Mein atheistisches Manifest

Am Wochenende war ich auf einem Gospelkonzert, und es war musikalisch eines der schönsten Erlebnisse der letzten Jahre. Und doch führte genau dieses Konzert dazu, dass ich seit dieser Samstagnacht für mich klar sage: Ich glaube nicht an Gott. Eigentlich sollte so ein Erlebnis ja genau die gegenteilige Wirkung haben.

Es war in Kleinwinternheim bei Mainz, wo der Pop- und Gospelchor Popchorn seine jährlichen Herbstkonzerte gab. Kleinwinternheim besteht aus Musik, und meine Liebste, die mal zwei Jahre in Mainz eine Ausbildung gemacht hat, gehört diesem Chor an. Sie sind einfach wunderbar. 120 Leute auf einer Bühne, mit einer tollen Band, hervorragend aufeinander abgestimmt, wundervolle Stimmen, eine Atmosphäre, die dich erhebt und dir manchesmal die Tränen in die Augen treibt. Eine Moderation von Chorleiter Hajo schöne, die dich zum Lachen und zum Nachdenken bringt. Perfekt. – Und mit Jan Vering ein Stargast, der inbrünstig glaubt. – Und doch: Als ich nach dem Konzert im Auto saß, nahm ich mein Notizgerät zur Hand und sprach meine Abschiedsworte an den Gott der Christen, der an diesem Abend so allgegenwärtig gewesen war, und für mich so unendlich weit entfernt.

Wenn ich an Religion und die Kirche denke, die tatsächliche Arbeit der Kirche, meine ich, dann fällt mir als erstes ein, dass unsere Gesellschaft ohne ihre Mildtätigkeit nicht existieren könnte. Sparwütige Politiker machen sich das zunutze und übertragen ihr mehr und mehr soziale Aufgaben. Als zweites fällt mir die erhebende und wunderschöne Musik ein. Es sind also Dinge, die mit dem Alltagsleben zu tun haben, die mir sofort in den Kopf kommen. Darum hat mein Abschied von Gott auch mit dem Alltagsleben zu tun, nicht mit der Geschichte, der Hexenverfolgung, den Kriegen im Namen Gottes, den sexuellen Übergriffen der Priester gegenüber Kindern und Jugendlichen oder anderen Missetaten, die man der Kirche zuschreiben kann. Ja nicht einmal die Unterdrückung der Frau als abstrakter Begriff ist es, die mich Abstand nehmen lässt.

Während des Konzerts nun trat Jan Vering auf. Er war freundlich, charismatisch, einnehmend, keineswegs unangenehm. Er hatte vor vielen Jahren eine musikalische Gospeldefinition verfasst: “Diese alten, schwarzen Lieder, voll von Elend, Pein und Tod, voller Hoffnung und voll Sehnsucht nach dem Leben, nach Glück, nach Gott.” Oder so ähnlich jedenfalls. Beeindruckend, nicht wahr? Aber ich konnte nicht anders, als plötzlich zu denken: “Oh ja. Diese Lieder haben es den schwarzen Sklaven ermöglicht, ihr Schicksal mit Würde zu tragen. Und weil Ihnen im Himmel das Paradies versprochen wurde, haben sie sich nicht aufgelehnt, sondern die Sehnsucht nach diesem Jenseits kultiviert. So ertrugen sie ihren Alltag und blieben Sklaven. Ich habe vor ein paar Tagen mal eine Aussage gelesen, die mich sehr nachdenklich gemacht hat: Religion ist es, die den Reichen ihren Reichtum und den Mächtigen ihre Macht erhält. Das ist richtig, denn sie verspricht allen Leidenden den Lohn und die Erlösung im Himmelreich, nicht auf dieser Erde. Kernstück des christlichen Glaubens ist, dass Gott seinen Sohn geopfert hat, um die Sünden von uns zu nehmen. Dafür müssen wir dankbar sein. Das wird nicht immer gesagt, aber fast immer erwartet. Zumindest wird erwartet, dass wir das selber erkennen und uns entsprechend verhalten. Gott hat, was gar nicht nötig gewesen wäre für einen barmherzigen, verzeihenden Gott, seinen einzigen leibhaftigen Sohn ausgeschickt, damit er für uns stirbt. Jetzt sind wir dran. Diesen Druck, so glaube ich ganz fest, spüren viele Christen irgendwo in sich. Ich zumindest habe ihn gespürt. Es sorgt für die Falschheit unserer Liebe, die Druck ist, Notwendigkeit, um sich einen Platz im Paradies zurückzuerobern. Ich komme später auf Jan Vering, die Musik, das Konzert und weitere Aspekte der Religion zurück, die mir dort aufgefallen sind.

