Erinnerungen an meine Schulzeit

Am kommenden Freitag ist es genau dreißig Jahre her, dass ich eingeschult wurde. Deshalb denke ich im Augenblick oft über meine Zeit im Internat nach.

Außerdem hat mich ein Beitrag im Blog von Christiane Link auf dieses Thema gebracht. Seit vielen Jahren beschäftige ich mich damit, welche Auswirkungen die Schule auf mein heutiges Leben hat. Ich bin insgesamt 16 Jahre in einem Internat eingeschult gewesen, davon 9 Jahre in der Blindenschule in Düren, und sieben Jahre an der Blindenstudienanstalt in Marburg.

Als ich eingeschult wurde, glaubte ich, dass fast alle Kinder von zu hause weg müssten in ein Internat. Und ich war sogar ein wenig neugierig. Für unsere Eltern war auch gut dargestellt worden, dass wir es in der Schule gut haben würden, und wir hatten im letzten Vorschuljahr schon unsere künftigen KlassenkameradInnen kennengelernt. Ich bin auch heute noch davon überzeugt, dass das gut war, denn wir lebten ja nicht nur in der Schule zusammen, sondern auch auf Gedeih und Verderb im Alltag. Die Schule stellte sich als freundliche Institution dar, mit einem großen Park, wo wir spielen konnten, mit einer großen Mauer drum herum, die Autos und sonstige Bösartigkeiten von uns blinden Kindern abhalten würde. Die Lehrer, die unsere Eltern kennenlernten, waren nett, und vom Internat, von den Erziehern also, bekamen sie nichts zu sehen. Nur die Einrichtung eines Internatsgebäudes wurde besichtigt, und dort gab es viel zu spielen. Dass man in den Schülerzimmern die Fenster nicht öffnen konnte, weil die Glasscheiben in die Wand eingelassen waren, haben sie vermutlich nicht gesehen oder als kleines Manko hingenommen. Auch dass unsere Zimmer nicht mehr enthielten als vier Betten, vier kleine Nachtschränkchen für Hausschuhe und ein kleines Regal für Punktschriftblätter, war wohl nicht so wichtig. Wir durften praktisch keine persönlichen Gegenstände mitnehmen. Als meine Eltern auf meinem kleinen Radio bestanden, nahm die Erzieherin es an sich, aber im ersten Jahr habe ich es nicht zu sehen bekommen.

Unser Erziehungspersonal, auch das mag anfangs eher positiv aufgefallen sein, war zumeist älter und nicht pädagogisch geschult, sie stellten sich eher als ältere Mutter- und Vaterersatzpersonen dar, die sich gern um Kinder kümmerten. Aber sie hatten interessante Erziehungsmethoden. Ein Erzieher las uns oft moralische Geschichten vor, zum Beispiel eine, in der ein Vater seinen Sohn hinrichtet, regelrecht hinrichtet, weil dieser gelogen oder gestohlen hat. Der Junge muss sich von seiner Mutter verabschieden, dann führt der Vater ihn in den Wald und erschießt ihn. Ich war sechs oder sieben seinerzeit, und ich fand die Geschichte grauenhaft. So gern ich den Erzieher aus anderen Gründen mochte, und weil wir keine Wahl hatten, als uns irgendjemanden auszusuchen, den wir mochten, so schrecklich fand ich diese Gute-Nacht-Geschichten, die er uns vorgelesen hat.

Eine meiner Klassenkameradinnen ging aus Angst vor dem nächsten Schritt und wegen einer motorischen Störung immer sehr langsam. Nein, es waren sogar zwei. Die eine, die auch in meiner Gruppe war, wurde immer, wenn sie zurückblieb, von unseren Erziehern ausgeschimpft, und wenn sie ihrem Ärger Luft machte, von älteren Schülern gepackt, und im Keller für eine Weile in einen Wäschekorb gesetzt. Weil sie sich dort nicht auskannte, kam sie nicht selbstständig wieder heraus, schrie aber um so lauter, und fing sich dafür von unseren Erziehern weitere Beschimpfungen und Schläge auf die Hand ein. „Trödelliese“ wurde sie von uns genannt, und sie wurde ständig gehänselt. Das andere Mädchen, das auch so langsam war, hatte Probleme, den Schulweg zu lernen, obwohl er einfach war. Die meisten Erzieher und Schüler verachteten sie. Ich habe mit ihr immer wieder den Schulweg geübt, bis sie ihn, ich glaube im dritten Jahr, endlich konnte.

