Leve de Koning – Amtseinführung von König Willem-Alexander in den Niederlanden

Heute wird der neue König in den Niederlanden in sein Amt eingeführt. Königin Beatrix tritt nach 33 Jahren ab, das Wa(h)renhaus folgt dieser Entwicklung mit persönlichen Beobachtungen und Hintergrundinformationen. Dieser Artikel wird über Tag ständig aktualisiert.

7:50 Uhr: Der Tag hat begonnen, in etwas mehr als einer Stunde beginnt die Fernsehausstrahlung der Feierlichkeiten in Amsterdam, übrigens auch in Deutschland. Obwohl wir in Deutschland keine Monarchie haben, wollen wir alles wissen über das, was heute in Amsterdam geschieht. Unsere Aufmerksamkeit richtet sich auf die künftige Königin Maxima, aber staatsrechtlich hat sie gar keine Funktion. Unser Blick auf die Niederlande wird durch Magazine über Adel, Unterhaltung und Glamour bestimmt.

Seit 19 Uhr gestern abend sendet der Haupt-Nachrichten-Radiosender des Landes live aus Amsterdam, und zwar durchgehend. Ich selbst hatte die Ehre, knapp 2 Minuten am Telefon zu sein während der Nacht. Um 20:30 Uhr verabschiedete sich die Königin mit ihrer letzten Ansprache. Die war zuvor aufgenommen worden, denn Königin Beatrix gab zu diesem Zeitpunkt ihr Abschiedsessen für die Familie, ausländische Prinzen und hohe Regierungsvertreter im Rijksmuseum, das sie vor ein paar Tagen erst wiedereröffnet hatte. Bei der Amtseinführung des niederländischen Königs sind traditionell keine regierenden Fürsten anwesend, sie schicken in der Regel ihre Thronfolger. Eine Ausnahme ist Fürst Albert von Monaco, der ein persönlicher Freund des neuen Königs ist.

Während ihrer Ansprache setzte sich Königin Beatrix für Zusammengehörigkeit im Land, auch mit den karibischen Teilen des Königreiches, ein. Außerdem erinnerte sie an ihren Mann Prinz Claus, der vor 10 Jahren verstarb. Ihn zu heiraten nannte sie die beste Entscheidung ihres Lebens, denn er habe ihr immer bedingungslos zur Seite gestanden. Das moderne Königtum bezeichnete sie als Diener der Demokratie, ein Symbol für Einheit und Kontinuität. Über die Ansprache spreche ich später noch mal, wenn mir der Text vorliegt. Ich sitze hier und höre im Hintergrund die Radiosendung, noch verläuft hier alles gemütlich.

 

08:30 Uhr: Ich berichte nicht von den Festivitäten in Amsterdam in diesem Blog, das ist mir zu viel, also von den Leuten, die auf dem Damm stehen, von den Bäckereien, die tollen Absatz haben, von den orange gekleideten Menschen, die hoffen, nachher bei der sogenannten Balkonszene einen Blick auff König und Königin werfen zu können. Ich berichte nur von dem, was nach meiner Ansicht wirklich wichtig ist, wie verläuft eine Thronsübergabe in der modernen konstitutionellen Monarchie. Über das Königtum sprach gestern auch Königin Beatrix: „in unserer konstitutionellen Monarchie mit der Verfassung als Grundlage verkörpert der König die Einheit, der sich wandelnden Gesellschaft dienend. … Im Alltagsleben kann der König zum Respekt für die Demokratie beitragen, für Zusammengehörigkeit und die Entfaltung aller Bevölkerungsgruppen Sorge tragen.“ Mir hat immer gefallen, dass sie ihre Aufgabe als Dienerin der Demokratie so ernst genommen hat. Kein Gottesgnadentum schimmerte da durch, nur das Bewusstsein, nicht von Parteien und Einzelinteressen abhängig zu sein.

Es wird voll in Amsterdam, das Marineschiff, dass die noch amtierende Königin in wenigen Minuten mit 101Salutschüssen begrüßen wird, ist bereit. Es ist die traditionelle Begrüßung in der Hauptstadt, die letzte offizielle Ehre für die alte Königin.