Ich habe jahrelang in einem Internat gelebt, in dem die Religion eine wichtige Rolle spielte. 10 mal, so habe ich ausgerechnet, beteten wir am Tag. Aber der alltägliche Umgang mit uns Kindern war nicht von persönlicher Zuneigung geprägt, sondern von Druck. Der Gott unserer Schule war kein barmherziger, sondern ein strafender Gott, der irgendwo über uns darauf achtete, dass wir taten, was er verlangte. Ich weiß, dass es in anderen Blindenschulen noch viel schlimmer war als bei uns, aber ich habe im Laufe der Zeit gemerkt, dass alle Menschen, die an Gott glauben und eine erzieherische oder betreuende Funktion wahrnehmen, zumindest alle, die ich getroffen habe, ein rigoroses, von Regeln und Einengungen bestimmtes Regime führen, sich auf Gott berufen, um Freiheiten einzuschränken und ihre Schützlinge in die Schranken zu weisen. Wenn das nur bei uns so gewesen wäre, hätte ich es als persönliche Sache abgetan. Aber ich habe das von allen Menschen gehört, die in einer christlichen Institution erzogen oder ausgebildet wurden, wo auf den Glauben noch tatsächlich wert gelegt wurde. Von echter Barmherzigkeit, von echter Liebe, war dort nichts zu spüren. Eher von Druck, Gebote und Verbote zu erfüllen, Regeln einzuhalten und keine Fehltritte zu begehen. Das korrespondiert tatsächlich mit den Kriegen und Gewalttaten im Großen. Das zweite, was mir aufgefallen ist, ist die Art und Weise, wie wirklich religiöse Menschen ihre Menschenliebe, ihre Güte, ihre Barmherzigkeit leben. Wenn ich religiöse Menschen getroffen habe, die viel für andere Menschen tun, dann tun sie das für Gott, denn: “Was ihr dem Geringsten unter den Menschen tut, das habt ihr mir getan.” Sie sind oft im Umgang mit den Menschen, denen sie etwas Gutes tun, beflissen, professionell freundlich und mehr oder weniger missionarisch. Und irgendwie steht immer die Hoffnung im Hintergrund, dass man sich doch zum wahren Glauben bekehren möge. Damit hört ihre Handlung auf, selbstlos zu sein. Sie brauchen für ihre Liebe zu den Menschen immer einen Vermittler, diesen Gott, der ja schließlich für alle Menschen da ist, und der es nicht gern sieht, wenn man sie hängen lässt. Wer seinen Glauben ernst nimmt, weil er ihm oder ihr Kraft gibt, der ist menschenfreundlich seinem oder ihrem Gott zuliebe. Aber kommt es von Herzen? Die Menschen, die ich kenne, die mir gegenüber einfach lieb und warmherzig, freundlich und hilfsbereit sind, die etwas von sich selbst hergeben, damit es mir besser geht, sind allesamt nicht religiös, und sie erwarten nichts dafür. Mein Glück ist ihnen dank genug. Dahinter steht kein Dogmatismus.

Jan Vering sang am Samstagabend, weil es plötzlich raus musste, wie er sagte, Swing low. “Swing low sweet chariot. coming for to carry me home.” Und der ganze Saal sang mit. Es war für mich reine Todessehnsucht. Viele mögen nur wegen der wunderschönen Musik mitgesungen haben, wegen des Gefühls, Teil einer großen Gemeinschaft zu sein. Aber man muss doch auch darauf achten, was man da singt, oder? Die Sehnsucht, das Leben hier, mit dem man offenbar nicht klar kommt, zu beenden und zu Gott ins Paradies zu kommen, wo einem das irdische Leiden tausendfach vergolten wird. Dahinter steht die bei den Moslems noch verbreitetere Einstellung, dass man am irdischen Leben ohnehin nichts ändern kann. Schicksal, göttliche Vorherbestimmung. Aber im Paradies wird alles gut. So erträgt man sein Leid, wird sogar noch fröhlich dabei, arbeitet darum auch effektiver, und die Reichen und Mächtigen erhalten ihren Reichtum und ihre Macht. Und die, die sich nach dem Himmel sehnen, die strengen sich nicht an, auf der Erde ein erfülltes Leben zu führen. Lassen wir bei dieser Analyse mal den amerikanischen Puritanismus und Protestantismus außen vor, das ist eine Einzelerscheinung. Dort verdient man sich die Liebe Gottes durch die Anhäufung von Reichtum und Macht. Mir blieb das Lied, inbrünstig gesungen von 700 Leuten, jedenfalls im Hals stecken. Überhaupt wurden fröhliche Lieder vom Himmel gesungen. Man sang davon, dass man nur singe, weil es Gott gibt, und nur um ihm zu gefallen, singe man Lieder. Das knüpft an an das, was ich eben schon gesagt habe: Nicht für die Mitmenschen tun sie ihre Werke, sondern für Gott. Und das mit all seinen Konsequenzen. Und die scheinbar ruhige, oft charismatische Persönlichkeit eines im Glauben gefestigten Menschen sorgt oft dafür, dass viele Andere ihm nachfolgen.