Ein Alltag in unserem herrlichen, von Autos befreiten und für Kinder mit Spielplätzen optimal ausgestaltetem Internat lief ungefähr folgendermaßen ab.
7 Uhr: Wecken durch die Erzieher oder die penetrant lauten Glocken der benachbarten Kirche. Sprechen eines Gebetes, Waschen mit anschließender Kontrolle durch Erzieher.
07:20 Uhr: Frühstück. Die Erzieher schmierten uns zumeist die Brote, damit es schneller ging. Anfang und Ende des Frühstücks wurden durch ein Gebet markiert.
08:00 – 13:00 Uhr: Schule.
13:15 – 13:45 Uhr: Mittagessen, von Gebeten umrahmt.
14:00 – 15:30 Uhr: Schule.
15:30 Uhr: Hausaufgaben, manchmal von Erziehern begleitet.
Danach Freizeit, was bedeutete, dass wir uns nicht in unseren Zimmern aufhalten durften, sondern raus auf die Spielplätze musste. Da waren diann die Jungen und Mädchen der anderen Gruppen. Es gab insgesamt 8 Wohnhäuser in der Schule, mit jeweils bis zu 15 Schülerinnen und Schülern. Obwohl es für die Erzieher eine Aufsichtspflicht gab, nahmen sie diese nicht besonders war. Sie standen allzumeist auf dem Standpunkt, der Stärkere setzt sich durch. So hatten sie es in ihrer Kindheit gelernt. Das bedeutete zum Beispiel folgendes: Einmal sah ich, wie vor mir auf der Wiese ein Junge ein türkisches Mädchen jagte, auf den Boden warf und ihr teilweise die Kleider herunter riss. Ich hörte, wie eine Erzieherin aus seiner Grupe sagte: „Er ist ein propperer Junge, der wird sich durchsetzen im Leben.“ Jungen wurden dazu erzogen, sich durchzusetzen, es sei denn, sie waren so Phantasiespinner wie ich, die sich nicht schlagen wollten. Ich galt wegen meiner Ängstlichkeit und Friedfertigkeit wirklich als Spinner, und weil ich mich für Rollenspiele und Sciencefiction interessierte, mir Ruhe und Frieden wünschte. Es kam vor, dass andere Kinder Spielverbot mit mir erhielten. Mädchen wurden dazu erzogen, still und leise zu sein, die Jungen nicht sexuell zu reizen und nicht unzüchtig zu werden. In der Schule hat ein Lehrer mal ein fünfzehnjähriges Mädchen im Jahre 1983 zur Schnecke gemacht, weil sie mit einem Jungen händchenhaltend über den Schulhof ging. Und ein anderes Mädchen erhielt vor der ganzen Klasse eine Abreibung, weil sie breitbeinig auf ihrem Stühlchen saß, was gar nicht anders ging, weil sie etwas korpulent war. „Nur Männer sitzen breitbeinig da, das gehört sich nicht für eine Frau“, hieß es. Vergewaltigungen gab es hin und wieder, aber das war nie Thema. Es gab auch ein paar lernbehinderte oder geistigbehinderte Schüler, aber auch das war nie Thema, und sie waren immer die verspotteten und die Prügelknaben.

Es gab Lehrer, die uns kniffen, schlugen, zwickten, die den Sündenbock der Klasse auf den Tisch legten, damit alle mitprügeln konnten. Sie verkauften das als Spaß, aber es gehörte zu ihrer Form der Abhärtung und Erziehung. Ich war zu sensibel für diese Schule und ging darin hoffnungslos unter. Ich wehrte mich trotzig, aber eben verbal, politisch. Ich schwärzte Erzieher beim Heimleiter an und bekam dafür eine saftige Abreibung.

