Adventskalender 4 – Die prosaische Weihnachtsgeschichte

Die folgende Geschichte habe ich anhand meines Wissens über die Forschungen nach dem historischen Jesus geschrieben. Sie holt gewissermaßen Weihnachten in die Welt.

Bis jetzt hatte er sich nur selbst versorgen müssen. Bis jetzt hatte er immer genug Arbeit gefunden, um sein Auskommen zu haben. Aber wenn er wirklich eine Familie gründete, würde dies anders werden. Natürlich: Myriam war ihm schon länger versprochen. Aber normalerweise hätte er noch ein oder 2 Jahre warten können, um sich einzurichten. In Nazareth hatte er nicht genug Arbeit, um eine Familie durchzubringen. Also würde er nach Sepphoris gehen müssen, jeden Tag ein langer Marsch hin und auch wieder zurück. Aber es half nichts, er musste es jetzt beginnen, wenn er nicht zulassen wollte, dass man seine künftige Frau der Unzucht beschuldigte und Schande über sie brachte. Myriam war ein gutes Mädchen, das wusste Jossip, und er schätzte sich glücklich, sie zur Frau zu nehmen. Aber als er erfahren hatte, dass sie schwanger war, hatte er sie eigentlich heimlich verlassen wollen, allerdings ohne sie anzuzeigen. Sie hätte die Steinigung erdulden müssen, und das Kind wäre nie geboren worden. Aber Myriam hatte ihn um Hilfe und Gnade gebeten, und es war ihm unmöglich geworden, ihr den Rücken zu kehren.

Es begab sich aber zu der Zeit, im zwanzigsten Jahr der Führerschaft des Prinzeps Octavianus Gajus Julius Caesar, den man auch Augustus, den Erhabenen, nannte, dass der junge römische Soldat Tiberius Julius Abdes Panthera in der Provinz Syria stationiert wurde. Er war ein lebenslustiger junger Mann, und sein Zug lagerte in der Nähe eines kleinen, beschaulichen Dorfes namens Nazareth. Eines Tages, als der Junge Panthera auf Patruille ging, traf er auf den Weiden eine junge Frau. Sie konnten sich nur mit Händen und Füßen verständigen, obwohl Panthera schon ein paar Brocken der üblichen Sprache dieser Provinz aufgenommen hatte. Dieses junge Mädchen gefiel ihm, und so wohnte er ihr einige Male bei. Dann wurde seine Cohorte zurück ins römische Stammland und dann nach Germanien versetzt. Es war undenkbar, dass er Myriam aus Syria mit sich nahm. Außerdem war sie einem Anderen versprochen, wie er von ihr erfahren hatte. Also gingen beide ihrer Wege.

Als Myriam erfuhr, dass sie schwanger war, bekam sie es mit der Angst zu tun. Sie hätte noch Jungfrau sein müssen, sie hatte Schande über sich und ihre Familie gebracht. Was sollte sie nun tun? Verzweiflung bemächtigte sich ihrer. Ihre einzige Möglichkeit war, auf die Gnade ihres Ehemannes zu hoffen. Jossip war ein guter Mann, sie mochten einander, und er war ein fleißiger Handwerker und ein ruhiger Mensch. Trotzdem hatte sie Angst, dass er in Zorn geraten könnte. Warum hatte sie auch dem Werben des Fremdlings nachgegeben? Warum hatte sie nicht zumindest versucht, sich ihm zu entziehen? Doch alles Klagen half nichts. Sie musste mit Jossip reden und ihn um Hilfe anflehen.

Ja und das tat sie dann auch. Und so wurde, ungefähr zur Zeit des Laubhüttenfestes, ihr erstes Kind Jeshua geboren, und Jossip nahm es an wie den eigenen Sohn.

Erst rund 13 Jahre später wurde Quirinius Landpfleger in Syrien und veranlasste die erste Steuerschätzung der Provinz. Dort werden sich auch Josef und Maria aus dem Hause und Geschlecht Davids aufgemacht haben in die Stadt Bethlehem. Vielleicht sind sie durch Jerusalem gezogen, wo ihr 13jähriger Sohn die Schriftgelehrten des Tempels besuchte, von ihnen das Lesen lernte und fortan sich in der heiligen Schrift übte.

Der Soldat Panthera, so behaupten jüdische und ägyptische Quellen aus dem 2. Jahrhundert, verließ Judäa, nachdem er Maria geschwängert hatte. Diese Quellen behaupten weiterhin, Jesus habe die Geschichte der unbefleckten Empfängnis und der Geistzeugung erfunden, um seine Unehelichkeit zu vertuschen, und zwar spätestens, als er öffentlich zu wirken begann, im vierzehnten Jahr der Regierrung des Kaisers Tiberius, also um das Jahr 28. Ob jener Tiberius Julius Abdes Panthera, dessen Grabstein aus dem Jahre 40 N. Chr. im Jahre 1859 in Bingerbrück gefunden wurde, mit dem Panthera aus den jüdisch-ägyptischen Quellen identisch ist, kann nicht mehr bewiesen werden.

Ziemlich sicher ist, dass die Geburt Jesu in Bethlehem, der Kindermord, die Heiligen drei aus dem Morgenlande und der Stern Legende sind. Der Messias, so hatten die Propheten schon vor 800 Jahren geweissagt, müsse in Bethlehem geboren werden. Als Jesus von seinen Nachfolgern zum Messias erklärt wurde, wurde auch die Geburtsgeschichte in Umlauf gebracht. Wer damals in Gottes Auftrag eine Mission zu erfüllen hatte, brauchte in den prophetischen Geschichten immer einen starken und grausamen Gegenspieler. So war der Pharao der Gegenspieler Mose, Goliath der Gegenspieler Davids, und Herodes war der Gegenspieler Jesu. Die Jungfrauengeburt entstand offenbar ohnehin aus einem Übersetzungsfehler, denn es war nur von der „jungen Frau“ die Rede, und in den Stammbaumlisten wurde auch ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass Josef zumindest der Adoptivvater Jesu sei. Dass er aber ansonsten nur als „Sohn der Maria“ bezeichnet wurde, brachte die Vermutung der unehelichen Geburt auf, weil man damals so die unehelichen Kinder bezeichnete.

Wie es auch immer gewesen sein mag: Das Fest der Geburt Jesu symbolisiert heutte die Hoffnung der ganzen Welt auf Frieden, wie es schon in dem alten Bibelvers heißt: „Ehre sei Gott in der Höhe, und Frieden auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen.“

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Über Jens Bertrams

Jahrgang 1969, Journalist bei www.ohrfunk.de, Fan der Niederlande und der SF-Serie Perry Rhodan.
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