Das Ende der Sammelwut

Wenn jetzt alle glauben, ich schreibe über die NSA und die Ausspähungen, dann enttäusche ich sie jetzt einfach mal. Nicht, dass ich darüber nichts zu schreiben wüsste, aber das mache ich auf meinem anderen Blog. Eine kleine Parallele gibt es allerdings doch.

Seit 1996 sammle ich meine E-Mails. Für mich hatten die scheinbar so flüchtigen Mitteilungen immer schon so etwas wie Briefcharakter. Und viele Jahre konnten sie vor allem mir selbst Auskunft über meine Aktivitäten geben. Einer Art kontinuierlich mitgeschriebenem Tagebuch vergleichbar, sammelten die Mails meine eigenen Daten. Alle paar Monate archivierte ich einen riesigen Packen, darunter auch völlig unwichtige Sendungen elektronischer Natur, die ich bekommen hatte. Irgendwie bin ich eine Art E-Messy, ein leidenschaftlicher Sammler. Einer, der manchmal einfach zur Klärung eines Streits oder eines anderen unklaren Sachverhalts in seine alten Nachrichten schauen musste. Allerdings wurde das von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr schwieriger.

Aber ab heute fange ich neu an. Schuld daran ist ein Supergau in meinem Mail-Programm, der mir die Mails der letzten 7 Monate vernichtete. Außerdem wurden meine sehr ausgeklügelten Regeln vernichtet, welche Mail in welchen Ordner einzuordnen war, automatisch, versteht sich. Dabei gingen mir z. B. die letzten 90 Ausgaben der TAZ verloren, weil ich sie noch nicht ausgepackt und gelesen hatte. Geschieht mir ganz recht. Auch so eine Festplatte hat nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag Platz. Ich werde also lernen, wichtiges von unwichtigem zu scheiden. Auf die Dauer mag das weniger Arbeit sein, als den Berg alter Mails zu verwalten, der kreuz und quer herumliegt. Und wie gesagt, das Meiste davon ist völlig unwichtig und ich habe es nie wieder gelesen.

Wie wichtig mir das mit den Mails war, lässt sich daran ersehen, dass ich seit gestern Morgen viele viele Stunden das Problem zu reparieren und die elektronischen Briefe zu retten versucht habe. Aber jetzt ist schluss, schluss mit der Sammelwut. Bin ich die NSA oder was?

Eigentlich könnte ich mir dann auch einen neuen Rechner kaufen, der hier ist immerhin 11 Jahre alt. Allerdings graut mir davor, all die schönen Programme neu aufzusetzen… – Oder sollte ich mich auch in dieser Beziehung von alt hergebrachtem trennen? Aber dann müsste ich auf Windows 7 umsteigen. – …

Vielleicht sollte es mir die NSA gleich tun. Weg mit dem alten gesammelten Krempel, und ab heute nur noch das behalten, was wirklich wirklich wichtig ist. Und nach meiner Erfahrung sind das höchstens 1 Prozent der Nachrichten. Vertraut mir, Freunde von Jenseits des großen Teichs.

Über Jens Bertrams

Jahrgang 1969, Journalist bei www.ohrfunk.de, Fan der Niederlande und der SF-Serie Perry Rhodan.
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Comments

1 Antwort zu Das Ende der Sammelwut

  1. ouwefeniks sagt:

    Nach diversen Crashs habe ich gelernt, dass Backups eigentlich eine ganz sinnvolle Sache wäre.
    Seitdem mache ich 1 x wöchentlich mit dem kostenlosen Programm “PureSync” eine vollständige Kopie aller meiner privaten Daten, die auf der zweiten Partition gelagert sind, und 1 x wöchentlich eine komplette Systemsicherung der Partition, auf der das Betriebssystem läuft. Sofern mir nicht die beiden dazu verwendeten externen USB-Festplatten abkacken und zeitgleich auch noch die Systemwiederherstellungsfunktion meines Rechners komplett ausfiele, kann ich allenfalls die Daten von maximal einer Woche verlieren. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, dass ich zu dem Zeitpunkt auch gerade noch alle auf dem Server meines Mailproviders gelagerten neueren Mails der letzten Woche gelöscht hätte.

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