Ich bin sicher, dass ich gerade in der Sexualerziehung und den anderen sogenannten Männlichen Werten zu hause anders erzogen worden wäre. Es gab eine Schulgang, die kleinere Schüler tyrannisierte. Ich stellte mich mit einer Gruppe friedlicher Schüler dagegen. Wir wurden von Schülern wie Lehrern tyrannisiert und ausgescholten, die Anderen aber erst, nachdem sie eine Lehrerin angegangen waren.

Ach übrigens: als es in unserer Wohngruppe mal zu einem Brand kam, waren uns die in die Wand eingelassenen Fenster überhaupt nicht hilfreich. Im Gegenteil. Das ganze Gebäude war ebenerdig, es gab keine Stufen. Hätten wir aus dem Fenster klettern können, hätte uns nichts passieren können, es war innen wie außen gleich hoch und wäre gut zu überklettern gewesen. So aber mussten wir durch den fast brennenden Flur.

Ach so: Ich wollte ja den Tagesablauf zuende beschreiben. Ich war bei der FReizeit angekommen. Gut.
18:00 Uhr: Abendessen, von Gebeten eingerahmt.
Danach gemeinsames Vorlesen oder Singen, mit einem Gebet beendet.
21 Uhr oder später 21:30 Uhr: Schlafenszeit, mit einem Gebet beschlossen. Vorher natürlich wieder Waschen mit erzieherischer Kontrolle oder Aufsicht.

In dem von Christiane Link verfassten Blogeintrag und der darauffolgenden Diskussion ging es in der Hauptsache um integrative beschulung. Ich frage mich heute, ob es für mich und meinen Lebensweg nicht besser gewesen wäre, integrativ, also zu hause, eingeschult worden zu sein. Ich erkenne auch die Nachteile, wie ich in meiner Antwort auf den Beitrag gesagt habe. Aber dieses Intenat hat mir viele Ängste und Probleme gebracht, an denen ich noch heute knabbere. Natürlich war das jetzt hier nur ein winzig kleiner Eindruck, wie man ihn in einer halben Stunde aufschreiben kann. Da bleiben unendlich viele Fragen offen. Zum Beispiel die Hauptfrage, wie man mit dem späteren Leben umging, mit dem „draußen leben“, dem Kontakt mit sehenden Menschen und so weiter. In der Schule war das einfach, man hatte immer einen Menschen, der für einen zuständig war. Aber ich als Spinner der Schule, als Weichei, lernte niemals, mich so durchzusetzen, dass ich beispielsweise heute einfach um Hilfe bitten könnte, wenn sie notwendig ist. Natürlich arbeite ich seit vielen Jahren daran, aber leichter wird es nicht. Deshalb ist die Frage nach der integrativen Beschulung behinderter Kinder für mich nicht nur eine Frage des Lehrstoffes, sondern auch des sozialen Umfeldes.

Copyright © 2005, Jens Bertrams.

Über Jens Bertrams

Jahrgang 1969, Journalist bei www.ohrfunk.de, Fan der Niederlande und der SF-Serie Perry Rhodan.
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Comments

3 Kommentare zu Erinnerungen an meine Schulzeit

  1. Das Nest sagt:

    Tja, das Internat… Das ist so ein thema. Ich hpersönlich habe das völlig anders erlebt. Ich hatte sicher eine größere chance auf eine einigermaßen normale KIndheit, als wenn ich integrativ beschult worden wäre wie einige meiner Klassenkameraden aus der Grundschulzeit in einem INternat. Einige haben es zu Auslandsstudien, zu vielen Freunden und großen Projekten gebracht, aber die meisten von ihnen haben in ihrer integrierten Schulzeit kaum Freunde gewinnen können. Der anschluß klappte nicht, weil sie oft von Lehrern zu Einzelstunden aus dem Unterricht genommen werden mußten, wenn es zum Beispiel um Mathematik (besonders, wenn da auch Zeichnungen vorkamen), Geographie oder oft auch Chemie und Physik ging. Da kam gemeinsamer Unterricht nicht in Frage.

