Wahltag 8: Die Zahlen gleichen sich an

Die Zahlen gleichen sich an.

20 Uhr.

Wieder eineHochrechnung. Viel Unterschiedist nicht mehr.

So sieht die Hochrechnung um 20 Uhr aus

ZDF ARD

CDU/CSU: 24,5 CDU/CSU: 24,5
SPD: 25,9 SPD: 25,5
AfD: 10,6 AfD: 10,9
FDP: 11,7 FDP: 11,7
Grüne: 14,1 Grüne: 13,8
Linke: 5 Linke: 5

Nur bei den Linken will man sich noch nicht einigen, undaufdie Sitzverteilung habe ich noch gar nicht sehen wollen.

Inzwischen habe ich mal nach Marburg geschaut. Der Wahlkreis ist noch nicht ausgezählt, zumindest noch nicht vollständig. 85 von 104 Stimmbezirken sind ausgezählt.

CDU
4.934
16,70 %
SPD
7.423
25,12 %
AfD
1.618
5,48 %
FDP
2.733
9,25 %
GRÜNE
7.864
26,61 %
DIE LINKE
3.072
10,40 %

Hier wären die Grünen die stärkste Kraft. Gut gemacht, Marburg. Grüne und SPD sind die stärksten Parteien, und die Linke ist nicht schlecht!

20:30 Uhr.

Ich habe keine Elefantenrunde gehört, was ich sonbst meistens mache. Aber diesmal hatte ich weder Lust auf platten Journalismus noch auf die Wiederholung der Dinge, die ich in den letzten Stunden schon gehört habe. Ich lese immer noch im Liveblog mit, aber es ist inzwischen nur noch ein Überfliegen. Meine liebste Bianca sagte eben, dass ihr die Fernsehberichterstattung, die ewigen Liveschaltungen regelrecht Bauchschmerzenverursacht hätten. Es ging nicht um Inhalte, glaube ich, sondern nur um das schnelle und das erste Bild.

Etwas Schönes habe ich noch gefunden, was zwar die Gesprächsbereitschaft von Baerbock und Habeck mit Laschet nicht relativiert, aber deutlich macht, wie heute abend gespielt wird.
Der stellvertretende Grünen-Fraktionschef Konstantin von Notz kritisierte die Angebote der Union nach der Veröffentlichung der ersten Hochrechnungen. Monatelang werde man von CDU und CSU als linksradikale Verbotspartei geschmäht, und nur zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale robbe die Union an die Grünen für eine sogenannte Zukunftskoalition ran, beschwerte er sich sinngemäß und fügte hinzu: „Was für Leute!“ Recht hat er. Es fehlt im Lager der selbstgefälligen Staatspartei jeder Sinn für Anstand.

20:55 Uhr.

Christian Lindner schlägt vor, dass FDP undGrüne zuerst miteinander sprechen und sich dann den dritten Partner aussuchen. So also macht man Politik, das ist ein Schachspiel, das Analysten und Journalisten für Wochen beschäftigt halten könnte. Irgendwer schrieb eben auf Twitter: Lindner ist der König. Der alte Adenauer kommt mir in den Sinn. Der hat immer gesagt: Keine Experimente. Das haben sich die Deutschen gemerkt.

21:10 Uhr.

Hätte Annalena Baerbock als Mann bessere Chancen gehabt? Sie rechtfertige sich ständig, trotz eines historisch guten Ergebnisses, sie verweise immer wieder auf Robert Habeck, mit dem sie im Team die Verhandlungen führen wolle, sagen Expert*innen. – Die Analysen nach der Wahl sind genau so sinnentleert wie die stundenlangen Gespräche vor 18 Uhr. Schaut euch die Ergebnisse an, Leute, überlegt euch, was ihr damit machen könnt, denkt darüber nach, was das für unser aller Zukunft bedeutet. Und fragt euch, warum so viele Wähler*innen bewusst an der Union festhalten, trotz der Maskendeals, die beweisen, dass der Partei die Menschen verdammt egal sind, trotz der Bereicherung, der Arroganz, die ihnen aus jeder Pore tropft. Sorry, ich werde etwas unsachlich. Vielleicht gab es keine Wechselstimmung, weil niemand etwas zum Wechseln angeboten hat. Für die Leute, die tatsächlich Veränderung wollen, ist Olaf Scholz mit seinem Merkel-Verschnitt nicht die beste Lösung. Ich hätte es ihm trotzdem gewünscht, denn er hätte uns noch überraschen können, Armin Laschet kann das ganz sicher nicht.

Und jetzt höre ich bis Mitternacht auf und mache meine Sendung auf Ohrfunk.

Über Jens Bertrams

Jahrgang 1969, Journalist bei www.ohrfunk.de, Fan der Niederlande und der SF-Serie Perry Rhodan.
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