“Die Menschen haben Gott erschaffen, und nicht umgekehrt”, hat Ayaan Hirsi Ali einmal gesagt. Und für eine andere Person, die ich kenne, ist Gott eine personifizierte Hilfskonstruktion. Ich kenne Menschen, die sagen, dass ihnen dieser Gott Kraft gibt, dass sie durch ihn in allem einen Sinn sehen, dass er sie zu den richtigen Kreuzungen ihres Lebens führt, an denen sie die Chance haben, die richtigen Entscheidungen zu fällen. Und wenn sie nur gut genug zuhören, wird ihnen auch auf irgendeine Weise bedeutet, was die richtige Entscheidung ist. Das kann ich nicht nachvollziehen. Der barmherzige Gott, der auf jeden von uns ein Auge hat, existiert nicht. Ich habe in meinem Leben einige vollkommen unnötige Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Viel zu früher Tod hat oft in meinem Leben eine Rolle gespielt. Ich habe darin für mich persönlich nie einen Sinn erkennen können. Es sei denn, ich schließe mich der Meinung an, dass hier auf Erden die Leidensfähigkeit geprüft wird, bevor man im Paradies alles tausendmal zurückerhält. Dem kann ich mich nicht anschließen. Ich finde, wir haben die Verantwortung, auf dieser Erde für ein gutes Leben zu sorgen, “uns hilft kein Gott, unsre Welt zu erhalten.” (Karat) “Das Leben ist nicht grausam, das Leben ist nicht hart. Das Leben ist gedankenlos, reine Gegenwart … Wir hören in der Ferne den wunderschönen Ton. Wir warten auf Belohnung: Welche Illusion!” (Heinz-Rudolf Kunze)

Als Kind habe ich an den guten, beschützenden Gott geglaubt. Durch die tragischen Ereignisse in der Familie wurde mir dieser Glaube nach und nach genommen. Und ich habe irgendwann begriffen, dass wir nur dieses Leben, nur diese Zeit haben, um sie zu genießen und aus ihr das Beste zu machen. Die Frage beschäftigte mich, woran ich wirklich Glaube. Ich empfand Religion als ein faszinierendes Thema, mit dem ich mich nach wie vor gern befasse. Manche glauben, ich hasse die Religion. Das ist nicht der Fall, aber ich versuche, ihre Auswirkungen zu sehen. Ob ich an irgendetwas lenkendes Glaube, wie meine Eltern, habe ich mich gefragt. Jetzt weiß ich, dass ich das nicht tue.

Die Todessehnsucht in fetzige Melodien verpackt, das habe ich in dem Konzert von Popchorn öfter gehört. Jan Vering sang ein Lied von einem Mann, der es geschrieben hat an einem Abend, als nacheinander sein Kind und seine Frau starben. Er sehnte sich auch nach dem Himmel und dem Herrn, der ihn leitete und nach Hause führte. Aber da passte für mich irgendwie diese fetzige Melodie nicht zu.

Die Religion ist so oft ein Instrument von Macht und Druck, dass ich keinen Sinn darin sehe, einer solchen Religion anzugehören. Das heißt nicht, dass ich mich nicht an viele der 10 Gebote halten kann, dass ich kein Mitmensch sein kann, eher im Gegenteil. Das Konzert und die religiöse Inbrunst haben mir gezeigt, dass Religion sehr oft verlogenes Handeln und sinnloses Nachgeplapper ist, und dass wir sehr oft nicht für unser diesseitiges Leben sorgen. Das aber ist das Leben, das wir leben und das wir in die Hand nehmen müssen, anstatt uns die ganze Zeit über damit zu befassen, ob wir dasselbe glauben wie unser Nachbar.

Jan Vering hat gesagt, dass Gnade den großen Unterschied zwischen der christlichen und der muslimischen Religion ausmacht. Das ist richtig, das ist ein Unterschied. Der Druck von Gott ist offenbar im muslimischen Glauben noch ausgeprägter, noch stärker als beim Christentum. Trotzdem empfinde ich auch hier die Religion als Einengung. Warum sollten wir sie nötig haben, um verantwortungsvoll und moralisch zu handeln. Das können wir auch aus humanistischen Gründen tun. So wie ich.

Copyright 2006, Jens Bertrams.


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16 Antworten auf Mein atheistisches Manifest

  1. mike sagt:

    In Dir ist viel Schmerz und um Dich herum sind die schwarzen Schwingen der Wut, der Unverständnis, des Verloren seins. All diese “Dinge”, sind da… und bleiben dort auch, werden größer und verschlingen Dich.
    Verzeih, ich möchte widersprechen:
    Basis des christlichen Glaubens ist nicht Gottes Sohn, Basis ist die Vergebung. (Im konservativen, katholischen Kontext ist Gottes Sohn, die fleischgewordene (menschliche) Inkarnation der Vergebung

    Du vermischt sozial-politische Ansichten mit nackter Demagogie (Hexenverfolgung, sexuelle Übergriffe auf Kinder etc.). Hallo!! Klingelts bei Dir. Das hat nichts mit Gott zu tun. Das waren MENSCHEN.
    Alles in Deinem Text artikuliert deine Sehnsucht, wie junge Hunde, die bellen: Komm her, geh weg. Wau.

