glaube das, was ich schreibe, dafür muss ich keine Rundschreiben verteilen. Schauen, woher etwas kommt, heißt ja nicht, dass Andere nicht auch Schuld auf sich geladen haben oder so. Aber die christlichen Kreuzzügler waren nun mal auch keine liebenswerten netten Nachbarn.

  4. Die kreuzzüge waren zwar schon vor jahrhunderten vorbei, als im osmanischen reich das kaffetrinken begann, aber sie, ehrenwerter genosse, haben natürlich völlig richtig erkannt das diskriminierendes bewusstsein noch länger seine schädliche wirkung zeigt und deswegen alle klassenfeindlichen elemente dringendst umerzogen werden müssen.

  5. ImNamenVonWahrheitUndWissenschaft sagt:

    Lern mal was über Kreuzzüge. Und zwar gründlich. Die notwendige Literatur sollte es auch in Blindenschrift geben. Achtung Spoiler-Alarm: Die Kreuzzüge waren eine Antwort auf eine massive muslimische Aggression im Vorfeld. Aber das wissen natürlich die meisten Möchtegern”gutmenschen” nicht (“Hobbyjournalist LMAO!), die sich immer nur oberflächlich mit Geschichte befassen und auch sonst geistig ziemlich flach sind.

    Sämtliche abrahamitischen Religionen strotzen nur so vor Dummheit und gehören in den Orient, aber nicht nach Europa.

    Die hardcore-rassistischen Turkvölker und Mongolen aus den Steppen Asiens haben über Jahrhunderte in einem massiven, vergewaltigenden, blut- und spermatriefenden Rausch alles in Europa in Fetzen gerissen, was ihnen im Weg stand. Vom Säugling bis zum gutmütigen Bauern. Und danach so getan, als wären sie schon immer die rechtmäßigen Herren des Landes gewesen (der heutige Ort Istanbul war davor mal das zweite Rom, eine Hochkultur, lange bevor die Turkvölker mordend einfielen!). Aber sie müssen natürlich die Guten gewesen sein, da sie ja nur das taten, was ihnen ihr kinderschändender Anführer Mohammed gesagt hat.

    Und genau so sind sie großteils noch heute. Haben sich, zusammen mit den Arabern, nicht weiterentwickelt. Liegt wohl daran, dass aufgrund der Zwangsheiraten (Vergewaltigung = Standard bzgl. Fortplfanzung) keine gesunde Selektion exisitiert. Und nur das dümmste Inzest-Fickfleisch davon träumt, von sowas bestiegen zu werden.

  6. HermannW sagt:

    Sehr schöner Eintrag. Hatte mich heute bei einer Diskussion über die Entwicklung von Feindbildern und die rolle von unterschwelligen Botschaften an dieses unsägliche Liedchen erinnert. Hatte es ebenfalls singen müssen.
    Und JA, natürlich belibt der Inhalt haften: Türken als minderwertige Spezies, die sich nicht zusammenreissen können und von irgendeinen Trank nicht lassen können, natürlich verbunden mit der Botschaft “so sind die Muselmanen”.
    Dass derartige subtile Botschaften verfangen und sich mit all den anderen permanent in die Wahrnehmungleinwand gemalte Bilder vom “Türken”, “Ausländer” und “Musel” zu einem Feindbild verfestigen, sieht man doch aktuell.

  7. Martin Debus sagt:

    Als Kinder fanden wir auch alle, dass “Zehn kleine Negerlein” ein lustiges Kinderlied sei und Aussagen wie “Hier sieht es ja aus wie bei den Zigeunern” oder “Hier geht es ja zu wie bei den Hottentotten”, die mir heute noch in den Ohren klingen, wurden noch in den Sechzigerjahren und frühen Siebzigerjahren bedenkenlos und unreflektiert im Alltag verwendet. Von Menschen, die von einer rechten oder nationalen Gesinnung meilenweit entfernt waren. Das Gedankengut und die Vorurteile, die dahinterstecken, hatten sich so als harmloses Liedchen getarnt vom Kaiserreich und der Kolonialzeit bis in die junge Bundesrepublik herüberretten können.

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