 

08:55 Uhr: Die ersten Militärs sind auf dem Damm, gleich beginnen die offiziellen Feierlichkeiten, und auch die Fernsehübertragung beginnt. Deutsche Polizisten sind auch auf dem Damm, ein tolles Zeichen für Versöhnung zwischen ehemals verfeindeten Ländern. Auf Twitter schreibt einer, als lebe man in den Niederlanden in einer Diktatur wie in Nordkorea. Unter diesem Blickwinkel betrachtet ist die Thronbesteigung ein pompöses Schauspiel. Seinen Tweets zu folgen ist sehr interessant, er zeigt, dass man die Feierlichkeiten aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten kann. Das ist übrigens bewusst so gemacht, nicht seine persönliche Meinung.

 

09:15 Uhr: Unglaublich, es ist unmöglich, aus Deutschland heraus den Fernsehlivestream aus den Niederlanden zu bekommen, auch nicht den youtube-Kanal, obwohl das gestern für Deutschland noch zugesagt wurde. Aber aus urheberrechtlichen Gründen geht es nicht. Und das bei historischen Ereignissen? Das kann doch nicht wahr sein. Ich muss die ARD nutzen, das ist schlecht, weil da immer in Deutsch gequatscht wird. Unglaublich. Und das, während bereits jetzt die Salutschüsse durch Amsterdam klingen.

Übrigens werden auch Republikaner auftreten auf dem Damm in Amsterdam. Insgesamt an 6 Stellen dürfen sie demonstrieren während des Tages. Hoffen wir mal, dass der heutige Tag nicht so heftig wird wie vor 33 Jahren, da hat sich die Hausbesetzerbewegung Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Die Republikaner beschweren sich über die Kosten für das Königshaus, aber das Argument zieht meiner Ansicht nach nicht: Ein Präsident kostet auch Geld.

 

09:30 Uhr: Die Ehrenwache ist angetreten, die letzte für die Königin. Sie ist bereits im Palast am Damm. Dort treffen inzwischen die Würdenträger ein. Das Kabinett, die Vorsitzenden der beiden Parlamentskammern, Familienmitglieder, der „Kommissar der Königin“ in der Provinz Nord-Holland, der Vizepräsident des Staatsrates, des Beratergremiums von König und Regierung, und der Direktor des Kabinetts der Königin, ihr persönliches Büro. Um 10 Uhr wird die Abdankungserklärung vorgelesen, dann unterzeichnet Königin Beatrix das Dokument. Damit ist sie zurückgetreten und Willem-Alexander tatsächlich Staatsoberhaupt. Er und seine Frau unterzeichnen ebenfalls, danach alle anderen Zeugen. Vor der Unterzeichnung wird Königin Beatrix noch einmal ein paar Worte sagen. Das ganze findet im Mozessaal des Palastes statt, der früher ein Ratssaal einer städtischen Bürgerversammlung war.

 

09:45 Uhr: Zur Abdankung erscheint übrigens der gesamte Reichsministerrat. Auch bevollmächtigte Minister von den karibischen Inseln sind anwesend, sie sind Mitglieder der Königreichsregierung, aber nicht des rein niederländischen Kabinetts. Eine komplizierte staatsrechtliche Konstruktion, aber die karibischen Reichsteile genießen große Autonomie inzwischen. Die Würdenträger versammeln sich im Moses-Saal. Gleich wird die Königin erscheinen, zusammen mit dem noch-Prinzen von Oranien und seiner Gemahlin.

 

09:50 Uhr: Gerade wird im Radio gefragt, warum Königin Beatrix eigentlich zurücktritt, sie ist doch noch fit. Die Antwort ist sehr interessant. Es liegt an der Amtsauffassung der Oranjes, sie sind keine Gottesgnadenkönige, die Monarchie ist entstanden aus einer Republik, wo die Oranjes Statthalter waren. Sie sind ein demokratisches Königshaus, und sie glauben an die Begrenztheit des Amtes. Außerdem ist Willem-Alexander schon recht alt.

 

09:58 Uhr: Im Moses-Saal ist man versammelt. Die Zeugen sind anwesend. Auf dem Damm wird gefeiert und gesungen. Es klingt wie in einem Fußballstadion. Über Bildschirme verfolgt man die Ereignisse.

 

10 Uhr: Trommelwirbel, Fußballstadionatmosphäre.

 

10:02 Uhr: Die Königin betritt den Saal und schüttelt Hände. Erst die Kammervorsitzenden, dann die Minister. Die Königin trägt Lila. Die Königin nimmt Platz.