    Ich würde Dich gerne in den Arm nehmen, deine Hände mein Gesicht abtasten lassen und Dir versichern, das du völlig auf dem falschen Dampfer bist.

    Was soll ich sagen zum obrigen Text? Wow, Menschen haben im Namen Gottes, Böses getan. Welche Überraschung. Alle gewalttätigen Aktionisten unserer Vergangenheit waren immer überzeugt davon, das Sie die Weisheit für sich gepachtet haben. Klingelts jetzt bei Dir?

    Noch ein Hinweis: Schicksalsschläge-Tod-Erde-Leidensfähigkeit (Hallo!)
    Das sind exakt die Metaphern mit denen man die komplett bekloppten und falsch verdrahteten, religiösen Attentätern ihr Gehirn weich klopft.

    Du musst nicht verzeihen, alles was man Dir an Bösem und Fiesem antat, all dies muss Du nicht akzeptieren, nicht vergessen, nicht weglächeln.

    Was Du aber wohl musst; und da kommst du nicht dran vorbei, ist, den Feind zu sehn, klar zu erkennen. Der Feind der Dich in ein Gefängnis verbarrikadiert.
    Und dieser Feind steckt in deinem Herzen. Nirgendwoanders.

    Alles Liebe… Gute… Wahre… und Schöne.

  2. @Mike: Hast du wirklich den Eindruck, dass mein Artikel irgendwie finster ist? Ich selbst finde das eigentlich gar nicht. – Und was die Übergriffe und Hexenverfolgung angeht: Ich habe ja extra gesagt, dass das *nicht* der Grund für meine Abkehr ist. Das hat es alles gegeben, da ist die Religion von Menschen missbraucht worden, das ist völlig klar. Das ist kein Problem Gottes, sondern seines Bodenpersonals. Wie übrigens das Meiste. Gott als einzelnes Wesen ist für mich sowieso nur selten Thema. Religion ist das Thema, und ich betrachte mich nicht mehr der christlichen Religion zugehörig. Dabei geht es mir um persönliche Erfahrungen, aber ich würde nicht von persönlichem Leid sprechen. Ich kenne viele Menschen, die mehr Leid erfahren haben als ich. Ich betrachte meine Behinderung nicht als Leid, lediglich die Häufung der frühen Todesfälle in meiner Familie, und dass der Rest so auseinandergebrochen ist. Nur glaube ich eben, dass das, was die Menschen mit Gott verbinden, und nicht nur in dieser Religion, falsch ist, und dass die freundlicheren, ehrlicheren, warmherzigeren Menschen oft die sind, die Religion zumindest nicht in den Vordergrund stellen. Und dass gerade die christliche Religin stark auf das Jenseits ausgerichtet ist, kannst du auch nicht bestreiten. Das ist einfach nicht mein Weg.

    Ja, der Feind ist ebenso in meinem Herzen wie der Freund. Es kommt eben nichts von außen, kein Teufel und kein Gott.

  3. Claudia sagt:

    Früher habe ich immer gedacht:
    Gott kann ja nichts dafür, dass die ganzen Kirchenleute immer stellvertretend für ihn reden und behaupten, sie wüssten, was er will oder nicht. Er hat sich nicht gewünscht, dass sie sich für die besseren Menschen halten, weil sie die Regeln aufstellen, nach denen die anderen Leben sollen.
    Heute denke ich, es ist wichtiger, richtiger und stimmiger für mich, an die Liebe zu glauben. An die Menschlichkeit, an die Fähigkeit der Menschen Mitleid zu empfinden und an die Möglichkeit, dass die Menschheit sich irgendwann daran erinnert, dass wir alle ein gemeinsamsames Ziel haben.
    Es klingt immer so naiv, wenn ich das sage. Aber ich empfinde das genauso so.

  4. @claudia: Ich kann dich verstehen. Ich denke ebenso, und auch unsere früheren Gedanken haben sich geähnelt. Ich habe Gott immer in Schutz genommen und gesagt: “Wenn der wüsste, was sein Bodenpersonal hier macht.” – Aber irgendwann wurde mir klar, dass der allmächtige Gott es wissen und bewusst laufen lassen muss. Er hat uns ja unseren freien Willen gegeben, Chancen eröffnet und so weiter. Das passte für mich einfach nicht mehr.