    Abgesehen davon wären meine Eltern nicht in der Lage gewesen, die zusätzlich für sie anfallende Arbeit zu bewältigen: Das Vorlesen von Unterrichtsterial zum Beispiel, das einen großen zeitlichen Aufwand darstellt. auch konnten die Kinder, die ich kenne, nicht an ihrem Wohnort beschult werden, sondern mußten lange Fahrten hinnehmen, was zum einen bedeutete, daß sie am Tage nicht viel Freizeit bekamen und zum anderen, daß sozialkontakte zu MitschülerINnen fast unmöglich waren. Heute mag das zum Teil besser sein, aber ich glaube, daß die Frage, ob ein Kind integrativ beschult werden sollte oder nicht, noch immer am Einzelfall entschieden werden sollte.

    Eine weitere Sache, speziell auf Blinde bezogen, ist mir hier noch wichtig, obwohl sie nicht generell gegen integrative Beschulung spricht, sondern nur einen Trend aufzeigt, den ich für falsch halte. Und das ist die Abkehr von der PUnktschrift, um es den Lehrkräften leichter zu machen, die Arbeiten der SchülerInnen zu kontrollieren. alles soll nur noch am computer stattfinden, es gibt die Diskussion, daß das Erlernen der PUnktschrift im Grunde überflüssig sei. Das ist für mich ein unverantwortliches Abhängigmachen von Technik und der Hilfe andderer, solange sie nicht perfekt beherrscht wird. ich möchte nicht auf PUnktschriftbücher und mechanische mÖglichkeiten, mir auch mal eine Adresse aufschreiben zu können, verzichten.

    Das Leben in INternaten ist eine andere Diskussion. Und das schlimme an ihr ist, daß selten engagierte Eltern sich darum kümmern, was dort mit den Kindern geschieht, und das nimt zu, je größer der Teil an geistig und lernbehinderten SchülerInnen ist. Hier wird sich allzuoft auf das Urteil von „Experten“ verlassen, die es wissen müssen. Natürlich wäre es wünschenswert, daß auch behinderte Kinder in ihren Familien leben können, aber ich würde es nur dann unterstützen, wenn Personal und Geld zur Verfügung gestellt würden, die es den Kindern ermöglichen, wirklich so viel wie möglich zu machen wie alle anderen Kinder, damit sie nicht von vornherein die Außenseiter sind und bleiben. Und dazu gehört für mich auch Integration ab der Grundschule. alles andere ist schon sehr spät.

    Nun bin ich stark von Deiner bewegenden Geschichte abgekommen, Jens, die ich aber gar nicht schmälern wollte. Nur kamen mir allerhand Gedanken dazu.

  2. Ich denke auch viel über integrative Beschulung nach. Das Problem ist nicht einfach zu lösen. Deine Argumente, die du hier gegen die Integrative Beschulung angebracht hast, kann ich nachvollziehen, obwohl das Punktschriftargument für mich keines ist. Man kann auch die Punktschrift in einer integrationsklasse lernen. Eine Freundin hat vor ein paar Tagen gesagt, dass Integration auch immer Anpassung bedeute, denn das sei es letztlich, was dort verlangt würde. Als Preis für die Aufnahme in den Kreis der Normalen solle man sich anpassen. Darum sei nicht Integration in dem allgemein hier gemeinten Sinne vonnöten, sondern „Emanzipation“, die Durchsetzung der Individualität und ihrer Bedürfnisse. Das bedeutet, dass „Integration“ in eine Regelschule nur funktionieren kann, wenn die Voraussetzungen in personeller, finanzieller und sächlicher Hinsicht gegeben sind. Interessanterweise sind das genau die Worte, die das Bundesverfassungsgericht benutzte, um einen Rechtsanspruch behinderter Kinder auf Integration abzulehnen. Ich finde, diese Voraussetzungen müssen zwingend geschaffen sein, um Integration zu ermöglichen.

