Wahltag 5: 18 Uhr

Die Minuten der Vorentscheidung sind da.

17:32 Uhr.

Ein Dankeschön von Olaf Scholz in einer Mail an die Mitglieder. Sehr nett. Jetzt heißt es nur noch „Abwarten!“ Auf meinem Handy hatte die SPD heute morgen schon dazu ermahnt, zur Wahl zu gehen, aber das hatte ich schon hinter mir.

Ich habe das Liveblog der Wochenzeitung „Die Zeit“ aufgerufen. Irgend eines dieser Portale sollte ich neben Twitter und der Seite des Bundeswahlleiters verfolgen.

17:40 Uhr.

Huch? Da kommt ja noch ein Skandal: Hubert Aiwanger von den freien Wählern, der Stellvertreter vom Söder in Bayern, hat Wahlprognosen heute Nachmittag auf Twitter öffentlich gemacht und seine Anhänger*innen zur Wahl aufgerufen. Das ist streng verboten. Am Wahltag darf man keine Prognosen öffentlich machen, auch wenn man sie kennt. Die sollten eigentlich geheim bleiben, aber die Vertreter*innen der Parteien bekommen sie vorher, damit sie sich auf ihre abendlichen Stellungnahmen vorbereiten können. Das ist jetzt damit auch öffentlich geworden. Diese Prognosen basieren auf sogenannten Exit-Polls, also auf Befragungen der Meinungsforscher in den Wahllokalen. Die bilden die Basis für die 18-Uhr-Prognose. Ich bin ja ehrlich gesagt der Meinung, Parteien sollten vorher keine Infos erhalten, und es sollte auch keine Prognose um 18 Uhr geben, sondern erst eine Hochrechnung, sobald es eine gibt. Dann muss man eben die Spannung so lange aushalten.

17:45 Uhr.

Wahlprognosen dürfen nicht veröffentlicht werden, aber eine ganz bestimmte Umfrage ist erlaubt. Die Forschungsgruppe Wahlen fragte: Was glauben Sie, wer heute die Wahl gewinnt? Antwort: SPD, 58%, CDU, 19 %. Wassagt uns das jetzt? Die meisten Menschen glauben an einen SPD-Sieg, aber sie können sich natürlich irren. Übrigens kann man auch so eine Umfrage zur Beeinflussung nutzen. Hier wurde sie von Europe Elects veröffentlicht, nicht von einer Partei. Trotzdem: Ich halte nichts von solchen Umfragen am Wahltag, es sind Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Journalist*innen, die nicht mit einer Zeit umgehen können, in der nichts Besonderes passiert.

18 Uhr.

ZDF: SPD gewinnt Bundestagswahl.
18 Uhr Prognose
ARD (Infratest Dimap)
CDU/CSU: 25
SPD: 25
Grüne: 15
Linke: 5
FDP: 11
AfD: 11
Das sagt also gar nichts. CDU und SPD gleich auf. Diese Prognose ist ein Witz.

AufTwitter schrieb Frank B über das, was jetzt vermutlich kommt: „Bullshit-Bingo: „Der Wähler hat entschieden.“
„Wir haben verstanden“
„Mit diesem Ergebnis müssen wir weiter an [beliebiges Thema einfügen] arbeiten“ Das dürften die Statements der nächsten Stunden sein.

Wahlprognose vom ZDF: Forschungsgruppe Wahlen exit poll:
SPD: 26%
CDU/CSU: 24%
GRÜNE: 14.5%
FDP: 12%
AfD: 10%
LINKE: 5%

Was für ein ernüchterndes Ergebnis. Alle kommen auf einen höchstens sehr sehr knappen Vorsprung für die SPD, aber vielleicht ist es auch andersherum. Armin Laschet wird der neue Kanzler, denn Jamaika ist möglich. Wenn sich nicht noch etwas gravierendes ändert, war es das mit den Hoffnungen. Ich fühle mich taub und müde. Und die FDP wird zur Kanzlermacherpartei, ihre übliche Rolle. Nun ja. Jetzt heißt es, bis zur nächsten Hochrechnung zu warten.

18:15 Uhr.

„Ich bin verdammt stolz auf meine Sozialdemokratie“, sagt Arbeitsminister Hubertus Heil. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak strebt wie erwartet Jamaika an. Er „spricht in der ARD von einem „Kopf-an-Kopf-Rennen“. Ein Sieger sei noch nicht feststellbar, doch die Union habe trotz ihres historisch schlechtesten Ergebnisses eine Aufholjagd hinter sich. Es gebe die Möglichkeit für eine „Zukunftskoalition“ aus Union, Grünen und FDP“, steht in der „Zeit“. Es gehe nun darum, dem Land zu dienen, meint derCDU-Generalsekretär. Alles wie immer also. Mir wird fast schlecht!

18:20 Uhr.

Die FDP meint, dass die Deutschen eindeutig keine linke Regierung wollen. Vermutlich hat sie sogar recht. Ich nehme nicht an, dass die Briefwähler*innen es reißen werden. Natürlich ist ein anderes Ergebnis möglich, als es sich jetzt andeutet, denn es waren bislang nur die Exit-Polls. – Aber ich glaube, wir sind wirklich so dumm.

Es wird Zeit, das hier zu veröffentlichen und eine kleine Pause bis zur nächsten Hochrechnung zu machen.

Über Jens Bertrams

Jahrgang 1969, Journalist bei www.ohrfunk.de, Fan der Niederlande und der SF-Serie Perry Rhodan.
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