  5. heinz h. gruninger sagt:

    Gott findet man nur in der Bibel. In den Religionen, die
    Kath. inklusive, findet man alles mögliche, nur nicht Gott.
    Religion macht müde,werwirrt etc,
    Die Bibel sagt das der Mensch unmöglich Gott finden kann sondern vielmehr Gott findet den Menschen.
    Durch das lesen der Bibel “spricht” Gott zu uns Menschen.
    Nehmen Sie sich doch etwas Zeit zum Bibel lesen

  6. Jan Vering sagt:

    Widerspruch! “Swing low” ist keinenswegs voller Todessehnsucht, sondern ein Lebenslied, wie es nur je eines gegeben hat. Schau Dir mal die Dokumentation “The Dreamer” über den zweifach Grammy-gekrönten Bassbariton Thomas Quasthoff an. Der singt “Swing Low” mit seinem contergan-minimierten Leib so blutvoll und lebendig, dass einem wahrlich das Herz im Leibe lacht.
    Es ist vielleicht einfach eine Frage der Definition – und meine sieht sicherlich anders aus als Deine, lieber Jens. Ich glaube, dass Leben grundsätzlich ewig ist, allerdings hier auf Erden hinter den “Käfigstangen” Zeit und Raum stattfindet. Wenn sich die Käfigtür einmal öffnet, dann geht es erst richtig los. Das ist keine Todessehnsucht, sondern Lebensfreude, ehrlich!
    Gegen die These, dass Leute, die an den Erlöser glauben, sich grundsätzlich aus der Weltverantwortung stehlen, möchte ich ein paar (von vielen) Namen setzen: Martin Luther King, Mutter Theresa, Albert Schweitzer, Gustav Heinemann, Dietrich Bonhoeffer…
    In einem Punkt aber will ich Dir ausdrücklich zustimmen: Ich fand die drei Popchorn-Abende unglaublich stark, inspirierend, belebend.

  7. @Heinz Gruninger: Ich habe die Bibel schon oft gelesen, und ich betrachte sie als ein Buch, aus dem man viel lernen kann, aber nicht mehr.

    @Jan Fering: Erst einmal bin ich sehr angenehm überrascht, dass ausgerechnet du auf meinen Artikel reagierst. Meine Liebste hatte schon von dir vorgeschwärmt, und dein Gesang hat mich sehr beeindruckt.

    Ja, unsere Definitionen von Leben sind anders. Du betrachtest das Wahre Leben als das nach dem Tode, ich als das vor dem Tode. Drum geht für dich das Leben mit dem irdischen Tod auch erst richtig los, darum also Todessehnsucht. Für dich ist der Tod das Leben, also ist “Swing low” auch ein Lied voller Lebensfreude.

    Ich habe nicht gesagt und wollte nicht sagen, dass sich alle gläubigen Menschen aus der Weltverantwortung stehlen. Nur wenn im Alltag gläubige Menschen etwas für den Nächsten hinter der Ecke tun, dann betonen sie oft immer wieder, dass sie es für Gott tun. Meine persönliche Erfahrung ist, dass dahinter oft ein Bekehrungsdruck und eine gewisse Überlegenheit steht: Man ist ja schließlich im Auftrag des Herrn unterwegs.

    Ich würde aber gern dieses Gespräch fortsetzen, weil ich es schon sehr bereichernd finde.

    Ach so: Und was “Swing low” angeht: Wenn man sich den Text anhört, dann ist da schon eine Menge Sehnsucht nach der Heimat nach dem Tode, finde ich.

    Sehr herzlichen Dank für deinen Kommentar.

  8. Jan Vering sagt:

    Lieber Jens, nur um es noch einmal zu betonen: Ich finde nicht, dass das wahre Leben erst nach dem Tod stattfindet – ich glaube, dass unsere Spezies vor, während des und nach dem Tod lebendig ist. Der Tod ist keineswegs ein Alternativbegriff zum Leben (auch wenn das in unserer Gesellschaft permanent behauptet wird – was es aber nicht wahrer macht), sondern lediglich die Grenze zwischen zwei unterschiedlichen “Aggregatszuständen” des Lebens.

    Nicht dass Du glaubst, ich wäre mir all dieser Dinge so wahnsinnig sicher. Ich kannte einen guten Mann, der starb mit dem Satz “Jetzt bin ich ja mal neugierig” auf den Lippen (ich war dabei). Fand ich stark, das entspricht ziemlich genau meiner Haltung.
    Ich hänge noch mal eine kleine Geschichte dran, die ich vor einigen Wochen entdeckt habe:

    Gibt es ein Leben nach der Geburt?