 

10:05 Uhr: „Ich heiße sie alle bei dieser Zeremonie willkommen. Heute mache ich Platz für eine neue Generation, Willem-Alexander will die Verantwortung übernehmen.“ Nun die Akte des Rücktritts. „Heute, am 30. April 10 Uhr, habe ich, Beatrix, Königin der Niederlande in Anwesenheit meines ältesten Sohnes und seiner Frau die Zeugen zusammengerufen, um in ihrer Gegenwart mit öffentlicher Erklärung die Königswürde niederzulegen…“ Die Erklärung geht noch weiter, aber so schnell bin ich nicht mit Schreiben. Draußen ist es still geworden. Es sind noch wenige Sekunden.

 

10:07 Uhr: Der Kabinettsdirektor legt die Akte der Königin vor, sie unterschreibt jetzt. Jubel vom Damm, Trompeten. Jetzt unterzeichnet König Willem-Alexander. „Leve de Koning!“ Auch Königin Maxima unterzeichnet, die im Radio noch Prinzessin genannt wurde. Glocken läuten. Die Akte wird von allen unterzeichnet, gerade unterzeichnet der Ministerpräsident Mark Rutte.

 

10:15 Uhr: Für mich ist es ganz seltsam. Als kleines Kind kannte ich noch Königin Juliana, und als Beatrix Königin wurde, musste ich mich auch umgewöhnen. Ich erinnere mich noch, dass viele sagten, sie sei unnahbar, aber das hat sich sehr geändert. Willem-Alexander finde ich eher unnahbar. Ich werde mich mal dran gewöhnen, dass Beatrix nun wieder Prinzessin ist. Also Prinzessin Beatrix. Ich finde, sie hat viel für internationale Beziehungen, für Frieden, für Europa getan. Und sie hat sich immer für Zusammengehörigkeit und soziales Gleichgewicht eingesetzt. Gestern sagte man im Radio, sie würde vermutlich eine gute Parteiführerin von Grünlinks abgeben. Ob das stimmt weiß ich nicht, aber sie hat sich immer für Umweltschutz stark gemacht.

 

10:30 Uhr: Sie reden im Radio über die Kleider von Königin Maxima. Und sie stellen klar, dass König Willem-Alexander jetzt bereits staatliche Aufgaben wahrnehmen kann, denn die parlamentarische Amtseinführung ist nur eine zeremonielle Angelegenheit. Das Radio schaltet in Krankenhäuser und auf Plätze im ganzen Land und fragt Menschen, wie sie den Moment erlebten. Ich erlebte ihn schreibend, die Niederlande sind meine zweite Wahlheimat, aber es ist noch nicht so recht zu mir durchgedrungen. Je nachdem, wie König Willem-Alexander seine Rolle ausfüllt, werde ich die Königin Beatrix vermissen. Er ist einfach ein Geschäftsmann, ob er sich mehr mit Gesellschaftsfragen befassen wird, weiß ich nicht. Beatrix hat das immer getan, er hat schon gesagt, dass er bei Staatsbesuchen vor allem dem niederländischen Geschäftsleben im Ausland helfen wird. Aber ich finde, dass Gesellschaftsfragen gerade für einen König eine tolle Möglichkeit sind, Akzente zu setzen.

 

10:31 Uhr: Die Balkonszene. Prinzessin Beatrix sagt, sie habe die Regierung an ihren Sohn übertragen. Küsse zwischen Mutter und Sohn, dann ein Dank von Willem-Alexander. Jubel auf dem Damm. WillemAlexander dankt emotionell seiner Mutter. Beatrix hat Tränen in den Augen. Die Nationalhymne erklingt.

 

10:40 Uhr: Diese Szene ist eine alte Tradition. Nach der Nationalhymne verlässt Beatrix den Balkon und die Töchter des neuen Königspaares kommen hinaus. „Da stehst du dann“, so sagt man über den neuen König, nach der ersten Zeile des Königsliedes. Die Töchter sind also auch da, Prinzessin Amalia ist jetzt Thronfolgerin, obwohl sie gerade erst 9 ist. Die Menschen jubeln, es ist Festtagsstimmung, vor 33 Jahren haben sie teilweise gebuht. Beatrix, sagt man, ist eigentlich sehr spontan, aber sie begrenzt sich ständig selbst für das Amt. Mal sehen, wie das jetzt wird. Die Töchter genießen den Tag, gestern haben sie sogar schon auf dem Thronsessel gesessen. Und ich schreibe über solche Nebensächlichkeiten, einfach weil ich im Fluss bin. Es waren auch Republikaner auf dem Damm, aber es waren nur Einzelne, heißt es.

