Kriegstagebuch 11: Krankmeldung mit wenigen Beobachtungen

Tag 11: Ich bin krank, und darum nur ein paar Sätze.

Leider hat mich eine schwere Erkältung erwischt, ich kann mich kaum mehr als zwei Stunden konzentrieren. Ich kann nur hoffen, dass es nicht Corona ist, aber die Sorge ist schon da. Darum habe ich auch nur wenig Nachrichten gehört am Sonntag, und es gab eigentlich keine gravierenden Eilmeldungen.Meine Sorge ist: Wie lange hält unser Mitgefühl mit den Geflüchteten bei einem Spritpreis von 2 Euro? Russische Truppen versuchen, alle Atomkraftwerke unter ihre Kontrolle zu bringen, und sie verhindern die Evakuierung von Mariupol. Es kursiert ein Video von einem russischen Gefangenen, der das Volk der Ukraine um Verzeihung bittet und davon berichtet, wie in Russland die Propaganda die Hirne vergiftet. Kritische Stimmen sind nicht mehr erlaubt, auch die ausländischen Korrespondent*innen fallen darunter. Die deutschen Medien haben echt Probleme mit der Berichterstattung.

Richtig beliebt ist unsere Außenministerin Annalena Baerbock, die wohl eine sehr klare, offene, menschenrechtsorientierte Haltung vertritt, die öffentlich nicht beschwichtigt und nicht übertreibt. Sie eint auf Twitter die Lager, und das ist eine absolute Seltenheit.

Der dritte Weltkrieg ist nicht unwahrscheinlicher geworden, aber es setzt auch eine furchtbare, aber für die Psyche jedes Menschen bis zu einem gewissen Grad notwendige Akzeptanz der Realität ein. Wladimir Putin hat binnen einer Woche keine Atomrakete abgefeuert, die USA haben sich nicht provozieren lassen. Warum sollte er es in der kommenden Woche tun, wenn die USA sich nicht doch noch provozieren lassen?

Wer Weiß, wie es weiter geht. Ich für meinen Teil versuche, mich zu kurieren.

Gute Nacht.

Über Jens Bertrams

Jahrgang 1969, Journalist bei www.ohrfunk.de, Fan der Niederlande und der SF-Serie Perry Rhodan.
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