    Ein ungeborenes Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch seiner Mutter. „Sag mal, glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?“, fragt der eine Zwilling. „Ja, auf jeden Fall! Hier drinnen wachsen wir und werden stark für das, was draußen kommen wird“, antwortet der andere Zwilling.
    „Ich glaube, das ist Blödsinn!“, sagt der erste. „Es kann kein Leben nach der Geburt geben – wie sollte das denn bitteschön aussehen?“ „So ganz genau weiß ich das auch nicht. Aber es wird sicher viel heller als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen?“ „So einen Unsinn habe ich ja noch nie gehört! Mit dem Mund essen, was für eine verrückte Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Und wie willst du herumlaufen? Dafür ist die Nabelschnur viel zu kurz.“ „Doch, es geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders.“ „Du spinnst! Es ist noch nie einer zurückgekommen von ‚nach der Geburt’. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Punktum.“ „Ich gebe ja zu, dass keiner weiß, wie das Leben nach der Geburt aussehen wird. Aber ich weiß, dass wir dann unsere Mutter sehen werden und sie wird für uns sorgen.“ „Mutter??? Du glaubst doch wohl nicht an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?“ „Na hier – überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein!“ „Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht.“ „Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsre Welt streichelt.“
    (nach Henry Nouwen)

    Mit freundlichen Grüßen

    Jan Vering
    _____________________________________

    Theater Siegen
    Markt 2
    57072 Siegen

    Tel.: 02 71 / 404-14 90
    Fax: 02 71 / 404-27 42
    Mobil: 01 51 / 14 47 80 08
    vering@apollosiegen.de

  9. Jöran sagt:

    Lieber Jens,
    Ich selbst bin nur ein einfacher Christ und habe kein Theologie studiert und kann daher keine logischen oder sonstwie zu stande kommende Erklärungen abgeben.
    Aber vielleicht habe ich eine kleine Antwort für dich, die dich vielleicht nochmal umdenken lässt oder neue Horizonte eröffnet.
    Meine Lieblingsstelle in der Bibel ist Markus 12, Verse 28-34
    In Kurzform: Ein Mann kam zu Jesus und fragte: “Meister, was ist das wichtigste Gebot?”
    Jesus antwortete: “Du sollst den Herrn, deinen Gott, von ganzer Seele, von ganzem Herzen, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft lieben. Das zweite ist ebenso wichtig: Liebe deinen nächsten wie dich selbst.”

    Ich kann es jetzt nicht alles erklären, aber folgendes.
    Erstens:
    Du brauchst von allen Gesetzen, bestimmungen und ordnungen nur diese beiden einhalten. Danach sollten sich meiner Meinung auch die christlichen internate etc. richten. Mehr verlangt Gott gar nicht.
    Zweitens:
    Die Leute, die anderen helfen, nur weil sie Gott damit dienen, haben es auch nicht ganz begriffen. Denn es heißt ja “liebe deinen nächsten wie dich selbst” und nicht “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, weil du damit Gott einen Gefallen tust.” Es geht einernseits darum Gott zu dienen, aber andererseits auf gleicher Eben den Menschen zu dienen, indem man eben ihn liebt wie sich selbst.
    Drittens:
    Vers 34: Als Jesus sah, welche Einsicht dieser Mann besaß, sagte er zu ihm: Du bist nicht weit vom Reich Gottes entfernt.” Mit “Bald” ist nicht der Zeitpunkt des Eintritts des Todes gemeint, sondern aus meiner Sicht, der Zeitpunkt, wo du die Liebe Gottes in deinem Herzen spürst. Ich weiß das klingt sehr naiv, aber es ist ein Gefühlszustand absoluter und vollkommener Glückseligkeit und alles andere um dich herum ist absolut egal. Das klingt zwar ziemlich nach Delirium oder wenn man auf Drogen ist, aber man ist geistig präsent und hat sich unter Kontrolle.
    Viertens: Du hast zwar Recht mit der Aussage, dass Gott einen findet, aber es steht ja auch in der Bibel. “Wer da suchet, der wird finden und wer da anklopft, dem wird aufgetan”. Also man kann auch selbst zu Gott finden.
    Fünftens: Bei der Gospelmusik geht es bei mir eher in erster Linie um die Emotionen und die unbeschreibliche Liebe zu Gott. Natürlich sind da Texte unpassend, die die Sklaven auf den Baumwollfeldern gesungen haben. Aber da kann ich dir nur den “Oslo Gospel Choir” empfehlen. Musst du mal bei youtube ein bischen suchen. Die schreiben auch eigene, neue Lieder mit eben aktuellen oder auf das eigene Leben bezogenen texten.

    Ich weiß es ist ein bischen lang geworden, aber ich hoffe ich konnte dir helfen. :=)

    LG Jöran

  10. @Jöran, Danke für deine Zeilen.

    Schade, dass alle, die mir hier schreiben, mit Ausnahme von Claudia und Jan Fering ausgerechnet, mir unbedingt helfen wollen. Das Interessante ist doch, dass ich weder bitter, noch verzweifelt bin. Im Gegenteil: Ich habe einige Dinge hinnehmen müssen und irgendwann erkannt, dass ich mein Leben selbst in die Hand nehmen muss. Und seit ich das tue, geht es mir gut. – So einfach ist das.