 

10:55 Uhr: Ein wenig Luft. Zwar wird weiter gefeiert, aber die offizielle parlamentarische Amtseinführung beginnt ungefähr um 13:15 Uhr oder 13:30 Uhr. Ich kann mich wieder den Tweets von @adewolff widmen. Er stelt sich vor, er wäre Berichterstatter der freien Presse in einem diktatorischen Land. Dann sind die Massen auf dem Damm plötzlich herbeigekarrte Anhänger des Regimes, die Republikaner werden zu demokratischen Aufständischen der weißen Bewegung, weil sie nur weiß tragen heute, im Gegensatz zum Orange der Königstreuen. Dann ist das Unterzeichnen der Rücktrittsakte nur Schau, während die Machtübergabe im Geheimen stattfindet. Auf dem Balkon stupste Beatrix ihren Sohn an, einmal zu winken. @adewolff machte daraus einen Befehl der alten Führerin an den neuen Führer, sich volksnah zu geben, was möglicherweise eigentlich gar nicht sein Interesse sei. Sehr interessant. Man soll eben nicht alles, was man im Fernsehen sieht und in Zeitungen liest, einfach so akzeptieren. Man kann vieles auch anders interpretieren, immer die Augen offen halten und hinterfragen.

 

11:20 Uhr: Jetzt geschehen doch ein paar Dinge, die ich nicht ganz verstehe. Eine Rauchbombe ist explodiert, man reagiert allerdings gelassen. Die Rauchbombe ist orange. Aber es scheint, als seien auch zwei Mitglieder der republikanischen Genossenschaft verhaftet worden, weil sie an einem Ort demonstrierten, wo das nicht erlaubt war. Das ist nicht so schön. Willem-Alexander hat selbst gesagt, dass Demonstrationen gegen die Monarchie demokratisch und in ordnung sind. Aber vielleicht hat man angenommen, dass die Leute vielleicht gefährliche Gegenstände bei sich hatten, es hat immerhin vor 4 Jahren schon mal einen Anschlag gegeben am 30. April.

 

11:35 Uhr: Während auf dem Damm immer noch gefeiert wird, sind tatsächlich zwei republikanische Aktivisten verhaftet worden. Während des Rücktritts bzw. der Balkonszene standen sie auf dem Damm beim Palast. Einer hatte ein Schild mit den Worten „Keine Monarchie, sondern Demokratie“ darauf, die Frau, eine bekannte Aktivistin aus Utrecht, hatte ein Schild mit den Worten: „Ich bin kein Untertan“. Beide wurden durch Polizisten abgeführt, die Polizei bestreitet bislang die Festnahme, aber Radiojournalisten haben es miterlebt. Die Radiokommentatoren finden es, genau wie ich, befremdlich, und Willem-Alexander ist offenbar derselben Meinung. Wenigstens das. Es trübt ein bisschen die Freude in den Niederlanden und macht die Tweets von @adewolff plötzlich irgendwie gruselig.

 

11:50 Uhr: Die Würdenträger kamen inzwischen aus dem Palast und werden zu einem Hotel gefahren, wo sie sich umziehen können. Zwar könnten sie in ihren Anzügen und Kleidern auch in die Kirche heute Mittag, aber offenbar sind diese Kleidungsstücke so unangenehm, dass sie sich zwischendrin was anderes anziehen müssen.

Es scheint, als ob die utrechtse Aktivistin Johanna wieder freigelassen wurde. Aber genau weiß man es noch nicht, es erschien aber jemand auf dem Fernsehschirm, und das könnte die Republikanerin gewesen sein. Offiziell hört man noch nichts.

 

12:05 Uhr: Endlich meldet sich die Polizei zu Wort, die beiden Republikaner sind wieder freigelassen, die Festnahme sei ein Fehler gewesen, sagt die Polizei, sie habe eine falsche Einschätzung getroffen. Ein Wort, das ich in letzter Zeit öfter gehört habe. Auch das nationale Festtagskomitee hat das gesagt, als man sich für die Probleme mit dem Königslied entschuldigte.

