Karnevalsparty des Karnevalsmuffels

Es gibt so Augenblicke, da erkenne ich mich selbst nicht wieder. – Hier: Weihnachten ist so ein fall… – Da sitz ich dann und mache für den Ohrfunk eine Bescherungssendung mit Glocken und guten Wünschen und Kirchenliedern, und das, obwohl ich mit dem Gott und dem dazugehörigen heiligen Geist nicht so viel am Hut hab. Gut, in der Kindheit, da schon, normal, aber heutzutage?

Oder Karneval. Als Kind ging ich als Cowboy oder Indianer, wechselte also quasi wahlweise die Seiten und genoss die Kindheit. Aber als ich erwachsen wurde, ging mir das gewissermaßen verordnete Komasaufen einer ganzen Generation, voll mit heimlicher Untreue und aufgesetzter Fröhlichkeit auf den Keks, Massen im Schunkelbierzelt hätte ich auch auf dem Oktoberfest haben können, aber das mag und mochte ich auch nicht. – Also kein Karneval.

Und dann saß ich am Mittwoch bei Franz-Josef Hanke im Wohnzimmer. Im Gegensatz zu mir liebt er den kölner Karneval und bedauert, in diesem Jahr nicht dort sein zu können. Und dieses Bedauern rührte eine Seite oder auch Saite in mir an. Plötzlich hörte ich mich mit den Bläck Fööss singen: “drink doch eine met!” Es ist zum Großteil auch ihm zu verdanken, wenn ich in einer Stunde auf ohrfunk.de eine Karnevalsparty beginne. Das hätte ich mir nie träumen lassen, aber es wird geschehen. Ganz alte Erinnerungen stiegen in mir auf, als ich mich einmal dazu entschlossen hatte. Ich selbst lese eine Büttenrede vor, damals, in der Aula unserer Schule. Die Sitzungspräsidentin, die immer “Stimmts oder hab ich recht?” fragt, und wir alle klatschen. Der Lehrer, der immer sagt: “Herr Kapellmeister, Klatschmarsch!” Wir und unsere Eltern bei der Karnevalssitzung der Schule mit einer tollen Schulband und durchaus auch intelligenten Büttenreden. Ein freier Nachmittag, an dem ich mit Cowboy- oder Indianergewand durch die Schule ziehe, einfach nur ein fröhliches Kind. Und auch ich lief mit dem kleinen Zug mit, der durch unser Schulgelände zog.

Also gut, denke ich mir, feiern wir Karneval noch mal so, wie vor … – nun, nicht 40 Jahren, wie es die Bläck Fööss besingen, aber wie vor 30 oder 35. Und wenn nicht ganz so, dann doch so, wie es in meiner Erinnerung lebt.

Na? Feiert ihr auch Karneval? Vielleicht kommt ihr ja zu meiner Party? Es gibt auch ganz alte Musik, und neue natürlich auch.

Über Jens Bertrams

Jahrgang 1969, Journalist bei www.ohrfunk.de, Fan der Niederlande und der SF-Serie Perry Rhodan.
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