    Trotzdem berührt mich deine Geschichte, Jöran, weil – wie ich schon mal sagte – ich die Bibel gern lese und für ein gutes Buch halte in philosophischer Hinsicht. Man lernt viel dabei. Aber ich kann keinen Gott lieben wie mich selbst, der so undifferenziert und gleichgültig alles geschehen lässt, was passiert, auch und gerade in seinem Namen. Warum sollte ich das tun? Menschen, die ich kenne, die keinen göttlichen auftrag haben, die sind natürlich, warmherzig, freundlich. Menschen, hinter denen ein christliches Verhalten steht, sind es nicht. Ich helfe aus Menschlichkeit heraus, weil ich auch anderen Menschen ihr Leben besser machen möchte, wenn ich dazu in der Lage bin. Ich habe Gott nicht nötig, dessentwegen so viel Leid entsteht, und der Menschen ihr Schicksal ertragen lässt. Und um es noch einmal zu sagen: Dies ändert nichts daran, dass ich viele der Gedanken, die durch das Christentum aber auch andere Religionen entstanden sind, sehr interessant und wertvoll finde.

  11. Peter sagt:

    Hallo Jens,

    In vielem geht es mir wie Dir. Ich bin mir des christlichen Glaubens auch nicht mehr sicher, einfach weil er m. Erachtens nicht erfahrbar ist.
    Was die Gospellieder angeht muß man allerdings fairerweise sagen, daß M.L.King ein Christ war und daß die Schwarzen aufgrund seiner Führerschaft sich eben nicht mit dem Status Quo der Unterdrückung zufrieden gegeben haben. Das Lied “We shall overcome… haben Sie fürs Diesseits gesungen und interpretiert.” Und zudem, wenn eine Botschaft Kraft vermittelt gegenwärtiges Leid zu tragen ist das nicht das Schlechteste. Leid tritt doch immer wieder in unser Leben und wir haben nicht immer die Möglichkeit es zu verändern – nach einer langen Phase des Protestes muß man es u. Umständen ins Leben integrieren ( z.B. Tod eines Partners, Kindes..), damit man überhaupt weiterleben kann.
    Es gibt so viele offene Fragen. Wer an keinen Gott glaubt, glaubt daß die Weltgeschichte Weltgericht ist. Ich will das eigentlich nicht glauben, aber vielleicht ist es ja so. Du hast soviele treffende Argumente gegen den Glauben gebracht, daß ich ein wenig die andere Seite beleuchten will.
    Unser Verstand bleibt ein unzureichendes Instrument:
    - wir nehmen nur drei Dimensionen wahr, aber es gibt in Wirklichkeit wesentlich mehr (erwiesenermaßen).
    - wir halten die vergehende Zeit für einen objektiven Tatbestand, aber sie ist nur relativ
    - wir sehen überall Farben, aber Farben existieren objektiv nicht
    wer die Existenz eines Gottes an seinem Verstand festmacht, wird zwangsläufig zum Atheisten.
    Es kommt auf die Erfahrung an. Ist er erfahrbar ja oder nein? Ich habe ihn nicht erfahren, trotzdem liebe ich es, wenn Menschen von so einer Erfahrung berichten (vorausgesetzt sie erscheint mir authentisch).
    Bonhoeffer hat einmal gesagt, nur wer gehorsam ist, kann glauben. Vielleicht liegts ja daran. Vielleicht müssen wir erst einmal eine Zeitlang so leben als ob es Gott gäbe, damit wir erfahren, daß es ihn gibt.
    Manchmal bin ich Atheist, manchmal bin ich Christ, so wirds wohl noch ne Weile bleiben.

    Herzliche Grüße

    Peter

  12. Günter Otto von Deyen sagt:

    Hallo, ((lieber), ob du lieb bist weiß ich zwar nicht, aber höflichkeitshalber lasse ich ich’s stehn)) Jens Bertram. Ich hoffe dich erreichen diese Zeilen, denn wie ich sehe sind deine Äußerungen bereits sehr alt. Dennoch möchte ich einen Gedanken beisteuern, weil ich vermute, daß auch du als Atheist nichts gegen die Liebe hast. Liebe ist, wie du sicherlich weißt, ein Willensentscheid. Nur die Liebe für die sich ein Mensch entscheidet ist tragfähig. (Erich Fromm) In deinem privaten Bereich handelst du bestimmt nicht anders; es wird Menschen in deiner Nähe geben die du wider jeder Vernunft liebst, weil du dich dafür entschieden hast. Anders kommst du gedanklich auch nicht an Gott heran. Man muß sich dazu durchringen >Gott mit SEINEN Fehlern zu lieben.