Die Verhaftungen geschehen zum Teil bestimmt auch, weil man Angst vor einem erneuten Anschlag hat, aber offenbar ist man tatsächlich nervös.

 

12:45 Uhr: Der Republikaner, der eben festgenommen wurde, berichtet darüber im Radio. „Wir wollen inhaltlich diskutieren über unsere Statsform, wir wollten doch nicht provozieren“, sagt er. „Das muss doch möglich sein, es war doch alles demokratisch und friedlich!“ Er ist sehr verärgert. Dies alles kann man ausführlich behandeln, weil offiziell derzeit nichts zu sehen ist. Die „nieuwe kerk“ öffnet erst in ungefähr einer halben Stunde. Gefeiert wird aber immer noch.

 

13:30 Uhr: Ich musste jetzt erst einmal eine Tasse Kaffee trinken. Ich nehme an, dass in der Zeit nicht viel passiert ist. Allerdings kommen die ersten schon an bei der nieuwe kerk. Dort wird in wenigen Minuten die gemeinsame Sitzung der Generalstaaten eröffnet. In dieser gemeinsamen Sitzung wird der neue König den Amtseid ablegen und die sogenannte Huldigung der Parlamentarier entgegennehmen, mit Ausnahme von 14 Mitgliedern, die sich weigern, den Eid auf den König zu schwören. Nicht nur die beiden Parlamentskammern legen den Eid ab, sondern auch die Bevollmächtigten der Parlamente der karibischen Inseln.

 

13:35 Uhr: „Ik willem niet“, ich will ihn nicht, steht auf einem T-Shirt in einer republikanischen Demonstration. Eigentlich hätte es „ik wil hem niet“ heißen müssen, aber zusammengezogen ergibt es praktisch den Namen des neuen Königs. In der Kirche hört man inzwischen Orgelmusik und Prinz Charles und seine Camilla sind eingetroffen.

 

13:45 Uhr: Aus den anderen Monarchien aus Europa kommen die Kronprinzen und Kronprinzessinnen, auch aus Japan, Oman, Jordanien und einigen arabischen Emiraten. Es ist nicht üblich, dass regierende Fürsten kommen, denn der neue König geht zuerst auf Staatsbesuch, dann kann er Staatsoberhäupter einladen.

Obwohl viele Adelige da sind, ist die Amtseinführung eine parlamentarische Zeremonie, die in der Verfassung festgelegt ist. Der Adel ist nur Gast des Parlaments. Es ist auch keine religiöse Zeremonie, man trifft sich nur in der Kirche, weil das 1814, als der erste König in sein Amt eingeführt wurde, der größte Versammlungsraum war. Schwert, Zepter, Reichsapfel und Krone sind zwar dabei, aber sie liegen nur auf dem Kredenztisch herum, sie sind praktisch nur anwesend. Grundgesetz und Statut des Königreiches werden für die Eidesleistung genutzt.

 

13:46 Uhr: Die Sitzung wird eröffnet. Die Abwesenden Abgeordneten werden genannt. Der Ministerpräsident teilt per Brief mit, dass Willem-Alexander König geworden ist. Eine Kommission wird ernannt, die den König und die Königin an der Tür zur Kirche empfängt.

 

13:50 Uhr: Die königliche Familie ist eingetroffen. Es wird ein Lied gespielt, das vor 33 Jahren für den Einzug von Prinzessin Beatrix geschrieben wurde.

 

13:55 Uhr: Prinzessin Beatrix kümmert sich in der Kirche um die drei kleinen Prinzessinnen. Man sieht sie gern als Oma im Radio.

 

13:58 Uhr: Wappenherolde und Wappenherren kommen aus dem Palast, dann kommt der König gleich. Es sind bekannte Niederländer, z. B. Wissenschaftler, der Raumfahrer André Kuipers, die Sportlerin Ankie van Grunsven. Sie führen dern Zug des Königs an. Nun kommen König und Königin und werden auf dem Damm bejubelt.

 

14 Uhr: Der König im hermelinen Königsmantel, der von 4 Leuten getragen werden muss hinter ihm. Sie nähern sich der Kirche. An der Tür werden sie durch die Empfangskommission begrüßt.