    Im Übrigen schrieb ich in Christianes Blog zu dem Thema:
    „Ich verfolge eure Diskussion sehr interessiert. Ich war in einem Internat und das insgesamt 16 Jahre lang. Aber damals, zumindest mitte bis ende der Achtziger,
    gab es hier in Marburg an der BliStA, dem “Blindengymnasium” schon Debatten über integrative Beschulung. Meistens wurde diese abgelehnt, weil behauptet
    wurde, das könnte wegen mangelnder Förderung und zu hoher Belastung für die Schülerin oder den Schüler nicht funktionieren. Eine Schülerin hatten wir,
    die von ihren Eltern nach mehrfachem Wiederholen auf eine Regelschule geschickt wurde, wo sie dann tatsächlich das Abitur machte und zum Jurastudium ging.
    Als sie später von ihren Erfahrungen berichtete sagte sie sinngemäß, sie würde nachmittags und abends bis in die Nacht mit ihrem Vater zusammen sitzen,
    der ihr die Texte übertrage, die Klausuren mache und so weiter. Für Sozialkontakte an Schule und Uni blieb keine Zeit, aber sie hat es geschafft, und die
    Eltern sind riesig stolz.

    Andererseits habe ich selbst die Grausamkeit des Internats, sein unmenschliches System und seine fehlende Förderung erlebt. Das Argument, dass in Sonderschulen
    ja auf individuelle Bedürfnisse eingegangen wird, zieht für mich nicht, denn das ist schlicht nicht wahr. Zwar wurden alle Schüler so lange es ging durchgeschleppt,
    egal ob sie den Stoff verstanden oder nicht, aber dadurch sank das allgemeine Niveau, ohne dass den Betroffenen geholfen wurde, weil es keine kompetenten
    Leute und keine Zeit gab.

    Die Schule soll Wissen vermitteln, aber sie ist auch ein großer Teil des sozialen Umfeldes eines Kindes. Dem muss man Rechnung tragen gerade in einer Zeit,
    wo die Familienstrukturen für Kinder immer seltener als Stütze zur Verfügung stehen. Wenn man also eine integrative Beschulung vornimmt, dann muss die
    Infrastruktur und das soziale Umfeld stimmen, sonst nämlich stimmt es einfach, dass die Lernbelastung ohne kompetente Assistenz zu hoch ist und das soziale
    Umfeld auf der Strecke bleibt. Weil das Bundesverfassungsgericht in seiner Weisheit das zwar erkannt, aber integrative Beschulung unter “organisatorische,
    personelle und sächliche” Vorbehalte, sprich den Finanzierungsvorbehalt gestellt hat, haben wir jetzt den Salat. Dieses Urteil war es übrigens, das mich
    in die Behindertenpolitik trieb 1997.

    Eins aber weiß ich ganz genau: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nur noch sehr schwer. Das erlebe ich selbst in meinem eigenen Leben. Das ist ein Plädoyer
    für die integrative Beschulung. Mir ist nur wichtig, dass man nicht drauflos prescht und sich dafür einsetzt, ohne die Konsequenzen in ihrer gesamten Tragweite
    zu bedenken. Im Internat hatte ich oft das Gefühl, auf eigenem und verlorenem Posten zu stehen. Wenn ich aber mit meinen Eltern damals hätte arbeiten müssen,
    wenn die mir hätten helfen müssen, meine Schule zu machen, und das alles nachmittags nach der regulären Schulzeit, weil die Technik noch nicht so weit
    war, dann hätte ich noch mehr auf verlorenem Posten gestanden. Meine Eltern haben ihre 16 Stunden täglich in der Fabrik gearbeitet. Für ein soziales Umfeld,
    für das also, was wirklich wichtig ist, hätte ich auch keine Zeit gehabt. Denn nur durch sozialen Umgang miteinander, werden behinderte Menschen in unserer
    Kultur normaler.“

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