  13. Markus sagt:

    Hi!
    Nur eine kurze historische Anmerkung. Die schärfsten Kritiker der neuzeitlichen Sklaverei waren fundamentalistische Evanglikale wie Wiliam Wilberforce, die entscheidend dazu beigetragen haben das in England und seinen Kolonien die Sklaverei abgeschafft wurde.
    Aus dem gleichen Holz ist Wiliam Booth geschnitzt, mit der Heilsarmee, im Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen.

  14. Ich bin sehr überrascht, dass immer noch Antworten auf mein Manifest eingehen.

    @Peter: Den langen Zweifel kann ich nachvollziehen, und mir ging es lange so wie dir. Zwar glaube ich nicht, dass die Weltgeschichte Weltgericht ist, bin aber trotzdem keinem Glauben mehr anhängig.

    Alle habt ihr von bedeutenden Christen gesprochen: Bonnhoefer, King usw. Es waren alles mutige Menschen, denen ihr Gott Kraft gegeben hat. Sie verdienen unseren Respekt, unsere Hochachtung, sie können ein Vorbild sein. Aber es hat auch nichtchristliche Widerstandskämpfer gegeben, oder zumindest Menschen, die ihren Widerstand nicht mit dem Christentum begründet haben.

    Übrigens: Die Idee, erstt einmal eine Weile gehorsam gegenüber Gott zu leben, um dann möglicherweise zu erfahren, dass es ihn gibt, lehne ich strikt ab. Denn die Menschen haben das schon 2000 Jahre und länger getan. Genau unter dieser Prämisse haben sie das Leid auf sich genommen und Demütigungen und Ungerechtigkeiten hingenommen. Und jetzt spreche ich nicht von den Ausnahmeerscheinungen King und Andere, sondern von den Sklaven auf den Baumwollfeldern.

    Schade, dass das Gespräch mit Jan Vering nicht forgesetzt wurde.

  15. Manfred sagt:

    Ich war seelisch gestorben, wollte sterben. Ich wollte wissen was der Unterschied von Leben und Tod ist. Alle Werte, jeder Glaube, jedes Gebot habe ich gehasst, weil ich nicht einfach glauben wollte, weil man eben glaubt. Wer hat das Recht zu sagen: Du sollst nicht dies – oder jenes, tun, denken? Ich wollte nicht gehorchen, um des Gehorchens willens. Dafür reicht das Rückenmark. Verstand ist dafür nicht nötig. Ich wollte sein wie Saulus, bevor er Paulus wurde.

    Nun kenne ich den Unterschied. Ich war seelisch gestorben. Ich war – nichts-. Ein dunkeleres Erlebenis kann ich mir nicht vorstellen – und es hat mir meine Schuld vor Augen geführt. Auch die Schuldeinsicht – zu der ich keinen Zugang hatte, weil ich noch als schon Schuldiger seelisch unschuldig war.

    Ich um winselte um Gnade – und ich habe mit Jemanden im Internet gechattet, den ich persönlich nicht kennengelernt habe – die Sprache auf Gott. Das Wort Gott – ließ den schwarzen Brandfleck in meiner Seele weichen – und ein blühendes Feld frischer Blumen wie im Frühling erfrischte meine Seele. Was zeigt oder beweist das ?

    Ich bin sehr vorsichtig mit schnellen Bekenntnissen geworden, weil Irrtümer und Fehler so schnell geschehen können. Ich habe Angst vor der Idee, daß ich Jemanden für oder gegen etwas beeinfluße von dem ich bei besserer Einsicht mir eingestehen muß, daß ich geschadet habe, auch wenn ich nicht schaden wollte.

    Meine Großmutter – hatte ein kleines Schildchen an einer Wand hängen. Darauf stand: Gott ist Liebe. In dem Moment als meine Seele wieder lebendig wurde, war ich sicher, das es den christlichen Gott wirklich gibt.

    Mein Problem ist, das ich mit diesem Erlebnis ratlos und seit Jahren alleine bin – ohne Groll, ohne Verbitterung, ohne Gram – aber alleine, verunsichert. Trost finde ich jedoch in einem Gedanken, daß Gott viel größer ist, als wir Menschen uns das vorstellen können -und manchmal möchte hinzufügen, als Christen sich vorstellen können, was keinen Christen beleidigen und in seinem Glauben herabsetzen soll.

    Ich bin nicht im Besitz eines Standpunktes aus dem ich irgendein Recht oder eine Erkenntnis ableiten kann oder glaube ableiten zu dürfen, wonach irgendein Mensch, der einen anderen Menschen liebt von Gott verworfen ist oder von Gott nicht angenommen wird. Wenn es stimmt, daß Liebe den Tod besiegt – frage ich gelegentlich, ob das auch für mich gilt. Glaubt Gott an mich – frage ich manchmal.

    Manche Dinge in meinem Leben, die ich erlebt habe machen nur Sinn, wenn ich sie in einen Zusammenhang mit etwas stelle, was auf ein Leben nach dem Tod weist. Das begründet eine gewisse Zuversicht.

    Manfred

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