 

14:03 Uhr: Erst werden die Standarten hereingetragen, dann betritt das Königspaar die Kirche.

 

14:05 Uhr: Sie betreten die Kirche, dreimal wird geklopft, dann wird „Der König“ gerufen und das spezielle Lied „entrada della regina“ erklingt, das vor 33 Jahren für den Empfang von Beatrix geschrieben wurde.

 

14:07 Uhr: Die Kirchenorgel spielt die Nationalhymne. Sie erinnert an Wilhelm von Oranien, den Befreier von der Spanischen Herrschaft im 16. Jahrhundert. Seit der Zeit ist das Band zwischen Land und Haus Oranien unverbrüchlich. Über 1000 Menschen singen die Hymne, die Orgel hat einen schönen Klang.

 

14:10 Uhr: Der König beginnt seine Rede. Er verschreibt sich der Demokratie, er bittet um Vertrauen, das gegenseitig sein muss, damit Demokratie funktioniert. Dann dankt er Prinzessin Beatrix mit warmen Worten, es kommen standing ovations. Willem-Alexander will das Königtum auf eigene Weise ausfüllen, seinen eigenen Stil finden. Der König bekleidet sein Amt im Dienst für die Gemeinschaft, er hat eine dienende Rolle, sagt er. Der König beschwört die Zusammenarbeit, in Familien, Orten und Städten, im Land und als Bewohner der Erde. Mit unserer Offenheit und unserem kulturellen Reichtum haben wir der Welt viel zu bieten. Ich möchte die Menschen ermutigen, sagt Willem-Alexander. Jeder darf seine Stimme hören lassen im Königreich, wo immer die Wiege des Einzelnen auch stand.

Er bedankt sich bei Eltern und Ratgebern. Er tritt recht selbstbewusst auf. Er übernimmt dieses Amt mit Überzeugung. Auch Maxima ist bereit, zu helfen, sie ist Niederländerin geworden. Nun wird er den Eid ablegen. Viel inhaltliches habe ich nicht aufschreiben können, es ging zu schnell. „Ich schwöre den Völkern des Königreiches, dass ich Verfassung und Statut des Königreiches ausführen, dass ich das Staatsgebiet verteidigen, die Freiheit verteidigen werde mit allen Mitteln, die mir die Gesetze zur Verfügung stellen, wie es ein König seinem Volk schuldig ist, so wahr mir Gott helfe.“ So ungefähr sagt er.

 

14:25 Uhr: Der Vorsitzende der ersten Kammer und der gemeinsamen Sitzung, Fred de Graaf, sagt, man könne das, was ihn bewege, mit den Worten „Willkommen Majestät“ zusammenfassen. Aber das reiche nicht, man müsse den Eid ablegen. Auch er dankt Prinzessin Beatrix. Sie war die Zusammenführende Kraft in FReud und Leid der Nation und hat sich sehr viel Respekt erworben, sagt er. „Wir sehen Eurer Regierungsperiode mit Vertrauen entgegen“, sagt de Graaf zum König. Er wird vermutlich auch durch seine Ehefrau unterstützt und durch seine Töchter. Es wird gelacht, was machen die Kinder wohl? Jetzt liest de Graaf den Eid vor, den dann jeder mit den Worten „Das verspreche ich“ oder „so wahr mir Gott helfe“ bekräftigen muss. Sie schwören Treue an Verfassung und König im Sinne der Verfassung. Jetzt werden alle Mitglieder der beiden Kammern aufgerufen und sprechen die Bekräftigungsformel. 14 Leute wollen nicht, sie sitzen im hinteren Teil der Kirche. Währenddessen wird über die Rede des Königs im Radio mit Experten geredet, weil der König sogar bis ins Jahr 1581 zurückging, um seine Vision als Oranier zu bekräftigen. Er scheint noch traditionsbewusster als Mutter und Großmutter.

 

14:48 Uhr: Das Signal erklingt, der König ist in sein Amt eingeführt, es lebe der König. Dann noch einmal das Signal. Dann erklingt ein Lied mit einem Text von Herman van Veen, und wow, es ist zufällig die Melodie des Hochzeitsliedes von meiner Liebsten und mir. Was für eine schöne Überraschung. Das Lied wird durch einen Kinderchor gesungen. Das ist wohl das Ende der offiziellen Feier. Dann wird der König die Kirche mit seiner Familie wohl wieder verlassen. Schönes Lied, aber den Text kann ic nicht verstehen. Alle schauen auf die kleinen Prinzessinnen, die offenbar alles sehr genießen und die Menschen zum Lachen bringen.

 

14:55 Uhr: Zu einem Lied von Händel verlassen König und Königin die Kirche. Auch Verfassung und Statut des Königreiches nehmen sie mit zurück zum Palast. Sie bewachen diese absoluten Grundgesetze des Volkes symbolisch, das ist Aufgabe des Königs.

 

15:20 Uhr: Ich habe gerade beim Abzug der Leute aus der nieuwe Kerk in die ARD-Sendung hineingelauscht. Und ich muss sagen, sie haben das gut gemacht, besser als ich mit meinem Blog. Mit Rolf Seelmann-Eggebert hatten sie einen echten Experten. Es fiel auf, dass Fred de Graaff am Ende der Sitzung noch mitteilte, wer als erster hinausgehen sollte und wer bitte warten möge. Für mich hat das damit zu tun, dass das Königtum in den Niederlanden eine parlamentarische Angelegenheit ist, es klang wie Hinweise bei einer Parlamentssitzung, bei Wahlen und ähnlichem. In anderen Ländern geht man davon aus, dass alle immer wissen, was sie zu tun haben, in den Niederlanden gibt man ihnen freundliche Hinweise. Sehr schön.

 

15:25 Uhr: Prinzessin Beatrix scheint sich zu freuen, die Verantwortung los zu sein. Sie wirkt sehr entspannt und locker und zeigt viele Emotionen. Die hat sie während ihrer Amtszeit oft zurückgehalten, aber wer sie öfter hörte, konnte sie immer wieder erkennen. Einer der Gründe, warum ich sie mag, sie ist emotioneller, als der Spotttitel „Geschäftsführerin der Niederlande“ vermuten ließ.

 

15:30 Uhr: An 6 Stellen in der Stadt Amsterdam darf gegen die Monarchie demonstriert werden, an 5 Orten ist absolut niemand, sagt die Polizei. So viele Republikaner scheint es nicht zu geben. Und die niederländische Republik früher hatte auch als Statthalter fast immer die Oranier.

 

15:33 Uhr: In den nächsten zwei Stunden findet im Palast auf dem Damm ein Empfang für die Abgeordneten, Minister und Gäste statt. In dieser zeit werde ich mich nur selten melden. Ich hoffe, der Bericht hat Ihnen bis hierher gefallen.

 

Leve de Koning!

 

17:30 Uhr: Immer noch relative Ruhe im offiziellen Amsterdam. Noch empfängt der neue König Willem-Alexander seine Gäste, bevor er sich dann hoffentlich hübsch warm umzieht, weil es recht kalt werden wird, um dann auf der großen amsterdamer Wasserstraße, het Ij, eine Bootsfahrt zu machen. Kurz bevor diese Fahrt beginnt, so gegen 19:30 Uhr, wird man ihm von Rotterdam aus das Königslied singen, um das es so viel Aufhebens gegeben hat. Viele Menschen fanden es zu schmalzig, lobhudelig und nebenbei noch geklaut. Im Festgelände Ahoy in Rotterdam treten viele Künstler auf, soeben beginnt da das Konzert „samen voor Oranje“, gemeinsam für die Oranjes. Und von dort aus wird um 19:30 Uhr live das Königslied gesungen und auf großen Schirmen nach Amsterdam übertragen. Es ist geplant, dass so viele Landsleute wie möglich mitsingen. Mal sehen, ob das klappt. In vielerlei Hinsicht ist dieser Tag und vor allem der gestrige ein Tag der Superlative. Mehr als ein drittel aller Niederländer haben z. B. gestern die letzte Ansprache von Beatrix gesehen.

Jetzt aber beginnt das Konzert, und das Metropol Orkest spielt auf.

 

17:35 Uhr: Das Konzert beginnt mit viel Feuer, das Königslied wird geübt, und erstaunlich viele Menschen können es schon. 🙂 Bin mal gespannt, wie es live klingen wird. Und vermutlich wird es durch die Nachrichten um 6 und 7 Uhr unterbrochen, was auch immer schade ist. Das Konzert wurde mit Edsilia Rombley eröffnet, und es erinnert mich an frühere Konzerte, die ich vor 25 Jahren im niederländischen Radio hörte, die loss-fast-kuip-Spektakel. Toll, mal wieder so eine Liveveranstaltung zu hören.

 

18 Uhr: Also für mich sind die Höhepunkte des Tages die Abdankung der Königin, jetzt Prinzessin, Beatrix, dieses Konzert aus Ahoy, und natürlich unser Hochzeitslied in der nieuwe Kerk. Und jetzt singt Anita Maijer, das Konzert ist klasse.

 

18:10 Uhr: Bei mir steigen richtig nostalgische Gefühle an diese Lossfast-Konzerte auf. Im Juli 1986 und im Juli 1987 habe ich sie verfolgen können. 1986 war Peter Koelewijn der Hauptact, der das Konzert auch abschloss mit allen Künstlern zusammen mit „Bohemian Rhapsody“. Damals waren auch Frizle Sizle und BZN dabei, und het goede doel und solche Gruppen. 1987 waren Lee Towers und Anita Maijer die Haupt-Acts, und sie haben am Schluss zusammen eine tolle Fassung von Dixie gesungen. Und es waren z. B. Labi Sifre und mixed emotions dabei, was das aktuelle Projekt von Drafi Deutscher war. Es war eine tolle Zeit, ich war noch jung und hörte begeistert zu. Und Jan Ridman moderierte sehr gut. Toll. Dieses Konzert hier ist sehr ähnlich von der Stimmung her.

 

18:30 Uhr: Im Augenblick habe ich alles andere vergessen und schwärme nur noch von dem Konzert, das ich hier gerade höre, und das gerade in Ahoy stattfindet. „samen voor Oranje“. Ich fühle mich wieder jung, wie ich schon sagte, mache gerade eine unglaubliche Nostalgiereise durch, gerade klingt ein Lied von „René Froger“ durch den Raum, das ich auch schon Ewigkeiten kenne. Wunderschön, in meine Vergangenheit zurückversetzt zu werden, die ich in den Niederlanden erleben durfte. Es ist gerade eine echte Ruheoase im Hasten der letzten zwei Tage. Währenddessen geht im Palast am Damm der Empfang zu Ende. Man wird sich wohl bald aufmachen, um die Königsfahrt mit vielen alten und historischen Schiffen anzutreten. Aber ich werde vermutlich im Ahoy bleiben, zumindest bis 20 Uhr.

 

19:25 Uhr: Sie haben erstmals das gesamte Königslied geübt auf dem Konzert in Ahoy. Es klang noch nicht so überzeugend wie ich dachte, aber das kommt vielleicht noch. Denn sie singen es noch einmal, um es aufzunehmen und können es dabei üben. Und dann kommt die königliche Familie, und sie singen es dann echt. Aber noch üben sie! Die zweite Gesamtprobe beginnt.

 

19:50 Uhr: Die Aufnahme des Konzertes, die ich machte, brach direkt vor dem Königslied ab. So kann es kommen. Es war ein erhebender Moment. Und es war der Schluss dieses tollen Konzertes.

 

20:10 Uhr: Die Fahrt auf dem Ij läuft, dort gibt es Sporteinlagen, sie kommen an Museen vorbei, es ist eine kleine Rundfahrt, die in der Nähe des Museums endet. Dann wird einfach nur noch gefeiert. Der Tag geht langsam zu Ende. Auch ich werde mich bald verabschieden, denn für den Ohrfunk werde ich noch einen Beitrag für die Zeitzone von morgen machen. Ein beeindruckender, langer Tag liegt hinter uns, für mich auch eine teilweise durchgemachte Nacht, ich habe bereits gestern die Ereignisse verfolgt. Ein würdiger Amtswechsel. Leider habe ich kaum Zeit, die Rede des Königs in der nieuwe Kerk richtig auseinander zu nehmen. Aber vielleicht mache ich das in den nächsten Wochen noch. Für jetzt verabschiede ich mich von den Leserinnen und Lesern. Ich hoffe, ich konnte Ihnen und euch den Tag in den Niederlanden etwas näher bringen.

Über Jens Bertrams

Jahrgang 1969, Journalist bei www.ohrfunk.de, Fan der Niederlande und der SF-Serie Perry Rhodan.
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